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so strahlend das licht
zwischen der schwarzkreide
Zilles – die leere
Categotry Archives: Lyrik
Lars Steger: Lüften am Morgen wenn der Schnee …
Lüften am Morgen wenn der Schnee ins Zimmer stiebt weißkalte Wahrheit wie Schnee im Regen fließen unsere Worte in das neue Jahr in alten Furchen hält sich Schnee noch im Regen - doch auch übern Tag? der dunst überm weiss so als dampfe der schnee gegenlicht lachen*
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Lüften am Morgen
wenn der Schnee ins Zimmer stiebt
weißkalte Wahrheit
wie Schnee im Regen
fließen unsere Worte
in das neue Jahr
in alten Furchen
hält sich Schnee noch im Regen –
doch auch übern Tag?
der dunst überm weiss
so als dampfe der schnee
gegenlicht lachen
Andreas Schrock: Die Lücke
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Ach, wissen Sie, das Mikrofon
ist aus, nicht wahr? Ich hab es mit
den Nazis, nur ein bißchen.
So ein bißchen war ich, Mädchen,
im BDM, Sie Feingeist.
Ach, wissen Sie, mein Mann,
starb einen schönen Tod,
`nen schnellen, nach dem Frühstück,
auf der Bank, vorm Haus.
Und so aktiv noch bin ich,
mit achtzig. Aber schnell
muß es gehen. Schnell
und schön: der Tod, das Leben.
Und keine Lücke, bitte!
Ach, wissen Sie, die Lücke
ist ja nicht totzukriegen
im Leben, unsereins
hat immer was zu stopfen,
wie’n Zahnarzt, so am Stuhl.
Ach, Sie! Ich fall’ nicht aus der Welt,
nicht in den Sack,
nicht in den Pfuhl.
sibyll maschler: Frauengebet III
Komm über mich fließend nimm meinen Raum ganz ein wachse in mir und schenke dem Kelch voll ein
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Komm
über mich
fließend
nimm meinen Raum
ganz ein
wachse in mir
und schenke dem Kelch
voll ein
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sibyll maschler (Text und Foto) – November 2008
sibyll maschler: Frauengebet II
Für alle Fälle lass mich sein an den Steilhängen und Abgründen Geländer Treppe oder SeilFür alle Fälle
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Oktober 2008
Lars Steger: Wiederkehr 1
Auf dem Rückweg war er unentschlossen, er hatte noch nichts gegessen, es war Zeit für ein paar Anrufe, wenn er seiner ehemaligen Familie und seinen Eltern nicht wirklich
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Auf dem Rückweg war er unentschlossen,
er hatte noch nichts gegessen,
es war Zeit für ein paar Anrufe,
wenn er seiner ehemaligen Familie
und seinen Eltern nicht wirklich
den heiligen Abend stören wollte.
Sieben Kneipen hatte er gezählt
die alle zu hatten für die nächsten
drei Tage oder die ganze Jahreszeit.
Vor der Kirche blieb er stehen.
Da gehörte er irgendwie nicht hin.
Wäre bemerkt worden.
Dort wollte er nicht bemerkt werden.
In der Heide oder auf den leeren Wegen
des Dorfes störte ihn sein Bild
vom einsamen Wanderer nicht.
Er fand einen Tannenzweig
zwischen den Häusern, hier, wo
Tannen nur in den Wohnzimmern wuchsen,
den trug er in sein Zimmerchen unterm Dach
wo die kleinen modernen Katastrophen
auf ihn warteten, er hatte das Ladekabel
des Handys vergessen und den Adapter
für den MP3-Player, so blieben ihm
zwei Weihnachts- und fünf andere CDs
und die Stille. Aber er war ruhig
er hatte heute das Meer gehört
in seine Gischt gesehen.
Lars Steger: Unter Sternenlöchern
Im milchglasgrauen Gewölk Im kalten Licht des Mondes Der wie ein Scheinwerfer Meinen Schatten Auf den Brandungsschaum wirft Heines Narren erinnern Und ein paar eigene Texte Vom grellen grünen Pulsen der Boje Den fernen Freunden, Leuchtturmlichtern*
Im milchglasgrauen Gewölk
Im kalten Licht des Mondes
Der wie ein Scheinwerfer
Meinen Schatten
Auf den Brandungsschaum wirft
Heines Narren erinnern
Und ein paar eigene Texte
Vom grellen grünen Pulsen der Boje
Den fernen Freunden, Leuchtturmlichtern
und dem wabernden Brausen der Wellen
Beständig wieder und wieder neu
Der lauten einsamen Leere
Zu der es nichts mehr zu sagen gibt
Außer, dass ich noch hier stehen kann
Auch wenn ihr nicht
mehr bei mir seit
Den leeren dunklen Strand ertragen
Susann Schönherr: Mandragora
Donner erschallen Dem Zauber verfallen Von Mandragora Oh finstere Macht Raben verharren Die Weiber erstarren Oh Mandragora Jungfräuliche Kraft Mit Blut begossen*
Donner erschallen
Dem Zauber verfallen
Von Mandragora
Oh finstere Macht
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Raben verharren
Die Weiber erstarren
Oh Mandragora
Jungfräuliche Kraft
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Mit Blut begossen
Dein Schicksal beschlossen
Oh Mandragora
Zum Leben erwacht
Christian Rempel: Der grüne Zettel
Ich sah da jüngst ein Mädchen stehn das Mädchen war so wunderschön doch ernsten Männern und schönen Frau`n soll man im Leben ja nicht trau`n*
Ich sah da jüngst ein Mädchen stehn
das Mädchen war so wunderschön
doch ernsten Männern und schönen Frau`n
soll man im Leben ja nicht trau`n
Sie fragte mich: „Oh ham Sie nicht
für mich ein kleines Angedicht?
Und sei es auch nur noch so klein
es würd` für mich `ne Freude sein“
„Oh Fräulein ham Sie ein Gebrechen
Sie können ja in Versen sprechen
was ich mir abring` so in Tagen
das könn` Sie gleich in Worten sagen“
Da schweigt sie fein und läßt mich denken
wollt ich ihr eben Verse schenken
was ich ihr sagte, wie mir scheint
das hat sich ja wohl auch gereimt
Was mir geschieht fast überall
ist immer auch ein Krankheitsfall
ob wohl ihr Leben schon bedroht
ob sie noch schaut das Abendrot
Verdammt, ich schweig noch immer
seh sie im weißen Zimmer
sie wird mir doch nicht siechen
wie kann sie so gut riechen
Und endlich kram ich Eiderdaus
für sie `nen grünen Zettel raus
Nun denkst Du darauf schreibe ich
für sie ganz rasch ein Angedicht
Doch in den Taschen hab ich Zettel
ganz eingestellt auf das Gebettel
da stehn schon die Gedichte drauf
womit ich um mein Leben lauf
Doch natürlich bleib ich steh`n
ich will die Reaktion ja seh`n
sie liest es leis dann liest`s sie`s laut
sie prüft genau ob`s nicht geklaut
Dann sagt sie mir sie schreibt nicht mehr
und dass sie las ist lange her
sie hat ja endlich ihr Gebrechen
sie kann ja nun in Versen sprechen
„Oh sagst Du etwas im Gedicht
dann weißt Du ja das Ende nicht
das ist so spannend, weißt Du`s jetzt
was Du nur so durchs Leben hetzt“
Ich stehe doch, wie kann sie sagen
ich täte durch das Leben jagen
sie schaut mir nicht mal ins Gesicht
hat sie`s gelernt aus dem Gedicht?
Dann gibt sie mir, ich habe Glück
sie gibt mir ein Gedicht zurück
Dann kam der Abschied ohne Klagen
ich würd` ihr gern ein Wort noch sagen
doch was mir fiel zu sagen ein
schon wieder war es nur ein Reim
Da las ich ihr, ich armer Tor
ich las den Zettel nochmal vor:
„Zu Worms in einem hohen Saal
fand man sich ein zur Damenwahl
den Saal ziert eine bunte Decke
und an der Decke hängt eine Schnecke
Sie ist gemacht von purem Gold
das ham die Damen so gewollt
und plötzlich kommt ihn` in den Sinn:
Wo sind denn nur die Männer hin?
Wir wollten sie doch gerade wählen
und hernach genau noch zählen
Die Männer wie sie immer sind
sie zogen in den _ _ _ _ _ geschwind“
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17.10.02
sibyll maschler: Der Unterschied
Nicht nachgeben viel mehr einander die Hände entgegen strecken für den gemeinsamen Weg Hand in HandNicht nachgeben
viel mehr
einander die Hände
entgegen strecken
für den gemeinsamen Weg
Hand in Hand
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März 2012