• Termine 2019

    Liebe Eitle Künstler und Freunde der UnDichter, ich wünsche euch allen ein frohes und gesundes Jahr 2019 und hoffe, ihr hattet einen guten Start. Im Folgenden findet ihr die Termine für dieses Jahr. Da dieser Beitrag mit der Zeit nach unten „verschwinden“ wird, habe ich einen Link dazu oben im Menü-Band gesetzt. Weitere Details zu […]

  • Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015 von Autoren des Eitel Kunst e.V ab sofort im Buchhandel

    Liebe “Eitlen Künstler” und Freunde der “UnDichter”,

    mir wurde die große Ehre und Freude zuteil, hier in unserem Blog verkünden zu dürfen, dass die eben erschienenen Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015 von Autoren des Eitel Kunst e.V ab sofort auch im Handel unter der ISBN 978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz. bestellt werden kann.

    Gerhard Jaeger und Annett Goldberg haben mit Sorgfalt und Sachverstand geeignete Texte, Bilder und Zeichnungen für die Herausgabe der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015 ausgewählt.
    Unsere Freude ist groß, dass unser Verein Eitel Kunst, entgegen der Befürchtungen von Bedenkenträgern, nun schon ein Vierteljahrhundert bestehen konnte und …

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Lars Steger: Wiederkehr 1

Auf dem Rückweg war er unentschlossen, er hatte noch nichts gegessen, es war Zeit für ein paar Anrufe, wenn er seiner ehemaligen Familie und seinen Eltern nicht wirklich

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Auf dem Rückweg war er unentschlossen,
er hatte noch nichts gegessen,
es war Zeit für ein paar Anrufe,
wenn er seiner ehemaligen Familie
und seinen Eltern nicht wirklich
den heiligen Abend stören wollte.
Sieben Kneipen hatte er gezählt
die alle zu hatten für die nächsten
drei Tage oder die ganze Jahreszeit.

Vor der Kirche blieb er stehen.
Da gehörte er irgendwie nicht hin.
Wäre bemerkt worden.
Dort wollte er nicht bemerkt werden.
In der Heide oder auf den leeren Wegen
des Dorfes störte ihn sein Bild
vom einsamen Wanderer nicht.
Er fand einen Tannenzweig
zwischen den Häusern, hier, wo
Tannen nur in den Wohnzimmern wuchsen,
den trug er in sein Zimmerchen unterm Dach
wo die kleinen modernen Katastrophen
auf ihn warteten, er hatte das Ladekabel
des Handys vergessen und den Adapter
für den MP3-Player, so blieben ihm
zwei Weihnachts- und fünf andere CDs
und die Stille. Aber er war ruhig
er hatte heute das Meer gehört
in seine Gischt gesehen.

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Lars Steger: Unter Sternenlöchern

Im milchglasgrauen Gewölk Im kalten Licht des Mondes Der wie ein Scheinwerfer Meinen Schatten Auf den Brandungsschaum wirft Heines Narren erinnern Und ein paar eigene Texte Vom grellen grünen Pulsen der Boje Den fernen Freunden, Leuchtturmlichtern

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Im milchglasgrauen Gewölk
Im kalten Licht des Mondes
Der wie ein Scheinwerfer
Meinen Schatten
Auf den Brandungsschaum wirft
Heines Narren erinnern
Und ein paar eigene Texte
Vom grellen grünen Pulsen der Boje
Den fernen Freunden, Leuchtturmlichtern
und dem wabernden Brausen der Wellen
Beständig wieder und wieder neu
Der lauten einsamen Leere
Zu der es nichts mehr zu sagen gibt
Außer, dass ich noch hier stehen kann
Auch wenn ihr nicht
mehr bei mir seit
Den leeren dunklen Strand ertragen

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Susann Schönherr (Text und Foto): Mitten im Mai

Mitten im Mai Es zieht herab mich Ins Unglück beträchtlich Beschwert mit Blei Es springt entzwei vor lauter Schmerz

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Das Foto:”Pfirsichbaum” ist von Susann Schulz.

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Es zieht herab mich
Ins Unglück beträchtlich
Beschwert mit Blei
Es springt entzwei
vor lauter Schmerz
mein getroffenes Herz
Oh Gott, steh mir bei
Mir entweicht die Luft
Oh welch zarter Duft
Zieht an mir vorbei
Fange an zu fantasieren
Herz hört auf zu funktionieren
Mitten im Mai

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Susann Schönherr: Mandragora

Donner erschallen Dem Zauber verfallen Von Mandragora Oh finstere Macht Raben verharren Die Weiber erstarren Oh Mandragora Jungfräuliche Kraft Mit Blut begossen

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Donner erschallen
Dem Zauber verfallen
Von Mandragora
Oh finstere Macht
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Raben verharren
Die Weiber erstarren
Oh Mandragora
Jungfräuliche Kraft
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Mit Blut begossen
Dein Schicksal beschlossen
Oh Mandragora
Zum Leben erwacht

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*** Aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015 – Andreas Schrock: Busbahnhof Sewastopol

Wie ein Greifvogel fällt die Dämmerung in die awtozanzija, über Männer mit leeren Kartoffelsäcken, über Mädchen mit Handtaschen, über das Kind. Da hinein fällt die Dämmerung, fällt das Licht des Linienbusses, spärlich, ins Donezkbecken fährt er, gut tausend Kilometer, budjet, budjet. Auf den letzten Plätzen sitzen wir, dein Gesicht, deine großen Augen gegen den dunklen Himmel. Nach Jalta oder weiter nach Donezk fliegen unsere Gedanken dem Busfahrer voraus.Die deschurnaja ist jung, eine djewotschka, die durchzählt mit klarem Blick. Voraus fliegen unsere Wünsche, ein Bus voll Erwartung, schweigend, schaukelt die Küstenstraße, Kurve um Kurve am Mittelstreifen entlang. Der Mond scheint wie eine halbierte Melone, hängt unwirklich, ungelenk, nichts voreilige festlegend, purzeln die Worte, geht die Fahrt ins offene Land.

by


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Wie ein Greifvogel fällt die Dämmerung
in die awtozanzija, über Männer mit
leeren Kartoffelsäcken, über Mädchen
mit Handtaschen, über das Kind.

Da hinein fällt die Dämmerung, fällt das Licht
des Linienbusses, spärlich, ins Donezkbecken
fährt er, gut tausend Kilometer, budjet, budjet.

Auf den letzten Plätzen sitzen wir,
dein Gesicht, deine großen Augen
gegen den dunklen Himmel. Nach
Jalta oder weiter nach Donezk
fliegen unsere Gedanken dem
Busfahrer voraus.Die deschurnaja
ist jung, eine djewotschka, die
durchzählt mit klarem Blick.

Voraus fliegen unsere Wünsche, ein Bus
voll Erwartung, schweigend, schaukelt
die Küstenstraße, Kurve um Kurve
am Mittelstreifen entlang.

Der Mond scheint wie eine
halbierte Melone, hängt
unwirklich, ungelenk, nichts
voreilige festlegend,
purzeln die Worte,

geht die Fahrt ins
offene Land.

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Lars Steger: Gelesen, gehört, gesehen, sogar kurz gesprochen. Siegrid Damm am 17.11.2012

Meine Liebsten hocken im Gras unter einem Olivenbaum. Sie malen. Ich darf ihnen vorlesen. Stundenlang. Egoistisch wähle ich Bücher, die ich selbst nicht kenne, bei deren Autoren ich aber sicher bin, zu wissen, wie sie ihre Sätze zusammenfügen, mich hineinfühlen kann und nur selten verlese. Hans Fallada, Christa Wolf, Sigrid Damm. Bücher, deren Inhalt mich angeht. Wie sehr, ahne ich noch nicht, als ich für unser Seminar als vorzustellenden Lieblingstext Sigrid Damms „Wohin mit mir“ auswähle. Das fiktives Tagebuch der Autorin eines gerade erfolgreichen Goethe-Buches, die für ein halbes Jahr ins „Casa di Goethe“ in Rom eingeladen wurde. Geschrieben zehn Jahre später. Selbst nach der Lesung, im Reden über das Buch und das eigene Schreiben, blieb Sigrid Damm konsequent: Wenn es um den Text ging, sprach sie von der Erzählerin.

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Foto von Lars Steger:"Vergänglichkeit"


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Meine Liebsten hocken im Gras unter einem Olivenbaum. Sie malen. Ich darf ihnen vorlesen. Stundenlang. Egoistisch wähle ich Bücher, die ich selbst nicht kenne, bei deren Autoren ich aber sicher bin, zu wissen, wie sie ihre Sätze zusammenfügen, mich hineinfühlen kann und nur selten verlese.

Hans Fallada, Christa Wolf, Sigrid Damm. Bücher, deren Inhalt mich angeht.

Wie sehr, ahne ich noch nicht, als ich für unser Seminar als vorzustellenden Lieblingstext Sigrid Damms

Wohin mit mir“ auswähle. Das fiktives Tagebuch der Autorin eines gerade erfolgreichen Goethe-Buches, die für ein halbes Jahr ins „Casa di Goethein Rom eingeladen wurde. Geschrieben zehn Jahre später.  Selbst nach der Lesung, im Reden über das Buch und das eigene Schreiben, blieb Sigrid Damm konsequent: Wenn es um den Text ging, sprach sie von der Erzählerin.

Die Frau eine Erscheinung. Klein. Sehr langer weißer locker geflochtener Zopf. Das Mauerwerk hinter ihr in einem warmen Licht. Dazu das Leselicht. Ihr Haar reflektierte das alles, erhellte die Umgebung ihres Kopfes. Jetzt weiss ich, wie die Idee von Heiligenscheinen entsteht. Als sie zu lesen begann – eine überraschend zarte, etwas brüchige Stimme. Ich hatte wohl Christa Wolfs ruhigen tiefen Ton erwartet.

Überraschend ihre Leseauswahl. Alles, was ich für das letzte Seminar im  MGH bei Thema Lieblingstext ursprünglich gern aus dem Buch vorgestellt hätte, war dabei. Wie alltägliche Erlebnisse und Begegnungen sich mit Erinnerungen und Er-lesenem vermischen. Goethe, Che Guevara, Ingeborg Bachmann und Caravaggio. Auch Anna Chiarloni wird diesmal übrigens benannt.*

Die gefühlte Nähe, die mir beim Lesen schon klar geworden war, wird noch deutlicher beim Sprechen über das Schreiben: Laufen müssen als Voraussetzung, weite offene Landschaft, das Gewicht der alltäglichen Dinge, die Verstrickung der kleinen und großen Geschichte – am Ende beim Signieren, als wir über den Rhythmus beim Schreiben sprachen, wies sie mich noch auf Fühmann hin. Das Ungarn-Tagebuch. Natürlich, wie konnte ich das vergessen!

Ich musste dann erst mal flüchten vor der Unruhe der Kolleginnen und deren Enttäuschung, dass so wenig von Rom die Rede war. Dabei war auch das doch Thema: die Stadt, die sie suchte, Goethes Flucht-Ort, nicht gefunden zu haben, mit Anderem, dem zurückliegenden Erlebnis Lapplands, den Söhnen und Enkeln, beschäftigt zu sein. Sich ihr Rom zehn Jahre später erarbeiten zu müssen, zu wollen.

Am liebsten hätte ich einen langen Nachtspaziergang gemacht. Na ja, Autobahn im Nebel hatte auch was. Nur innehalten kann man dabei nicht. Worte wälzend. So hole ich das nach.

* A.C. schrieb das Vorwort zu „zwischen den zeiten“, der Anthologie des E.K.e.V. (Peter Segler Verl., 2003), und übersetzte ein Gedicht von mir; sie wurde in S. Damms „Diese Einsamkeit ohne Überfluss“ (Insel Verl., 1995), einem Schottland-Tagebuch, nur anonym als Germanistin aus Turin benannt.

Lars Steger – Foto:”Vergänglichkeit”

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Lars Steger: Wörter bezeichnen Weg und Ziel

also ist es schon ein Unterschied, ob ich meiner Freundin eine Bergbesteigung, Wanderung oder einen Spaziergang vorschlage. Und wir sollten uns einig sein, was wir unter dem jeweiligen verstehen. Sonst ist Ärger vorprogrammiert. Auch für mich allein: Denn wenn ich mir vorher klarmache, was es werden soll, wähle ich danach allein schon Verpflegung und Schuhwerk. Deshalb machen „Schubkästen“ manchmal Sinn. Schon mehrfach hatten wir uns solche Schubkästchen in Seminaren vorgenommen – Sonnet, Haiku & Tanka, Adaptionen - mit mehr oder weniger produktivem Erfolg … nun trug Hagen Ludwig von „Nottekunst“ eine neue Aufgabenstellung an uns heran: Im Februar werden sich im Atelier in Wünsdorf-Bücherstadt bildende Künstler zu einem einwöchigen Workshop zum Thema „Collagen“ treffen. Die Ergebnisse sollen dort ausgestellt werden – zur Vernissage oder Finissage wünscht er sich eine Lesung mit Collagen-Texten von uns und vielleicht auch Musik-Collagen. Die Grenzen zur Montage sieht er als fließend an. Am produktivsten für die Diskussion, was literarische Collage bzw. Montage ist, erschienen mir die Definitionen aus dem „Schülerduden Die Literatur“. Collage wird hier erklärt mit: „[[…] französisch „das Leimen, das Ankleben"]: aus der bildenden Kunst in den Bereich der modernen Literatur übertragene Bezeichnung 1. für die Technik der zitierenden Kombination von meist nicht zusammengehörigem vorgefertigtem sprachlichem Material; 2. für die derart entstandenen literarischen Produkte. Zunächst wurde die Bezeichnung Collage meist gleichbedeutend mit der bis dahin üblichen Bezeichnung f. Montage gebraucht. Ende der 60er Jahre setzte sie sich, v. a. für größere literarische Formen, immer mehr durch. Unter dem Einfluss kubistischer Bildcollagen entstanden die ersten literarischen Collagen im Futurismus, Dadaismus und Surrealismus. Die Collage ist oft Teilelement im modernen Roman, z. B. bei J. Joyce („Ulysses", 1922, deutsch „Ulysses", 1927) und A. Döblin („Berlin Alexanderplatz", 1929).“ [Schülerduden Die Literatur. Dudenverlag. Mannheim / Wien / Zürich 1989. 2. überarb. Aufl., S. 92; Hervorhebung d.A:] Noch interessanter finde ich die Erläuterung der Montage: “[[…] französisch, von monier „hinaufbringen, aufstellen" (eigentlich „aufwärtssteigen")]: in der Filmtechnik Bezeichnung für die Verbindung zweier oder mehrerer Einstellungen durch einen Schnitt oder eine Blende. Durch die Montage bekommt jede Einstellung erst ihre eigene Bedeutung im Gesamtzusammenhang der filmischen Aussage, wenn z. B. bei S. M. Eisenstein die Montage bewusst als Ausdrucksmittel eingesetzt wird: Durch die Kollision von Bildern aus unterschiedlichen Wirklichkeitsbereichen (Tötung aufständischer Arbeiter - Schlachtung eines Ochsen im Film „Streik", 1925) wird der Zuschauer schockartig zu der vom Regisseur beabsichtigten Deutung des Geschehens geführt. Dagegen wird besonders in Unterhaltungsfilmen der sogenannte „unsichtbare Schnitt", d. h. der möglichst unauffällige Übergang von einer Einstellung zur anderen, bevorzugt, damit der Fluss der Erzählung nicht durch reflexionsauslösende Bildkombinationen gestört wird. Der Begriff „Montage", aus der Filmtechnik übertragen auf die Literatur, bezeichnet die bewusste Zusammenfügung von sprachlich, stilistisch und auch inhaltlich unterschiedlichen Textteilen. Die Funktionen der Montage sind vielfältig: die Spannbreite reicht von der Erzielung vordergründiger Überraschungseffekte über die ästhetische Provokation (z. B. im Dadaismus) bis zum Versuch in Romanen, die verschiedenen Bereiche und Ebenen der Wirklichkeit unter sich durchsichtig und durchlässig zu machen. Die Montagetechnik findet sich in allen Gattungen der modernen Literatur, in der Lyrik (G. Benn, H. M. Enzensberger), in der Erzählprosa (A. Döblin, „Berlin Alexanderplatz", Roman, 1929), im Drama (P. Weiss, „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats ...", 1964) und im Hörspiel. Bis Mitte der 60er Jahre wurden Montage und Collage etwa synonym verwendet, seither setzte sich zunehmend die Bezeichnung Collage durch.“ [ebenda S. 286f.] Mir scheint der heutige Gebrauch von Collage und Montage mit der aus der Filmgeschichte bekannten Spannbreite des letzteren Begriffs ganz gut abgesteckt. Die Betonung von Bildkollisionen und unterschiedlichem Wirklichkeitsmaterial (wie im Futurismus, Dadaismus und Surrealismus) würde ich heute in jeder anderen als der Filmform eher als Collage bezeichnen. In der Montage dagegen scheint mir die Einheit des Gesamten, der unauffällige Übergang der Einzelteile stärker. Nichtsdestotrotz bleiben fließende Übergänge, die aber schon interessant sind, wenn es um die Wirkungsstrategie des Werkes geht. Beide Begriffe lösen für mich auch z.gr.T. unseren Streit um die Adaption. Viele der unter dieser Aufschrift verpackten Texte können nämlich sehr wohl als Montage oder Collage gelten. Es werden fremde Text-Materialen für ein eigenes Ganzes genutzt – mit, gegen oder zumindest abweichend von Intentionen des Ausgangsmaterials. Eine Gattungsänderung ist hier nicht nötig. Die Beschneidung, Erweiterung, Neuordnung, Umdeutung des Materials dagegen geradezu Konzept. Exkurs I: Wenn dabei der Anspruch besteht einen Dialog mit dem Ursprungsmaterial einzugehen, dieser also in gewisser Weise Thema des Textes ist, scheint es mit nur umso wichtiger, dass dessen Material, soweit es im Text selbst sichtbar ist, als Vorlage erkennbar wird. Exkurs II: Lange habe ich allerdings mit dem Beispiel Georg Büchner gerungen: Der hat seine Vorlagen auch nicht kenntlich gemacht, scheinbar schamlos abgeschrieben - beim „Lenz“ und „Dantons Tod“, bis mir aufging: Das sind nun wirklich Adaptionen – aus (Wissenschaftlichem) Tagebuch bzw. Rede-Protokollen wird literarische Fiktion. Betrachtet man sich unter diesem Blick die letzten GeWa und die Angebote im Sommer-Seminar, finden sich bereits einige Beispiele für Collage bzw. Montage. Christians Texte bieten da sehr verschiedene Umgangsweisen mit den Original-Texten: Zur Essenz verknappend, Gegenentwürfe anbietend, den eigenen Text aus (mehr oder weniger vielen) Motiven entwickelnd. Lianes Vorworte fallen mir ein. Collage pur. Aber es muss auch nicht immer zitiert werden: Mein „Stillleben“ im GeWa 112 würde ich ebenfalls als Collage ansehen. Weil hier verschiedene Wirklichkeitsbereiche gegeneinander gesetzt werden. Das soll dem Leser sehr wohl bewusst werden. Fremdmaterial ist für beide Begriffe nicht Grundvoraussetzung. Eisensteins Bilder entstanden ja auch alle unter seiner Regie für den jeweiligen Film. In diesem Sinne sind viele unserer Texte Collagen, zumindest aber Montagen. Vielleicht kramt ihr mal unter diesem Gesichtspunkt in euren Mappen oder lasst euch anregen, einen solchen Text zu schreiben. Oder vielleicht entsteht einer direkt zu entsprechenden Bildern? Vielleicht schaffen wir sogar gemeinsam einen Werkstattbesuch? Ein Besuch in der Bunker-Bücher-Waldstadt, im Atelier „Nottekunst“ bei Hagen und Sylvi und in der umliegenden Ex- Militär-Brach-Landschaft lohnt sich allemal.

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also ist es schon ein Unterschied, ob ich meiner Freundin eine Bergbesteigung, Wanderung oder einen Spaziergang vorschlage. Und wir sollten uns einig sein, was wir unter dem jeweiligen verstehen. Sonst ist Ärger vorprogrammiert. Auch für mich allein: Denn wenn ich mir vorher klarmache, was es werden soll, wähle ich danach allein schon Verpflegung und Schuhwerk. Deshalb machen „Schubkästen“ manchmal Sinn.

Schon mehrfach hatten wir uns solche Schubkästchen in Seminaren vorgenommen – Sonnet, Haiku & Tanka, Adaptionen – mit mehr oder weniger produktivem Erfolg … nun trug Hagen Ludwig von „Nottekunst“ eine neue Aufgabenstellung an uns heran: Im Februar werden sich im Atelier in Wünsdorf-Bücherstadt bildende Künstler zu einem einwöchigen Workshop zum Thema „Collagen“  treffen. Die Ergebnisse sollen dort ausgestellt werden – zur Vernissage oder Finissage wünscht er sich  eine Lesung mit Collagen-Texten von uns und vielleicht auch Musik-Collagen. Die Grenzen zur Montage sieht er als fließend an.

Am produktivsten für die Diskussion, was literarische Collage bzw. Montage ist, erschienen mir die Definitionen aus dem „Schülerduden Die Literatur“. Collage wird hier erklärt mit: „[[…] französisch „das Leimen, das Ankleben“]: aus der bildenden Kunst in den Bereich der modernen Literatur übertragene Bezeichnung 1. für die Technik der zitierenden Kombination von meist nicht zusammengehörigem vorgefertigtem sprachlichem Material; 2. für die derart entstandenen literarischen Produkte. Zunächst wurde die Bezeichnung Collage meist gleichbedeutend mit der bis dahin üblichen Bezeichnung f. Montage gebraucht. Ende der 60er Jahre setzte sie sich, v. a. für größere literarische Formen, immer mehr durch. Unter dem Einfluss kubistischer Bildcollagen entstanden die ersten literarischen Collagen im Futurismus, Dadaismus und Surrealismus. Die Collage ist oft Teilelement im modernen Roman, z. B. bei J. Joyce („Ulysses“, 1922, deutsch „Ulysses“, 1927) und A. Döblin („Berlin Alexanderplatz“, 1929).“ [Schülerduden Die Literatur. Dudenverlag. Mannheim / Wien / Zürich 1989. 2. überarb. Aufl., S. 92; Hervorhebung d.A:]

Noch interessanter finde ich die Erläuterung der Montage: “[[…] französisch, von monier „hinaufbringen, aufstellen“ (eigentlich „aufwärtssteigen“)]: in der Filmtechnik Bezeichnung für die Verbindung zweier oder mehrerer Einstellungen durch einen Schnitt oder eine Blende. Durch die Montage bekommt jede Einstellung erst ihre eigene Bedeutung im Gesamtzusammenhang der filmischen Aussage, wenn z. B. bei S. M. Eisenstein die Montage bewusst als Ausdrucksmittel eingesetzt wird: Durch die Kollision von Bildern aus unterschiedlichen Wirklichkeitsbereichen (Tötung aufständischer Arbeiter – Schlachtung eines Ochsen im Film „Streik“, 1925) wird der Zuschauer schockartig zu der vom Regisseur beabsichtigten Deutung des Geschehens geführt. Dagegen wird besonders in Unterhaltungsfilmen der sogenannte „unsichtbare Schnitt„, d. h. der möglichst unauffällige Übergang von einer Einstellung zur anderen, bevorzugt, damit der Fluss der Erzählung nicht durch reflexionsauslösende Bildkombinationen gestört wird. Der Begriff „Montage“, aus der Filmtechnik übertragen auf die Literatur, bezeichnet die bewusste Zusammenfügung von sprachlich, stilistisch und auch inhaltlich unterschiedlichen Textteilen. Die Funktionen der Montage sind vielfältig: die Spannbreite reicht von der Erzielung vordergründiger Überraschungseffekte über die ästhetische Provokation (z. B. im Dadaismus) bis zum Versuch in Romanen, die verschiedenen Bereiche und Ebenen der Wirklichkeit unter sich durchsichtig und durchlässig zu machen. Die Montagetechnik findet sich in allen Gattungen der modernen Literatur, in der Lyrik (G. Benn, H. M. Enzensberger), in der Erzählprosa (A. Döblin, „Berlin Alexanderplatz“, Roman, 1929), im Drama (P. Weiss, „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats …“, 1964) und im Hörspiel. Bis Mitte der 60er Jahre wurden Montage und Collage etwa synonym verwendet, seither setzte sich zunehmend die Bezeichnung Collage durch.“ [ebenda S. 286f.]

Mir scheint der heutige Gebrauch von Collage und Montage mit der aus der Filmgeschichte bekannten Spannbreite des letzteren Begriffs ganz gut abgesteckt. Die Betonung von  Bildkollisionen und unterschiedlichem Wirklichkeitsmaterial (wie im Futurismus, Dadaismus und Surrealismus) würde ich heute in jeder anderen als der Filmform eher als Collage bezeichnen. In der Montage dagegen scheint mir die Einheit des Gesamten, der unauffällige Übergang der Einzelteile stärker. Nichtsdestotrotz bleiben fließende Übergänge, die aber schon interessant sind, wenn es um die Wirkungsstrategie des Werkes geht.

Beide Begriffe lösen für mich auch z.gr.T. unseren Streit um die Adaption. Viele der unter dieser Aufschrift verpackten Texte können nämlich sehr wohl als Montage oder Collage gelten. Es werden fremde Text-Materialen für ein eigenes Ganzes genutzt – mit, gegen oder zumindest abweichend von Intentionen des Ausgangsmaterials. Eine Gattungsänderung ist hier nicht nötig. Die Beschneidung, Erweiterung, Neuordnung, Umdeutung des Materials dagegen geradezu Konzept.

Exkurs I: Wenn dabei der Anspruch besteht einen Dialog mit dem Ursprungsmaterial einzugehen, dieser also in gewisser Weise Thema des Textes ist, scheint es mit nur umso wichtiger, dass dessen Material, soweit es im Text selbst sichtbar ist, als Vorlage erkennbar wird.

Exkurs II: Lange habe ich allerdings mit dem Beispiel Georg Büchner gerungen: Der hat seine Vorlagen auch nicht kenntlich gemacht, scheinbar schamlos abgeschrieben – beim „Lenz“ und „Dantons Tod“, bis mir aufging: Das sind nun wirklich Adaptionen – aus (Wissenschaftlichem) Tagebuch bzw. Rede-Protokollen wird literarische Fiktion.

Betrachtet man sich unter diesem Blick die letzten GeWa und die Angebote im Sommer-Seminar, finden sich bereits einige Beispiele für Collage bzw. Montage. Christians Texte bieten da sehr verschiedene Umgangsweisen mit den Original-Texten: Zur Essenz verknappend, Gegenentwürfe anbietend, den eigenen Text aus (mehr oder weniger vielen) Motiven entwickelnd. Lianes Vorworte fallen mir ein. Collage pur. Aber es muss auch nicht immer zitiert werden: Mein „Stillleben“ im GeWa 112 würde ich ebenfalls als Collage ansehen. Weil hier verschiedene Wirklichkeitsbereiche gegeneinander gesetzt werden. Das soll dem Leser sehr wohl bewusst werden. Fremdmaterial ist für beide Begriffe nicht Grundvoraussetzung. Eisensteins Bilder entstanden ja auch alle unter seiner Regie für den jeweiligen Film.

In diesem Sinne sind viele unserer Texte Collagen, zumindest aber Montagen. Vielleicht kramt ihr mal unter diesem Gesichtspunkt in euren Mappen oder lasst euch anregen, einen solchen Text zu schreiben. Oder vielleicht entsteht einer direkt zu entsprechenden Bildern?

Vielleicht schaffen wir sogar gemeinsam einen Werkstattbesuch? Ein Besuch in der Bunker-Bücher-Waldstadt, im Atelier „Nottekunst“ bei Hagen und Sylvi und in der umliegenden Ex- Militär-Brach-Landschaft lohnt sich allemal.


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Chronik 2012 – Desdemona: Lieblingstexte beim Herbstseminar

Autorin: Desdemona Erstaunlich - alle hatten bei unserem Herbstseminar an die Hausaufgaben gedacht und einige Lieblingstexte mitgebracht. Eine kleine Sensation: fast alle hatten Rilke im Gepäck. Ich auch. Und zwar die 9. Elegie - natürlich nur ausschnittsweise. Folgende Zeilen liebe ich sehr: Aber weil Hiersein viel ist und weil uns scheinbar alles das Hiesige braucht, dieses Schwindende, das seltsam uns angeht. Uns, die Schwindendsten. Einmal jedes, nur einmal. Einmal und nicht mehr. Und wir auch einmal. Nie wieder. Aber dieses einmal gewesen zu sein, wenn auch nur einmal: irdisch gewesen zu sein, scheint nicht widerrufbar. Warum gerade dieser Vers mich so nachhaltig anspricht? Ein seltsames Gefühl erfüllt mich jedes mal beim Lesen: schon allein das nackte Hiersein erweist sich als etwas Kostbares, unbedingt zu Bewahrendes. Einmal nur sind wir hier. Das wird sich nicht wiederholen. Nicht in der Zeit. Und nicht in unserer Ausprägung. Einmalig ist jeder - einzig als unverwechselbarer Einmaliger. Hiersein und Einmaligkeit jedoch teilen wir mit anderen Schwindenden.

by


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Erstaunlich – alle hatten bei unserem Herbstseminar an die Hausaufgaben
gedacht und einige Lieblingstexte mitgebracht. Eine kleine Sensation:
fast alle hatten Rilke im Gepäck. Ich auch. Und zwar die 9. Elegie
natürlich nur ausschnittsweise. Folgende Zeilen liebe ich sehr:
Aber weil Hiersein viel ist und weil uns scheinbar alles das Hiesige
braucht, dieses Schwindende, das seltsam uns angeht. Uns, die
Schwindendsten. Einmal
jedes, nur einmal. Einmal und nicht mehr. Und wir auch
einmal. Nie wieder. Aber dieses
einmal gewesen zu sein, wenn auch nur einmal:
irdisch gewesen zu sein, scheint nicht widerrufbar.

Warum gerade dieser Vers mich so nachhaltig anspricht?
Ein seltsames Gefühl erfüllt mich jedes mal beim Lesen:
schon allein das nackte Hiersein erweist sich als etwas
Kostbares, unbedingt zu Bewahrendes.
Einmal nur sind wir hier. Das wird sich nicht wiederholen.
Nicht in der Zeit .
Und nicht in unserer Ausprägung.
Einmalig ist jeder – einzig als unverwechselbarer Einmaliger.

Hiersein und Einmaligkeit jedoch teilen wir mit anderen Schwindenden.
Warum aber sind wir unter ihnen die Schwindendsten?

Irgendwann werden wir mit unserer Einzigartigkeit schwinden.
Wie alle Schwindenden.
Nur wir jedoch wissen lange davor von diesem Schwinden, das
seltsam uns angeht.
So als die Wissenden sind wir die Schwindendsten unter den Schwindenden.
Das scheint nicht widerrufbar.

 

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Christian Rempel: Der grüne Zettel

Ich sah da jüngst ein Mädchen stehn das Mädchen war so wunderschön doch ernsten Männern und schönen Frau`n soll man im Leben ja nicht trau`n

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Ich sah da jüngst ein Mädchen stehn
das Mädchen war so wunderschön
doch ernsten Männern und schönen Frau`n
soll man im Leben ja nicht trau`n

Sie fragte mich: „Oh ham Sie nicht
für mich ein kleines Angedicht?
Und sei es auch nur noch so klein
es würd` für mich `ne Freude sein“

„Oh Fräulein ham Sie ein Gebrechen
Sie können ja in Versen sprechen
was ich mir abring` so in Tagen
das könn` Sie gleich in Worten sagen“

Da schweigt sie fein und läßt mich denken
wollt ich ihr eben Verse schenken
was ich ihr sagte, wie mir scheint
das hat sich ja wohl auch gereimt

Was mir geschieht fast überall
ist immer auch ein Krankheitsfall
ob wohl ihr Leben schon bedroht
ob sie noch schaut das Abendrot

Verdammt, ich schweig noch immer
seh sie im weißen Zimmer
sie wird mir doch nicht siechen
wie kann sie so gut riechen

Und endlich kram ich Eiderdaus
für sie `nen grünen Zettel raus
Nun denkst Du darauf schreibe ich
für sie ganz rasch ein Angedicht

Doch in den Taschen hab ich Zettel
ganz eingestellt auf das Gebettel
da stehn schon die Gedichte drauf
womit ich um mein Leben lauf

Doch natürlich bleib ich steh`n
ich will die Reaktion ja seh`n
sie liest es leis dann liest`s sie`s laut
sie prüft genau ob`s nicht geklaut

Dann sagt sie mir sie schreibt nicht mehr
und dass sie las ist lange her
sie hat ja endlich ihr Gebrechen
sie kann ja nun in Versen sprechen

„Oh sagst Du etwas im Gedicht
dann weißt Du ja das Ende nicht
das ist so spannend, weißt Du`s jetzt
was Du nur so durchs Leben hetzt“

Ich stehe doch, wie kann sie sagen
ich täte durch das Leben jagen
sie schaut mir nicht mal ins Gesicht
hat sie`s gelernt aus dem Gedicht?

Dann gibt sie mir, ich habe Glück
sie gibt mir ein Gedicht zurück

Dann kam der Abschied ohne Klagen
ich würd` ihr gern ein Wort noch sagen
doch was mir fiel zu sagen ein
schon wieder war es nur ein Reim
Da las ich ihr, ich armer Tor
ich las den Zettel nochmal vor:

„Zu Worms in einem hohen Saal
fand man sich ein zur Damenwahl
den Saal ziert eine bunte Decke
und an der Decke hängt eine Schnecke

Sie ist gemacht von purem Gold
das ham die Damen so gewollt
und plötzlich kommt ihn` in den Sinn:
Wo sind denn nur die Männer hin?

Wir wollten sie doch gerade wählen
und hernach genau noch zählen
Die Männer wie sie immer sind
sie zogen in den _ _ _ _ _  geschwind“

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17.10.02

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Susann Schönherr: Ritual

Hoch oben in den Lüften, weit über den Wäldern von Lisanis Dei, zog er seine Kreise, auf der Suche nach einer Lichtung, die seinem Herren genehm sein würde. Er hörte die Worte noch hallen: „weit droben auf dem Berge, in den Wäldern von Lisanis Dei, zog er seine Kreise, auf der Suche nach einer Lichtung, die seinem Herren genehm sein würde. Er hörte die Worte noch hallen: „weit droben auf dem Berge, in den Wäldern von Lisanis Dei, musst du die Lichtung finden, welche den klarsten Blick in den Nachthimmel gewährt!“ Unterdessen traf Li Nao San letzte Vorbereitungen. Der Proviant war gepackt, die Kutte geglättet. Das Feuerholz wollte er auf dem Weg zum Treffen sammeln. In drei Nächten würde es endlich wieder so weit sein. Viele Jahre waren vergangen, dreiunddreißig an der Zahl, seit sie sich das letzte Mal sahen. Was hatte sich seit dem nicht alles ereignet… Li Nao versank in seinen Erinnerungen. Was die anderen ihm wohl berichten würden? Aber so weit war es noch nicht. Bis zur Zusammenkunft musste noch einiges erledigt werden.

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Hoch oben in den Lüften, weit über den Wäldern von Lisanis Dei, zog er seine Kreise, auf der Suche nach einer Lichtung, die seinem Herren genehm sein würde.

Er hörte die Worte noch hallen: „weit droben auf dem Berge, in den Wäldern von Lisanis Dei, musst du die Lichtung finden, welche den klarsten Blick in den Nachthimmel gewährt!“

Unterdessen traf Li Nao San letzte Vorbereitungen. Der Proviant war gepackt, die Kutte geglättet. Das Feuerholz wollte er auf dem Weg zum Treffen sammeln.

In drei Nächten  würde es endlich wieder so weit sein. Viele Jahre waren vergangen, dreiunddreißig an der Zahl, seit sie sich das letzte Mal sahen.

Was hatte sich seit dem nicht alles ereignet… Li Nao versank in seinen Erinnerungen.

Was die anderen ihm wohl berichten würden? Aber so weit war es noch nicht.

Bis zur Zusammenkunft musste noch einiges erledigt werden.

Hoffentlich würde sein Rabe ihm bis zum Morgengrauen die Kunde über den vollkommenen Ort für das heimliche Treffen bringen… Nun aber begab Li Nao sich in den Wald.

Dreizehn Samen der immergrünen Abies, sieben Marientränen und eine Wurzel der Mandragora musste er sammeln.

Es verging die dunkle, kalte Nacht. Bei seiner Wiederkehr verlieh das sanfte Morgengrauen der Gegend um Lisanis Dei einen roten Schleier. Da vernahm Li Nao das raue Krähen seines Raben.  „Li Nao San, Li Nao San, mein Herr, ich komme mit der Kunde über die rechte Lichtung hoch droben auf dem Berge in den Wäldern von Lisanis Dei“.

„Vortrefflich, mein guter Begleiter! Mit dem nächsten Mondenschein werden wir uns auf den Weg machen.“ sprach Li Nao, bevor er sich zur Ruhe legte.

Bald darauf fiel er in einen tiefen Schlaf und begann unruhig zu träumen…

Ringsum graue Nebelschwaden, nichts zu erkennen… Doch, dort hinten – ein blauer Schimmer. Wo bin ich nur? Und was ist das für ein Licht?  Ich vernehme ein Stimmengewirr in der Ferne. Plötzlich fängt sich alles an, um mich herum zu drehen, grauer Nebel, blaues Licht, die Stimmen kommen immer näher… Aaaaaaah!

…schweißgebadet erwachte Li Nao San aus seinem Traum. Die Nacht brach langsam herein.

„Nun flieg hoch und halt Ausschau nach den Raben von Nyima Shin und Zoaki Masa, um ihnen den Weg zur Lichtung zu weisen.“ sprach er zu seinem Begleiter und machte sich auf den Weg.

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sibyll maschler: Der Unterschied

Nicht nachgeben viel mehr einander die Hände entgegen strecken für den gemeinsamen Weg Hand in Hand Text: sibyll maschler März 2012

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Nicht nachgeben
viel mehr
einander die Hände
entgegen strecken
für den gemeinsamen Weg
Hand in Hand

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März 2012

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sibyll maschler: Mädchenbilder

Mädchen strömen wie Düfte Fliederdoldengleich Mädchen wehen wie zarte Brisen und tragen ans Ufer Mädchen salzen die Haut wie das Meer sind Stürme und ruhige See

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Mädchen strömen
wie Düfte
Fliederdoldengleich
Mädchen wehen
wie zarte Brisen
und tragen ans Ufer
Mädchen salzen die Haut
wie das Meer
sind Stürme und ruhige See
Mädchen steigen auf
wie Nebel zu den Wipfeln
oder sinken zu Boden
Mädchen breiten sich aus
in allen Farben
über den Hügeln
Mädchen nehmen auf und ein
manch schwerer Stunde
mit ins Tal
Mädchen fließen
zum Grunde
und sind Brücke darüber

Februar 2012

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Susann Schönherr: Ohne Gefühl behütet gewachsen

Ohne Gefühl behütet gewachsen Oh lockende Versuchung Meine Seele berührt Bedenken hinfort! Gehorsam unterwerf ich mich

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Ohne Gefühl behütet gewachsen
Oh lockende Versuchung
Meine Seele berührt
Bedenken hinfort!
Gehorsam unterwerf ich mich

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Fremde Gefühle keimen heran
Oh schmerzhafte Erfahrung
Meine Seele verletzt
Respekt hinweg?
Es trifft mit voller Wucht

 

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sibyll maschler: Schimmernd

Sein wie zwei übereinander liegende Seiten Pauspapier Licht durchflutet die Abdrücke spüren das Dunkle absorbierend gegenseitig als Zeichen zum Wandel

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Sein
wie zwei übereinander liegende
Seiten Pauspapier
Licht durchflutet
die Abdrücke spüren
das Dunkle absorbierend
gegenseitig
als Zeichen
zum Wandel

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Desdemona: Nach-Lese

ganz persönliche "Nach-Lese" "Gute Nacht Großhirn“ (von Liane im GeWa 110) könnte ich mir fast täglich sagen: immer wieder lasse ich mich von meinen Emotionen treiben und schüttele im Nachherein ernüchtert den Kopf. Es ist nicht die hochgepriesene Vernunft, die uns antreibt. Nein!!! Liane beschrieb in nur 5 Zeilen ein aufregendes, alltägliches Drama - wer kennt es nicht? Erfrischend ist auch die„Entweihung" - gleichfalls von Liane. So viel Selbstironie , Mut und innere Freiheit, sich auch ( nicht nur!) als Strichmännchen darzustellen und die Inschrift - also das eigene Selbstbild- zu belächeln. "Der Blick, der wie eine Klinge die Worte abschneidet " - auch wieder so ein starkes Bild. Ich sehe sie vor mir, diese herrsüchtigen, kaltblauen Augen! Schließlich hüpft Liane auf dem Frosch davon - diesem schlüpfrigen, eigenartigen Wesen, das als Vehikel für ihr Selbst dienen soll. Nach Enttäuschung und Tränenblick jetzt also ein vielleicht sogar lustiger Ritt - das ist wieder so eine Art Selbstbefreiung und Selbstüberschreitung. Rätsel geben mir nicht nur Lianes Beiträge auf. Ich fand Parallelen zu den Gedichten von Frank P. Er steckt sich selbst in eine zuverlässige Rüstung aus Hoffnungssicherheit - nur so kann er sich bewahren. Spielen und Manipulieren muss der Lebenserfahrene selbst nach 48 Jahren Lebensschule immer noch lernen. Schreckliche Zeiten! - so denke ich. Schließlich ein Grabender: nur nach Abschieden und letztem Blick zurück - hinterherhinkend- hofft er endlich satt zu werden. In dem Gedicht "Hast du schon gehört“ höre ich ganz versteckt Annett heraus - Desdemona (beim Sortieren ihrer Empfindungen nach einem Lese-Abend )

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ganz persönliche Nach-Lese


„Gute Nacht Großhirn“ (von Liane im GeWa 110) könnte ich mir fast täglich sagen:  immer wieder lasse ich mich von meinen Emotionen treiben und schüttele im Nachherein ernüchtert den Kopf. Es ist nicht die hochgepriesene Vernunft, die uns antreibt. Nein!!!
Liane beschrieb in nur 5 Zeilen ein aufregendes, alltägliches Drama – wer kennt es nicht?

Erfrischend ist auch die„Entweihung“ – gleichfalls von Liane. So viel Selbstironie , Mut und  innere Freiheit,  sich auch ( nicht nur!) als Strichmännchen darzustellen und die Inschrift – also das eigene   Selbstbild- zu belächeln.

„Der Blick, der  wie eine Klinge die Worte abschneidet “ – auch wieder  so ein starkes Bild. Ich sehe sie vor mir, diese herrsüchtigen, kaltblauen Augen!

Schließlich hüpft Liane auf dem Frosch davon – diesem schlüpfrigen, eigenartigen Wesen, das als Vehikel für ihr Selbst dienen soll. Nach   Enttäuschung und Tränenblick jetzt also ein vielleicht sogar lustiger   Ritt – das ist wieder so eine Art Selbstbefreiung und Selbstüberschreitung.

Rätsel geben mir nicht nur Lianes Beiträge auf.
Ich fand Parallelen zu den Gedichten von Frank P. Er steckt sich selbst in eine zuverlässige Rüstung aus Hoffnungssicherheit – nur so   kann er sich bewahren.

Spielen und Manipulieren muss der Lebenserfahrene selbst nach 48 Jahren Lebensschule immer noch lernen. Schreckliche Zeiten! – so denke ich.
Schließlich ein Grabender: nur nach Abschieden und letztem Blick zurück – hinterherhinkend- hofft er endlich satt zu werden.
In dem Gedicht „Hast du schon gehört“ höre ich ganz versteckt Annett   heraus   –

Desdemona  (beim Sortieren ihrer Empfindungen nach einem Lese-Abend )

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Susann Schönherr: Du und Ich

Verberge Nach außen Wut auf dich Erkenne dich nicht wieder Leere Erstarrt Im Innern Wut auf mich Erkenne mich nicht wieder Entscheide

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Verberge
Nach außen
Wut auf dich
Erkenne dich nicht wieder
Leere

Erstarrt
Im Innern
Wut auf mich
Erkenne mich nicht wieder
Entscheide

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Susann Schönherr: Winternacht

Ich wandre durch die stille Nacht Der Atem kalt Und klirrend meine Glieder Eiskristalle Fallen sacht auf die Erde nieder Ich stapfe durch die weiße Pracht Der Atem kalt Und klirrend meine Glieder Blaue Lichter Tanzen sanft zauberhafte Lieder Ich seh hinauf zum Himmelsdach Der Atem kalt Und klirrend meine Glieder Glöckchen klingen An der Fee im wundersamen Mieder Ich folge ihr bis an den Bach Der Atem kalt Und klirrend meine Glieder Eisskulpturen treiben aus ihr glanzvolles Gefieder Ich schwebe mit ihnen durch die Nacht Der Atem kalt Und klirrend meine Glieder Wenn der Nebel Fällt herab, verstummt der Zauber wieder

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Ich wandre durch die stille Nacht
Der Atem kalt
Und klirrend meine Glieder
Eiskristalle
Fallen sacht auf die Erde nieder

Ich stapfe durch die weiße Pracht
Der Atem kalt
Und klirrend meine Glieder
Blaue Lichter
Tanzen sanft zauberhafte Lieder

Ich seh hinauf zum Himmelsdach
Der Atem kalt
Und klirrend meine Glieder
Glöckchen klingen
An der Fee im wundersamen Mieder

Ich folge ihr bis an den Bach
Der Atem kalt
Und klirrend meine Glieder
Eisskulpturen
treiben aus ihr glanzvolles Gefieder

Ich schwebe mit ihnen durch die Nacht
Der Atem kalt
Und klirrend meine Glieder
Wenn der Nebel
Fällt herab, verstummt der Zauber wieder

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Desdemona: Der endlose Schrei

Stundenlange Umarmung - Glück- dann ein Schrei- in Sekundenschnelle ist alles vorbei. Feuer hier, Feuer da, und immer noch mehr. Tief in der Bucht das zischende Meer. Schreiend treibt es die Menschen über das Land. Doch der Vesuv hat sie alle verbrannt.

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Andreas Schrock – Foto: Steinfigur

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Stundenlange Umarmung – Glück- dann ein Schrei-
in Sekundenschnelle ist alles vorbei.
Feuer hier, Feuer da, und immer noch mehr.
Tief in der Bucht das zischende Meer.
Schreiend treibt es die Menschen über das Land.
Doch der Vesuv hat sie alle verbrannt.
Unbezähmbar wälzt sich die unendliche Glut.
Tödlich die speihende Lavaflut.
Urplötzlich sind Menschen erstarrt zu Stein.
Verstörender kann ein Anblick nicht sein.

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