• Andreas Schrock: Elliptische Annäherung

    Andreas Schrock Elliptische Annäherung

    Das Bild hängt in Kobryn, im Haus der Kultur, im Zentrum auf blauer Pinnwand, unten,
    weit unten, links. Ich muss mich bücken, die Häuser zu sehen, die Stadt, die Häuser mit Fenstern wie Augen, mit Dächern, Hüten gleich, Gesichtern also.

    So Bös‘ das eine, hat ein drittes Aug´. ´So achtlos das andre, angenehm, mal ohne Emotionen: Drei Fenster in einer Reihe, geht doch. Und ein altes Haus, auf dem Bild, die Fenster nach unten gezogen. Und ein kleines Haus, ein Mädchen oder Junge, ein Kind eben, sächlich also, ohne Fenster, allein mit einer Tür.

    Und ein Haus mit schiefem Gebiss, so jedenfalls hängt die Toreinfahrt im Wind. Und noch ein Haus, mit wehenden Rockschößen, oder wie sagt man, wenn das Haus zur Seite rutscht und das Vordach nach hinten fällt.

    Und in der Mitte ein Haus mit Gesicht, so eine tatarische Prinzessin, mit Stirnband, mit kunstvollen Nägeln. Mit Nägeln, die nicht wehtun, denn sie kitzeln nur leicht die tauben Regionen des Hirns.

    Und ein Haus mit hellem Gesicht, schaut es zum Rand, zum Rand des Bildes, zur Stadtmauer, zur Fahne der Verteidiger. Darüber der Sternenhimmel, weiße Punkte auf tiefblauer Tischdecke.

    Die Fenster in den Stuben leuchten, ohne Gardine, sind einfach hell. Dahinter also wird gelebt, ich kann es sehen. Da wird gelebt und geliebt und gestorben. Und die Dächer, die Hüte also, sind grün und blau, braun und rot, pink und ocker.

    Die Dachziegel, die Schindeln, die sind so gar nicht Deutsch, keine Biberschwänze und so. Die sind, wie sie in Kobryn eben sind: aus Blech, rechteckig, symmetrisch. Oder schraffiert, längs und quer. Und dann, dann hat die Malerin Fantasieschindeln hinzugefügt, Ellipsen, so, wie ein Eierkuchen nie aussehen kann; wie ein Auge, nun ja, auch nicht aussieht; so, wie einfach die Hand ging, in diesem Moment.

    Und das Pflaster braun, kackbraun sozusagen. Aber die Steine könnten auch Kartoffeln sein;
    `ne dunkle Sorte, Kartoffelpflaster also.

    Dieses Bild also hängt in Kobryn, im дворец республики, an der Wandzeitung; während draußen belarussisch палаць културы steht: ein Kulturpalast, aus Sowjetzeiten, in Kobryn, in Belarus, am Rand des zentralen Platzes, in dessen Mitte ein Denkmal steht, für die Befreiung der Stadt, am 20. Juli 1944. Moment, da hat doch Stauffenberg die Bombe, an diesem Tage nahm die 61. Armee der belarussischen Front Kobryn.

    Ein Obelisk aus Beton listet die Orden auf: 669 Orden für die, 692 Orden für die. Und 369 Orden für die, und so geht die Reihe runter. Ganz unten 12 Extraorden, posthum verliehen. So also, lässt sich Sterben auch darstellen, denke ich, während ich langsam ums Denkmal geh, quert ` ein junger Mann den Platz, er lächelt mit hochgezogenem Mundwinkel.
    Da seid ihr drüber weg, was? Natürlich,
    seid ihr drüber weg. Aber ich bin mittendrin.

    Blöder noch wird es vorn, an der Ausfallstraße. Da steht ein Denkmal mit russischem Adler,
    Juli 1812 steht da, ein Sommertag also, als die Russen gewannen, die Schlacht bei Kobryn.
    Da haben sich die Franzosen verrechnet, doch ach, was lese ich, abends im Hotelzimmer, im Netz, waren nicht Franzosen, waren Sachsen, die sich verbraten ließen.

    Früh um sechs gings los, und um 14 Uhr war das Pulver alle. Aber da waren 2.000 schon tot, lese ich abends im Hotelzimmer, dem kargen. Hinter der dünnen Wand reden zwei Russen
    mit bassigen Stimmen. Dann geht die Klospülung. Stille.

    Wo sind die Spuren, denke ich; doch welcher Stammbaum geht so weit zurück, und wen interessiert es, was in der Pfanne seiner Vorväter bruzzelte, Pulver oder Bratkartoffeln.

    Wen interessiert´s. You are polishman? fragt mich die Frau im Zug, auf der Sitzbank neben mir. Nein, ich bin kein polnischer Mann, из германии, murmle ich und sie sagt`s auf Englisch: From Germany! und ihre Augen werden feucht.

    Bin ich gefahren, tausend Kilometer fast, und treffe diese Frau, die sich wünscht, nicht hier zu sein!

    Kennst du das, wenn dich ein Satz, oder Halbsatz oder ein offener Mund ins All schleudert?

    Und jetzt, weißt du, jetzt bin ich hier am sonnenfernsten Punkt der Ellipse, Ich bin hier am Arsch des Pluto. Und hier, weißt du, hier ist es kalt. Und hier hat keiner ´ne Decke für mich, weil, hier ist keiner, niemand, никто ist ein Indefinitpronomen, sagt mein russisches Wörterbuch. Weißt du, ein Pronomen ist eh schon irgendwas, was für einen Namen steht.
    Und dieses irgendwas ist nicht einmal definiert. Das also heißt: mutterseelenallein.

    Hier bin ich und warte.

    Und warte.

    Denn die Schwerkraft trägt mich durchs All.

    Und dann, schau nur, sieh‘, der Punkt da hinten, die Sonne. Ganz klein. Ganz fern. Die Sonne.

    Und ein Bild, eben noch auf Pinnwand Liegt jetzt auf dem Tisch, hinter dem Häuschen, ein Blatt im Sommerwind, beim Großvater, beim Großvater! Dieses Bild also ist von Mascha Boikow, 11 Jahre alt; die nicht weiß, dass ich es weiß; die im Traum durch diese Stadt ging,
    eine Schlafwandlerin, die malte, was sie sah.

    Mascha, du bist ein großartiges Mädchen. Wenn du eine Frau bist, wirst du einen Mann haben, und Kinder. Und ich werde alt sein. Doch dein Name steht hier geschrieben. Eins nur fehlt noch, Mascha aus Kobryn: dein Vatersname, der zweite Vorname. Du musst ihn kennen. Du kannst ihn nicht vergessen haben, denn so hängen wir ja zusammen, über den zweiten Namen, der jeweils dem Vater gehört, das Kettenglied, dass die Jahrhunderte in uns zusammenhält. Oder hast du keinen, bist du abgeschnitten von der Zeit, bist du einfach nur Mascha Boikow, frei von Vergangenheit, frei von Erinnerung. Frei von Schuld.

    Brest, Oktober 2019, letzte Bearbeitung: Dresden Juli 2020

    „Сказочный город“, техника: гуаш; автор: Маша Ьойко, 11 лет „Traumhafte Stadt“, Technik: Gouache, Autor: Mascha Boikow, 11 Jahre

  • Isabel Arndt: Sabbattagebuch VI 29.04.20

    Etwas ist neu am Sitzen. Dachte bisher, man sitzt in diversen dafür vorgesehenen Möbeln oder je nach Bodenbelag eben darauf und kommt mit den Ameisen klar oder nicht. Und steht auf, wenn’s weh tut oder es irgendwie Zeit ist. Aber so direkt mitten in der Zeit sitzen, festsitzen, kein Hafturlaub und sowieso per se angeklagt, […]

  • Gerhard Jaeger: Bild „Janishausen 2“

  • Zeichnung von Andreas Schrock: „Der Artist“

    Zeichnung von Andreas Schrock: Der Artist
  • Dorit Brückner – Bild: „ALL EINS“

     Bild: „ALL EINS“ – von Dorit Brückner

  • Andreas Schrock: Der Rest der Revolution

    Der Rest der Revolution

    Wir wimmern, statt zu schrein.
    Wir zärteln und scheuen den Kuss.

    Die Revoluzze im Bett, verhandeln wir
    wer oben und wer unten liegen muss.

  • Andreas Schrock: Depression

    ich fliege
    von blüte zu blüte,
    und blüte zu blüte, gleich
    mit beginn der zeit,
    im frühling, wenns blüht
    und glüht, die sonne,
    die wonne

    dann flieg ich,
    bis zum herbst, …

  • Liane Fehler: Zärtlichkeit in manchen Zeilen

    Wenn von Engels-Chören die Rede ist, die „auf Reihenhausdächern proben“, wirst Du von Eingeweihten die Antwort bekommen: „Das war mein zweitbester Sommer!“.

  • Liane Fehler: Liane liest Liebeslyrik – Foto: Sebastian Schulz

    Liane Fehler: Fliederduft verspricht …

    Liane Fehler: Belustigt der Geist

    Liane Fehler: ausatmen

    Liane Fehler: Ellipse

    Liane Fehler: Arabeske“Liane liest Liebeslyrik“ Audio 16

    Liveaufnahme einer kleinen Lesung, die während unserer Lyrikwerkstatt in Bad Sonnenland (2012) unter freiem Himmel spontan zelebriert wurde. Folgende Texte sind zu hören (Wer möchte, kann dem Link folgen und mitlesen):

    Fliederduft verspricht …
    Belustigt der Geist
    ausatmen
    Ellipse
    Arabeske

    Um die Aufnahme abzuspielen, bitte in die türkisfarbene Schrift klicken und den Artikel öffnen.
    Dann sollte ein Player erscheinen

  • Chronik – März 2014 – Veranstaltungshinweis: Liederwerkstatt, ebooks und Texte – Schwerpunktthemen im Frühjahrsseminar des Eitel Kunst e.V.

    Die Undichter laden wieder einmal zu einem ihrer Seminare ein, die regelmäßig halbjährlich stattfinden. Es geht mit nur geringfügigen Unterbrechungen des notwendigsten Nachtschlafs von Freitag, dem 28.3. um 19 Uhr bis Sonntag, den 30.03. um 14 Uhr. Tagungsort ist wieder das Mehrgenerationenhaus am Fontaneplatz in Königs Wusterhausen.

    Die erste Veranstaltung bestreitet am Freitag, den 28.3., um 19 Uhr Christian Friedrich Hohberg, Liedermacher und Spielmann.Er singt und spricht Texte aus seinem Programm: “Vormittagsjazz“. Dazu begleitet er sich auf Klampfe & Zister.

    Es werden im weiteren Verlauf Texte vorgetragen und diskutiert. Am Sonnabend gibt es einen Vortrag über das Wohl und Wehe von ebooks. Aber auch wer gern eigene Texte vorstellt und ein Feedback haben möchte, ist in der UnDichterrunde herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

    Kontakt: www.eitelkunst.de

  • Fritze (Christian Hohberg): Vormittagsjazz

    Kaffeedunstminuten
    tanzender Staub flimmert auf
    in der Sonne am Fenster
    ein Blütenblatt schwebt
    aufs Tischtuch

    des Weckers zwei winzige Tasten
    klimpern zum Auftakt
    die Tür jazzt in den Angeln
    verquer tropft dem Rhythmus der Hahn
    Bläser kreischen im Kessel
    dumpf rumoren im Ofen die Bongos

    und der Sturm posaunt die Antwort
    klirrend
    auf seiner Harfe

  • Gerhard Jaeger Bild: Friedensstrasse Königs Wusterhausen

    Um von dieser Vorschau zum Artikel zu gelangen bitte in die türkisfarbene Überschrift klicken. Dort ist das Bild in einer größeren Variante zu sehen.

  • Gerhard Jaeger: Im Chaos der Zeichen bist du das Zentrum

    Im Chaos der Zeichen
    bist du das Zentrum
    über südliche Meere
    pilgert der Herbst
    laubbunte Wasser
    laufen gegen rostige Klippen,
    morgens oder abends,
    wenn Dunkelheiten zu rasch
    dich bedecken

    senden Agaven
    mit seltsamen Antennen
    Funksprüche über das Felsplateau

    Schwärze, die du kennst
    Finsternis, die dich umbettet

    die Terrassen kühlen aus,
    ratlos blickst du hinauf
    ins Chaos sternener Zeichen,
    deren Sinn dir abhanden kam

    langsam beginnt es, das Universum
    fängt an zu kreisen

    allein um dich

  • Liane Fehler: Kreislauf – Circulation

    Kreislauf

    Lichtblaue Ewigkeit
    Felsengräberküste
    schwarze Vögel
    kreisen
    am Himmel
    Wellen branden an
    Felsen verschwinden
    und werden neu geboren
    Wellen branden an
    Himmel
    schwarze Vögel
    Felsengräberküste
    Lichtblaue Ewigkeit

  • Lars Steger: der vierte der affen

    der vierte der affen

    sieht
    hinter die kostüme,
    vorhänge, kulissen

    hört
    zwischen den sätzen
    das ungesagte

    sagt,
    was er erfuhr,
    ihm nahe stehenden

    und weist
    die schultern gen himmel
    auf die drei andern

  • Liane Fehler: Kismet II

    Du bist
    ein Tautropfen
    auf mir
    dem Blatt

    durch Dich
    spiegelt sich
    auf mir
    der Himmel

  • Gerhard Jaeger: Von den Flügeln, dem Fliegen, dem Tanz und dem Mond – Rezension zu Gedichten von Liane Fehler

    Es macht Spaß die Gedichte und Texte von Liane Fehler zu lesen. Die vorliegende Auswahl ihrer Arbeiten umfasst 35 Texte. Schon vorweg lässt sich sagen, hier schreibt eine junge Frau, zu deren Handwerk und Ausdruckskraft eine oft humorvolle Poetik in lyrischen Bildern gehört.

    Dabei greift sie auf originelle Weise auch auf eine Metaphorik aus dem Türkisch- Orientalen zurück, verwendet geschickt mythologische Begriffe. So beispielsweise im Gedicht “Auferstehung klemmt“, in dem Phönix, Goliath und die Meduse auftauchen. Da gibt es das Gedicht mit dem Titel “Arabeske“ in dem gesagt wird:

    Arabeske

    heißt mein wildes Pferd
    es trug mich im Teufelsritt
    durch den Frühling
    in den Sommer
    bis zu dieser Nacht
    gelange durch die Gärten
    „de Aranjuez“
    auf die Mondsichel
    weiches Licht fließt
    auch auf die
    allein träumenden
    über die traurigen, großen Kinder
    die erwachsen tun …..

    Auf schwebt ein Aroma des Fremdseins, des Märchenhaften. Man ist unterschwellig an Geschichten aus 1000&1 Nacht oder an den Zauber der Alhambra erinnert. Sicher kommt der Autorin beim Aufspüren solcher Szenen zu Gute, dass sie sich im Vorfeld mit dem Nachdichten von Lyrik und Liedern dichtender Sängerinnen aus dem Gebiet des vorderen Orients –( eine Reise durch 300 Jahre), befasst hat.

    Asche und Sand…Phönix…nehm ich die Flügel…schweb für Momente…Flügelschuh…alle Gedanken fliegen auf…als Gestirne die eigene Bahn ziehen…ich schwebe für Momente…Die Kette der Zitate aus unterschiedlichen Zeilen und Gedichten von Liane Fehler ließe sich mühelos weiter führen. Flügel und fliegen, …

  • Liane Fehler: Orakel der Welt

    teilt sich mit
    im Gebrüll der Kriege
    im Entsetzen danach
    in der Stille

    Wir hören das
    Summen der Zeit

  • Lars Steger: Collage und Montage

    Autor: Lars Steger

    Die Literatur“; wird hier erklärt mit: „[[…] französisch „das Leimen, das Ankleben“]: aus der bildenden Kunst in den Bereich der modernen Literatur übertragene Bezeichnung 1. für die Technik der zitierenden Kombination von meist nicht zusammengehörigem vorgefertigtem sprachlichem Material; 2. für die derart entstandenen literarischen Produkte.
    Es werden fremde Text-Materialen für ein eigenes Ganzes genutzt – mit, gegen oder zumindest abweichend von Intentionen des Ausgangsmaterials.

  • Chronik – Gerhard Jaeger: Collage?

    Collage?

    „…Wenn es der Zunft der bildenden Künste gegeben ist, aus unterschiedlichen Materialien, Papier, Gewebe, Fotos und anderen Fundsachen Bilder zu schaffen, so haben wir Schreibenden die Möglichkeit, unsere Fundstücke, Gedankensplitter und Themengewebe in poetische Sprachbilder zu setzen. Sicher ist das schwer miteinander zu vergleichen, aber mir scheint der kreative Ansatz dazu derselben Familie zu entspringen. “… die Dinge reden hör ich so gern… “ heißt es bei R. M. Rilke. Also folgen wir ihm und geben den Dingen einen Raum im Haus der Sprache bis hin zu dem kühnen Versuch von Christian Rempel naturwissenschaftliche Theorie in Gedichte zu transformieren. Totsicher, ein gewagtes Experiment, bei dem nach gültiger Spielregel wenigstens einer der Kontrahenten beschädigt aus dem Rahmen fallen wird. Dennoch, auch daran wird die Verlockung sichtbar, mit Themenmaterialien zu hantieren …“

  • Lars Steger: im sand die erde

    im sand die erde
    unterm pendel mit der zeit
    sich drehen sehen

    Autor: Lars Steger

  • Andrea Meng: Du Felsgesicht

    Sie hatte ihn so satt
    Ihn und sein Felsgesicht
    Und seine drei Hunde
    Deren Namen mit Kampf anfingen
    Und den Klingelton seines Handys
    Das er auch zur Nachtzeit nie ausschaltete
    Richtig übel aber war
    Der Fehlerbericht
    Den er über sie führte
    Als kleine Liste in seiner Hosentasche

  • Aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015 – Liane Fehler: Arabeske

    Arabeske

    heißt mein wildes Pferd
    es trug mich im Teufelsritt
    durch den Frühling
    in den Sommer
    bis zu dieser Nacht
    gelange durch die Gärten
    „de Aranjuez“*
    auf die Mondsichel
    weiches Licht fließt
    auch auf die
    allein Träumenden
    über die traurigen, großen Kinder
    die erwachsen tun

  • *** Aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015 – Andreas Schrock: Busbahnhof Sewastopol

    Wie ein Greifvogel fällt die Dämmerung
    in die awtozanzija, über Männer mit
    leeren Kartoffelsäcken, über Mädchen
    mit Handtaschen, über das Kind.

    Da hinein fällt die Dämmerung, fällt das Licht
    des Linienbusses, spärlich, ins Donezkbecken
    fährt er, gut tausend Kilometer, budjet, budjet.

    Auf den letzten Plätzen sitzen wir,
    dein Gesicht, deine großen Augen
    gegen den dunklen Himmel. Nach
    Jalta oder weiter nach Donezk
    fliegen unsere Gedanken dem
    Busfahrer voraus.Die deschurnaja
    ist jung, eine djewotschka, die
    durchzählt mit klarem Blick.

    Voraus fliegen unsere Wünsche, ein Bus
    voll Erwartung, schweigend, schaukelt
    die Küstenstraße, Kurve um Kurve
    am Mittelstreifen entlang.

    Der Mond scheint wie eine
    halbierte Melone, hängt
    unwirklich, ungelenk, nichts
    voreilige festlegend,
    purzeln die Worte,

    geht die Fahrt ins
    offene Land.

  • Desdemona: Nach-Lese

    ganz persönliche „Nach-Lese“

    „Gute Nacht Großhirn“ (von Liane im GeWa 110) könnte ich mir fast täglich sagen: immer wieder lasse ich mich von meinen Emotionen treiben und schüttele im Nachherein ernüchtert den Kopf. Es ist nicht die hochgepriesene Vernunft, die uns antreibt. Nein!!!
    Liane beschrieb in nur 5 Zeilen ein aufregendes, alltägliches Drama – wer kennt es nicht?
    Erfrischend ist auch die„Entweihung“ – gleichfalls von Liane. So viel Selbstironie , Mut und innere Freiheit, sich auch ( nicht nur!) als Strichmännchen darzustellen und die Inschrift – also das eigene Selbstbild- zu belächeln.
    „Der Blick, der wie eine Klinge die Worte abschneidet “ – auch wieder so ein starkes Bild. Ich sehe sie vor mir, diese herrsüchtigen, kaltblauen Augen!
    Schließlich hüpft Liane auf dem Frosch davon – diesem schlüpfrigen, eigenartigen Wesen, das als Vehikel für ihr Selbst dienen soll. Nach Enttäuschung und Tränenblick jetzt also ein vielleicht sogar lustiger Ritt – das ist wieder so eine Art Selbstbefreiung und Selbstüberschreitung.
    Rätsel geben mir nicht nur Lianes Beiträge auf.
    Ich fand Parallelen zu den Gedichten von Frank P. Er steckt sich selbst in eine zuverlässige Rüstung aus Hoffnungssicherheit – nur so kann er sich bewahren.
    Spielen und Manipulieren muss der Lebenserfahrene selbst nach 48 Jahren Lebensschule immer noch lernen. Schreckliche Zeiten! – so denke ich.
    Schließlich ein Grabender: nur nach Abschieden und letztem Blick zurück – hinterherhinkend- hofft er endlich satt zu werden.
    In dem Gedicht „Hast du schon gehört“ höre ich ganz versteckt Annett heraus –
    Desdemona (beim Sortieren ihrer Empfindungen nach einem Lese-Abend )

  • sibyll maschler: Haiku-Quartett

    Komm im Überfluss
    präge ein Wasserzeichen
    ein in meine Haut

    Lass dich empfangen
    mein König im Überfluss
    bin ich dein Gefäß

    Lieg still heute Nacht
    und lass dich sanft kreuzigen
    an Mund und Lenden

    Öffne die Pforten
    sei immer wieder Neuland
    und komm wie Regen

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Lars Steger: schon wieder schimmert

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schon wieder schimmert
der spielplatz durch die blätter
spätsommerglitzern

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Vereinsgeburtstag – „Festtags-Woche“ im Blog

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Vor ein paar Tagen, am 17. Juni 2021, war unser 31. Vereinsgeburtstag.
Wir leben, denken und dichten weiter.

Eine Art „Festtags-Woche“ im Blog ist für alle Interessierten bereitet.

Wer jetzt selbst keine Beiträge künstlerischer Art zur Verfügung stellen kann oder möchte, könnte sich trotzdem beteiligen, indem ein Feedback über die Kommentar-Funktion gegeben werden könnte.

Ein wesentlicher Bestandteil unseres Vereinslebens ist der Austausch zu den diversen künstlerischen Ausdrucksformen.
Wer kennt die Freude nicht, wenn erste Reaktionen auf einen Text oder ein Bild gegeben werden?

In diesem Sinne seid bitte großzügig.
„Geben und Nehmen“ eine wunderbare Symbiose, die unser gemeinsames Leben trägt.

Ich wünsche Allen eine gute Zeit und trotz und wegen der derzeitigen besonderen Umstände eine besonders ausgeprägte Lebensfreude. Möge sie uns die Kraft geben, die es braucht, um all den Herausforderungen gewachsen zu sein, denen wir begegnen.

Mit unserem Blog soll auch diese Kraftquelle erweckt unterstützt werden.
Schöne Momente in Haiku oder Tanka festgehalten, können die bewusste Wahrnehmung schärfen und schulen.
Es gibt neben dem Schatten auch immer das Licht. Neben dem Bösen wächst das Gute. Unsere Stärke liegt in der Gemeinschaft.

Mit Herzensgüte wollen wir uns weiterhin begegnen, einander helfen und da sein, wenn wir gebraucht werden.
Verbundenheit zeigt sich auf vielfältige Weise. Als noch unsere monatlichen Treffen auf der Tagesordnung standen, „hockten“ wir zusammen und haben diskutiert, gelacht und in der Sache gestritten. Fast immer kultiviert und ohne das Gegenüber persönlich anzugreifen. Das ist eine sehr wertvolle Tradition, auf die wir ganz zu Recht stolz sein dürfen.

Ich hoffe, dies wird auch hier im Blog weiterhin ihren Niederschlag finden.
Der Blog ist unser Medium
machen wir gemeinsam etwas daraus – machen wir weiter?!

Liane Fehler
Onlineredaktion

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sibyll jean: Vorbereitung des Seminars 2021 in Jahnishausen

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Liebe Seminarteilnehmenden,
hiermit möchte ich die von Andreas begonnen Überlegungen zu unserem Seminar aufgreifen und mit der Abfrage der Teilnehmenden beginnen.
Immerhin können wir uns ja auf eine Lesung vor Publikum freuen. Und später wollen wir alle eine gute Schlafstatt haben.

Wer möchte am Mittwoch, d. 25.08.2021 anreisen und wer am Freitag, d. 27.08.2021? Wir sind ab 15 Uhr willkommen. Gibt es Tagesteilnehmende, wenn ja, an welchen Tagen? Dies wäre für die Essensplanung wichtig.

Bitte teilt mit, ob ein Einzelzimmer gewünscht wird oder die Freude größer ist, wenn im Nachbarbett ein Gegenüber liegt und gleichzeitig auch der Einzelzimmerzuschlag entfällt.

Falls die Anzahl der EZ knapp werden sollte, bin ich auch für einen Hinweis auf kurzfristige Flexibilität dankbar.
Bitte an Bettzeug denken, ggf. entstehen zusätzliche Kosten.
Außerdem werden auch gern Anmeldungen für Zeltende oder
Im-Auto-Schlafende angenommen.

Für Freitagabend ist unsere zweite Lesung in Jahnishausen geplant. Start soll 20 Uhr sein. Wer möchte sich aktiv beteiligen? Habt Ihr Ideen für ein Motto, mit welchem ich die Werbung vor Ort anschieben sollte? Bei Vorschlägen beachtet bitte die Lebenstraumgemeinschaft mit all ihren Facetten.

Um unser Publikum nicht zu überfordern, wird eine Lesungsdauer von einer Stunde geplant. Jede/r Lesende/r sollte sich nach derzeitigem Stand auf eine Zeit von 8 bis 9 Minuten einstellen. Werden nur wenige von uns lesen, gebe ich vorher Bescheid, so dass sich die Lesenden rechtzeitig auf eine längere Beitragszeit einstellen können.

Lars wird freundlicherweise moderieren. Wer möchte etwa zweiminütige, musikalische Überleitungen zwischen den Textbeiträgen gestalten? Anschließend bieten wir wieder die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch an.

Eure Antworten erwarte ich bis zum 18. Juli. Bei Fragen oder Anregungen bitte gern bei mir melden!

Liebe Grüße von sibyll jean

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Unser Team Stephan und Andreas bereitet das GeWa Nr. 147 vor

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Liebe Eitle Künstler, Dichter und Denker,

Stephan Tittel und Andreas Schrock bereiten die Nummer 147 des Gedankenwassers vor und möchten Euch zu Einsendungen aufrufen. Das Heft soll pünktlich zum Seminar in Jahnishausen am 25./27. bis 29. August 2021 erscheinen. Redaktionsschluss für die Einsendungen ist am 18. Juli, also etwa vier bis fünf Wochen vorher. Hier einige Anregungen:

A)     Das neue Gedankenwasser soll die Textlesungen im Seminar wesentlich erleichtern. Wir freuen uns also über die Texte, die wir im Seminar voraussichtlich lesen werden.

B)     Ein Teil des Heftes soll für Beiträge zum Thema „Que(e)rdichten/Que(e)rmalen“ geöffnet werden. Der Titel ist – zugegeben – recht sperrig. Aber wir hoffen, dass sich unter dessen Dach vieles vereinen zulässt. Lasst Euren Inspirationen also freien Lauf! Wir freuen uns über Text- und Bild-Einsendungen.

C)      Wir freuen uns über Textinterpretationen und Rezeptionen aller Art (Bildrezeption wäre auch so ein Ding).

D)     Wir bitten alle Einsender, eine kleine Vita mitzuschicken. Hilfreich ist erfahrungsgemäß immer ein Ort und ein Jahrgang, dem man sich zugehörig fühlt. Alles andere kann nach eigenem Ermessen gern gestaltet werden.

E)      Bitte vergesst unseren schönen Vereinsblog nicht und vermerkt, was Liane auf die Seite stellen kann.

Habt einen guten, beginnenden Sommer und seid herzlich gegrüßt…

Euer temporäres Team, Stephan und Andreas

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oskar löffelschuh: Machs gut

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Machs gut

Ich stell mir vor, du hättest noch
Machs Gut gesagt
so blieb zurück als Trost im Grab
von dir die leere Hülle
ein Ort so laut und vorwurfsvoll
in seinem großen Schweigen
ein Abschied ohne Gruß
worauf sich mein Erinnern baut
tastend läuft mein Blick umher
die Leere zu begreifen
ich spür‘, als wäre unsichtbar
alles irgendwie mit dir lackiert
so ohne dich ist alles
nur noch meins – vielleicht
wenn ich dein Fehlen mir vergebe,
ein Wort wie GUT sich in die Töne gießt
und ich dann endlich widerspreche:
du bist nicht fort – nur unsichtbar –
dann kann ich mich in deinem Glänzen
wie in tausend Spiegeln sehn

april 2021

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Liane Fehler: ZEICHEN – Alpha und Omega

by

ZEICHEN

Alpha und Omega

Ich lebe im Alpha und Omega
bin auch dazwischen
Ich werde zum Spiegel
und zum Spiegelbild

Refrain:
Mein Herz lacht und
meine Füße tanzen
mal bin ich der Schatten
mal bin ich das Licht

Mal gehör ich dem Licht
dann auch dem Schatten
Ich liebe und fürchte und
fürchte´ mich auch nicht

Refrain:
Mein Herz lacht und
meine Füße tanzen
mal bin ich der Schatten
mal bin ich das Licht

Ich lebe und werde
ich sterbe, vergehe
schmelze in der Sonne
wie Schnee
komme dann vom Himmel nieder
als Schneeflocke wieder

Refrain:
Mein Herz lacht und
meine Füße tanzen
mal bin ich der Schatten
mal bin ich das Licht

Liane Fehler     (9. Oktober 2013) erster Entwurf
Musikbeispiel für den Rhythmus
Schiller – Don’t Go (Stygma Remix)

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Haiku, Tanka oder lyrische Texte

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Ihr Lieben,
Wer von Euch Haiku, Tanka oder lyrische Texte zur Veröffentlichung in unserem Blog zur Verfügung stellen kann und möchte, sollte vornehme Zurückhaltung aufgeben, sich ein Herz fassen (wenn nötig) möglichst zeitnah eine Mail senden. Bei der Gelegenheit bedenkt möglicherweise auch Stephan und Andreas mit Zusendungen von Beiträgen für unser Sommer-GeWa.

Vielen Dank im Voraus.

Liane Fehler Onlineredaktion

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Geburtstagsgruß: Alle guten Wünsche für SMT – 12. Juni 2021

by

Lieber smt alle guten Wünsche mögen dich begleiten.

Für mich und einige der “Eitlen Künstler” bist du der kleine Fels nahe der Brandung.

Heute, an Deinem Ehrentag, möchte ich diesen besonderen Anlass nutzen und Dir – einmal mehr – für deine engagierte Arbeit danken.

Wir freuen uns sehr, dass Du unsere Runde mit Deinen Texten, Gedanken und Ideen bereicherst. Deine freundliche, besonnene Art, mit Deinen Mitmenschen umzugehen, wo immer möglich zu vermitteln oder Probleme kreativ und ohne zu zögern, selbst zu lösen, macht Dich zu einem Geschenk und zu einer Bereicherung für unsere muntere Runde.
Schön, dass es Dich gibt!

Vielen Dank dafür.

Liane



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Liane Fehler: Sommer

by

Sommer-Erwachen
Gräser wiegen sich im Wind
Luft – wie Himmelsduft
Erdbeer und Kirschen reifen
Fast fühle ich mich als Kind

Sommer-Verlangen
Blütenköpfe recken sich
ebenso wie ich
warme Luft verwöhnt die Haut
Ich fühle mich ganz als Mensch

Sommer-Liebelei
Übermut und Lebenskraft
den Schalk im Nacken
Schäfchenwolkenweiß gelaunt
betupft mit Sonnenstrahlen

Sommer-Träumerei
ganz auf Gedankenwegen
Gedichte spinnen
wahr werden soll das Schöne
bereit für Überraschung

Sommer-Sinfonie
Soundtrack des eignen Daseins
heiter harmonisch
das Leben ganz genießen
voll Demut und Dankbarkeit


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Liane Fehler: Frühsommerflirt

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Frühsommerflirt schwirrt
über Plätze und Straßen
Brunnen und Gassen

Setz dich zu mir du Falter
verzauberst jedes Alter


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Spaß beim Stöbern im Slider und Archiv

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Liebe “Eitlen Künstler”, liebe Freunde,
eine weitere komfortable Möglichkeit, Beiträge aus dem auf diesem Blog sehr umfangreich dokumentieren Schaffen von unseren Vereinsmitgliedern und lieben Freunden neu oder wieder zu entdecken, befindet sich im Slider.
Der Slider (ganz oben) ist heute von mir komplett neu mit den unterschiedlichsten Inhalten bestückt worden.

Wer Ideen für die zukünftige Gestaltung des Sliders einbringen möchte, ist herzlich willkommen. So könnten bestimmte Beträge vorgeschlagen werden, die unbedingt mal wieder auf der Startseite präsentiert werden sollten. Auch Fundstücke, die es nach eurem Empfinden wert sind, mehr beachtet zu werden, können in die Auswahl kommen.

Wer es noch nicht selbst entdeckt hat, für den sei der nachfolgende Hinweis gedacht.
An der rechten Seite unserer Web-Seite befindet sich seit einigen Wochen ein Archiv mit Beiträgen. Dies ist nach dem Monat der Veröffentlichung sortiert. Es geht bis ins Jahr 2012 zurück.
(Ja, es ist wahr – wir befinden uns bereits im neunten Jahr unseres Blog-Lebens von 2012 – 2021. Magisch. ☺)

Ich wünsche allen viel Spaß beim Stöbern!

Liane Fehler
Onlineredaktion

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Lars Steger: Vergilbte Malven

Vergilbte Malven Sturm zieht auf überm Spielplatz trag das Brot schnell heim stolzes Grau im Grün sanfte Nebel, lindes Licht auf Kranichweiden ach flaumbrauner Schwan in den aufziehenden Abend Rufen die Tauben schwindend wachsen in die Wärme der Nebel Mühlen und Bäume

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Vergilbte Malven
Sturm zieht auf überm Spielplatz
trag das Brot schnell heim

stolzes Grau im Grün
sanfte Nebel, lindes Licht
auf Kranichweiden

ach flaumbrauner Schwan
in den aufziehenden Abend
Rufen die Tauben

schwindend wachsen
in die Wärme der Nebel
Mühlen und Bäume


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sibyll maschler: Zerlegung eines VorGanges. In vier Akten.

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Zerlegung eines VorGanges. In vier Akten.

Beteiligte Personen: Frau, Mann und Sohn im Westen, Frau im Osten

Orte: Haus, Straße, Garten, Zuhause




  1. Akt.

Sie verlässt das Haus. Mit Glas im Gepäck. Und einem Grund. Oder mehreren. Oder grundlos. Wer weiß. Sie geht. Es wird gesagt: Kein leichter Spaziergang. Aus dem Garten. Fort. Längst. Mit dem Vorhaben weit. Für immer. Vielleicht. Sie geht demonstrieren. Gegen ihre Familie. Oder für eine Kleingruppe. Aus Protest. Für eine Auszeit. Sie sieht sich. Im Fensterglas. Denken. Andenken. Nachdenken. Ansehen. Nachsehen. Von Westen nach Osten. Und zurück. Ein Hin und Her. Über Konkurrenz. Nach und Teilen. Sie will. Ihren Körper spüren. Wege ausprobieren. Wälder, Kreuzungen, Ländereien begehen. Bergan, bergab, erlaufen. Ausdauernd. Hauptsache fort. Vor wem? Von Zuhause? Und was es mal war.

Sie geht weit. Unbedarft. Prüft nicht, wie weit sie geht. Was kann sie zumuten? Sich? Anderen? Sie geht weiter. Sie greift ein. Ohne Grübeln. Handelt ohne Vordenken. Sie nimmt ein Glas. Es ist von ihr. Er hat es ins Haus gebracht. Nun hat sie das Glas. Sie wirft Glas. Mit Macht. Und Genugtuung. Fort. Splitter. Auf der anderen Seite. Eine Lache. Die saubere Hand. Nun blutet sie. Sie ist weit gegangen. Das Glas ist nun fort. Sie ist da. Erst jetzt, spät, sehr spät, hält sie inne. Es dunkelt. Ringsum. Furcht. Der Körper trägt nicht mehr. Sie ist allein. Hier und zu Hause auch.

  1. Akt

Sie denkt. Ich brauche Hilfe. Wer gehört zur Familie? Noch. Sie gehört dazu. Nun. Sie ruft. An einen Sohn. Anrufung. Wen ruft sie? Einen Mann. Ist es ihr Mann? Er war es sicher. Gegenwärtig vermutlich. In seinem Zimmer. Telefonate. Seit Monaten. Zu oft. Trotz ihres Verbotes. Ist er unterwegs. Im Netz und werkt. Er ist nicht da. Und dort. Kopfkino. Anklage. Am Telefon. Der Körper ist erschöpft. Er sagt. Ich will Hilfe. Sie auch.

  1. Akt

Sie fragt. Sich. Bleibt er? Aus Verantwortung. Er hat Kraft. Neu. Er ist schmal. Und gräbt im Sand. Im Garten. Ein Loch. Nach Wasser. Es ist tief. Sie lässt ihn. Graben. Im Erdreich. Steckt er fest. Vielleicht.

Sie dort. Im Osten. Darf es nicht wissen. Dass er nach Wasser gräbt. Sie soll ihn nicht sehen. Nicht berühren. Sie darf ihm nicht helfen. Beim Ausgraben. Schöpfen. Baggern. An Ufern.

Nach den Wochenenden. Fragen. Wie viel Liebe hat er? Bei Ihr? Er hat viel. Mit. Gefühl. Mit Leid. Er ist groß. Und hat mehr. Als schöne Augen. Der Blickwinkel ist fraglich. Die Position offen.

  1. Akt

Sie setzt sich. In der Ferne. Auseinander. Und zu ihnen. In den Westen. Diese Familie. Wer ist sie. Diese Frau. Nicht gläsern. Und er? Wen wird er schützen? Grüßen. Was hat das. Mit ihr zu tun. Was wird es machen? Mit ihr? Wenn diese Frau zu weit geht. Was dann?

sibyll maschler

Juni 2020

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Chronik: Veranstaltung: Online Poesiegipfel am 10. März 2021 ab 17 Uhr per Zoom

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Liebe “Eitlen Künstler”, – liebe Freunde und Gäste,
ich möchte an die Veranstaltung online Poesiegipfel erinnern.

An alle unsere Poeten, die es noch nicht verinnerlicht haben, es wird morgen wieder ein online Poesiegipfel stattfinden. Alle Details findet ihr in den Mails von Jenny Müller, die uns wieder zuverlässig wie ein Uhrwerk darüber informiert hat. An dieser Stelle mein Dank an Jenny Müller und Susann und alle anderen, die auch zum Gelingen unserer Veranstaltungen mit beitragen.

Wer Lust und Laune hat, könnte auch einen Beitrag über den online Poesiegipfel hier im Blog lancieren. Ich bin gern bereit, dass Projekt auf diese Weise nach Kräften zu unterstützen.
Vielleicht erreichen wir dadurch noch weitere interessierte Poeten?
Ihr seid willkommen.

Liane Fehler Onlineredaktion

PS: Jenny freut sich über eine kurze Teilnahmeinfo.

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Geburtstagsgruß an Lars am 17. Februar 2021

Lieber Lars, wir sind in Gedanken bei Dir und wünschen Dir das Allerbeste. Die nachfolgenden Links sollen wie ein Kerzenlicht das lyrische Feuer deiner Gedichte zum Leuchten bringen, ein gutes Gefühl transportieren und uns Allen Freude schenken. Liane

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Lieber Lars,
wir sind in Gedanken bei Dir und wünschen Dir das Allerbeste. Die nachfolgenden Links sollen wie ein Kerzenlicht das lyrische Feuer deiner Gedichte zum Leuchten bringen, ein gutes Gefühl transportieren und uns Allen Freude schenken.
Liane

schwalbenstaffelschrei
kastaniengrün
fallende blätter
am Ende das Bild
die Bauernrose
sonniger Morgen
gegen die grelle des morgens
weit weit aufgeblüht
unterm Blau
Fern – Weh
einsam zu spielen
noch kilometer
entenbalznicken
noch treiben schollen
der fische stille
krumme wege nachts
fast brandbraun verblüht
die nackte erde
stille steht am see
nach dem zweiten glas
still steh’n laternen
plötzlich lebten wir
dieselbe sonne
sternenstill die zeit
asche und feuer
der mond ist im see
am Feuer noch
unterm wolkenbrand
schnee unterm bleigrau
im grauen kleid schön
wenn neben steinen
rosenkranzhände
leer alte nester
noch nach den stürmen
unsere worte
verhangener mond…
die nebel stiegen
mein tal im nebel
Erste Säle – hier draußen ist grelle
mein thüringer tal
aus der nebelwand
Stilleben
Erste Säle – schneelichtspaziergang
Erste Säle – garten das lebensmotiv
Erste Säle – finnisch silberweiß
Erste Säle – der wind im korngold
Erste Säle – venedig im licht
Erste Säle – wirf deine stecken weg
Erste Säle – aueland-einsamkeit
winterhelles grau
letztes laub raschelt
der vierte der affen

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Liane Fehler: Von lächelnden Blicken umfangen

Die Freunde meine Seele wirft Anker Erinnerungsbilder wirbeln auf - tanzende Blätter auf unserem Weg wir blicken zurück wir spurten voran auf den Stimmen perlt ein Lachen erkannt verstanden angenommen Familie nach Wahl!

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Die Freunde
meine Seele wirft Anker
Erinnerungsbilder
wirbeln auf –
tanzende Blätter
auf unserem Weg

wir blicken zurück
wir spurten voran
auf den Stimmen
perlt ein Lachen

erkannt
verstanden
angenommen

Familie nach Wahl!

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Liebe “Eitlen Künstler” und Freunde der “UnDichter”, unser Treffen zu „Lesen und Schreiben“ in der Karl-Marx- Straße Nr. 123 in 15745 Wildau findet heute leider nicht statt.Eine Information dazu gab es bereits durch Jenny M. per Mail. Liane FehlerOnlineredaktion

Aside

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Gerhard Jaeger: Athos

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Kreta 1998

            über alle sanften Sommer

            dieses Wispern

im Wandel der Sonnen

            ändern sich die Farben

am Gestein, wechseln wir gläubig

die Kleider unserer Gewissen

hier, zwischen all den Düften

der Minze und des Salbeis

möchte ich sein,

wie die verzauberten Insekten,

die her fielen

über dich und starben

zwischen den Mauern

deiner Klöster

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