Tag Archives: Busbahnhof Sewastopol

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Andreas Schrock: dorfstraße nachts

das dach hängt schief im gemäuer ein hund springt mich an meine seele ist dran flacher wind treibt tränen ins gesicht fernlicht blendet der fahrer hält auf mich zu ich spür meinen atem rasseln ein betrunkener radelt die straße hinab brummt sorglos: heim, nur heim tür zu hund raus blinder fleck

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das dach hängt
schief im gemäuer
ein hund springt mich an
meine seele ist dran

flacher wind treibt
tränen ins gesicht
fernlicht blendet
der fahrer hält
auf mich zu
ich spür meinen atem
rasseln

ein betrunkener radelt
die straße hinab
brummt sorglos:
heim, nur heim
tür zu hund raus
blinder fleck

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*** Aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015 – Andreas Schrock: Busbahnhof Sewastopol

Wie ein Greifvogel fällt die Dämmerung in die awtozanzija, über Männer mit leeren Kartoffelsäcken, über Mädchen mit Handtaschen, über das Kind. Da hinein fällt die Dämmerung, fällt das Licht des Linienbusses, spärlich, ins Donezkbecken fährt er, gut tausend Kilometer, budjet, budjet. Auf den letzten Plätzen sitzen wir, dein Gesicht, deine großen Augen gegen den dunklen Himmel. Nach Jalta oder weiter nach Donezk fliegen unsere Gedanken dem Busfahrer voraus.Die deschurnaja ist jung, eine djewotschka, die durchzählt mit klarem Blick. Voraus fliegen unsere Wünsche, ein Bus voll Erwartung, schweigend, schaukelt die Küstenstraße, Kurve um Kurve am Mittelstreifen entlang. Der Mond scheint wie eine halbierte Melone, hängt unwirklich, ungelenk, nichts voreilige festlegend, purzeln die Worte, geht die Fahrt ins offene Land.

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Wie ein Greifvogel fällt die Dämmerung
in die awtozanzija, über Männer mit
leeren Kartoffelsäcken, über Mädchen
mit Handtaschen, über das Kind.

Da hinein fällt die Dämmerung, fällt das Licht
des Linienbusses, spärlich, ins Donezkbecken
fährt er, gut tausend Kilometer, budjet, budjet.

Auf den letzten Plätzen sitzen wir,
dein Gesicht, deine großen Augen
gegen den dunklen Himmel. Nach
Jalta oder weiter nach Donezk
fliegen unsere Gedanken dem
Busfahrer voraus.Die deschurnaja
ist jung, eine djewotschka, die
durchzählt mit klarem Blick.

Voraus fliegen unsere Wünsche, ein Bus
voll Erwartung, schweigend, schaukelt
die Küstenstraße, Kurve um Kurve
am Mittelstreifen entlang.

Der Mond scheint wie eine
halbierte Melone, hängt
unwirklich, ungelenk, nichts
voreilige festlegend,
purzeln die Worte,

geht die Fahrt ins
offene Land.

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