Categotry Archives: aktuelle Seminare + Chronik durchgeführter Veranstaltungen

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Chronik 2013: Seminar vom 2. bis zum 4. August 2013

Liebe Freunde und Gäste! Vom Freitag, 2. August bis Sonntag 4. August 2013 führt der "Eitel Kunst e.V. - eine Sammlung unDichter" ein Seminar auf dem Campingplatz Bad Sonnenland bei Moritzburg durch. Dabei wird es Gelegenheit zur Vorstellung und Diskussion eigener Texte geben. Wer also eigene Texte verfasst und/oder selbstverfassten Texten gerne zuhört, ist herzlich willkommen.

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Tassen Kaffee

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Liebe Freunde und Gäste!

Vom Freitag, 2. August bis Sonntag 4. August 2013 führt der „Eitel Kunst e.V. – eine Sammlung unDichter“ ein Seminar auf dem Campingplatz Bad Sonnenland bei Moritzburg durch. Dabei wird es Gelegenheit zur Vorstellung und Diskussion eigener Texte geben. Wer also eigene Texte verfasst und/oder selbstverfassten Texten gerne zuhört, ist herzlich willkommen. Auch Gäste, die nur zeitweilig teilnehmen wollen oder können, sind gern gesehen. Und auch unangemeldete Tagesgäste sind gern gesehen.

 Hier die Eckdaten:

 Wer mit Navi fährt:

Campingplatz Bad Sonnenland
Dresdner Straße 115
01468 Moritzburg

 www.bad-sonnenland.de

Wer „auf Sicht“ fährt:

 1) Autobahn A 13 Abfahrt Dresden – Wilder Mann

 2) nach rechts die Straße entlang durch einen Wald, dann einen Berg hoch

 3) Haupstraße Richtung Moritzburg folgen, durch einen Kreisverkehr

 4) ca. 1 km danach links Richtung Campingplatz abbiegen

Achtung: Der Abzweig befindet sich vor einer Bergkuppe, zudem geht es links leicht bergab.

Wenn Ihr Schloss Moritzburg seht, seid ihr schon zu weit gefahren J

Ankommen:

 – Parkplätze sind vor dem Eingang des Campingplatzes, zum Be- und Entladen kann man aber auch rauf fahren

– Rezeption ist gleich rechts vom Eingang

– unser Stützpunkt ist das sog. „Camperhaus“, mit Vordach und Küche: dazu ca. 20 Meter geradeaus, dann 30 Meter rechts (Haus steht in der 2. Reihe)

– Freunde der „Zeltkunst“ mögen sich bitte an der Rezeption anmelden und einen Platz zuweisen lassen sowie selbständig bezahlen

– Wer in der Nähe des Camperhauses sein Zelt aufschlagen will, möge bitte an der Rezeption fragen, ob sich ein Plätzchen findet
Günstig  wäre es aber auch, erstmal zum „Camperhaus“ zu kommen 🙂

Kontakt für „Verirrte“:

Campingplatz Bad Sonnenland 0351/  8305495

Vorbereitungsgruppe:

Stephan Tittel, Andreas Schrock, Frank Siegert
(mobil erreichbar unter den bekannten Telefonnummern)

Zeitliche Orientierung:

Fr 2. August 2013:

Früher Nachmittag bis Abends: Anreise + Ankommen, Ortserkundung, Abendbrot

20 Uhr Textarbeit 1

Sa 3. August 2013:

9 Uhr offizielles Frühstück, inoffiziell auch früher möglich
(Küche ist frei zugänglich)

 10 Uhr Vorstellungsrunde, Textarbeit 2

 12 Uhr Mittag

 13 Uhr Textarbeit 3

 15 Uhr kurze Kaffepause, danach Textarbeit 4

 18 Uhr Abendbrot

 19 Uhr Thema: „Mein Atem – mein Ton – meine Pause“: Kleine Einführung in   ein  großes Thema nebst praktischen Übungen

 20 Uhr Einladung zum CD-Projekt „Werkstatt-Lesung“  mit Tonaufnahmen unter freiem Himmel

 Danach „Open End“

So 4. August 2012:

 Frühstück

 11 Uhr Räumung Bungalow

 Danach möglich: Letzte Texte auf der Liegedecke…

Einladung zum CD-Projekt „Werkstatt-Lesung“:

In der „Werkstatt-Lesung“ besteht die Möglichkeit, seine Lieblingstexte in kleiner Runde vor dem Mikrofon zu präsentieren. Dabei kommt es nicht auf Perfektion, sondern auf Natürlichkeit an: Zwischenbemerkungen, Vogelzwitschern oder an- und abfahrende Autos (um nur einige Beispiele zu nennen) sind ausdrücklich zugelassen. Die „Werkstatt-Lesung“ ist als vorbereitende Lesung für unser „Hörbuch-Projekt“ gedacht. Sie kann für jeden Teilnehmer ein kleiner Schritt mit großem Lerneffekt sein.

Wer teilnehmen möchte, bringe bitte Texte mit einer Leselänge von insgesamt 3 bis 5 Minuten mit. Der Anfang sollte wie ein Pflock in der Erde stehen: man wähle bitte vorher aus, mit welchem Text man beginnen möchte.

Wer nicht teilnehmen möchte, kann sich ab 20 Uhr der Erholung in all ihren Facetten hingeben.

Einladung zum gemeinsamen Nachdenken:

Seit längerem geistert ja die Idee einer Vereins-Chronik der „anderen Art“ umher. Die Idee ist, dass jeder überlegt, in welchem Jahr er zum Verein gestoßen ist und was so seine ersten Begegnungen waren. Was war der „Urknall“? Und welchen Planeten auf dem Weg durch das dichtende Universum sind wir so begegnet? Die Idee ist, all das einmal aufzuschreiben und daraus – wie in einem Mosaik – eine Vereinschronik zu erstellen. Bitte lasst uns mal darauf „herumdenken“.

…und bitte nicht vergessen:

– alte und neue Texte und Fragmente

– Papier und Stift für Inspirationen

– Fläschchen Wein oder so….

– Zelt + Schlafsack, wer zelten möchte

– Bettwäsche oder Schlafsack, wer im Camperhaus schlafen möchte

– Badesachen, wer den „großen Teich“ in textiler Weise erkunden will

– Geld für Unterkunft und Verpflegung (gemeinsame Kasse)

Bis zum Wiedersehen,
Eure Vorbereitungsgruppe „Dresden“
Stephan, Frank, Andreas

Anmerkung der Online-Redaktion:

Dies ist eine gekürzte Fassung aus dem Text der Seminar-Einladung unserer Vorbereitungsgruppe „Dresden“ (Stephan, Frank und Andreas).
Aus Datenschutzgründen sind hier bestimmte Angaben, wie private Telefonnummern etc. nicht veröffentlicht.
Wer von den Vereinsmitgliedern den ganzen Text lesen möchte, findet ihn als Mail im elektronischen Postfach.

Interessierten Besuchern und Gästen steht die Online-Redaktion als Erstkontakt zur Verfügung.

“remember” – Fotocollage von Susann Schulz & Liane Fehler

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* Liebe „Eitle Künstler“ und Freunde der „UnDichter“: Wer sich von Euch jetzt schon auf das Sommerseminar vorbereiten möchte, könnte schon einmal 10 bis zwölf eigene Texte auswählen, die sich zum Vortragen beziehungsweise Vorlesen eignen. Das ist der nächstliegende Schritt, um der Realisierung unseres Audioprojektes ein ganzes Stück näher zu kommen. Ich darf Euch viel […]

Aside

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Lars Steger: Wörter bezeichnen Weg und Ziel

also ist es schon ein Unterschied, ob ich meiner Freundin eine Bergbesteigung, Wanderung oder einen Spaziergang vorschlage. Und wir sollten uns einig sein, was wir unter dem jeweiligen verstehen. Sonst ist Ärger vorprogrammiert. Auch für mich allein: Denn wenn ich mir vorher klarmache, was es werden soll, wähle ich danach allein schon Verpflegung und Schuhwerk. Deshalb machen „Schubkästen“ manchmal Sinn. Schon mehrfach hatten wir uns solche Schubkästchen in Seminaren vorgenommen – Sonnet, Haiku & Tanka, Adaptionen - mit mehr oder weniger produktivem Erfolg … nun trug Hagen Ludwig von „Nottekunst“ eine neue Aufgabenstellung an uns heran: Im Februar werden sich im Atelier in Wünsdorf-Bücherstadt bildende Künstler zu einem einwöchigen Workshop zum Thema „Collagen“ treffen. Die Ergebnisse sollen dort ausgestellt werden – zur Vernissage oder Finissage wünscht er sich eine Lesung mit Collagen-Texten von uns und vielleicht auch Musik-Collagen. Die Grenzen zur Montage sieht er als fließend an. Am produktivsten für die Diskussion, was literarische Collage bzw. Montage ist, erschienen mir die Definitionen aus dem „Schülerduden Die Literatur“. Collage wird hier erklärt mit: „[[…] französisch „das Leimen, das Ankleben"]: aus der bildenden Kunst in den Bereich der modernen Literatur übertragene Bezeichnung 1. für die Technik der zitierenden Kombination von meist nicht zusammengehörigem vorgefertigtem sprachlichem Material; 2. für die derart entstandenen literarischen Produkte. Zunächst wurde die Bezeichnung Collage meist gleichbedeutend mit der bis dahin üblichen Bezeichnung f. Montage gebraucht. Ende der 60er Jahre setzte sie sich, v. a. für größere literarische Formen, immer mehr durch. Unter dem Einfluss kubistischer Bildcollagen entstanden die ersten literarischen Collagen im Futurismus, Dadaismus und Surrealismus. Die Collage ist oft Teilelement im modernen Roman, z. B. bei J. Joyce („Ulysses", 1922, deutsch „Ulysses", 1927) und A. Döblin („Berlin Alexanderplatz", 1929).“ [Schülerduden Die Literatur. Dudenverlag. Mannheim / Wien / Zürich 1989. 2. überarb. Aufl., S. 92; Hervorhebung d.A:] Noch interessanter finde ich die Erläuterung der Montage: “[[…] französisch, von monier „hinaufbringen, aufstellen" (eigentlich „aufwärtssteigen")]: in der Filmtechnik Bezeichnung für die Verbindung zweier oder mehrerer Einstellungen durch einen Schnitt oder eine Blende. Durch die Montage bekommt jede Einstellung erst ihre eigene Bedeutung im Gesamtzusammenhang der filmischen Aussage, wenn z. B. bei S. M. Eisenstein die Montage bewusst als Ausdrucksmittel eingesetzt wird: Durch die Kollision von Bildern aus unterschiedlichen Wirklichkeitsbereichen (Tötung aufständischer Arbeiter - Schlachtung eines Ochsen im Film „Streik", 1925) wird der Zuschauer schockartig zu der vom Regisseur beabsichtigten Deutung des Geschehens geführt. Dagegen wird besonders in Unterhaltungsfilmen der sogenannte „unsichtbare Schnitt", d. h. der möglichst unauffällige Übergang von einer Einstellung zur anderen, bevorzugt, damit der Fluss der Erzählung nicht durch reflexionsauslösende Bildkombinationen gestört wird. Der Begriff „Montage", aus der Filmtechnik übertragen auf die Literatur, bezeichnet die bewusste Zusammenfügung von sprachlich, stilistisch und auch inhaltlich unterschiedlichen Textteilen. Die Funktionen der Montage sind vielfältig: die Spannbreite reicht von der Erzielung vordergründiger Überraschungseffekte über die ästhetische Provokation (z. B. im Dadaismus) bis zum Versuch in Romanen, die verschiedenen Bereiche und Ebenen der Wirklichkeit unter sich durchsichtig und durchlässig zu machen. Die Montagetechnik findet sich in allen Gattungen der modernen Literatur, in der Lyrik (G. Benn, H. M. Enzensberger), in der Erzählprosa (A. Döblin, „Berlin Alexanderplatz", Roman, 1929), im Drama (P. Weiss, „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats ...", 1964) und im Hörspiel. Bis Mitte der 60er Jahre wurden Montage und Collage etwa synonym verwendet, seither setzte sich zunehmend die Bezeichnung Collage durch.“ [ebenda S. 286f.] Mir scheint der heutige Gebrauch von Collage und Montage mit der aus der Filmgeschichte bekannten Spannbreite des letzteren Begriffs ganz gut abgesteckt. Die Betonung von Bildkollisionen und unterschiedlichem Wirklichkeitsmaterial (wie im Futurismus, Dadaismus und Surrealismus) würde ich heute in jeder anderen als der Filmform eher als Collage bezeichnen. In der Montage dagegen scheint mir die Einheit des Gesamten, der unauffällige Übergang der Einzelteile stärker. Nichtsdestotrotz bleiben fließende Übergänge, die aber schon interessant sind, wenn es um die Wirkungsstrategie des Werkes geht. Beide Begriffe lösen für mich auch z.gr.T. unseren Streit um die Adaption. Viele der unter dieser Aufschrift verpackten Texte können nämlich sehr wohl als Montage oder Collage gelten. Es werden fremde Text-Materialen für ein eigenes Ganzes genutzt – mit, gegen oder zumindest abweichend von Intentionen des Ausgangsmaterials. Eine Gattungsänderung ist hier nicht nötig. Die Beschneidung, Erweiterung, Neuordnung, Umdeutung des Materials dagegen geradezu Konzept. Exkurs I: Wenn dabei der Anspruch besteht einen Dialog mit dem Ursprungsmaterial einzugehen, dieser also in gewisser Weise Thema des Textes ist, scheint es mit nur umso wichtiger, dass dessen Material, soweit es im Text selbst sichtbar ist, als Vorlage erkennbar wird. Exkurs II: Lange habe ich allerdings mit dem Beispiel Georg Büchner gerungen: Der hat seine Vorlagen auch nicht kenntlich gemacht, scheinbar schamlos abgeschrieben - beim „Lenz“ und „Dantons Tod“, bis mir aufging: Das sind nun wirklich Adaptionen – aus (Wissenschaftlichem) Tagebuch bzw. Rede-Protokollen wird literarische Fiktion. Betrachtet man sich unter diesem Blick die letzten GeWa und die Angebote im Sommer-Seminar, finden sich bereits einige Beispiele für Collage bzw. Montage. Christians Texte bieten da sehr verschiedene Umgangsweisen mit den Original-Texten: Zur Essenz verknappend, Gegenentwürfe anbietend, den eigenen Text aus (mehr oder weniger vielen) Motiven entwickelnd. Lianes Vorworte fallen mir ein. Collage pur. Aber es muss auch nicht immer zitiert werden: Mein „Stillleben“ im GeWa 112 würde ich ebenfalls als Collage ansehen. Weil hier verschiedene Wirklichkeitsbereiche gegeneinander gesetzt werden. Das soll dem Leser sehr wohl bewusst werden. Fremdmaterial ist für beide Begriffe nicht Grundvoraussetzung. Eisensteins Bilder entstanden ja auch alle unter seiner Regie für den jeweiligen Film. In diesem Sinne sind viele unserer Texte Collagen, zumindest aber Montagen. Vielleicht kramt ihr mal unter diesem Gesichtspunkt in euren Mappen oder lasst euch anregen, einen solchen Text zu schreiben. Oder vielleicht entsteht einer direkt zu entsprechenden Bildern? Vielleicht schaffen wir sogar gemeinsam einen Werkstattbesuch? Ein Besuch in der Bunker-Bücher-Waldstadt, im Atelier „Nottekunst“ bei Hagen und Sylvi und in der umliegenden Ex- Militär-Brach-Landschaft lohnt sich allemal.

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also ist es schon ein Unterschied, ob ich meiner Freundin eine Bergbesteigung, Wanderung oder einen Spaziergang vorschlage. Und wir sollten uns einig sein, was wir unter dem jeweiligen verstehen. Sonst ist Ärger vorprogrammiert. Auch für mich allein: Denn wenn ich mir vorher klarmache, was es werden soll, wähle ich danach allein schon Verpflegung und Schuhwerk. Deshalb machen „Schubkästen“ manchmal Sinn.

Schon mehrfach hatten wir uns solche Schubkästchen in Seminaren vorgenommen – Sonnet, Haiku & Tanka, Adaptionen – mit mehr oder weniger produktivem Erfolg … nun trug Hagen Ludwig von „Nottekunst“ eine neue Aufgabenstellung an uns heran: Im Februar werden sich im Atelier in Wünsdorf-Bücherstadt bildende Künstler zu einem einwöchigen Workshop zum Thema „Collagen“  treffen. Die Ergebnisse sollen dort ausgestellt werden – zur Vernissage oder Finissage wünscht er sich  eine Lesung mit Collagen-Texten von uns und vielleicht auch Musik-Collagen. Die Grenzen zur Montage sieht er als fließend an.

Am produktivsten für die Diskussion, was literarische Collage bzw. Montage ist, erschienen mir die Definitionen aus dem „Schülerduden Die Literatur“. Collage wird hier erklärt mit: „[[…] französisch „das Leimen, das Ankleben“]: aus der bildenden Kunst in den Bereich der modernen Literatur übertragene Bezeichnung 1. für die Technik der zitierenden Kombination von meist nicht zusammengehörigem vorgefertigtem sprachlichem Material; 2. für die derart entstandenen literarischen Produkte. Zunächst wurde die Bezeichnung Collage meist gleichbedeutend mit der bis dahin üblichen Bezeichnung f. Montage gebraucht. Ende der 60er Jahre setzte sie sich, v. a. für größere literarische Formen, immer mehr durch. Unter dem Einfluss kubistischer Bildcollagen entstanden die ersten literarischen Collagen im Futurismus, Dadaismus und Surrealismus. Die Collage ist oft Teilelement im modernen Roman, z. B. bei J. Joyce („Ulysses“, 1922, deutsch „Ulysses“, 1927) und A. Döblin („Berlin Alexanderplatz“, 1929).“ [Schülerduden Die Literatur. Dudenverlag. Mannheim / Wien / Zürich 1989. 2. überarb. Aufl., S. 92; Hervorhebung d.A:]

Noch interessanter finde ich die Erläuterung der Montage: “[[…] französisch, von monier „hinaufbringen, aufstellen“ (eigentlich „aufwärtssteigen“)]: in der Filmtechnik Bezeichnung für die Verbindung zweier oder mehrerer Einstellungen durch einen Schnitt oder eine Blende. Durch die Montage bekommt jede Einstellung erst ihre eigene Bedeutung im Gesamtzusammenhang der filmischen Aussage, wenn z. B. bei S. M. Eisenstein die Montage bewusst als Ausdrucksmittel eingesetzt wird: Durch die Kollision von Bildern aus unterschiedlichen Wirklichkeitsbereichen (Tötung aufständischer Arbeiter – Schlachtung eines Ochsen im Film „Streik“, 1925) wird der Zuschauer schockartig zu der vom Regisseur beabsichtigten Deutung des Geschehens geführt. Dagegen wird besonders in Unterhaltungsfilmen der sogenannte „unsichtbare Schnitt„, d. h. der möglichst unauffällige Übergang von einer Einstellung zur anderen, bevorzugt, damit der Fluss der Erzählung nicht durch reflexionsauslösende Bildkombinationen gestört wird. Der Begriff „Montage“, aus der Filmtechnik übertragen auf die Literatur, bezeichnet die bewusste Zusammenfügung von sprachlich, stilistisch und auch inhaltlich unterschiedlichen Textteilen. Die Funktionen der Montage sind vielfältig: die Spannbreite reicht von der Erzielung vordergründiger Überraschungseffekte über die ästhetische Provokation (z. B. im Dadaismus) bis zum Versuch in Romanen, die verschiedenen Bereiche und Ebenen der Wirklichkeit unter sich durchsichtig und durchlässig zu machen. Die Montagetechnik findet sich in allen Gattungen der modernen Literatur, in der Lyrik (G. Benn, H. M. Enzensberger), in der Erzählprosa (A. Döblin, „Berlin Alexanderplatz“, Roman, 1929), im Drama (P. Weiss, „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats …“, 1964) und im Hörspiel. Bis Mitte der 60er Jahre wurden Montage und Collage etwa synonym verwendet, seither setzte sich zunehmend die Bezeichnung Collage durch.“ [ebenda S. 286f.]

Mir scheint der heutige Gebrauch von Collage und Montage mit der aus der Filmgeschichte bekannten Spannbreite des letzteren Begriffs ganz gut abgesteckt. Die Betonung von  Bildkollisionen und unterschiedlichem Wirklichkeitsmaterial (wie im Futurismus, Dadaismus und Surrealismus) würde ich heute in jeder anderen als der Filmform eher als Collage bezeichnen. In der Montage dagegen scheint mir die Einheit des Gesamten, der unauffällige Übergang der Einzelteile stärker. Nichtsdestotrotz bleiben fließende Übergänge, die aber schon interessant sind, wenn es um die Wirkungsstrategie des Werkes geht.

Beide Begriffe lösen für mich auch z.gr.T. unseren Streit um die Adaption. Viele der unter dieser Aufschrift verpackten Texte können nämlich sehr wohl als Montage oder Collage gelten. Es werden fremde Text-Materialen für ein eigenes Ganzes genutzt – mit, gegen oder zumindest abweichend von Intentionen des Ausgangsmaterials. Eine Gattungsänderung ist hier nicht nötig. Die Beschneidung, Erweiterung, Neuordnung, Umdeutung des Materials dagegen geradezu Konzept.

Exkurs I: Wenn dabei der Anspruch besteht einen Dialog mit dem Ursprungsmaterial einzugehen, dieser also in gewisser Weise Thema des Textes ist, scheint es mit nur umso wichtiger, dass dessen Material, soweit es im Text selbst sichtbar ist, als Vorlage erkennbar wird.

Exkurs II: Lange habe ich allerdings mit dem Beispiel Georg Büchner gerungen: Der hat seine Vorlagen auch nicht kenntlich gemacht, scheinbar schamlos abgeschrieben – beim „Lenz“ und „Dantons Tod“, bis mir aufging: Das sind nun wirklich Adaptionen – aus (Wissenschaftlichem) Tagebuch bzw. Rede-Protokollen wird literarische Fiktion.

Betrachtet man sich unter diesem Blick die letzten GeWa und die Angebote im Sommer-Seminar, finden sich bereits einige Beispiele für Collage bzw. Montage. Christians Texte bieten da sehr verschiedene Umgangsweisen mit den Original-Texten: Zur Essenz verknappend, Gegenentwürfe anbietend, den eigenen Text aus (mehr oder weniger vielen) Motiven entwickelnd. Lianes Vorworte fallen mir ein. Collage pur. Aber es muss auch nicht immer zitiert werden: Mein „Stillleben“ im GeWa 112 würde ich ebenfalls als Collage ansehen. Weil hier verschiedene Wirklichkeitsbereiche gegeneinander gesetzt werden. Das soll dem Leser sehr wohl bewusst werden. Fremdmaterial ist für beide Begriffe nicht Grundvoraussetzung. Eisensteins Bilder entstanden ja auch alle unter seiner Regie für den jeweiligen Film.

In diesem Sinne sind viele unserer Texte Collagen, zumindest aber Montagen. Vielleicht kramt ihr mal unter diesem Gesichtspunkt in euren Mappen oder lasst euch anregen, einen solchen Text zu schreiben. Oder vielleicht entsteht einer direkt zu entsprechenden Bildern?

Vielleicht schaffen wir sogar gemeinsam einen Werkstattbesuch? Ein Besuch in der Bunker-Bücher-Waldstadt, im Atelier „Nottekunst“ bei Hagen und Sylvi und in der umliegenden Ex- Militär-Brach-Landschaft lohnt sich allemal.


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Seminare im Jahr 2013

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Wann & Wo

Frühjahrsseminar des Eitel Kunst e.V.
Termin: 19. bis 21. April 2013
Ort: MGH Königs Wusterhausen (Fontaneplatz)

Freitag: 19.4. 18 Uhr mit eventueller Auftaktlesung
Sonnabend: ab 10 Uhr wahrscheinlich ganztägige Exkursion zu Nottekunst nach Zossen und Wünsdorf
Sonntag: 10 bis 13 Uhr Textarbeit für die Eisernsten unter uns

Über Rückmeldungen wegen der eventuellen Lesung und die Frage, ob die Textarbeit nicht zu kurz kommt, wenn wir uns den ganztägigen Ausflug gönnen, wären wir dankbar. Die Internetseite ist ja jetzt ein Blog und der lebt von den Diskussionsbeiträgen. Emails sind natürlich immer möglich. Gäste sind auch immer herzlich willkommen.

Sommerseminar:    26.07. bis 28.7.2013 in Bad Sonnenland Moritzburg (bei Dresden)

Herbstseminar: 11.10. bis 13.10.2013 in Wildau oder Königs Wusterhausen

remember… Haben wir diese kleine Fotocollage genannt. In Erinnerungen

schwelgend zusammengestellt von Susann Schönherr und Liane Fehler. Die Fotos wurden von Andreas Schrock (Dresden) freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Wer noch Fotos von Seminaren der letzten Jahre für diese Seite hat und uns senden möchte, sei noch einmal ausdrücklich ermutigt.

Liane

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