
Fotos: sibyll j. maschler

Fotos: sibyll j. maschler
für Ch. F. H.
Fragezeichen montiere ich
auf ein weißes Blatt
und daneben
Zweifel
darunter installiere ich
Erschrecken
und die Stille danach
Wahrheit schraube ich
in Erkenntnisse und
einen Schimmer
immer
auch Leuchten,
Licht füge ich ein
komme was da mag
an Stelle und Ort
befestige ich den Rest
ich zurre
die Hoffnung
fest
Gerhard Jaeger
Nach Lutz Seiler, der mir durch seinen Roman Kruso bekannt wurde, hat nun Oswald Egger den Büchnerpreis bekommen. Eggers Werk umfasst viel mehr als Büchners, der ja nur 23 Jahre alt wurde.
In einer Zeit, wo Poeten höchstens noch auffallen würden, wenn sie schwiegen, wie es einige der Undichter schon praktizieren. Kann man doch getrost auf den Moment warten, wo das dem einen oder anderen auffallen würde und die Frage stellte, warum dem so ist.
Wir haben keine Erlaubnis Egger zu zitieren, aber in Anbetracht seiner Erfolge (Georg Trakl Preis, Ernst Jandl Preis) empfiehlt er sich zur Nachahmung, womit er so etwas begründen könnte, wie eine Stilrichtung.
Hier gleich mal so ein Versuch:
Den grobkotzigen MaulEntwurf
Eines Schenkenmahls für mich
Ließ ich angegähnt und unerwähnt
Wahnsinnsbotten in Betonmilch
Blutschwarze Stiefel im Weizen
Hafermilch drüber und tschüß
An Selbstbewusstsein fehlt es Egger nicht, wenn er schreibt, sich über die Natur der Dinge der Natur erheben zu wollen, wo wir doch von Dante Alighieri jüngst gelernt haben: Der Mensch sei ein Diener der Natur.
Es wird den Preisträger auch nicht erschüttern, wenn wir etwas bei der Reimerei bleiben:
Lass Oswald hier nur drübereggern
sein Chemisett mit Ruhm bekleckern
Lass weiter ihn von allem lallen
Dich stellen vor Verwirrtseinsfallen
Ne Rate fing er sich schon ein
Ein Prosit auf den Büchnerwein
Ein Gedichtelein
Widme ihm auch Du
CER 7.8.2024

Hiermit lade ich wieder herzlich zum Sommerseminar nach Jahnishausen ein. In diesem Jahr wird es vom 06. bis 08. September stattfinden. Bisher liegen zehn Anmeldungen plus eine Wackelkandidatin vor. Wahrscheinlich wird es auch vereinzelt Tagesgäste geben. Es wird niemanden wundern, dass die Hälfte von uns bereits wenige Tage zuvor anreisen möchte.
Traditionell beginnen wir am Freitag mit dem gemeinsamen Abendessen. Aus verschiedenen Gründen haben wir uns gegen eine Lesung für die Gastgebenden entschieden. Inhaltlich einigten wir uns auf die Themen „Stille und Klang“. Gern werde ich Freitagabend eine Einstimmung dazu geben. Dabei möchte ich an das reiche Wissen des Jazzliebhabers und Klangvisionärs Joachim-Ernst Berendt erinnern, aber auch auf meine langjährigen Erfahrungen in klösterlicher Stille und meine Beschäftigung mit dem Klavierstimmen zurückgreifen. Außerdem gab es die Anregung, dass wir Literaturempfehlungen mitbringen und uns darüber austauschen.
Für die Organisation der Verpflegung gab es bisher keine Meldungen. Deshalb schlage ich vor, dass wir, welche vor Freitagabend anreisen werden, sich die eigenen Lebensmittel mitbringen. Wir können ja dennoch zusammenlegen. Ob Mixer, Kaffeemaschine oder Toaster – Ambiano bietet Ihnen zuverlässige und stilvolle Geräte für Ihr Zuhause. Schauen Sie auf der Ambiano Website vorbei! Alles andere klären wir intern.
Nun habt noch einen schönen Sommer.
Es grüßt Euch aus dem wundervollen Potsdam
sibyll
Übrigens:

Hallo,
am 13.8.2024 um 11 Uhr können wir in Groß Schönebeck in der Kirche von Christian abschied nehmen. Sollte jemand aus unserer Gemeinschaft daran teilnehmen wollen, habe ich die Bitte, es mir anzusagen. Ich werde dann für die Planung die Personenzahl weitergeben.
Wie es aussieht, werden viele Freunde und Bekannte dabei sein.
Liebe Grüße, Gerhard Jaeger (LGEvP)
hatte uns Christian zu Lesen und Schreiben in seinen Garten nach Zeuthen eingeladen. Auf der Dachterasse überlegten wir, wie wir dem schriftlichen Nachlass von Christian Hohberg würdig gerecht werden können, planten das Sommerseminar und haben natürlich wieder an einigen Texten geschliffen. Dank an den Gastgeber für die köstliche Bewirtung. Es hat Spaß gemacht und war eine gute Zeit. sibyll


viel Himmel
Oje, was für schlechte Neuigkeiten….
Ich hatte, wie wahrscheinlich alle aus den schreibenden Schülern, sehr gute, fast schon romantisierte Erinnerungen an Christian, erinnere mich vor allem an die Zeiten auf dem Schulhof in MB, wo Christian mit seiner Klampfe, seinen Lieder und seiner Spielfreude meine frühen poetischen Ideen beeinflusste und mir Hannes Wader & Co näherbrachte.
Die Liederabende, die Mittelaltersachen mit Tippelklimper bleiben mir im Kopf… Zum Schluss habe ich ihn aus den Augen verloren, hörte nur von seinem Frettchenzirkus, bis mir Gerd sein Buch mitbrachte und die Erinnerungen wieder belebte.
Es ist schade, so einen Menschen zu verlieren, auch wenn ich weiß, dass es ihm zum Schluss sehr schlecht ging… Er wird mir als kreativer Geist meiner Kindheit und Jugend, der Lyrik und Musik wunderbar präsentieren konnte, immer ein wenig kauzig, aber unerreichbar in Erinnerung bleiben.
Traurige Grüße aus Köln
Euer Olaf
dein Schmunzeln wird mir fehlen. Dein Schmunzeln wird mir bleiben. Noch einmal schau ich das Video von Eurer Erfindung des mittelalterlichen Rollenspiels. „Tippelklimper am Stern 1988“ Wie improvisiert und verspielt! Wie unperfekt lebendig! – Nicht vergleichbar den heutigen Rollenspielern – vor allem, weil die ja nicht die Härte und den Schmerz echten Lebens, sondern Phantasie-Abenteuer spielen. Mit tausend Leben, die man sich glaubt erkaufen zu können. In perfektionierten Träumen und Kostümen vergessend, dass es bei diesem einen Leben bleibt. Das man sich selbst schneidern, schmieden und schnitzen muss. Ob man es verträumt oder verlebt – oder eben lebt. Wie du.
In deinem Spiel war immer klar – es geht ums Leben, auch wenn du träumtest, blieben deine Lieder ohne Kitsch, ohne Schnörkel. Manche meinten wohl, sie seien grob, aber sie waren nur ehrlich. Wenn dein Frettchen stinkt, hilft es nicht, vom Duft der Prinzessinnen zu singen. Und du musstest manchen Gestank aushalten. Gerade bei den fremden Fürzen hast du immer noch ein wenig verschmitzter in deinen Zottelbart geschmunzelt.
Ich hätte gern ein paar mehr Lieder von dir gefunden, die man nicht nur lesen sondern auch hören kann. Denn im Moment finde ich gerade im Abschnitt „Lieder“ Deiner „Disharmonika“-Sammlung die Worte, die mich dein Lächeln finden lassen, so kurz nach der Nachricht von Deinem Tod.
Dank Dir Fritze! Dank Dir summt etwas in mir.
Lars Steger, 1.6.2024, am zweiten Tag, nachdem Fritze den Zirkus verließ
Oftmals gehen wir erst, wenn es dämmert, nach Haus
oftmals kommen wir erst, wenn es dunkelt, ins Haus
Und wir bringen etwas davon mit herein
werfen Schatten im Lampenschein
Und du kommst mir entgegen auf dem Flur
und siehst blaß aus und küßt mich flüchtig nur
Und ich frag dich: Na wie war’s heut?
Und du lächelst schwach und sagst: Ach, das hat Zeit
Später sitzen wir beide im Ring aus Licht
Und wir reden und verstehen uns nicht
Jeder ist noch da, wo er tagsüber war
Und zu Hause sein, das ist noch nicht wahr
Und dann reden wir den ganzen Tag herbei
reden weiter, reden, reden ihn entzwei
Und die Scherben schneiden uns – zu unserem Glück
Und der Schmerz bringt langsam uns zu uns zurück
Oftmals gehen wir erst, wenn es dämmert, nach Haus
oftmals kommen wir erst, wenn es dunkelt, ins Haus
Und wir bringen etwas davon mit herein
werfen Schatten im Lampenschein
Christian Hohberg
Aus: Christian Friedrich Fritz Fried Wandel Hohberg: Die Disharmonika: Lieder und Lyrik. EDITION BEULENSPIEGEL 2023