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sibyll maschler: Die Frau und der Hemul

Die Frau und der Hemul Diese Geschichte beginnt an einem schmalen Landstrich, der zwischen den flach ansteigenden Hügeln, Bergen und Tälern im Osten und den weiten Ebenen des Westens lag. Dieses Land bildete eine Schnittstelle, eine Grenzregion. Die sich westlich erstreckenden Ländereien ...

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Die Frau und der Hemul

Diese Geschichte beginnt an einem schmalen Landstrich, der zwischen den flach ansteigenden Hügeln, Bergen und Tälern im Osten und den weiten Ebenen des Westens lag. Dieses Land bildete eine Schnittstelle, eine Grenzregion. Die sich westlich erstreckenden Ländereien waren flaches, regloses Brachland, aber die sich östlich ausdehnende Landschaft bewegte sich sanft. Sie atmete in stetem Gleichmaß. Zwar blieben die Hügel, Wiesen und Wälder an ihren Orten, doch hoben und senkten sie sich in gleichmäßigem Rhythmus um etwa einen Fuß. So konnten deren Bewohner ohne Straucheln durch die Landschaft streifen. Jeder Schritt war achtsam. Das Quellwasser schien zu raunen: ´Komm, erfrische dich, trink´. Der Fluss lud zum Baden ein, zum Eintauchen und Fließen an neue Ufer. Vögel erfüllten Bäume und Himmel mit ihrem Gezwitscher und Gesang. Rotkehlchen und Amseln flogen von Grün zu Grün, Lerchen den Wolkenbildern entgegen. Pfauenaugen und Zitronenfalter verbreiteten ringsum Farben und Leichtigkeit. Alles fühlte sich lebendig an, floss warm und weich und stupste vorsichtig das Nächste an. Die Bewohner des Ostens waren wach und sich selber gewahr.

Im Westen dagegen herrschte der Hemul über das Land. Er war unförmig, groß und ausgebeult, gleich riesigen Kartoffelsäcken, die als Masse waberten. Der Hemul war so gewaltig angeschwollen und ausgewuchert, dass das Land unter ihm zu atmen aufgegeben hatte. Es gab zwar hier und da bizarre Gebilde, aber der Hemul hatte sie alle einzeln konserviert. Wundersame Parkanlagen waren mit Klarlack überzogen, kleine Schlösser mit flüssigem Harz. Skulpturen hatte der Hemul mit schweren Holzplatten eingehaust, Papyrusrollen mit Asche beschmiert und Gespräche in Gläser eingeweckt. Der Hemul goss große, schleimgefüllte Eimer über die Ebenen, so dass alle Vorzeit erstarrte. Es war seine Aufgabe, die vergangene Zeit stillzulegen. So gewann er an Macht und vor allem an Gewicht.

Allein das schmale Stück Land und seine unschätzbare Bewohnerin verhinderten, dass der Hemul auf die atmende Seite übergreifen konnte. Denn eine Frau bewohnte diese Knautschzone, diesen Puffer zwischen der Vergangenheit und dem, was ist. Ihr Haar war schulterlang und meist ein wenig zerzaust. Sie trug lange Kleider aus Leinen, blau, beige, weinrot, fast immer einfarbig. Flache, leichte Schuhe ermöglichten ihr einen guten Kontakt mit dem Boden. Es wurde gesagt, die Frau beherberge in ihrer Hütte etwas Blinkendes, Tanzendes, aber keiner wusste, was es wirklich war. Und geflüstert wurde, dass die Frau insgeheim immer wieder einmal versuchen würde, dem Hemul etwas Land abzutrotzen. Dieses Getuschel war dem Hemul nicht verborgen geblieben. Seither war er bemüht, seiner anhaltenden Müdigkeit mit längerem Herumwälzen etwas entgegen zu wirken.

Eines Tages, als sich der Hemul wieder einmal scheinbar satt und träge auf der Ebene ausgebreitet hatte, legte die Frau ihren Pflug an und versuchte in des Hemuls Reich vorsichtig einzudringen. Doch darauf hatte der Hemul nur gewartet. Es kam zu einem heftigen Durcheinander und lautstarkem Streit. Plötzlich ergriff der Hemul einen kleinen, aber sehr kantigen Stein und schleuderte ihn der Frau mitten ins Gesicht. In diesem Moment wurde es dunkel um sie. Die Frau erblindete. Und es breitete sich ein großer Schmerz aus. Unsicheren Schrittes, fast tastend, ging sie in ihre Hütte zurück. Doch nach kurzem Verweilen nahm sie mit festem Griff ihr Zauberschwert, ließ sich von diesem nach draußen führen und erstach den Hemul mit einem Hieb. Gelber Schlamm, mächtige Steine, graugrüner Morast und vieles mehr erbrachen sich über dem Land. Ätzender Gestank breitete sich aus. Es roch nach Schweiß, Blut und Metall, es gluckste und gurgelte und waberte zähflüssig.

Aber irgendwann war die ganze Masse des Hemuls im Boden versickert, der Geruch verzogen und seine nachhallenden Schreie verstummt. Der Nebel verzog sich. Am Himmel konnte es licht werden.

Offen blieb, ob die Frau einen Weg ebnete zwischen dem flachen Land des Westens und den Hügeln, Quellen und Bergen des Ostens. Würde das Dunkle, das Vergangene sich abermals sammeln und zusammenrotten können? Oder wären gar die bunten Wiesen und bewegten Wälder in der Lage den Westen zu befruchten?

Foto und Text von sibyll maschler – Januar 2015

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Gerhard Jaeger (Text und Foto): Schwinden

. . . . . . . . . Schwinden Gedanken beim Aufspüren eines Autofriedhofs im Oderbruch Autos , Autos eingewachsene Fremdkörper aufgestaut im satten Grün der Lungen ländlicher Organe mit den Körperteilen Laubwald, Kiefernwald, Ober- und Unterholz, Dickicht und Gebüsch Fremdkörper Autos, Autos fest gestaut, verendet im satten Grün der Lungen stecken geblieben, stehen geblieben überwuchert, eingewachsen schwindend verschwunden Schwindsucht nicht heilbar

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Schwinden

Gedanken beim Aufspüren eines
Autofriedhofs im Oderbruch

Autos , Autos
eingewachsene Fremdkörper
aufgestaut
im  satten Grün der Lungen
ländlicher Organe
mit den Körperteilen
Laubwald, Kiefernwald,
Ober- und Unterholz,
Dickicht und Gebüsch
Fremdkörper
Autos, Autos
fest gestaut, verendet
im satten Grün der Lungen
stecken geblieben,
stehen geblieben
überwuchert, eingewachsen

schwindend verschwunden
Schwindsucht
nicht heilbar

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Liane Fehler – Foto: Frühling

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25 Jahre Eitel Kunst e.V.! – Gratulation von Olaf!

Betreff: 25 Jahre Eitel Kunst e.V.! Ein Viertel Jahrhundert! Lieber Lars, liebe Eitle Künstler, herzlichen Glückwunsch zum Vierteljahrhundert, zu zweieinhalb Dezennien oder Dekaden oder so lange, wie andere bis zur Silberhochzeit verheiratet sind müssen, sich früher Berufsoffiziere verpflichteten oder wie landläufig der Begriff lebenslänglich ins Zeitmaß gesetzt wird! Wer hätte das damals gedacht, als wir am Güterbahnhof saßen und mit der neuen Freiheit neue Vereine gründeten- sogar noch mit Mark der DDR! Ein wunderbares Resultat mit lesenswerten Gedankenwassern, die von einem Rinnsal in losem Schwarzweisskies zu einem hübschen Bächlein mit farbigen Kieseln angeschwollen sind. Alles Gute weiterhin vom etwas aus der Form gekommenen Mitgründer und -leser Olaf

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Betreff: 25 Jahre Eitel Kunst e.V.! Ein Viertel Jahrhundert!

Lieber Lars, liebe Eitle Künstler,
herzlichen Glückwunsch zum Vierteljahrhundert, zu zweieinhalb Dezennien oder Dekaden oder so lange, wie andere bis zur Silberhochzeit verheiratet sind müssen, sich früher Berufsoffiziere verpflichteten oder wie landläufig der Begriff lebenslänglich ins Zeitmaß gesetzt wird!
Wer hätte das damals gedacht, als wir am Güterbahnhof saßen und mit der neuen Freiheit neue Vereine gründeten- sogar noch mit Mark der DDR!
Ein wunderbares Resultat mit lesenswerten Gedankenwassern, die von einem Rinnsal in losem Schwarzweisskies zu einem hübschen Bächlein mit farbigen Kieseln angeschwollen sind.
Alles Gute weiterhin vom etwas aus der Form gekommenen Mitgründer und -leser
Olaf

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Chronik 2015: Liane Fehler: Ein Vierteljahrhundert Eitel Kunst e.V.

Ein Vierteljahrhundert Eitel Kunst e.V. Liebe “Eitlen Künstler” und Freunde der “UnDichter”, was bedeutet dieses Jubiläum für Euch? Gibt es Erinnerungen aus den 25 Jahren, die es wert sind, erzählt zu werden? Hier ist Platz für Kurioses, Sentimentales oder Dramatisches. Ich bin gespannt auf Eure Beiträge. Auf jeden Fall wünsche ich uns Allen, dass unser Vereinsleben lebendig und vielfältig bleibt, dass wir uns immer wieder gegenseitig inspirieren können, dass unser Umgang miteinander behutsam bleibt, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen, wenn es geht, auch in die gleiche Richtung. :) ▶ Hinweis: Dies ist eine Vorschau. Um diesen Artikel zu öffnen, bitte in die türkisfarbene Überschrift oder auf das Wort “Weiterlesen” klicken.

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eine Zeichnung von Olaf Zernick

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eine Zeichnung von Olaf Zernick

Ein Vierteljahrhundert Eitel Kunst e.V.
Liebe “Eitlen Künstler” und Freunde der “UnDichter”, was bedeutet dieses Jubiläum für Euch?
Gibt es Erinnerungen aus den 25 Jahren, die es wert sind, erzählt zu werden?
Hier ist Platz für Kurioses, Sentimentales oder Dramatisches. Ich bin gespannt auf Eure Beiträge.

Auf jeden Fall wünsche ich uns Allen, dass unser Vereinsleben lebendig und vielfältig bleibt, dass wir uns immer wieder gegenseitig inspirieren können, dass unser Umgang miteinander behutsam bleibt, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen, wenn es geht, auch in die gleiche Richtung. 🙂

„Eitel Kunst“ auf in die nächsten 25 Jahre! – Vielleicht feiern wir gemeinsam dann den 50. Jahrestag? Wenn die so schnell vergehen, wie die ersten 25 Jahre, wird es vielleicht wieder wie ein Flug durch die Zeit. Kaum bemerkt, sind wir auch in den letzen Jahren aneinander gewachsen; sowohl künstlerisch, als auch menschlich. Ich erinnere mich an Meinungsverschiedenheiten, die dann doch beigelgt werden konnten, an Lieder am Lagerfeuer, an Nachtwanderungen, an Tränen und Lachen. Es wär schön, wenn sich noch weitere Stimmen finden, die einstimmen.

Dieser Blog ist für uns da. Ich hoffe, dass ich mich nicht nur allein freue, wie „ein Rufer in der Wüste“, sondern das es ein bemerkenswertes Feedback geben wird.

  Liane Fehler Onlineredaktion

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“Eitel Kunst e.V. – eine Sammlung UnDichter” ist über 25 Jahre alt!

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eine Zeichnung von Olaf Zernick

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Die Eule ist eine Zeichnung von Olaf Zernick.

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Liane Fehler – Foto: Baumwunder

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Bäume sind Gedichte,
die die Erde in den Himmel schreibt.“
(Khalil Gibran – Poet)
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Gerhard Jaeger: Schnabel babel bluh

Schnabel babel bluh Kubanisches Lied Selbst ausgedacht Nach einer Flasche 7 Jahre alten Rum in Memo an la Paloma Vögelchen ach Vögelchen Bluh babel Schnabel Vögelchen ach Vögelchen Du Messer du scharfes phu Komm her, geh fort Schnabel Nabel bluh Vögelchen mein Vögelchen vögele ich oder vögelst du

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Schnabel babel bluh

                Kubanisches Lied
                Selbst ausgedacht
                Nach einer Flasche
                7 Jahre alten Rum
                in Memo an la Paloma

Vögelchen ach Vögelchen
Bluh babel Schnabel
Vögelchen ach Vögelchen
Du Messer du scharfes phu

Komm her, geh fort
Schnabel Nabel bluh
Vögelchen mein Vögelchen

vögele ich oder vögelst du

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