Lebensleiter Wer hält diese Leiter die es zu erklimmen gilt mir, die ich steige Sprosse um Sprosse wird es heller die Luft dünner Blicke auf- und abwärts Holz an dem ich hänge manchmal stürze von einer Zeit zur nächsten. Wer hält diese Leiter dir? 2022 sibyll jeanne maschler
Lichtlos
Lichtlos rauschen Züge durch die Nacht stromlos schweigen die Flüsse heimatlos fliehen die Vögel gnadenlos fällt Kälte ins Land Gerhard Jäger
Wir wünschen allen Besucherinnen und Besuchern unseres Blogs ein zuversichtliches und gutes Jahr 2023. Möge der Übergang vom zurücklickliegenden ins neue Jahr gelungen und glücklich gewesen sein! Neulich stieß ich auf die Frage: ´Was schuldest Du Dir?´ Genau genommen stand in dem Andere-Advent-Kalender der Satz: ´Welchen Traum schuldest Du Dir?´ Sind es nicht interessante und lohnenswerte Fragestellungen? Gut, dann bleibt mir jetzt nur noch zu wünschen, dass wir erahnen oder hoffentlich auch finden werden, was wir erträumen und uns schuldig sind. Möge es gedeihen, wachsen und in wundervollen Farben erblühen! In diesem Sinne herzliche Grüße von sibyll
Haiku von Lars
die morgenröte
durch die rollädenritzen
sehnsucht nach briefen
für a.a.alle
texte an euch waren welt
mir weiche wahrheit
wenn aus der widmung
gedichte werden, lass sie
saat sein dem schnitter
ins gleißen gehen
heißt zu dir unterwegs sein
und wiederkehren
Lars Steger
Der Eitel Kunst e.V. wünscht allen Menschen und Geschöpfen eine friedliche, lichte Weihnacht

Lesen und Schreiben im November 2022 in Pankow

ein Bild statt Text…
Teleskopisch

Teleskopisch
habe ich sie gesehen
die Ränder des Mondes
Krater voll Sonne
an Ostern
von senfgelb bis elefantengrau
schattiert und gegenüber
das Dunkel des Alls
fern der Erde wachend
Lilith Weib und Göttin
dazwischen lustvoll
Priapus der Erde nahe
wohin ihr Wesen des Mondes
auf dieser Welt
wohin

Rezension zum Buch „Priapus kommt, Lilith bleibt“ von Markus Jehle und Anne Probst
Dieses Buch beschäftigt sich mit den besonderen Kräften des Mondes.
Welch‘ gelungener Titel! Zugegeben, zum Zeitpunkt der Buchbestellung verstand ich den Titel ausschließlich als Aussage. Doch als ich das Buch dann in den Händen hielt, erkannte ich das liebliche Rufen: Priapus, komm! Lilith, bleib! – durch graphische Hervorhebungen. Eine wirklich schöne Leseeinladung. Die Sprache ist gut verständlich und zeitgemäß, bisweilen auch originell. Also ich wurde zumindest aufmerksam bei einer Empfehlungen, die lautet: „Wir verzichten darauf, uns an unserem Karma-Konto zu verlustieren.“ Besonders interessant liest sich das Kapitel: „Schöpferkraft“. Es beinhaltet Betrachtungen zu Kunst und Kunstschaffenden im Zusammenhang mit den besonderen Kräften des Mondes. Sehr ausführlich fallen die Erklärungen zu den „Planeten in den Aspekten zu Lilith und Priapus“ aus. Ebenso die Kapitel: „Impulse zu den Häusern“. Die Autoren überließen nichts dem Zufall und formulierten jede nur erdenkliche Nuance präzise aus, was zu angenehmer Klarheit führt. Und ja, „Lilith und Priapus führen uns in
Versuchung“. Ich habe mich finden können. Und wiedererkannt. Versuchung, ein Thema, was auch in anderen Bereichen der Gesellschaft diskutiert wird. Wer steht uns in der Versuchung bei? Und welche Kräfte können wir in uns selbst entwickeln? Um mit R.M. Rilke zu fragen: „Wie ist das klein, womit wir ringen, was mit uns ringt, wie ist das groß.“ Meines Erachtens eine zentrale Frage und gleichsam Aussage des Buches. Übrigens wird das Buch am Ende besonders dicht, was mir gut gefällt. Zum Beispiel ein von Jehle und Probst interpretiertes Alphabet: Feinsinnig, lyrisch, überraschend. Es ließ mich mehrfach schmunzeln. Ebenso „No comment“. Aber ich will nichts vorweg nehmen, vielmehr zum Lesen ermutigen.
Ob sich der eigene Erkenntnisgewinn hell auf dunklem Untergrund abzeichnet oder umgekehrt, mag jeder selbst heraus finden. Viel Spaß dabei!
sibyll j. maschler
… in Vorbereitung des Seminars

„Alles, was man nicht kaufen kann“
Liebe Poeten
bringt Einfälle und Ideen zu diesem Motto mit in die Runde. Poetische Entdeckungsreisen führen oft in nichtkäufliche Regionen. Da könnten sich zum Beispiel zwei nicht käufliche Wesen treffen: „die Sehnsucht begegnet der Einsamkeit“.
Auch Glück und Pech kann man niemals vollständig mit Euros, Rubel oder Dollarscheinen einlösen. So gesehen sind die, welche weniger besitzen, mit denen, die glauben, alles zu haben, auf Augenhöhe.
Konfliktstoffe und poetische Ideen könnten im „Nichtkäuflichen“ schlummern.
Also laßt uns Nichtkäufliches sammeln und zusammentragen, was unserer Meinung nach dazu gehören kann.
Jeder ist aufgefordert, dazu im Seminar einen Vorschlag zu machen. Unkäufliches aus eigener Sicht…toll auch, wenn dazu Gedichte kämen. Es könnte der eigenen Feder entspringen, es könnte aber auch von Goethe oder M. Kaleko stammen. Hintergrund der Idee ist, Schreibfreude anzuregen und Stimmungen einzufangen. Laßt uns auf die Suche nach dem Unbezahlbaren gehen….
Gerhard Jaeger
Nach Arbeit
riechen meine Hände
nach Fisch und Teer
und Meer
meine Hände riechen
nach Acker und Mist
wie das so ist
meine Hände riechen
nach Papier, Staub und so
eben nach Büro
meine Hände riechen
nach Hairstyl und Pomade
das ist es ja gerade
Meine Hände riechen
nach Kanonen und Glut
einfach nach Blut
hast du mal
deine Hände gefragt
was haben sie gesagt
G. Jaeger o7/2022