• Termine 2019

    Liebe Eitle Künstler und Freunde der UnDichter, ich wünsche euch allen ein frohes und gesundes Jahr 2019 und hoffe, ihr hattet einen guten Start. Im Folgenden findet ihr die Termine für dieses Jahr. Da dieser Beitrag mit der Zeit nach unten „verschwinden“ wird, habe ich einen Link dazu oben im Menü-Band gesetzt. Weitere Details zu […]

  • Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015 von Autoren des Eitel Kunst e.V ab sofort im Buchhandel

    Liebe “Eitlen Künstler” und Freunde der “UnDichter”,

    mir wurde die große Ehre und Freude zuteil, hier in unserem Blog verkünden zu dürfen, dass die eben erschienenen Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015 von Autoren des Eitel Kunst e.V ab sofort auch im Handel unter der ISBN 978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz. bestellt werden kann.

    Gerhard Jaeger und Annett Goldberg haben mit Sorgfalt und Sachverstand geeignete Texte, Bilder und Zeichnungen für die Herausgabe der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015 ausgewählt.
    Unsere Freude ist groß, dass unser Verein Eitel Kunst, entgegen der Befürchtungen von Bedenkenträgern, nun schon ein Vierteljahrhundert bestehen konnte und …

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Liane Fehler: kaltblau – icy blue

Der Blick aus kaltblau schnitt wie eine Klinge die Worte ab so amputiert ohne Sprache kondensierte meine Seele Niederschlag auf dem Gesicht

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Der Blick aus kaltblau
schnitt wie eine Klinge
die Worte ab
so amputiert
ohne Sprache
kondensierte
meine Seele
Niederschlag
auf dem Gesicht

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015.

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Andreas Schrock: Wie soll ich es sagen

Text: Andreas Schrock In der Kaufhalle sind sie so nett. Nicht nur die Kassiererin, nein, auch die Kunden. Das sind ja alles meine Nachbarn. Die kommen jeden Tag. Die grüßen mich und ich grüße zurück. Ich winke ihnen zu, wie ein Seemann auf Landgang, zwischen den Regalen. Rolling home. Das Kirchenschiff ist gewaltig. Und schweigt. Ich bin nicht wichtig. W a s w i l l s t d u , flüstert mir eine Stimme zu. Sie formt sich im Raum, hoch oben, unter der getäfelten Decke. In der Kaufhalle ist Leben. Fröhliche Rollatorwelt. Vormittags kommen sie, sie bugsieren sich geschickt Richtung Wursttheke, forsch: 150 bitte, von der da. Darf`s ein bisschen mehr sein? Sie sind so freundlich. Alle. Selbst der Kassierer, der das Geld nimmt. Der hat’s ja auch nicht leicht.

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In der Kaufhalle sind sie so nett. Nicht nur die Kassiererin, nein, auch die Kunden. Das sind ja alles meine Nachbarn. Die kommen jeden Tag. Die grüßen mich und ich grüße zurück. Ich winke ihnen zu, wie ein Seemann auf Landgang, zwischen den Regalen. Rolling home.

Das Kirchenschiff ist gewaltig. Und schweigt. Ich bin nicht wichtig.
W a s  w i l l s t  d u , flüstert mir eine Stimme zu. Sie formt sich im Raum, hoch oben, unter der getäfelten Decke.

In der Kaufhalle ist Leben. Fröhliche Rollatorwelt. Vormittags kommen sie, sie bugsieren sich geschickt Richtung  Wursttheke, forsch: 150 bitte, von der da. Darf`s ein bisschen mehr sein? Sie sind so freundlich. Alle. Selbst der Kassierer, der das Geld nimmt. Der hat’s ja auch nicht leicht.

W a s  w i l  l s t  d u  d e n n, flüstert wieder die Stimme. Ich lebe vorbei. spreche ich auf meiner leeren Kirchenbank vor mich hin. An irgend etwas vorbei, verstehst du? Dieses Schweigen, das dann folgt. Vor dem Kirchenfenster geht etwas vorüber. Ein Schatten, vielleicht ein Vorschatten. Gibt es so etwas?

Ich bin ein Seemann, der durch die Regale schwankt. Ich summe vor mich hin. Ich segle über die Packungen, die bunte Werbung. Die können mir viel erzählen. Ha, ich habe schon eine Menge Regale gesehen. Vorn an der Kasse steht eine Stiege Rentnerbrause: 0,2er Fläschchen Sekt, gut auch zum Mittag, um den Kreislauf anzukurbeln.

Ich lege mich auf die Kirchenbank, schaue nach oben, an die getäfelte Decke. Wenn jetzt der Küster kommt, holt er einen Notarzt. Ich lebe nicht vorbei, ich gleite vorbei. Oder besser: ich gleite am Eigentlichen entlang, wie an einem Pergamentpapier. Da ist die Stimme wieder: S c  h r e i b  e i n e   G e s c h i c h t e, flüstert sie. Aber was soll ich denn schreiben? Das Transzendente schweigt. Wenn es wenigstens rascheln würde.

In der Kaufhalle drehe ich jetzt die zweite Runde. Jedes Ding in meinem Wagen ist eine Story. Ich hab einen Wagen voller Geschichten, Leute. Guckt mal, die Wurstmischer, die Lohnarbeiter, die Werbetexter, die Brummi-Fahrer. Wow. Lauter kleine Geschichten, vom schönen Kapitalismus.

O Gott, lass mich nicht mutlos werden. Also: woran lebe ich vorbei? Ich bemühe mein Gedächtnis. Das Kind in mir findet etwas. Es bricht durch eine Hecke: Mutti, Mutti, guck mal! Ich bin immer noch allein in der Kirche. Ich lege meine Hände auf die Ablage der Kirchenbank. Holz. Richtig altes Holz.

Ich glaub, ich bin besoffen, dritte Runde, da hinten kommen die Wasserflaschen in Sicht. Die gefallen mir am besten, die erzählen nämlich Geschichten über mich: Kalziumgehalt, Natriumgehalt, Flouride, Chloride, Bromide…dat ist für’s Gleichgewicht. Links die Basen, rechts die Säuren. Backbord und Steuerbord, das Schiff schwankt manchmal ganz schön.
Immanenz und Transzendenz, die Innen- und
Außenseite der Welt. Volkstümlich und gerne missverstanden: Diesseits und Jenseits. Ich wiege die Wortpaare auf der Zunge hin und her. Ich richte mich auf. Zum ersten Mal blicke ich mich um im Kirchenschiff. Da hängen zwei Christusse. Das ist ein Unding, es gibt keine zwei Christusse. Aber sie hängen beide da, jeder an seinem Kreuz. Der an der einen Wand hängt, hat den Mund halb geöffnet. Er trägt schwer an seiner Dornenkrone. Der leidet. Der Christus an der anderen Wand hat den Mund geschlossen, die Gesichtszüge sind entspannt. Der ist schon tot.

Vierte Runde. Ich hab wieder ein paar Nachbarn getroffen. Und einen Klassenkameraden. In meinem Kopf summt Nena: „Lass mich dein Pirat sein…“ So ein Freibeuter hat schon was. Ich könnte meinen vollen Wagen wieder auspacken. Und dabei gleich die Regale umsortieren. Ein bisschen Abwechslung in’s Sortiment bringen. Der Punkt ist nur: wer soll das verstehen.

I c h  w e i ß  e s, rufe ich der Stimme im Kirchenschiff zu. Der Schatten vor dem Fenster soll hereinbrechen. Das Pergamentpapier soll zerreißen. Die Transzendenz raschelt nicht. Sie flüstert auch nicht. Sie kommt mit einem Knall. Das Unsichtbare, das sichtbar wird, ist immer ein Störfaktor. Das ist die Geschichte. Der Punkt ist nur: wer soll sie je verstehen.
Mühlberg/ Elbe, 2./3. Mai 2012

Anregung durch: „Examination oder: Wie soll ich es sagen“ von Manuela Gerlach

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Helft uns auf die Sprünge!

Liebe Freunde und Vereinsmitglieder! Dies ist ein Appell an Jeden, der etwas zur Vervollständigung unserer Chronik beitragen kann: Bitte schreibt uns: witzig uns spritzig, oder ganz korrekt und akribisch mit Daten und Fakten, macht es, wie ihr wollt und könnt.

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Liebe Freunde und Vereinsmitglieder! Dies ist ein Appell an Jeden, der etwas zur Vervollständigung unserer Chronik beitragen kann: Bitte schreibt uns: witzig uns spritzig, oder ganz korrekt und akribisch mit Daten und Fakten, macht es, wie ihr wollt und könnt. Als Online-Redaktion haben wir noch ein paar Baustellen auf dieser unserer neuen Seite und bei der Chronik fehlt nach meinem Gefühl eine Menge.Ich sage: „Das kann doch nicht alles gewesen sein,oder?“

Jetzt sind die Tage kurz und die Abende lang, vielleicht denkt der Eine oder Andere zurück und erinnert sich noch gut an Erlebnisse, die mit unserem Verein untrennbar verknüpft sind. Bitte zögert nicht! Ich hoffe auf eure Unterstützung.

Liane Fehler

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Liane Fehler: Mit dem Flügelschuh – poem: with the wing shoe

Mit dem Flügelschuh (dem Engel gemaust) gelaufen übers Wolkenbeet noch schnell den goldenen Mond angestupst Bin ein Spielkind Glückskind

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Mit dem Flügelschuh
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(dem Engel gemaust)
gelaufen übers Wolkenbeet
noch schnell den

goldenen Mond
angestupst

Bin ein Spielkind
Glückskind
so voller Übermut
aus der Luft gefangen
Deinen sehnsüchtigen Blick
nach oben

Ein großes Ja!
in den Himmel geschrieben

5.Mai 2012

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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Liane Fehler: Sattle den Frosch – poem: Saddle the frog – aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015

Hab meine Erwartungen verfüttert am Teich werfe auch die nicht gesagten Worte hinterher Tränenblick presst die Ohnmacht aus dem Körper suche ein Vehikel für mein „ICH“ will fort sattle den Frosch und hüpfe von dannen

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smt: Heimat – aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015

Heimat, das ist Melodie, klingt in meinem Herzen. Heimat steckt tief drin im Kopf, sentimentale Schmerzen. Heimat ist Erinnerung, bittersüße Zeit.

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Heimat, das ist Melodie,
klingt in meinem Herzen.
Heimat steckt tief drin im Kopf,
sentimentale Schmerzen.
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Heimat ist Erinnerung,
bittersüße Zeit.
Heimat seufzt ein Klagelied
der Vergangenheit

Doch:
Heimat ist nicht nur ein Ort,
Heimat heißt Gefühl.
Heimat kann die Fremde sein,
wenn ich dort sein will.

Heimat ist auch Blick nach vorn,
morgen fahr´ ich fort.
Gib mir ein paar Jahre Zeit,
dann ist Heimat dort.

März 2012

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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sibyll maschler: Haikus Engelsgleich leuchtend…

Engelsgleich leuchtend zwischen Himmel und Erde Milchstraßenkinder Halb Mond halb Sonne fließt Licht am Tag und des nachts durch ihre Körper

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Engelsgleich leuchtend
zwischen Himmel und Erde
Milchstraßenkinder
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Halb Mond halb Sonne
fließt Licht am Tag und des nachts
durch ihre Körper
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Wie fallender Schnee
Du und ich leuchtend und leis´
Berührung im Flug
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Du, Vater unser
lass dich ins Gebet nehmen
damit ich nicht schrei

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smt: Die letzte Nacht

Und wieder kann ich nicht schlafen. Seit Tagen geht das schon so. Der Tinnitus pfeift in meinen Ohren, und die zu kleine Decke sorgt für kalte Füße. Als ich mich auf die andere Seite drehe, quietschst du leise. Vorsichtig kuschele ich mich an Dich und denke zurück. Wie lange ist es jetzt her - zwölf Jahre? Ein Wunder, dass du mich so lange ertragen hast. Sacht streichen meine Finger über deine kleinen Falten. Ja, wir werden alle nicht jünger. Ich habe an Umfang und Gewicht zugelegt und du eben … - nun, es ist, wie es ist.

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Und wieder kann ich nicht schlafen. Seit Tagen geht das schon so. Der Tinnitus pfeift in meinen Ohren, und die zu kleine Decke sorgt für kalte Füße. Als ich mich auf die andere Seite drehe, quietschst du leise. Vorsichtig kuschele ich mich an Dich und denke zurück. Wie lange ist es jetzt her – zwölf Jahre? Ein Wunder, dass du mich so lange ertragen hast. Sacht streichen meine Finger über deine kleinen Falten. Ja, wir werden alle nicht jünger. Ich habe an Umfang und Gewicht zugelegt und du eben … – nun, es ist, wie es ist.

Damals war es Liebe auf den ersten Blick. Ich plünderte für dich mein Konto und schon zwei Wochen später kamst du in meine erste eigene Wohnung, in die ich erst kurz zuvor eingezogen war. Es waren glückliche Jahre, aber mit der Zeit wurde es anstrengend. Anfangs botest du mir Halt und wachtest über meinen oft unruhigen Schlaf. Still nahmst du es hin, wenn ich mich erst spät in der Nacht hinlegte und nicht vor dem Mittag wieder aufstand. Doch unbewusst hast du mich immer deine Härte und  Unnachgiebigkeit spüren lassen – und so nahm ich schließlich doch immer wieder den Kampf mit dem Alltag auf. Doch dann ließ diese belebende Spannung nach. Du wurdest immer nachgiebiger und ich hatte das Gefühl, in deiner Weichheit zu versinken, nicht mehr hochzukommen, ja fast zu ersticken. Irgendwann wurde mir klar, dass es so nicht weiter gehen kann. Es gab keine gemeinsame Zukunft für uns.

Weil ich wusste, dass du das anders sehen würdest, ließ ich mir Zeit bei der Suche nach etwas neuem – aber irgendwann war es so weit. Es passierte in einem großen Einkaufspark. Wie damals bei dir, verliebte ich mich sofort. Dennoch zögerte ich vor dem entscheidenden Schritt. Mir war klar, es ist die richtige Entscheidung, aber nicht jedem fällt es leicht, Gewohntes aufzugeben. Vielleicht liege ich deshalb gerade noch immer wach da, während du in dir ruhst. Ich wollte keinen langen Abschied und habe mich deshalb für die schnelle, schmerzhafte Variante entschieden. Du weißt noch nicht, dass
dies unsere letzte gemeinsame Nacht sein wird. Ich habe keine großen Vorbereitungen getroffen, es erschien mir sowieso unvermeidlich, dass ihr euch kurz begegnen werdet.

Mir ist klar, wie unwahrscheinlich es ist, dass dich nach mir noch jemand nimmt. Sie haben mir zugesagt, dich abzuholen, aber wo sie dich hinbringen werden – ich weiß es nicht. Und auch wenn du keine Zukunft hast – für mich wird es eine Erleichterung, ein Neuanfang sein. Mit diesem Gedanken schlafe ich doch noch kurz ein. Als ich am Morgen aufstehe und meinen schmerzenden Rücken spüre, bin ich mir endgültig sicher: Sie war richtig – die Entscheidung für ein neues Bett.

Der Text wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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smt: Schöner scheitern

Ach, wie ist das Scheitern schön, ich mag mich so gern scheitern seh´n. Scheitern macht mich so passiv, ich suhle mich im Stimmungstief. Foto: "Küstrin an der Oder, nach der Zerstörung 1945 A21Glocke"

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Ach, wie ist das Scheitern schön,
ich mag mich so gern scheitern seh´n.
Scheitern macht mich so passiv,
ich suhle mich im Stimmungstief.
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Die Wanne voller Selbstmitleid
steht zum Bad für mich bereit.
Tief ins Scheitern eingesunken
fühl´ ich mich ganz freudetrunken.
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Genießend dieses süße Gift
bin ich vom Schmerz total bekifft,
setz´ mit den goldnen Scheitern-Schuss,
stell´ mich ins Fenster – Sprung und Schluss
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Und die Moral von der Geschicht:
Schöner scheitern kann man nicht!

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März 2012

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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Liane Fehler: Schattenengel – Shadeangel

für smt Schattenengel blau hast die Nacht getrunken flügelschwer flügellahm

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Antwort – für smt

 
 
 
 

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Schattenengel blau
hast die Nacht
getrunken
flügelschwer
flügellahm
zu mir herab
gesunken

Ich spürte längst
Deine Gegenwart
wie Du mir folgtest
auf meinen Wegen
Ich sah im Spiegel
Dich und mich
ein Herzschlag nur
ein Atem

Wir gingen gemeinsam
durch verbranntes Land
vorbei an Ruinen
an Feuerstellen
wir lagen beide
in Asche und Sand

Dich bei mir zu wissen
zur Zeitenwende
ein Glücksversprechen
ein Lebensfunke

wir teiln uns die Flügel
und Hand in Hand
schaun wir ins Morgen
und fliegen…
Fliegen dorthin!


Frühjahr 2012
Foto: J.Fehler

 Aus der Anthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015 (ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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smt: Schattenengel – Der Beginn

Da stehst Du nun vor mir ganz still, hübsche Augen, so groß und weit. Schreck im Gesicht und Mitgefühl. Ich hauch´ Dir zu: Es tut mir leid, dass ich Dir vor die Füße fiel. Um Dich herum die Zeit verfließt, doch Du bist salzsäulenstarr. Dein tränenfeuchter Blick ergießt

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Foto:quarknet.

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Da stehst Du nun vor mir ganz still,
hübsche Augen, so groß und weit.
Schreck im Gesicht und Mitgefühl.
Ich hauch´ Dir zu: Es tut mir leid,
dass ich Dir vor die Füße fiel.

Um Dich herum die Zeit verfließt,
doch Du bist salzsäulenstarr.
Dein tränenfeuchter Blick ergießt
sich auf das, was einst Leben war
und vor Dir sein Dasein beschließt.

Ich weiß, es war ein Zufall nur,
keiner hörte den stillen Schrei.
Dennoch will ich glauben stur,
Du kamst allein für mich vorbei
Und folgtest meiner Seelenspur.

Du bist so unschuldig und rein,
wie Du vor Leben quillst,
hüll´ Dich mit meinem Geiste ein,
grad als Du gehen willst,
will nun Dein Schattenengel sein.

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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sibyll maschler: Unaufhaltsam

Du treibst zu formen nach deinem Bilde wie der Schmied das Silber Du treibst wie der Jäger mit seinen Hunden das Wild Du jagst bis zur Erschöpfung

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Du treibst
zu formen
nach deinem Bilde
wie der Schmied das Silber
Du treibst
wie der Jäger
mit seinen Hunden
das Wild
Du jagst bis zur Erschöpfung
zum Fallstrick
lass nach
bitte
lass nach
es ist kein Spiel mehr
du bringst das Tier zu Fall
und wirst allein zurückbleiben
wenn die Hände leer
und das Blut getrocknet

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2011

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Collage aus dem Gedankenwasser 113 von Liane Fehler

... hier eine Collage aus unseren Texten, die zeigen, wie nah wir beieinander sind ...ich hoffe, dass ihr euch hier wiederfindet und erkennt, wie in dem ganzen, liebevoll gestalteten GeWa 113 von Susann und Lars. Einmalig ist jeder. Bevor wir mit unserer Einzigartigkeit verschwinden, wird die Wortfeile angesetzt - erzählen wir, vom Hiersein, das viel ist und das uns seltsam angeht und auch weil wir spüren, dass uns das Hiesige braucht; binden wir den Sommer, wie einen großen bunten Strauß und riechen doch schon den Schnee und sehen den Wind, der sein Stakkato in unseren Gedankensand schreibt - unfassbar tausendabertausendweit tragen uns unsere Gedanken. Wir müssen laufen, über die weite offene Landschaft, mit dem Gewicht der alltäglichen Dinge; über den niedrigen Sonnenweg, durch einen Novembersturm, der den kahlen Apfelbaum zaust; erkennen dabei, die Verstrickung der kleinen und großen Geschichte. Richten noch mit Hoffnung eine Ode ans stählerne Ohr eines harten Wesens. Wir wandern durch die stille Nacht, stapfen durch weiße Pracht und schweben bis der Nebel fällt herab und Blaue Lichter tanzen uns zauberhafte Lieder. Einmalig ist jeder. Wir hören von der Apokalypse eines Menschen und seiner Seele -können der Sprache und den „Windungen" eines Gehirns auf Abwegen folgen. Wundern uns möglicherweise noch, warum das kleine Schwarze in die Autoverwertung muss. Aber nicht so sehr, denn wir wissen, dass es zwischen Himmel und Erde Dinge gibt, die nicht einfach zu begreifen sind. Also, lassen wir den literarischen Ballon in die Höhe fliegen und hoffen, dass er nicht platzt, sondern wir mit ihm sacht über Wolken gleiten und wie die Täubchen in einem gemütlichen Kuschelnest landen. Dort träumen wir vom Muschel-Rauschen und geben der Liebe neue Namen und wünschen sie werde und bleibe, für uns alle, bis an die Grenzen aller Zeit. Amen! Text: Liane Fehler

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… hier eine Collage aus unseren Texten, die zeigen, wie nah wir beieinander sind

…ich hoffe, dass ihr euch hier wiederfindet und erkennt, wie in dem ganzen, liebevoll gestalteten GeWa 113 von Susann und Lars.

Einmalig ist jeder.
Bevor wir mit unserer Einzigartigkeit verschwinden, wird die Wortfeile angesetzt – erzählen wir, vom Hiersein, das viel ist und das uns seltsam angeht und auch weil wir spüren, dass uns das Hiesige braucht; binden wir den Sommer, wie einen großen bunten Strauß und riechen doch schon den Schnee und sehen den Wind, der sein Stakkato in unseren Gedankensand schreibt – unfassbar tausendabertausendweit tragen uns unsere Gedanken. Wir müssen laufen, über die weite offene Landschaft, mit dem Gewicht der alltäglichen Dinge; über den niedrigen Sonnenweg, durch einen Novembersturm, der den kahlen Apfelbaum zaust; erkennen dabei, die Verstrickung der kleinen und großen Geschichte. Richten noch mit Hoffnung eine Ode ans stählerne Ohr eines harten Wesens.
Wir wandern durch die stille Nacht, stapfen durch weiße Pracht und schweben bis der Nebel fällt herab und Blaue Lichter tanzen uns zauberhafte Lieder.
Einmalig ist jeder. Wir hören von der Apokalypse eines Menschen und seiner Seele -können der Sprache und den „Windungen“ eines Gehirns auf Abwegen folgen. Wundern uns möglicherweise noch, warum das kleine Schwarze in die Autoverwertung muss. Aber nicht so sehr, denn wir wissen, dass es zwischen Himmel und Erde Dinge gibt, die nicht einfach zu begreifen sind.
Also, lassen wir den literarischen Ballon in die Höhe fliegen und hoffen, dass er nicht platzt, sondern wir mit ihm sacht über Wolken gleiten und wie die Täubchen in einem gemütlichen Kuschelnest landen. Dort träumen wir vom Muschel-Rauschen und geben der Liebe neue Namen und wünschen sie werde und bleibe, für uns alle, bis an die Grenzen aller Zeit.

Amen!
Text: Liane Fehler

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sibyll maschler: Ein kurzer Kommentar

Jedes Mal, wenn die Gedanken von den Schreibenden geflossen sind und dann mit dem Heftchen über den Briefboten hinein schwappen in meine Stube und zu mir, freue ich mich über die Teilhabe und Anregungen. Im Heft 110 freute ich mich besonders über >Der Blick< von Liane. Gelungene, nachvoll-ziehbare und für mich neue Bilder. Das Wort „aus“ ist für mich allerdings entbehrlich, stellt keine Verbindung zwischen der ersten und zweiten Zeile dar, sondern macht diese Stelle eher holprig. Das Gedicht steht konsequent im Präteritum. Für mich stellt sich nebenbei die Frage, ob eine zeitliche Wandlung in der zweiten Hälfte (ins Präsens), das Gedicht nicht länger nachschwingen lassen würde. Bei mir wäre es zumindest so. Ich würde den Niederschlag auf meinem Gesicht bis in die Gegenwart spüren können und müssen. Aber wenn Liane bei „kondensiertE“ bleiben möchte, um der Zeitform treu zu bleiben, klingt das Gedicht natürlich auch hoffnungsvoller. Der Niederschlag würde nur in der Vergangenheit gefallen sein; mittlerweile könnten sich die Blicke geändert haben, die Worte wieder gebildet werden. Im Heimat-Sonderheft fallen die Zeichnungen von Magdalene auf. Zart, genau, voll Licht und Schatten. Der Text „Die Kindheit“ von Andreas ebenso. Ich kann mich sehr fein hineindenken und fühlen. Wirklich gelungen, finde ich. Vorsichtig anfragen möchte ich, ob der Titel vielleicht noch die anderen Zeitepochen einschließen könnte bzw. sollte. Auch Christina hat, neben dem gelungenen Versmaß, in „Aufbewahrt“ Bilder gefunden, die ich mit meinen AugenBlicken sehen und innerlich gut nachspüren kann. Vielen Dank für alles.

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Jedes Mal, wenn die Gedanken von den Schreibenden geflossen sind und dann mit dem Heftchen über den Briefboten hinein schwappen in meine Stube und zu mir, freue ich mich über die Teilhabe und Anregungen. Im Heft 110 freute ich mich besonders über >Der Blick< von Liane. Gelungene, nachvoll-ziehbare und für mich neue Bilder. Das Wort „aus“ ist für mich allerdings entbehrlich, stellt keine Verbindung zwischen der ersten und zweiten Zeile dar, sondern macht diese Stelle eher holprig. Das Gedicht steht konsequent im Präteritum. Für mich stellt sich nebenbei die Frage, ob eine zeitliche Wandlung in der zweiten Hälfte (ins Präsens), das Gedicht nicht länger nachschwingen lassen würde. Bei mir wäre es zumindest so. Ich würde den Niederschlag auf meinem Gesicht bis in die Gegenwart spüren können und müssen. Aber wenn Liane bei „kondensiertE“ bleiben möchte, um der Zeitform treu zu bleiben, klingt das Gedicht natürlich auch hoffnungsvoller. Der Niederschlag würde nur in der Vergangenheit gefallen sein; mittlerweile könnten sich die Blicke geändert haben, die Worte wieder gebildet werden.
Im Heimat-Sonderheft fallen die Zeichnungen von Magdalene auf. Zart, genau, voll Licht und Schatten.
Der Text „Die Kindheit“ von Andreas ebenso. Ich kann mich sehr fein hineindenken und fühlen. Wirklich gelungen, finde ich. Vorsichtig anfragen möchte ich, ob der Titel vielleicht noch die anderen Zeitepochen einschließen könnte bzw. sollte.
Auch Christina hat, neben dem gelungenen Versmaß, in „Aufbewahrt“ Bilder gefunden, die ich mit meinen AugenBlicken sehen und innerlich gut nachspüren kann. Vielen Dank für alles.

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Was ist ein Haiku?

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„Haiku ist eine traditionelle japanische Gedichtform, die heute weltweit verbreitet ist.
Sie gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt.Im Deutschen werden Haiku in der Regel dreizeilig geschrieben.
Bis um die Jahrtausendwende galt zudem die Vorgabe von 5-7-5 Silben.“
Quelle: wikipedia.

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Liane Fehler: Aus dem Vorwort zum Gedankenwasser Nr. 111

Aus dem Vorwort zum Gedankenwasser Nr. 111 „…und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben…“ (Meine Lieblingsstelle aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse). Seid Willkommen, Lesende und Schreibende! Warum ein Hesse-Zitat? Auch das Lesen eines Gedichtes kann ein Anfang, ein Einstieg in eine andere, vielleicht schönere Welt sein. Eine Welt, die wir uns vorstellen und beschreiben, vielleicht wünschen? Die Literatur, besonders Lyrik, hilft mir zu leben; zu überleben. „Stufen“ hat mich besonders berührt und in unseren „alten“ GeWas entdeckte ich „Schätze“ wieder. So in Gedichten von Gerhard z.B.: „Doch manchmal kommen noch Worte unter den schweigenden Mond…“ auch in seinem Gedicht „Vor der Bäckerei“, wo er fragt:“ was ist mir denn, daß ich in rote Fernen steige in die der Tag sich hebt“ beide GeWa 70, ich habe die liebevolle Ausstattung mit Herbarium durch Andreas Schrock im GeWa 99 und auch sein nachdenkliches Vorwort nochmal auf mich wirken lassen. Es gab so viele verschiedene lyrische Haken, die verfangen haben unter anderem auch die Texte von Christina „in fest verschlossnen Truhen Bei meinen Kinderschuhen liegt eine Zärtlichkeit.“ aus dem Gedicht „Aufbewahrt“ im Heimatheft, auch die von Ingeburg Schirrmacher GeWa 78 mit einem meiner Lieblings Gedichte von ihr „Küchengedanken“ „als ich die rote Frucht schälte…“. Annett Goldberg in ihrem Gedicht „schwere“ „am Nachtnovemberhimmel hängt der bleiche ausgefranste mond. es fühlt sich kalt und leerbedrängt ein Licht fehlt, dass was anzufangen lohnt.“ GeWa 68 Olaf Zernick der es so sagt.“ …Holunderperlen nur halten den Sommer wach…“ GeWa 75 und von SMT inspirierte mich unter anderem: „Ich trag den November im Herzen…“ aus seinem Gedicht „Im Abgrund“ und „Vierecke - magisch - bestimmen mein Sein“ aus „Seh(n)sucht“ GeWa 105 (mache jetzt selbst erst mal „Medien-Fasten“). Berührend, nachdenklich, lebensklug - fasziniert ließ ich mich in eure Lyrik fallen. Ihr seid einfach großartig! (Aber das wisst ihr schon, oder?) In blauen Stunden, während meine Seele wandert, nach Antworten sucht, trägt mich Lyrik, über die holprigen Stellen, auf dem Weg zu mir. Sie ist Ventil „wenn ed einfach mal raus muss“ wie es jemand aus unserer Runde sagen würde (und Recht hat er! ;)) dann „dampft der neue Mut unterm Lindenblütenhut“ damit der Gedankenkessel nicht explodiert. Hier gibt es wieder endlich neue Lyrik und Prosa! Bei allen, die mitgeholfen haben, das vorliegende GeWa zu erstellen, bedanke ich mich herzlich. Besonders bei SMT und Andreas Schrock aus Dresden, die sofort mit Rat und Tat zur Stelle waren und bei Magdalene Schönhoff und sibyll maschler für das „Feed-Back“ zu Texten aus den letzten Heften. Eure Reaktionen, machen Mut, es mit dem Schreiben weiter zu versuchen. Danke! Ich nehme an, jeder hofft auf eine Reaktion. Die schlimmste Strafe ist demzufolge: ignoriert zu werden. Bemerkt zu werden, ist der Logik folgend, schon eine Zuwendung, die dankbar entgegen genommen wird.;) Es gibt ein Sprichwort: „Kritik ist Liebe“ … Also, lest selbst, spart nicht mit Lob und Kritik für unsere Autoren. Ich danke euch für euer Wohlwollen, seid herzlich gegrüßt, wo immer ihr seid. Vielleicht findet ihr ja in diesem Heft auch einen Zauber, der euch beschützt und der euch hilft zu leben… Liane

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Aus dem Vorwort zum Gedankenwasser Nr. 111

„…und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben…“
(Meine Lieblingsstelle aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse).
Seid Willkommen, Lesende und Schreibende!
Warum ein Hesse-Zitat? Auch das Lesen eines Gedichtes kann ein Anfang, ein Einstieg in eine andere, vielleicht schönere Welt sein. Eine Welt, die wir uns vorstellen und beschreiben, vielleicht wünschen?
Die Literatur, besonders Lyrik, hilft mir zu leben; zu überleben. „Stufen“ hat mich besonders berührt und in unseren „alten“ GeWas entdeckte ich „Schätze“ wieder.

So in Gedichten von Gerhard z.B.: „Doch manchmal kommen noch Worte unter den schweigenden Mond…“ auch in seinem Gedicht „Vor der Bäckerei“, wo er fragt:“ was ist mir denn, daß ich in rote Fernen steige in die der Tag sich hebt“ beide GeWa 70, ich habe die liebevolle Ausstattung mit Herbarium durch Andreas Schrock im GeWa 99 und auch sein nachdenkliches Vorwort nochmal auf mich wirken lassen. Es gab so viele verschiedene lyrische Haken, die verfangen haben unter anderem auch die Texte von Christina „in fest verschlossnen Truhen Bei meinen Kinderschuhen liegt eine Zärtlichkeit.“ aus dem Gedicht „Aufbewahrt“ im Heimatheft, auch die von Ingeburg Schirrmacher GeWa 78 mit einem meiner Lieblings Gedichte von ihr „Küchengedanken“ „als ich die rote Frucht schälte…“. Annett Goldberg in ihrem Gedicht „schwere“ „am Nachtnovemberhimmel hängt der bleiche ausgefranste mond. es fühlt sich kalt und leerbedrängt ein Licht fehlt, dass was anzufangen lohnt.“ GeWa 68 Olaf Zernick der es so sagt.“ …Holunderperlen nur halten den Sommer wach…“ GeWa 75  und von SMT inspirierte mich unter anderem: „Ich trag den November im Herzen…“ aus seinem Gedicht „Im Abgrund“ und „Vierecke – magisch – bestimmen mein Sein“ aus „Seh(n)sucht“ GeWa 105 (mache jetzt selbst erst mal „Medien-Fasten“).

Berührend, nachdenklich, lebensklug – fasziniert ließ ich mich in eure Lyrik fallen. Ihr seid einfach großartig! (Aber das wisst ihr schon, oder?)

In blauen Stunden, während meine Seele wandert, nach Antworten sucht, trägt mich Lyrik, über die holprigen Stellen, auf dem Weg zu mir. Sie ist Ventil „wenn ed einfach mal raus muss“ wie es jemand aus unserer Runde sagen würde (und Recht hat er! ;)) dann „dampft der neue Mut unterm Lindenblütenhut“ damit der Gedankenkessel nicht explodiert.

Hier gibt es wieder endlich neue Lyrik und Prosa!
Bei allen, die mitgeholfen haben, das vorliegende GeWa zu erstellen, bedanke ich mich herzlich. Besonders bei SMT und Andreas Schrock aus Dresden, die sofort mit Rat und Tat zur Stelle waren und bei Magdalene Schönhoff und sibyll maschler für das „Feed-Back“ zu Texten aus den letzten Heften. Eure Reaktionen, machen Mut, es mit dem Schreiben weiter zu versuchen. Danke!
Ich nehme an, jeder hofft auf eine Reaktion. Die schlimmste Strafe ist demzufolge: ignoriert zu werden. Bemerkt zu werden, ist der Logik folgend, schon eine Zuwendung, die dankbar entgegen genommen wird.;) Es gibt ein Sprichwort: „Kritik ist Liebe“ … Also, lest selbst, spart nicht mit Lob und Kritik für unsere Autoren. Ich danke euch für euer Wohlwollen, seid herzlich gegrüßt, wo immer ihr seid.

Vielleicht findet ihr ja in diesem Heft auch einen Zauber, der euch beschützt und der euch hilft zu leben…

Liane

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Desdemona: Ich begreife nichts

Noch benommen von einem eigenartigen Traum greife ich nach der Wolldecke und gehe ans Fenster. Vor meinen Augen breitet sich tiefschwarze Nacht aus, übersät von flimmernden, flackernden Sternen. Aus unermesslich weiten Räumen scheinen sie mich zu begrüßen. Ich bin fasziniert, ziehe auch noch meinen Arbeitsstuhl ans Fenster, um dieses nächtliche Schauspiel ganz in mich aufzunehmen. Dann öffne ich das Fenster. Fühlte ich mich davor wohl und behaglich, beschützt in meinen vier Wänden, passiert mit einem Male etwas sehr Eigenartiges. Ich vergesse hinter mir die vertraute, fest gefügte Welt meines Zimmers und bin urplötzlich dem Sternenhimmel über mir ausgeliefert. Er erzeugt in mir ein Unwohlsein, einen dumpfen Druck in der Magengrube. Ich fühle mich überrumpelt von dieser eiskalten, fremden, schweigenden Unendlichkeit. Scheinbar geht von ihr eine unsichtbare, mir bisher unbekannte Bedrohung aus. Jetzt fröstelt mich auch noch und ich ziehe meine dicke, warme Bettdecke ans Fenster. Irgendwie scheinen mich die Sterne zu verwirren. Banal, ja ausgesprochen beschränkt, empfinde ich gewöhnlich meinen All-Tag, der doch im Grunde - so wird es mir jetzt mit einem Male klar - ein Tag im All, im Universum ist. Die alltäglichen Dinge halten mich Tag für Tag gefangen, doch als eigentliches Gefängnis empfinde ich jetzt, in diesem Moment, die sich über mich wölbende Himmelsschale mit den vielen, unendlich vielen Lichtern. Sie wärmen mich nicht. Sie beschützen mich nicht. Ich bin ihnen gleichgültig. Sie sind da- ob ich nun da bin oder nicht. Aber warum sitze ich jetzt hier wie versteinert vor diesem unheimlichen Bild? Was soll denn das? Dieses Ängstigen vor einer Lichtjahren fernen, kalten Welt? Schnell schließe ich das Fenster wieder. Mögen doch die mich beunruhigenden Gedanken draußen bleiben... in dieser von Sternen übersäten dunklen Nacht.

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Noch benommen von einem eigenartigen Traum
greife ich nach der Wolldecke und gehe ans Fenster.
Vor meinen Augen breitet sich tiefschwarze Nacht aus,
übersät von flimmernden, flackernden Sternen.
Aus unermesslich weiten Räumen scheinen sie mich zu begrüßen.
Ich bin fasziniert, ziehe auch noch meinen Arbeitsstuhl ans Fenster, um dieses nächtliche Schauspiel ganz in mich aufzunehmen.
Dann öffne ich das Fenster.
Fühlte ich mich davor wohl und behaglich, beschützt in meinen
vier Wänden, passiert mit einem Male etwas sehr Eigenartiges.
Ich vergesse hinter mir die vertraute, fest gefügte Welt meines Zimmers und bin urplötzlich dem Sternenhimmel über mir ausgeliefert. Er erzeugt in mir ein Unwohlsein, einen dumpfen
Druck in der Magengrube.
Ich fühle mich überrumpelt von dieser eiskalten, fremden, schweigenden Unendlichkeit. Scheinbar geht von ihr eine unsichtbare, mir bisher unbekannte Bedrohung aus.
Jetzt fröstelt mich auch noch und ich ziehe meine dicke, warme Bettdecke ans Fenster.
Irgendwie scheinen mich die Sterne zu verwirren.
Banal, ja ausgesprochen beschränkt, empfinde ich gewöhnlich meinen All-Tag, der doch im Grunde – so wird es mir jetzt mit einem Male klar – ein Tag im All, im Universum ist.
Die alltäglichen Dinge halten mich Tag für Tag gefangen,
doch als eigentliches Gefängnis empfinde ich jetzt,
in diesem Moment, die sich über mich wölbende Himmelsschale
mit den vielen, unendlich vielen Lichtern.
Sie wärmen mich nicht.
Sie beschützen mich nicht.
Ich bin ihnen gleichgültig.
Sie sind da- ob ich nun da bin oder nicht.
Aber warum sitze ich jetzt hier wie versteinert vor diesem unheimlichen Bild? Was soll denn das?
Dieses Ängstigen vor einer Lichtjahren fernen, kalten Welt?
Schnell schließe ich das Fenster wieder.
Mögen doch die mich beunruhigenden Gedanken draußen bleiben…
in dieser von Sternen übersäten dunklen Nacht.

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Andreas Schrock: judas, ich, am morgen

wenn wir die straße verlassen das dorf, die gärten, häuser hinter uns der kirchturm, das frühläuten über der wiese, dem bach wenn du mir folgst bedingungslos und ich dir oder meiner idee von dir ohne zu fragen ohne zu sagen wie rauschhaft ich deinen blick spüre, von der seite, dann sind wir täter, endlich und verräter an der nacht und ihren bitten krieger und sieger wir fragen später

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wenn wir die straße verlassen
das dorf, die gärten, häuser
hinter uns der kirchturm,
das frühläuten über
der wiese, dem bach

wenn du mir folgst
bedingungslos
und ich dir oder
meiner idee von dir

ohne zu fragen
ohne zu sagen

wie rauschhaft ich
deinen blick spüre,
von der seite, dann

sind wir täter, endlich
und verräter
an der nacht
und ihren bitten

krieger und sieger wir

fragen
später

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Lars Steger: Haikus … eine einzige zigarette, der vollmond und nachtigallen

eine einzige zigarette, der vollmond und nachtigallen

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eine einzige
zigarette, der vollmond
und nachtigallen

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von der sauna aus
ins blau des himmels blicken
an dich nichts denken

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nach dem reden nun
der knospenlinde abend
wie damals mit dir

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so früher sommer
in diesen späten tagen
flieg mein hoffen flieg

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Christian Rempel: Wider der Poesie Stand; Foto eines Leuchtturmes von Andreas Schrock

Bister sei des Meer Couleur, des grauen Morgens Brühe. So sieht es kaum der grand flaneur bezechte Heimkehr in der Frühe. Ein Leuchtturm in der Stille blakt übernächtig, wohl zu spät. Sein Licht am Nebel lustlos nagt, durch den der Mann nach Hause geht. Im Hafen dräun wie festgefroren steilwandig Riesen, sintemal den Klang der Liebe in den Ohren scheint`s Exterieur besonders schal. Doch all die Trübsal unsern Mann, des Innres schachtelt fein in Borke, ficht derart Bildnis gar nicht an, schmeckt nach dem Kuss und fühlt sich knorke.

by

Foto eines Leuchtturmes Kurische Nehrung (heute Litauen) von Andreas Schrock

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Bister sei des Meer Couleur,
des grauen Morgens Brühe.
So sieht es kaum der grand flaneur
bezechte Heimkehr in der Frühe.

Ein Leuchtturm in der Stille blakt
übernächtig, wohl zu spät.
Sein Licht am Nebel lustlos nagt,
durch den der Mann nach Hause geht.

Im Hafen dräun wie festgefroren
steilwandig Riesen, sintemal
den Klang der Liebe in den Ohren
scheint`s Exterieur besonders schal.

Doch all die Trübsal unsern Mann,
des Innres schachtelt fein in Borke,
ficht derart Bildnis gar nicht an,
schmeckt nach dem Kuss und fühlt sich knorke.

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Susann Schönherr: Mandragora (Originaltext) russische Fassung und Nachdichtung von Jochen Hartung

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Mandragora

Donner erschallen
Dem Zauber verfallen
Von Mandragora
Oh finstere Macht

Raben verharren
Die Weiber erstarren
Oh Mandragora
Jungfräuliche Kraft

Mit Blut begossen
Dein Schicksal beschlossen
Oh Mandragora
Zum Leben erwacht

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Мондрагора

Мондрагоры дурманющий запах,
Словно гром среди ясного дня,
Темной силой меня прибобахал
И теперь от него я не я.
Ох девченка моя Мондрагора,
Человекоподобный цветок.
Как ты сделала ,что я не ровно
Задышал от тебя,занемог?
Обояю я дух Мондрагоры
За версту и подальше,хоть где.
Не страшны мне заборы и горы-
Мондрагору найду я визде.
Ох девченка моя Мондрагора,
Человекоподобный цветок,
Как ты сделала, что я не ровно
Задышал от тебя, занемог?
От тебя завывают собаки
И бегут свет не видя куда,
От тебя все кровавые драки,
Неприятности все и беда.
Ох девченка моя Мондрагора,
Человекоподобный цветок,
Как ты сделала ,что я не ровно
Задышал от тебя, занемог?
За тебя я дерусь с пацанами,
За тебя я готов хоть на что:
Мои силы всегда под парами,
Мой удар не пропустит ни кто.
Ох девченка моя Мондрагора,
Человекоподобный цветок,
Как ты сделала,что я не ровно
Задышал от тебя ,занемог?

Original von Susann Schönherr,     russische Nachdichtung von Jochen Hartung

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Susann Schönherr (Bild und Text): Wind zieht übers Land

Wind zieht übers Land Blättert unsre Wege bunt wirbelt auf den Sand

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Wind zieht übers Land
Blättert unsre Wege bunt
wirbelt auf den Sand

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sibyll maschler: Projektionsflächen

Er war nicht sicher vor ihrer Liebe ein Zerrbild im Spiegel bekam Konturen Entsprechung in Farbe Scherben in einer Mauer Flimmern bei gleißender Sonne wandernder Lichtpunkt Splitter und Silberschmelze

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Er war nicht sicher
vor ihrer Liebe
ein Zerrbild im Spiegel
bekam Konturen
Entsprechung in Farbe
Scherben in einer Mauer
Flimmern
bei gleißender Sonne
wandernder Lichtpunkt
Splitter und Silberschmelze
warfen ihn zurück
auf sich selbst
Licht und Schatten
blickdicht

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