DER saß mit mir zwei Jahre auf einer Schulbank – das ist
die einfache Antwort, auf die Frage, wer das eigentlich sei, zu dessen „Bildern
von hier und da. Porträts und Landschaften“ der „Eitel Kunst e.V.“ am Samstag
den 6.4. um 16 Uhr im Mehrgenerationenhaus Gedichte und Geschichten lesen wird.
DAS ist noch kein Qualitätsmerkmal. Schließlich hat es der
Junge hinter uns zum Justizminister gebracht, nicht wir. Aber kennt noch einer
einen, der ein umfangreiches Theaterstück auf die wesentlichen Rollen
zusammenkürzt und aufführt – für einen ersten Kuss?
Gekürzt auf genau so viele Rollen, wie sich Freunde finden
ließen, die bereit waren, den Aufwand einer Aufführung vor der Klasse
mitzutragen. Verrückt genug, das Ganze dann bei einer öffentlichen
Schul-Aufführung zu wiederholen. Mund-zu-Mund-Propaganda wirkte noch, man musste
in die größere Aula der benachbarten Blinden-Schule ausweichen. Eine
Kuba-Rum-Idee – die dazu führte, dass der Schüchternste der sechs Freunde alle
Nebenrollen zu übernehmen hatte. Eigentlich ein Running Gag. Erst in der
Rückschau wurde dem Darsteller deutlich, wie sehr sein verzweifelt beschränktes
Bemühen, jede Figur anders anzulegen, der Gleichförmigkeit der DDR-Typen einen
Zerrspiegel vorhielt. Dass der eigentliche Autor in den Mitte-80ern bereits
wieder unter „Generalverdacht“ bei den DDR-Oberen stand, ahnte vielleicht nur
unsere Deutsch-Lehrerin. Wie viele Lehrer gab es, die in den Jahren neuerlichen
Misstrauens solche Projekte noch bestärkten?
Aber wo ist nun die Qualität? – Der bringt es auf den
Punkt. Zufälle und glückliche Umstände nutzend. Und den eigenen unbedingten
Willen. Das Wesentliche sehend. Das Motiv. Der traut sich. Und überzeugt andere
dabei, sich zu trauen. Die Landschaft befragend. Und sich. Macharten, Vorlagen,
Vorgänger und Muster durchspielend.
Wer mir nicht traut und der im MGH getroffenen Auswahl aus
der Vielfalt der Werke, kann gern unter https://jensbarthelshop.de/c/wunschbilder
nachschauen. Was er dabei ganz sicher entdecken wird: Wie zielgerichtet sich
JENS BARTHEL für die jeweilige Technik entscheidet. Am augenfälligsten für
mich, wenn man die Gemälde mit den Fotographien vergleicht. In Letzterer
beweist er den Mut, den kaum ein Fotograph noch aufbringt und der in den
Gemälden der verschiedenen Weltgegenden wohl auch kaum noch geht: Große
dramatische Landschaften – eine Flut der Details, Strukturen, Schattengebilde
im grellen Licht – gebändigt in der Geschichte eines Augenblicks. Ich freue mich
schon auf eine Fotoausstellung von Jens Barthel – vielleicht mit den Amerika-Texten
des von Hinnerk Einhorn?
Übrigens: Der heutige Justiz-Minister war einer der Darsteller
des Stücks. Und: JENS hat die Frau, für die das Theater-Risiko der Freunde eingegangen
wurde, nicht nur geheiratet, sondern auch zwei Söhne mit ihr. Einer der beiden wird
die Lesung, in der sich die Teilnehmer des von Freitag, den 5.4., bis Sonntag,
den 6.4. im MGH Königs Wusterhausen, Am Fontaneplatz 6, stattfindenden Frühjahrseminars
des „Eitel Kunst e.V. – eine Sammlung UnDichter“ vorstellen, mit seiner
Abiturienten-Band begleiten.
Lars
Steger
PS: Liebe Eitle Künstler,
wer den Anspruch hat, den Bildern der Vernissage zu der wir
lesen, mit seinen Texten nahe zu kommen, kann sich gern vorab über die
wahrscheinliche Auswahl der im MGH hängenden Werke informieren: https://1drv.ms/f/s!Ar9Y-RMd95Rbgfo9rhh0pNsHpoiMVw (wird
regelmäßig aktualisiert).
Außerdem erinnere ich nochmal an meine Bitte um Rückmeldung
zu Seminar und Lesung! (Termin läuft eigentlich gerade ab.)