Foto: sibyll j. maschler „Landesgartenschau Beelitz“
„Alles, was man nicht kaufen kann“
Liebe Poeten
bringt Einfälle und Ideen zu diesem Motto mit in die Runde. Poetische Entdeckungsreisen führen oft in nichtkäufliche Regionen. Da könnten sich zum Beispiel zwei nicht käufliche Wesen treffen: „die Sehnsucht begegnet der Einsamkeit“.
Auch Glück und Pech kann man niemals vollständig mit Euros, Rubel oder Dollarscheinen einlösen. So gesehen sind die, welche weniger besitzen, mit denen, die glauben, alles zu haben, auf Augenhöhe.
Konfliktstoffe und poetische Ideen könnten im „Nichtkäuflichen“ schlummern.
Also laßt uns Nichtkäufliches sammeln und zusammentragen, was unserer Meinung nach dazu gehören kann.
Jeder ist aufgefordert, dazu im Seminar einen Vorschlag zu machen. Unkäufliches aus eigener Sicht…toll auch, wenn dazu Gedichte kämen. Es könnte der eigenen Feder entspringen, es könnte aber auch von Goethe oder M. Kaleko stammen. Hintergrund der Idee ist, Schreibfreude anzuregen und Stimmungen einzufangen. Laßt uns auf die Suche nach dem Unbezahlbaren gehen….
Nach Arbeit
riechen meine Hände
nach Fisch und Teer
und Meer
meine Hände riechen
nach Acker und Mist
wie das so ist
meine Hände riechen
nach Papier, Staub und so
eben nach Büro
meine Hände riechen
nach Hairstyl und Pomade
das ist es ja gerade
Meine Hände riechen
nach Kanonen und Glut
einfach nach Blut
hast du mal
deine Hände gefragt
was haben sie gesagt
G. Jaeger o7/2022
du schläfst schlecht es ist krieg im übernächsten land zwei meter entfernt sondersendungen eilmeldungen posts tweets zentimeter vor den augen die worte schüsse die bilder bluten nächte um die ohren geschlagen schwarze vorhänge der tag draußen so weit weg du so weit weg wir auf dem selben sofa trauern fragen hoffen reden worüber wir nichts wissen wogegen wir nichts tun können außer dem klopfenden frühling die tür öffnen die beete vorbereiten vernunft säen
isabel arndt
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Liebe Eitle Künstler und Freunde der UnDichter,
im Juni macht „Lesen & Schreiben“ eine Sommerpause. Für die folgenden Termine lade ich Euch in Absprache mit den anderen Organisatoren ein für:
- Montag, 11. Juli 2022, ab 17 Uhr zum L&S–Balkon-Gespräch in Potsdam bei mir
- Montag, 8. August 2022, ab 17 Uhr zum L&S-Garten-Gespräch in Potsdam bei sibyll,
- 2. bis 4. September 2022 (Fr - So) zu den Schloss-Gesprächen in Jahnishausen/Sachsen, mit Mitgliederversammlung
Interessenten melden sich bitte bei mir für weitere Informationen und damit wir planen können unter buecherasyl-lars@gmx.de.Soweit technisch möglich werden wir auch versuchen, wieder eine Video-Konferenz für Teilnehmer von außerhalb einzurichten.
Bitte gebt rechtzeitig Bescheid, wenn Ihr plant zu kommen, und auch, wenn ihr sicher zu bestimmten Terminen nicht könnt!
Auf ein baldiges Wieder-Sehen, -Lesen, -Hören! Bis dahin viele poetische Ideen wünscht Euch –
Lars Steger
Uwe Tellkamp hat sein neues Buch „Der Schlaf in den Uhren“ herausgebracht. Marlen Hobrack schreibt dazu in der Wochenzeitung „Freitag“, Ausgabe 19/2022:
„Zwar reichen die Ereignisketten bis in das Jahr der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 und damit in die nahe Gegenwart. Aber die Vergangenheit erscheint als magischer Fluchtpunkt. (…) Man könnte nun meinen, dass die Gegenwart entlang der Ereignisse der Vergangenheit verhandelt wird. Das Gegenteil geschieht, Tellkamp dreht die Uhren rückwärts. Das Wendenarrativ wird im Licht der Gegenwart erneuert. Vielleicht ist nicht nur Tellkamp wie magisch auf die Wendejahre bezogen, vielleicht unterliegt die ostdeutsche Gegenwartsgesellschaft einem kollektiven Wiederholungszwang.“
Sie fuhr los, seit nunmehr einem Jahrzehnt immer wieder mit demselben Ziel. Unterwegs fragte sie sich, in welches Zimmerchen sie wohl dieses Mal einziehen wird. Würde sie eine Woche im Haupthaus, Seitenflügel oder in der nahegelegenen Baracke wohnen? Nun, die Zimmer sind eigentlich sowieso alle gleich: Ein schmales Bett, ein schlichter Schrank, ein Waschbecken, auf dem kleinen Schreibtisch ein Teelicht, darüber ein schnörkelloses Holzkreuz. Die Ausblicke unterscheiden sich dagegen erheblich. Eher wenig anmutend, ist der Blick auf den Parkplatz. Das Nachbargrundstück sieht gewöhnlich aus. Die Aussicht auf den Klostergarten ist dagegen wundervoll. Eine großflächige, leicht hügelige Wiese, alte Baumgruppen, gepflegte Hecken, geschützt gelegen Bänke ebenso wie freistehende, fast mittig ein künstlich angelegter, kleiner Brunnen aus Feldsteinen, daneben ein Ginsterstrauch. Dieser war erst in den letzten Jahren gepflanzt worden. Der Pater hatte einst den Bezug auf das Buch Jeremia erwähnt. Nach einer Stunde Fahrt endlich Ankunft. Dann Einzug ins Zimmer, dieses Mal über der Sakristei. Hier hatte sie noch nie gewohnt. Es war unerwartet. Auch, dass es ihr so vorkam, als würde sie Gott bereits hören, gleich vier Mal, sehr leise, von unten, irgendwie auch im gesamten Raum, aber besonders durch den Fußboden. Und sehr gleichmäßig. Später auch durch das Kopfkissen und die Matratze, bis Mitternacht immer öfter. Dann schlief sie ein, aber keinesfalls durch. Gott weckte sie, hielt sie wach. Dann fast Furcht vor dem Einschlafen, denn das Aufwecken störte wiederholt. Als es langsam hell wurde, endlich, der erwartete Klang der Klarinette. Sie hörte, dass ringsum einige Türschlösser bewegt wurden. Auch sie stand auf, öffnete die Tür einen kleinen Spalt und legte sich noch einmal ins Bett. Vertraute Klänge in all den Jahren, wiederkehrende. In der Stille des Hauses sehr einprägsam, wohlig. Sie wusste, dass es der Pater war. Immer, wenn Exerzitien waren, weckte er die Teilnehmenden zu früher Stunde. Dann Aufstehen und ins Gemeinschaftsbad. Dort hörte sie Gott nicht. Auch nicht im Speisesaal. In der Andacht vernahm sie Gott auf andere Weise. Der Pater las. Gott kommt nicht im Sturm, auch nicht im Erdbeben. Gott erscheint im sanften, leisen Säuseln. Da ist er hörbar. Da also auch, denkt sie. Dem Pater kann sie vertrauen. Schon von Anbeginn. Immer. Eine Freude auch, wenn er seinen Gästen mal die Tür aufhält. Mit gesenktem Blick macht er das, aber nicht aus Scham, sondern weil er des Dankes nicht bedarf. Sie kann in diesem Kloster alles annehmen. Im Gebäude atmet sie Gott. Auf dem Gelände auch. Und weit darüber hinaus. Sie lauscht. Ihr Klavierlehrer hatte einmal gesagt: Gehen sie mit den Ohren spazieren. Und nun im angrenzenden Wald. Unter den Schuhen Laub, Moos, Erde, kleine Stöckchen, Tannenzapfen. Knistern und Knacken in der Nähe und in der Ferne. Wie zwischen Gott und ihr. Manchmal knistert es und manchmal knackt es. Junge Bäume biegen sich im Wind, alte Bäume halten Stand oder bersten. Sie atmet frische Luft. Oben, in den Wipfeln, Lichtfenster. Himmelwärts. Sie geht zurück. Und erwartet das Läuten. Glocken rufen in den Wald, über die Dächer, in die Straßen: Kommt! Es sind alle geladen. Sie hat Hunger. An den Tischen kaum Blicke, mehr Gesten und das Klappern des Bestecks auf den Tellern. Leise Musik gegen die Geräusche des Kauens. Danach klopft Gott wieder, einmal, zweimal. Taktvoll. Der Klang etwas rund, wie kurz angeschoben, sich öffnend, aber rasch wieder abnehmend, kugelförmig, scheinbar angestubst, den Raum mild umlaufend, durchlaufend, leise. Dabei will sie doch eigentlich ruhen. Es gelingt ihr nicht. Gott ruft.
Die Tage vergehen. Gott bringt sich regelmäßig in Erinnerung, durchdringt, kehrt wieder, mal mehr, mal weniger.
Wenn sie geht, draußen zum Beispiel, kann sie Gedanken auf Wolken setzen. Oder Zugvögeln mitgeben. So wird ihr Kopf frei. Wenn sie Mut hat, zum Unplanbaren, kommen neue Gedanken, ohne Einladung. Dann können neue Erfahrungen folgen.
Wenn die Geräusche des Tages abnehmen, wird Gott lauter. Wenn er dann anklopft, der Regulator in der Sakristei, kann das nerven. Aber eigentlich tut er gut. Ohne ihn, wieder zu Hause, kann Göttliches allzu schnell verloren gehen. Doch ruft er sie, aus dem Alltagsrad, dem Gedankenkarussell heraus und führt zurück, auf das Wesentliche, dann beginnt Heilung. Bei ihr zumindest.
sibyll jean maschler