In mondheller nacht
Überm ausfahrenden schiff
Segelt die Möwe
Lars Steger
In mondheller nacht
Überm ausfahrenden schiff
Segelt die Möwe
Lars Steger
*
*
zwei mädchen warteten auf den steuermann
der aber wußte nicht, daß er steuern kann
ein andrer kam und bot sich an
sie schickten ihn fort, den falschen mann
die mädchen warteten, froren und summten
das lied vom steuermann dem lumpen
der steuermann betrank sich
der andre mann erhang sich
die mädchen gingen langsam heim:
der morgige tag würde schöner sein
*
*
*
*
(Veröffentlicht in : “Zwischen den Zeiten 1990-2000″ (Anth.); hrsg. von Eitel Kunst e.V., Peter-Segler-Verlag, 2003, 2. Aufl., ISBN 978-3-931445-07-2)
*
*
*
*
wenige flocken noch
auf dem raureif hinterm haus
drüber lugt das licht
*
*
*
*
so strahlend das licht
zwischen der schwarzkreide
Zilles – die leere
Nun wird das neue „Gedankenwasser“ (kurz GeWa) von Gerhard und Lars für uns fertig gestellt. Vielen Dank an alle, die mit ihren Texten, Fotos oder anderen Beiträgen immer wieder zum Gelingen unseres Vereinsheftes beitragen!
Wer diesmal den Redaktionsschluss knapp verpasst hat und gern ein Feedback zu neuen Texten hören möchte, bringt bitte die neuen „Werke“ zu unserem Frühjahrsseminar: 19.4.-21.4. im Atelier Nottekunst Zossen-Waldstadt , die auch als Bücher- & Bunkerstadt bekannt geworden ist, mit. Wir freuen uns schon darauf.
*
*
*
*
selbst der himmel weiß
raureif bis zum horizont
und klar ton für ton
Dichten ist ein Einsames und häufig nach innen gerichtetes Unterfangen. Nicht jeder, der es ernsthaft und regelmäßig betreibt, ohne damit Brötchen, Bananen und Kaffee zu verdienen, mag sich unter die scheinbar Extrovertierten mischen. Die mit ihren brühwarmen Reimereien lautstark auf die Kaffeehaus-Lesebühnen drängen. Mancher möchte Meinungen zu seinen „sich auf dem Wege befindenden“ Texten hören, ohne gleich vor große Säle oder an Verlage herantreten zu müssen. In erster Linie an diese stilleren Schreiber wendet sich der „Eitel Kunst e.V. – eine Sammlung unDichter“.
In ihm haben sich im Sommer 1990 Gleichgesinnte zusammengefunden, die sich mindestens zweimal im Jahr zu einem mehrtägigen Seminar treffen und darüber hinaus persönlich oder über die Zeitschrift „gEDANKENwASSER“ Kontakt zueinander halten.
Die Gründungsmitglieder des EKeV kannten sich aus längst abgewickelten ostdeutschen Jugend-Zirkeln und Poetenseminaren. Mittlerweile sind sie und die hinzugekommenen unDichter unterschiedlichsten Alters und Berufs über viele Bundesländer verstreut.
Mit der Anerkennung als gemeinnütziger Verein und dem Hinzukommen neuer Mitglieder wurde die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt. Mehrere kleinere Anthologien und Programme entstanden. Lesungen, eine regelmäßige Literatur-Werkstatt, seit neuestem ein Schüler-Zirkel werden organisiert.
Ohne dass dabei das Typische des gemeinsamen Tuns verloren geht. Denn eine Ursache dafür, dass die „Eitlen Künstler“ trotz manchmal schwieriger organisatorischer Voraussetzungen einen so langen Atem bewiesen, ist die wahrscheinlich einmalige Diskussions-Athmosphäre: Objekt der kritischen Auseinandersetzung ist nur der konkrete Text, nie sein Schreiber als Person. Verbunden damit ist das Bemühen der Gesprächsteilnehmer, auf die unterschiedlichen Ansprüche an das Schreiben einzugehen. Diskussionsrunden, die den Anfänge Suchenden wie auch den beruflich mit Literatur Befassten ernst nehmen. Und Zeit für seinen Text. Zeichen solch offenen und vertrauensvollen Umgangs miteinander sind die Momente, in denen so mancher, der eigentlich selbst nichts vorstellen wollte, dann doch seine Texte aus der Tasche zog und „in die Runde warf“.
Eine Auswahl solcher Texte aus den Jahren 1990 bis 2000 liegt mit dieser Anthologie nun einer größeren Öffentlichkeit vor. Manche der hier Veröffentlichten sind Mitglieder des EkeV oder regelmäßige Gäste, andere wieder melden sich nur sporadisch. Unterschiedlichste Lebens- und Schreibansprüche, wie gemeinsame Themen und Sichtweisen, vor allem aber auch Veränderungen über diesen Zeitraum hinweg sollen deutlich werden. Die Wirren der Wende. Die lange, oft schmerzliche Suche nach dem Eigenen in der sich verändernden Umwelt. Und nach dem, was Heimat sein könnte. Das Wieder- und Neuentdecken von Themen, manchmal nach Jahren. Noch „nicht angekommen zu sein“, als eine Hoffnung.
Die Herausgeber
Dieser Text ist aus dem Nachwort der Anthologie.
(aus: „Zwischen den Zeiten 1990-2000“ (Anth.); hrsg. von Eitel Kunst e.V., Peter-Segler-Verlag, 2003, 2. Aufl., ISBN 978-3-931445-07-2)
*
*
Lüften am Morgen
wenn der Schnee ins Zimmer stiebt
weißkalte Wahrheit
wie Schnee im Regen
fließen unsere Worte
in das neue Jahr
in alten Furchen
hält sich Schnee noch im Regen –
doch auch übern Tag?
der dunst überm weiss
so als dampfe der schnee
gegenlicht lachen
*
Ach, wissen Sie, das Mikrofon
ist aus, nicht wahr? Ich hab es mit
den Nazis, nur ein bißchen.
So ein bißchen war ich, Mädchen,
im BDM, Sie Feingeist.
Ach, wissen Sie, mein Mann,
starb einen schönen Tod,
`nen schnellen, nach dem Frühstück,
auf der Bank, vorm Haus.
Und so aktiv noch bin ich,
mit achtzig. Aber schnell
muß es gehen. Schnell
und schön: der Tod, das Leben.
Und keine Lücke, bitte!
Ach, wissen Sie, die Lücke
ist ja nicht totzukriegen
im Leben, unsereins
hat immer was zu stopfen,
wie’n Zahnarzt, so am Stuhl.
Ach, Sie! Ich fall’ nicht aus der Welt,
nicht in den Sack,
nicht in den Pfuhl.