Tag Archives: Texte von Christian Rempel

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Christian Rempel: Vom Raub der Gedanken

Vom Raub der Gedanken Im Himmelsblau Gedanken schweigen was aufstieg, ist dort bald zerschellt sogar gebildet ward im Reigen ein Sinnen von der großen Welt

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Vom Raub der Gedanken

Im Himmelsblau Gedanken schweigen
was aufstieg, ist dort bald zerschellt
sogar gebildet ward im Reigen
ein Sinnen von der großen Welt

Doch jeder Faser rasch beraubt
Gedankenfaser seines Saums
starrt jener, trotz der Stirn umlaubt
auf‘s Sinnbild eines leeren Raums

Und ahnt er doch, dass Nebeldünste
noch in den meisten Hirnen wabern
des Aberglaubens feinst Gespinste
sie selbst nicht denken, lieber labern

Wenn ihm gegeben Räsonieren
und er nur pur die Wahrheit spräche
und klopfte er an alle Türen
ein Tränenstrom hervor ihm bräche

So ändert’s nichts am Himmelsblau
das der Erklärung nicht bedarf
sind Tränen nicht nur eine Schau
worüber man den Mantel warf

Des Schweigens und des Unverstands
man wird ein Taschentuch ihm reichen
fast scheint mir, jener Mann verwand’s
ist still geworden ohne gleichen

C.R. 9.8.2015

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Christian Rempel: Aug‘ in Aug‘ – L&S am 14.10. in der Bibliothek Wildau

Aug‘ in Aug‘ L&S am 14.10. in der Bibliothek Wildau Dass schriftlicher Gedankenaustausch, wie etwa über den Blog oder unser GeWa nicht alles ist, sondern es auch der persönlichen Begegnung, eben auf Augenhöhe bedarf, war nicht nur meine persönliche Bilanz vom Herbstseminar, sondern ist auch die Idee der Veranstaltung Lesen&Schrei¬ben, die ja monatlich stattfindet. Um auch Außenstehenden oder Interessierten einen Eindruck davon zu vermitteln, seien ein paar Zeilen gestattet. Der Verein hat sich ja der brandaktuellen Thematik Flucht verschrieben, und wie Annett gestern mitteilen konnte, steht die Einbringung der diesbezüglichen Ernte mit einem speziellen Fluchtheft aus ...

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Aug‘ in Aug‘
L&S am 14.10. in der Bibliothek Wildau
Dass schriftlicher Gedankenaustausch, wie etwa über den Blog oder unser GeWa nicht alles ist, sondern es auch der persönlichen Begegnung, eben auf Augenhöhe bedarf, war nicht nur meine persönliche Bilanz vom Herbstseminar, sondern ist auch die Idee der Veranstaltung Lesen&Schrei¬ben, die ja monatlich stattfindet. Um auch Außenstehenden oder Interessierten einen Eindruck davon zu vermitteln, seien ein paar Zeilen gestattet.
Der Verein hat sich ja der brandaktuellen Thematik Flucht verschrieben, und wie Annett gestern mitteilen konnte, steht die Einbringung der diesbezüglichen Ernte mit einem speziellen Fluchtheft aus eigenen Federn unmittelbar bevor.
Es waren anfänglich sieben Teilnehmer, und als der Vereinsvorsitzende Lars die obligatorische Frage stellte, wer denn etwas mitgebracht hätte, gingen fast alle Hände hoch. Dann wurde durch Lars selbst mit einem Gedicht der Einstieg gefunden, in dem es um neue Zäune und Mauern ging, die errichtet werden, wo wir doch unsere eigene erst vor einem Vierteljahrhundert losgeworden sind. Es geht eine starke lyrische Besorgnis von der gegenwärtigen Situation aus, die ja nun auch nicht mehr vor unseren Grenzen Halt gemacht hat. Man assoziiert neue Schießbefehle und beschäftigt sich ganz allgemein mit dem Tod, dem ein anderes, älteres Gedicht von Lars gewidmet war.
Alles lässt sich nicht aus dem Gedächtnis reproduzieren, aber dass auch Sucht eine Flucht sein kann und dass man sich manchmal vor der Flut irgendwelcher apps kaum noch retten kann, wurde unter anderem vom Dichterpaar Annett und Frank thematisiert. Ein sehr schönes Gedicht von Annett beschäftigte sich auch mit dem Tempogegensatz, der im Austreiben der Wurzeln unserer brandenburgischen Kiefern im sprichwörtlich kargen Boden und dem Hindurchdüsen vermittelst Automobilen besteht. Gerhard hatte dann noch die Idee einer Symbiose zweier Liedtexte anzubieten, eines sehr bekannten mit einem weniger bekannten, und der Effekt der gegenseitigen Aufwertung war wirklich verblüffend.
Dann mussten einige weg, es waren auch schon etwa anderthalb Stunden vergangen, und es wurde noch eine Frage erörtert, die man wohl mehr dem Schriftlichen anheimstellen sollte und auch daher rührt. Dann kam noch Liane, die ja mit dem Blog, auch aufgrund technischer Schwierigkeiten, oft ihre liebe Not hat und es trotzdem immer wieder bewältigt. Dann war auch schon Aufbruchs¬stimmung angesagt und es sind sicher fast alle mit Gefühl nach Hause gefahren, etwas Angenehmes erlebt zu haben, auch wenn die Fetzen manchmal ein bisschen fliegen. Aber es ist ja kein Verein zur gegensei¬tigen Beweihräucherung, sondern manchmal gehen die Auffassungen ganz schön auseinander und man sich dann nach einiger Zeit doch immer wieder mit Respekt begegnet.
Wem das eine Einladung ist, das nächste Mal dabei sein zu wollen, das nächste Treffen ist am 11.11. in der Bibliothek Wildau, allerdings nicht schon 11:11 Uhr, sondern 319 Minuten später.
Christian Rempel
Schriftführer

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Christian Rempel: Von der Worte tieferem Sinn

Von der Worte tieferem Sinn Redlich- oder Lauterkeit der eine hat’s zu jeder Zeit dem andern beides oft entgeht der Hahn dagegen immer kräht Auf dem Seminar und schon vorher hatte ich es mit der Bezeichnung des „lauteren Flüchtlings“ versucht. Natürlich kommt redlich von reden und lauter von Laut. Wenn einem die Schranken der Sprache gesetzt sind, und nach Liane gibt es ja nicht einmal ein Wörterbuch Suaheli-Deutsch, ist es mit der Redlichkeit etwas schwieriger. Auch ist diese Bezeichnung durch das abgedroschene „Üb immer Treu und Redlichkeit“ etwas verbraucht und bezeichnet drittens zusätzlich etwas wie Loyalität gegenüber der Gesellschaft, in der der Flüchtling ja mit Not gerade erst angekommen ist und noch kein solches Verhältnis entwickelt haben kann. Lauter sein ist dagegen eine Nuance verschieden und erfordert nicht, dass man sich in bündiger Rede artikuliert oder diese steht, sondern eben nur der Laut, die einfache Gefühlsäußerung, in welcher Sprache auch immer, sein kann oder nicht einmal das erfordert. Lauter ist also um vieles persönlicher. Gleichzeitig grenzt es sich von der fast schon fordernden und etwas pädagogischen Ehrlichkeit ab, ohne diese Tugend hier schmälern zu wollen. Lauterkeit hat eine poetische Aura, die sich hoffentlich nicht so schnell verbrauchen wird. Doch da wenig Aussicht besteht, dass der Begriff des „lauteren Flüchtlings“ eine stehende Redewendung wird, ist eine Inflation des Begriffes Lauterkeit auch nicht zu befürchten. In diesem Sinne wollte ich die letzten Verse meines Gedichts „Flucht von allüberall“ verstanden wissen: Die Lauterkeit gilt es zu prüfen Dein Gefühl prüfe selbst Christian Rempel 8.9.2015

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Von der Worte tieferem Sinn

Redlich- oder Lauterkeit
der eine hat’s zu jeder Zeit
dem andern beides oft entgeht
der Hahn dagegen immer kräht

Auf dem Seminar und schon vorher hatte ich es mit der Bezeichnung des „lauteren Flüchtlings“ versucht. Natürlich kommt redlich von reden und lauter von Laut. Wenn einem die Schranken der Sprache gesetzt sind, und nach Liane gibt es ja nicht einmal ein Wörterbuch Suaheli-Deutsch, ist es mit der Redlichkeit etwas schwieriger. Auch ist diese Bezeichnung durch das abgedroschene „Üb immer Treu und Redlichkeit“ etwas verbraucht und bezeichnet drittens zusätzlich etwas wie Loyalität gegenüber der Gesellschaft, in der der Flüchtling ja mit Not gerade erst angekommen ist und noch kein solches Verhältnis entwickelt haben kann. Lauter sein ist dagegen eine Nuance verschieden und erfordert nicht, dass man sich in bündiger Rede artikuliert oder diese steht, sondern eben nur der Laut, die einfache Gefühlsäußerung, in welcher Sprache auch immer, sein kann oder nicht einmal das erfordert. Lauter ist also um vieles persönlicher. Gleichzeitig grenzt es sich von der fast schon fordernden und etwas pädagogischen Ehrlichkeit ab, ohne diese Tugend hier schmälern zu wollen. Lauterkeit hat eine poetische Aura, die sich hoffentlich nicht so schnell verbrauchen wird. Doch da wenig Aussicht besteht, dass der Begriff des „lauteren Flüchtlings“ eine stehende Redewendung wird, ist eine Inflation des Begriffes Lauterkeit auch nicht zu befürchten.
In diesem Sinne wollte ich die letzten Verse meines Gedichts „Flucht von allüberall“ verstanden wissen:

Die Lauterkeit gilt es zu prüfen
Dein Gefühl prüfe selbst

Christian Rempel 8.9.2015

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Christian Rempel: Heinriche im Ilsental

Heinriche im Ilsental Der Kaiser Heinrich, immer helle macht sich auf zu jener Stelle wo Prinzess Ilse jammerschade allein genießt ihr täglich Bade Nur selten trifft sie ein Voyeur das letzte Mal, als dies Malheur ihr zustieß, fand sie es famos ihr Pech, es war der Förster ... ▶ Hinweis: Dies ist eine Vorschau. Um diesen Artikel zu öffnen, bitte in die türkisfarbene Überschrift oder auf das Wort “Weiterlesen” klicken.

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Heinriche im Ilsental

Der Kaiser Heinrich, immer helle
macht sich auf zu jener Stelle
wo Prinzess Ilse jammerschade
allein genießt ihr täglich Bade

Nur selten trifft sie ein Voyeur
das letzte Mal, als dies Malheur
ihr zustieß, fand sie es famos
ihr Pech, es war der Förster bloß

Doch dieses Mal im Ilsentale
des Wasser fließt nicht in die Saale
sondern mehr der Weser zu
naht sich ein Kaiser und ich tu

Als entginge mir sein lüsternd Blick
der Kaiser hat ´nen Frauentick
nicht ist er aus auf die Belohnung
die Ilsen birgt in ihrer Wohnung

Im kreuzgeschmückten Ilsenstein
es reizt ihn mehr ihr schlankes Bein
und ihre Brüste, ihre weißen
die ganz Glückseligkeit verheißen

Das Kreuz ganz oben, das ich meine
mit schlotternd Knien stand dort Heine
der ob der religiösen Regung
ganz stille ward und die Bewegung

Der Wasser, stürzend erst, dann schleichend
über kleine Kiesel streichend
uns wahrgenommen und fixiert
auf Ilsen nun und Heinrich stiert

Doch um nicht indiskret zu sein
lässt er die beiden bald allein
denn kaiserliche Sprosse zeugen
will selbst der Dichter nicht beäugen

Und hat er nicht auch oft geküsst
weil er doch selbst ein Heinrich ist
zwar nicht ein Kaiser oder Fürst
an Goethen Dich erinnern wirst

Sie alle liebten auch nach Kräften
und den geschlechtlichen Geschäften
Tribut sie zollten, ja das schon
doch übten sie auch Diskretion

C.R. 30.7.2015

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Christian Rempel: Übermacht

Übermacht Des Lebens holde Partitur schwebt in Tönen übers Land auf Noten starr ich, wie gebannt gespielt so weiter die Natur Sie schließet so in Tönen ein was selten ist und unbeweglich mit Worten wäre es unsäglich erweichend selbst den harten Stein Bis dann der Sturmwind braust heran dem sind gegeben eigne Töne kein Singen ist’s, vielmehr Gestöhne den Schritt zurück, den deutet’s an Und Schweigen senkt sich in die Seelen nicht Leid will mehr nach außen drängen drapierend dunklen Schmuck umhängend den Tönen und dem Sturm befehlend C.R. 30.7.2015

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Übermacht

Des Lebens holde Partitur
schwebt in Tönen übers Land
auf Noten starr ich, wie gebannt
gespielt so weiter die Natur

Sie schließet so in Tönen ein
was selten ist und unbeweglich
mit Worten wäre es unsäglich
erweichend selbst den harten Stein

Bis dann der Sturmwind braust heran
dem sind gegeben eigne Töne
kein Singen ist’s, vielmehr Gestöhne
den Schritt zurück, den deutet’s an

Und Schweigen senkt sich in die Seelen
nicht Leid will mehr nach außen drängen
drapierend dunklen Schmuck umhängend
den Tönen und dem Sturm befehlend

C.R. 30.7.2015

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Christian Rempel: Eine Reise stürzt mich in Verwirrung

Eine Reise stürzt mich in Verwirrung Das malerische Ilsenburg am Harz wurde für einige Tage unser Aufenthaltsort. Zweimal versuchten wir von dort den Aufstieg zum Brocken und beim zweiten Mal gelang es auf dem Heineweg, der uns schon beim ersten Mal ins Auge gefallen war, den wir aber für zu lang und nicht bewältigbar hielten. Schließlich war Heine da 27 und wir entweder viel jünger oder viel älter. Vielleicht muss man allein sein, um möglicherweise der Prinzessin Ilse bei ihrem täglichen Bad in dem nach ihr benannten Gebirgsbach zu begegnen. Sie soll im Ilsenstein hausen und über ein kristallenes Schloss verfügen, in das sie denjenigen führt, der so glücklich ist, sie zur rechten Stunde beim Bade anzutreffen, wofür einem königliche Belohnung wird. Man darf aber nicht vorzeitig in den durch sie mit Herrlichkeiten gefüllten Ranzen blicken, sonst findet man nur Tannenzapfen oder Pferdemist vor. Heine verstieg sich nicht dazu, diese Stunde getroffen zu haben, aber er versetzt sich in die Prinzessin, indem er schreibt Ich bin die Prinzessin Ilse, Und wohne im Ilsenstein Komm mit nach meinem Schlosse, Wir wollen selig sein. Einige Verse später stellt Heine fest, dass sie nicht nur Dich, wenn Du die Stunde trafst, umsorgt hat, sondern auch den Kaiser Heinrich, gemeint ist Heinrich IV. Ich will dich küssen und herzen, Wie ich geherzt und geküsst Den lieben Kaiser Heinrich, Der nun gestorben ist. Man rätselt heute noch, ob dieser Heinrich ...

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Das malerische Ilsenburg am Harz wurde für einige Tage unser Aufenthaltsort. Zweimal versuchten wir von dort den Aufstieg zum Brocken und beim zweiten Mal gelang es auf dem Heineweg, der uns schon beim ersten Mal ins Auge gefallen war, den wir aber für zu lang und nicht bewältigbar hielten. Schließlich war Heine da 27 und wir entweder viel jünger oder viel älter. Vielleicht muss man allein sein, um möglicherweise der Prinzessin Ilse bei ihrem täglichen Bad in dem nach ihr benannten Gebirgsbach zu begegnen. Sie soll im Ilsenstein hausen und über ein kristallenes Schloss verfügen, in das sie denjenigen führt, der so glücklich ist, sie zur rechten Stunde beim Bade anzutreffen, wofür einem königliche Belohnung wird. Man darf aber nicht vorzeitig in den durch sie mit Herrlichkeiten gefüllten Ranzen blicken, sonst findet man nur Tannenzapfen oder Pferdemist vor. Heine verstieg sich nicht dazu, diese Stunde getroffen zu haben, aber er versetzt sich in die Prinzessin, indem er schreibt

Ich bin die Prinzessin Ilse,
Und wohne im Ilsenstein
Komm mit nach meinem Schlosse,
Wir wollen selig sein.

Einige Verse später stellt Heine fest, dass sie nicht nur Dich, wenn Du die Stunde trafst, umsorgt hat, sondern auch den Kaiser Heinrich, gemeint ist Heinrich IV.

Ich will dich küssen und herzen,
Wie ich geherzt und geküsst
Den lieben Kaiser Heinrich,
Der nun gestorben ist.

Man rätselt heute noch, ob dieser Heinrich ein Tyrann und Wüstling oder wirklich ein lieber Kaiser war, wie der zur Ilse mutierte Heinrich Heine es sieht. Auf jeden Fall hat er sich im Streit mit dem Papst und den eigenen Fürsten aufgerieben, bekannt ist sein Gang nach Canossa, wo er die Hinwegnahme des Kirchenbannes vom Papst erbettelte, den er nichts desto trotz später, als er wieder mit Bann belegt ward, nach allen Regeln der Kunst bekriegte, dann nicht mehr bat, sondern zwang. Später wurde er dann vom eigenen Sohn, Heinrich V. zur Abdankung gezwungen, obwohl er diesem schon in jungen Jahren den Schwur abgenommen hatte, dass er zu seinen Lebzeiten nicht nach der Herrschaft trachten sollte. Ein guter Kaiser war Heinrich IV. auf jeden Fall für die Juden im Lande, denen er Privilegien einräumte. Vielleicht auch ein Gesichtspunkt für Heine, ihn als Ilse zu herzen und zu küssen. Auch hat er in seinen späteren Jahren dem deutschen Reich versucht Frieden zu bringen. Poetisch gesehen hätte er das vielleicht gleich versuchen sollen, denn das Ilsegedicht endet

Doch dich soll mein Arm umschlingen,
Wie er Kaiser Heinrich umschlang;
Ich hielt ihm zu die Ohren,
Wenn die Trompet‘ erklang.

Bei Ilsen ist man dem Militärischen offenbar abhold, wenn man sich vorm Klang der Trompeten die Ohren verschließen lässt. So gibt es eben auch das Bild vom „lieben“ Kaiser Heinrich, das ihn als Versager brandmarkt, der nicht genug Kraft besessen hätte, sich durchzusetzen. Bismarck meinte jedenfalls, als es mal wieder an die Gründung eines deutschen Reiches ging: „Nach Canossa gehen wir nicht.“ Von einer kränkelnden Republik wird das auch keiner mehr verlangen und wir müssen uns heute nicht mehr festlegen und können gar müßig herumklügeln, was wir von den Heinrichen halten wollen. Des Heinrich Heines Dahinsiechen über acht Jahre in der Matratzengruft ist es sicher auch nicht, was wir nachleben wollen und den Kaiser Heinrich hat man so oft umgebettet, wie das schlechte Gewissen gebot.

C.R. 26.7.15

Wer jetzt literarisch tiefer in den Harz eintauchen möchte, findet in diesem Artikel: Literatur Erbe – Heinrich Heine weitere Links zum Lesen oder Anhören

▶ Heinrich Heine: Die Harzreise – Literatur Erbe

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smt: Wie weiter? (Drei Frauen für Christian)

Wie weiter? (Drei Frauen für Christian) Es war von jeher gute Sitte: Unser Führer ist ein Mann! Doch weil grad alle Memmen sind - Lasst doch mal die Weiber ran!

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Wie weiter?

(Drei Frauen für Christian)

Es war von jeher gute Sitte:
Unser Führer ist ein Mann!
Doch weil grad alle Memmen sind –
Lasst doch mal die Weiber ran!

Doch mit einer kann’s nicht klappen,
darauf gehen wir nicht ein.
Damit das nicht im Chaos endet,
müssen es schon dreie sein.

ICH will ’ne Schöne, was fürs Auge,
die mich lässt die Welt vergessen.
ICH will ’ne Dralle mit Geschicke,
da gibt’s immer gut zu essen.

Nun, ICH will eine mit viel Grips,
nur die bringt richtig uns voran.
Die kann uns noch vorm Abgrund retten,
der immer näher rückt heran.

Niemals! Dann wär‘ doch Schluss mit Saufen,
Dann sind WIR ja mit Schuften dran!
Was schmeckt dann noch der Drallen Essen?
Vor Hast man’s kaum genießen kann.

Wer träumt dann noch von Bettgeflüster
mit der holden blonden Fee,
wenn man uns Alkohol verbietet
und einschenkt ’nen Kamillentee.

Freunde, lasst uns das vergessen,
drei Weiber sind nun mal kein Mann,
der saufen, rauchen, prügeln, protzen
und unsre Hymne rülpsen kann.

Lasst uns wählen eine Memme,
die unsrem Leben lässt den Lauf.
Und fährt der Zug zur Hölle ab,
springen wir männlich hinten drauf.

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Christian Rempel (Text und Video): Bedeutungshöfe

Bedeutungshöfe Sagt ein UnDichter zum andern: "Was machen die Bedeutungshöfe?" Der andere sagt h ö f lich: "Ja, der Mond, der Mond hat einen Hof das scheint mir sehr bedeutungsschwer doch ich bin schlau und gar nicht doof und finde noch der Höfe mehr. ... ▶ Hinweis: Dies ist eine Vorschau. Um den ganzen Text und das Video sehen zu können, bitte in die türkisfarbene Überschrift oder auf das Wort “Weiterlesen” klicken und den Artikel öffnen. ▶ Note: This is a preview. Please click in the turquoise-colored heading of the article, and you can see the Video.

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Bedeutungshöfe von Christian Rempel  Video


Bedeutungshöfe

Sagt ein UnDichter zum andern:
„Was machen die Bedeutungshöfe?“
Der andere sagt h ö f lich:
„Ja, der Mond, der Mond hat einen Hof
das scheint mir sehr bedeutungsschwer
doch ich bin schlau und gar nicht doof
und finde noch der Höfe mehr.
Auf meinem bildet man Spalier
man reißt sich um die besten Plätze.
Es brandet Beifall, ich goutier‘
und finde immer bessre Sätze.
Wie’s gerade kommt ich losparlier
reimt da noch einer, ich zerfetze
ihn in der Luft.
Und immer, eh ich mich versah
war der Bedeutungshof schon da.“
Und dann der eine, dieser Schuft
sagt doch darauf, dass heiße Luft
ganz ähnlich sich wohl auch verhalte.

Von beiden Dichtern blieb nur einer
bei uns in diesem Blog zurück
vermisst von beiden wurde keiner
so lässlich ist das Dichterglück.

C.R. 20.4.2015

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Christian Rempel (Lyrik und Foto): Flora

Flora bietest mir die Rosen dar hast auch schon im Schlamm gelegen der Jahrhundertfluten wegen jetzt stehst Du wieder vor Weesenstein sollst von dem Schloss das Beste sein König Johann hat den Auftrag gegeben das ist nun hundertfünfzig Jahre her hat er geahnt Dein ewig Leben und Deine stete Wiederkehr? . ▶ Hinweis: Dies ist eine Vorschau, um das Foto in voller Größe sehen zu können, bitte in die türkisfarbene Überschrift oder auf das Wort “Weiterlesen” klicken und den Artikel öffnen. ▶ Note: This is a preview. Please click in the turquoise-colored heading of the article, and you can see the pictures in full size.

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Christian Rempel: Foto zum Gedicht Flora

Christian Rempel: Foto zum Gedicht: Flora

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Flora
bietest mir die Rosen dar
hast auch schon im Schlamm gelegen
der Jahrhundertfluten wegen
jetzt stehst Du wieder vor Weesenstein
sollst von dem Schloss das Beste sein
König Johann hat den Auftrag gegeben
das ist nun hundertfünfzig Jahre her
hat er geahnt Dein ewig Leben
und Deine stete Wiederkehr?

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Christian Rempel: Ostern

Ostern . Der Osterhase, der bist Du sagt naseweis die Enkelin sie glaubt, dass ich das wirklich tu dabei kommt’s mir nicht in den Sinn ... ▶ Hinweis: Dies ist eine Vorschau. Um diesen Artikel zu öffnen, bitte in die türkisfarbene Überschrift oder auf das Wort “Weiterlesen” klicken. ▶ Note: This is a preview. Please click in the turquoise-colored heading, to open the article.

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Ostern
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Der Osterhase, der bist Du
sagt naseweis die Enkelin
sie glaubt, dass ich das wirklich tu
dabei kommt’s mir nicht in den Sinn

Zwar ess ich Süßigkeiten gern
würd alles ich für mich behalten
und nichts verstecken nah und fern
so würde ich den Schatz verwalten

Auch Malen will mir gar nicht glücken
und das gehört wohl noch dazu
den Pinsel in die Farbe drücken
das ist für mich der ganze Clou

Die feinen Tupfer schmier ich breit
und kleckse ziemlich oft daneben
der Dilettant ist stets bereit
im Nachhinein das zuzugeben

Bist Du wohl so ein Osterhase
entrüstet ist das kleine Kind
fasst ziemlich derb mich an die Nase
doch ich entwinde mich gelind

Schau Deine eignen Bilder an
wie sind denn die nur hingestümpert
da ist sie nah am Weinen dran
und wie sie mit den Augen klimpert

Muss man denn Osterhase sein
wenn man genug an Geld verdient
man malt nicht, sondern kauft es ein
sucht einen, der den Hasen miemt

C.R. 2.4.2015

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Christian Rempel: Dank

Bei unserem aktuellen Jugend forscht Projekt bekamen wir einen Tipp von Zeiss Mikroskopie, der uns sehr weiterhalf. Dafür verfasste ich folgende Dankesworte: . Dank . Und ist der Laser noch so hell man findet ihn im Bild nicht schnell man muss schon mit dem Code jonglieren ... ▶ Hinweis: Dies ist eine Vorschau. Um diesen Artikel zu öffnen, bitte in die türkisfarbene Überschrift oder auf das Wort “Weiterlesen” klicken. ▶ Note: This is a preview. Please click in the turquoise-colored heading, to open the article

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Bei unserem aktuellen Jugend forscht Projekt bekamen wir einen Tipp von Zeiss Mikroskopie, der uns sehr weiterhalf. Dafür verfasste ich folgende Dankesworte:

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Dank

Und ist der Laser noch so hell
man findet ihn im Bild nicht schnell
man muss schon mit dem Code jonglieren
will man nicht dessen Ort verlieren
Sie gaben Freitag uns den Tipp
das fanden wir besonders lieb
am Montagabend es dann lief
vorbei das große Stimmungstief
wir sagen Dank der Firma Zeiss
bei der man doch so vieles weiß
und Jugend forscht wird Nachwuchs schmieden
dass es so weitergeht hinieden

C.R. 23.3.2015

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Christian Rempel: Wohlan

Wohlan . Wohlan, den Frühling zu empfangen macht sich das Jahr nun doch bereit das mit dem Winter soll jetzt langen sein eisig Hauch – Vergangenheit ... ▶ Hinweis: Dies ist eine Vorschau. Um diesen Artikel zu öffnen, bitte in die türkisfarbene Überschrift oder auf das Wort “Weiterlesen” klicken. ▶ Note: This is a preview. Please click in the turquoise-colored heading, to open the article

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Wohlan

Wohlan, den Frühling zu empfangen
macht sich das Jahr nun doch bereit
das mit dem Winter soll jetzt langen
sein eisig Hauch – Vergangenheit

Es mischen sich schon neue Düfte
in licht erglänzende Natur
der Frühling schwingt die Farbenstifte
bei seiner Allverjüngungskur

Nur Du stehst abseits, schweigst verdrossen
weil das auch wieder Arbeit macht
doch welches Glück ward schon genossen
wenn man nur zögert – wenig schafft

Lass Lebenssäfte hoch Dir steigen
und fürchte deren Schluckauf nicht
Du kannst es immer noch vergeigen
es weht Dir trotzdem ins Gesicht

C.R. 18.3.2015

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Christian Rempel: Man wünscht sich Fremdheit

. Man wünscht sich Fremdheit Der Roman von Christoph Hein „Der fremde Freund“ hat nun bereits 33 Jahre auf dem Buckel. Er erschien 1982 in Ost und West, im Osten als „Der fremde Freund“ und im Westen unter dem Titel „Drachenblut“. Letzteres wäre heute schon nicht mehr möglich, weil man sofort einen Fantasy Roman vermuten würde. In dieser Branche ist so etwa alles Blut verarbeitet, das man sich denken kann. ... . ▶ Hinweis: Dies ist eine Vorschau. Um diesen Artikel zu öffnen, bitte in die türkisfarbene Überschrift oder auf das Wort “Weiterlesen” klicken. ▶ Note: This is a preview. Please click in the turquoise-colored heading, to open the article

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Gerhard Jaeger:Bild: Paasel 59

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Man wünscht sich Fremdheit

 

Der Roman von Christoph Hein „Der fremde Freund“ hat nun bereits 33 Jahre auf dem Buckel. Er erschien 1982 in Ost und West, im Osten als „Der fremde Freund“ und im Westen unter dem Titel „Drachenblut“. Letzteres wäre heute schon nicht mehr möglich, weil man sofort einen Fantasy Roman vermuten würde. In dieser Branche ist so etwa alles Blut verarbeitet, das man sich denken kann.

Das Grundproblem ist als Generationsproblem dargestellt. Die ältere Generation hat ihre Probleme und braucht die jüngere dazu, sie loszuwerden. Die ältere Generation hat auch genaue Vorstellungen davon, was für den Menschen gut ist, nämlich erfolgreich zu sein und einen verlässlichen und ebenfalls erfolgreichen Partner an sich zu binden. Die jüngere hat kein Problem mit den Erfolgen, sie fallen ihnen zu, ohne dass sie sich übermäßig anstrengen müssten und ohne dass sie sich der von den Älteren angemahnten Disziplin unterwerfen.

Die jüngere Generation will sich keine zusätzlichen Probleme auf den Tisch ziehen, sie hat genug an ihren eigenen. Es geht ihr gut, sie hat in Drachenblut gebadet, aber nicht wie Siegfried, dem dabei ein Blättchen auf die Schulter geraten war, sondern perfekt, sie ist rundum geschützt. Die anderen sollen sie nicht als Mülleimer betrachten, in denen sie ihre eigenen Probleme abladen können. Am besten ist es da, wenn man auch keine eigenen Kinder hat.

Das Prekäre ist wohl, dass man sich solche Fragen auch stellen kann, wenn man sich zu Kindern entschlossen hat und vielleicht auch ein bisschen mehr vom Gefühlsmüll der anderen an sich heranlässt. Es stellt sich nämlich die Frage, und nicht wenige empfinden das als sehr deprimierend, ob das nicht nur eine geringfügige Abweichung von dem ist, was Claudia, die junge DDR Ärztin in ihrem Leben lebt. Sie ist ja nicht gefühlskalt und nimmt auch Anteil an dem Schicksal der Insassen ihres Wohnsilos, das aus sog. Appartements besteht, Einraumwohnungen, wie man sie seinerzeit im DDR Alltag nannte. Diese Lebensform ist sowohl als Altersheimersatz wie auch für jüngere Leute geeignet, die keine raumgreifenden Interessen haben. Das einzige Hobby, das Claudia hat, ist neben gelegentlichem Lesen von Prosa das Fotografieren, wobei sie sich allerdings schon überlegen muss, wie viele Fotos sie überhaupt aufbewahren kann. Deshalb fährt sie auch immer öfter zum Shooting und kehrt manchmal ganz ohne Bilder zurück.

Zu diesem ökonomischen Leben, bei dem einem der Beruf auch nicht alles bedeutet, weil sie da in eine klare Hierarchie eines Krankenhauses eingebunden ist, in dem es letztlich dann auch auf Aufstiegschancen ankommt, gehört natürlich auch eine Liebesbeziehung, weil man ja auch sexuelle Bedürfnisse hat. Da ist Henry der passende Partner, der die Lebensphilosophie teilt, dass man den anderen nicht vereinnahmen sollte. So bleibt er als Freund immer ein wenig auf Distanz, bleibt eben etwas fremd. Das hat natürlich gegenüber einer Ehe, in der man sich gewöhnlich gründlich auf den Geist geht, seine Vorzüge. Auch das ist wieder ein Lebensentwurf, dem man selbst als Verheirateter ein gutes Körnchen Wahrheit abgewinnen kann.

Der Autor stellt ein Extrem dar, eine erklärte Egoistin ist das, die aber in ihren praktischen Handlungen gar nicht so egoistisch ist. Er stellt damit das ganze Leben mit seinen Kompromissen infrage. Deshalb geht das Buch auch jeden an, nicht nur die Egoisten, sondern auch die, die sich nicht trauen, egoistisch genug zu sein, um ein bisschen vom Lebensglück zu haben.                                                                                                                    C.R. 11.3.2015

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Christian Rempel: Appetit auf Neues

Appetit auf Neues Der Zufluss an Texten wird immer dünner, dafür werden die Diskussionen immer ausufernder. Der Appeitit auf neue Texte ist ungebrochen und es sind auch wieder zwei neue Mitglieder zu den Undichtern gestoßen. Manuela, die schon längere Zeit mit dabei ist, und Heinz erklärten ihre Mitgliedschaft. Es ist zwar immer noch nicht ausgemacht, ob es notwendig ist, ein Verein zu sein, aber er geht jetzt schon in sein 25. Jahr und der Vorstand, bestehend aus Lars, Gerhard, Annett und mir, wurde einstimmig wiedergewählt. Es konnte eine gute Bilanz gezogen werden, dass sich der Verein Eitel Kunst e.V. - eine Sammlung Undichter stetig entwickelt hat und um das Vereinsjubiläum im Juni zu krönen, wird zum zweiten Mal eine Anthologie herausgebracht, an der sich dreizehn Vereinsmitglieder beteiligen. Die Anthologie soll in einer Auflage von dreihundert Stück herausgebracht werden und es ist aufgrund der stabilen Finanzlage und einem sehr attraktiven Angebot für den Druck möglich das aus der Vereinskasse zu bestreiten. Es sind auch mindestens drei Lesungen angedacht, um die Anthologie bekannt zu machen. Erfolgreiche Veranstaltungen, wie „Lyrik meets Gospel“ eröffnen die Aussicht, das inzwischen auch in der Bevölkerung wahrgenommene Defizit an Lyrikangeboten auszufüllen. Höhepunkt des Seminars war in diesem Wintermonat aber nicht die Diskussion eigener Texte, sondern die Beschäftigung mit einem Werk von Lutz Seiler, der für seinen Roman „Kruso“ im vergangenen Jahr den deutschen Buchpreis erhalten hat. Dieser Autor war vorher durch Lyrik und kleinere Erzählungen bekannt geworden und hatte schon einige Auszeichnungen für sich reklamieren können. „Kruso“ ist ein DDR Bild und eine Wendegeschichte ganz eigener Prägung, das für uns viele Identifikationsmöglichkeiten bietet. Der Roman spielt fast ausschließlich auf Hiddensee, eine Insel, die es auch einigen der Undichter angetan hat. Schon zu DDR Zeiten war sie ein Treffpunkt für Leute, die eine Nische suchten, die auf die eine oder andere Weise aus der sozialistischen Realität ausgestiegen waren. Nicht selten wurde man von Akademikern bedient oder selbige standen am Abwasch, wie wir aus dem Roman erfahren. Zwar hatte ich meine Gedanken dazu schon in Schriftform gegossen, aber Sinn der Übung war erst einmal, Appetit auf diesen Roman zu machen, wozu ein paar Passagen vorgelesen wurden. Nicht weniger als drei Exemplare, und wenn ich mein ebook dazurechne, vier, lagen auf dem Tisch und wurden weiterverborgt. Dass wir manchmal Gespür für aktuelle Themen haben, bei aller Abgeschiedenheit, zeigte die Tatsache, dass wir gerade über die Inhalte des Begriffs „Kollektiv“ diskutiert hatten und uns der Roman, der über weite Strecken den Charakter eines Kammerstücks hat, ein solches Kollektiv vor Augen führt, auch wenn es in dem Hiddenseeroman ein bisschen zusammengewürfelt ist, denn Gaststätten dort werden ja oft durch sog. Saisonkräfte betrieben. Im Roman heißen sie Esskas und bilden mit den „Schiffbrüchigen“ die zentralen Figuren. Vier haben den poetischen Roman, in dem sich nach meinem Dafürhalten allerdings auch ein Wermutstropfen befindet, schon gelesen und ehe man abschließende Meinungen austauscht, wird man noch ein bisschen warten müssen, bis ihn vielleicht alle gelesen haben. Vielleicht haben auch Sie als Leser dieses Blogs Lust darauf bekommen. Christian Rempel im Waltersdorfe 1.2.2015

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Appetit auf Neues

Der Zufluss an Texten wird immer dünner, dafür werden die Diskussionen immer ausufernder. Der Appeitit auf neue Texte ist ungebrochen und es sind auch wieder zwei neue Mitglieder zu den Undichtern gestoßen. Manuela, die schon längere Zeit mit dabei ist, und Heinz erklärten ihre Mitgliedschaft.

Es ist zwar immer noch nicht ausgemacht, ob es notwendig ist, ein Verein zu sein, aber er geht jetzt schon in sein 25. Jahr und der Vorstand, bestehend aus Lars, Gerhard, Annett und mir, wurde einstimmig wiedergewählt. Es konnte eine gute Bilanz gezogen werden, dass sich der Verein Eitel Kunst e.V. – eine Sammlung Undichter stetig entwickelt hat und um das Vereinsjubiläum im Juni zu krönen, wird zum zweiten Mal eine Anthologie herausgebracht, an der sich dreizehn Vereinsmitglieder beteiligen. Die Anthologie soll in einer Auflage von dreihundert Stück herausgebracht werden und es ist aufgrund der stabilen Finanzlage und einem sehr attraktiven Angebot für den Druck möglich das aus der Vereinskasse zu bestreiten. Es sind auch mindestens drei Lesungen angedacht, um die Anthologie bekannt zu machen. Erfolgreiche Veranstaltungen, wie „Lyrik meets Gospel“ eröffnen die Aussicht, das inzwischen auch in der Bevölkerung wahrgenommene Defizit an Lyrikangeboten auszufüllen.

Höhepunkt des Seminars war in diesem Wintermonat aber nicht die Diskussion eigener Texte, sondern die Beschäftigung mit einem Werk von Lutz Seiler, der für seinen Roman „Kruso“ im vergangenen Jahr den deutschen Buchpreis erhalten hat. Dieser Autor war vorher durch Lyrik und kleinere Erzählungen bekannt geworden und hatte schon einige Auszeichnungen für sich reklamieren können. „Kruso“ ist ein DDR Bild und eine Wendegeschichte ganz eigener Prägung, das für uns viele Identifikationsmöglichkeiten bietet. Der Roman spielt fast ausschließlich auf Hiddensee, eine Insel, die es auch einigen der Undichter angetan hat. Schon zu DDR Zeiten war sie ein Treffpunkt für Leute, die eine Nische suchten, die auf die eine oder andere Weise aus der sozialistischen Realität ausgestiegen waren. Nicht selten wurde man von Akademikern bedient oder selbige standen am Abwasch, wie wir aus dem Roman erfahren. Zwar hatte ich meine Gedanken dazu schon in Schriftform gegossen, aber Sinn der Übung war erst einmal, Appetit auf diesen Roman zu machen, wozu ein paar Passagen vorgelesen wurden. Nicht weniger als drei Exemplare, und wenn ich mein ebook dazurechne, vier, lagen auf dem Tisch und wurden weiterverborgt.

Dass wir manchmal Gespür für aktuelle Themen haben, bei aller Abgeschiedenheit, zeigte die Tatsache, dass wir gerade über die Inhalte des Begriffs „Kollektiv“ diskutiert hatten und uns der Roman, der über weite Strecken den Charakter eines Kammerstücks hat, ein solches Kollektiv vor Augen führt, auch wenn es in dem Hiddenseeroman ein bisschen zusammengewürfelt ist, denn Gaststätten dort werden ja oft durch sog. Saisonkräfte betrieben. Im Roman heißen sie Esskas und bilden mit den „Schiffbrüchigen“ die zentralen Figuren.

Vier haben den poetischen Roman, in dem sich nach meinem Dafürhalten allerdings auch ein Wermutstropfen befindet, schon gelesen und ehe man abschließende Meinungen austauscht, wird man noch ein bisschen warten müssen, bis ihn vielleicht alle gelesen haben. Vielleicht haben auch Sie als Leser dieses Blogs Lust darauf bekommen.

Christian Rempel im Waltersdorfe
1.2.2015

Christian Rempel: Jahreslauf (mit Erklärungen)

Jahreslauf (mit Erklärungen) Um seine Achse unser Planet ganz ohne auch nur leises Kraspeln* als unsre Erde beständig sich dreht wo wir und andre sich abhaspeln** Noch steht die Erde abgewendet der Norden von der Sonne zeigt und wenn der Jahreslauf vollendet sie wieder ist genauso geneigt*** Doch wir sind aus auf das Dazwischen wenn in den Beeten Blüten glänzen die Bäume sich mit Grün umkränzen Und wir nicht in Untätigkeit dem Ganzen geben das Geleit den Hauch der Ewigkeit erwischen C.R. 9.1.2015 . Legende (angeregt durch L&S am 14.1.2015) *"kraspeln" gibt es nicht im Duden, wohl aber bei den Gebrüdern Grimm, es bedeutet ein feines Geräusch zu verursachen, wie Mäuse hinter einem Panel, aber auch die Flamme kann kraspeln. **"abhaspeln" kommt vom Abspulen des Garns von der Haspel des Spinnrads oder auch des Sei­den­­fadens von der dazugehörigen Raupe, "sich abhaspeln" hat die Bedeutung von sich abhetzen, "glaubst du, daß sie es unterhalten wird, am Hofe ihres Bruders unbedeutende Tage abzuhas­peln?" Goethe ***Warum formuliert man nicht schöner "sie wieder sich genauso neigt", das wäre Sprachmelodie, in Wahrheit verändert die Achse der Erde sich aber so gut wie nicht, sondern es gibt nur die objek­tive Tatsache, dass sie in Bezug auf die Sonne im Jahreslauf unterschiedlich geneigt ist, ergo "ist"

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Jahreslauf (mit Erklärungen)
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Um seine Achse unser Planet
ganz ohne auch nur leises Kraspeln*
als unsre Erde beständig sich dreht
wo wir und andre sich abhaspeln**

Noch steht die Erde abgewendet
der Norden von der Sonne zeigt
und wenn der Jahreslauf vollendet
sie wieder ist genauso geneigt***

Doch wir sind aus auf das Dazwischen
wenn in den Beeten Blüten glänzen
die Bäume sich mit Grün umkränzen

Und wir nicht in Untätigkeit
dem Ganzen geben das Geleit
den Hauch der Ewigkeit erwischen

C.R. 9.1.2015
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Legende (angeregt durch L&S am 14.1.2015)
*“kraspeln“ gibt es nicht im Duden, wohl aber bei den Gebrüdern Grimm, es bedeutet ein feines Geräusch zu verursachen, wie Mäuse hinter einem Panel, aber auch die Flamme kann kraspeln.
**“abhaspeln“ kommt vom Abspulen des Garns von der Haspel des Spinnrads oder auch des Sei­den­­fadens von der dazugehörigen Raupe, „sich abhaspeln“ hat die Bedeutung von sich abhetzen, „glaubst du, daß sie es unterhalten wird, am Hofe ihres Bruders unbedeutende Tage abzuhas­peln?“ Goethe
***Warum formuliert man nicht schöner „sie wieder sich genauso neigt“, das wäre Sprachmelodie, in Wahrheit verändert die Achse der Erde sich aber so gut wie nicht, sondern es gibt nur die objek­tive Tatsache, dass sie in Bezug auf die Sonne im Jahreslauf unterschiedlich geneigt ist, ergo „ist“

Christian Rempel: Mittelweg

Mittelweg In Minusgraden bist Du mächtig Dein Schweigen ist mir hochverdächtig Mein Brennglas schmilzt Dich, schau nur an es gibt auch etwas, das ich kann hast mir die grüne Flur verödet Winter hat an sich was 'blödet' Doch ich hab Sonne, fang sie ein soll konzentriert im Fokus sein hat gleich fünftausendundeinhalb Grad wie sie die Sonne selber hat das ist nun heißer, als mir lieb und wieder nichts zu blühen blieb Drum finde man ein Mittelmaß denn nur Extreme: ist kein Spaß C.R. 28.12.2014

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Mittelweg

In Minusgraden bist Du mächtig
Dein Schweigen ist mir hochverdächtig
Mein Brennglas schmilzt Dich, schau nur an
es gibt auch etwas, das ich kann
hast mir die grüne Flur verödet
Winter hat an sich was ‚blödet‘

Doch ich hab Sonne, fang sie ein
soll konzentriert im Fokus sein
hat gleich fünftausendundeinhalb Grad
wie sie die Sonne selber hat
das ist nun heißer, als mir lieb
und wieder nichts zu blühen blieb

Drum finde man ein Mittelmaß
denn nur Extreme: ist kein Spaß

C.R. 28.12.2014

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Christian Rempel: Der Vortrag

Der Vortrag Es begann mit den üblichen Querelen. Erst erschien der Computerschirm gar nicht auf dem Beamer und dann nur ein Zweitbildschirm, der nicht dasselbe darstellte, wie der Labtop. Aber die kleine junge Frau mit den schwarzen Augen ist schon auf alle möglichen Schwierigkeiten eingestellt und hat auch eine PDF Datei mit, die sie dann von meinem Bildschirm startet. Das Thema ist: Von der Sonne abgestrahlte Energie und von der Erde empfangene. Ein Thema, mit dem sie erst gar nichts anfangen konnte und hatte sich per email erkundigt, was denn da alles dazugehört. Erst einmal kommt das Übliche: Die Sonne strahle Teilchen ab, den sog. Sonnenwind, der ja auch bewirkt, dass ein Kometenschweif immer von der Sonne abgewandt ist. Dann stellt sie fest, dass die Sonne ein schwarzer Strahler ist, also der Strahlung, die aus einem fast geschlossenen Hohl­raum kommt, der sich mit der Strahlung in einem thermischen Gleichgewicht befindet, gleicht. Von meiner Zwischenfrage, ob sie denn vielleicht auch zwei schwarze Strahler bei sich hätte, weiß sie zwar nicht die Antwort, aber lässt sich nicht weiter aus dem Konzept bringen. Das ist ja auch eher so eine Prüfungsfrage und kaum einer weiß, dass der Augapfel genau diese Bedingung erfüllt, dass er fast abgeschlossen ist und nicht wärmer als das darin befindliche Licht. Demnach erscheint die Pupille schwarz und ein schwarzer Strahler ist natürlich nicht immer schwarz. Wenn seine Temperatur hoch genug ist, sieht man ihn glühen, was so ab 600 °C der Fall ist. Sie stellt noch ein paar Betrachtungen an, inwiefern die auftreffende Leistung vom Neigungswinkel abhängt und weiß auch, dass die Theorie des schwarzen Strahlers einst der Ausgangspunkt für Plancks Quantenhypothese war. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus, was eine angehende Bekleidungstechnikerin alles weiß. Dann geht sie zur Tafel, zwar mit einem Zettel, aber sie weiß, was sie tut. Sie multipliziert die Solarkonstante, also die in Erdnähe eingestrahlte Leistung pro Quadratmeter mit der Oberfläche einer gedachten Kugel, die den Radius des Abstandes der Sonne von der Erde hat. Nicht jeder versteht das gleich und es gibt eine Rückfrage aus dem Publikum. Sie kommt auf die phantastische Zahl von 4 1026 W. Darunter kann man sich natürlich nichts vorstellen. Wenn man sich klarmacht, dass die auf der Erde verbrauchte Leistung gerade mal 2 1013 W beträgt, kommt einem das noch nicht einmal so sonderlich viel vor. Aber die Zehnerpotenzen haben es in sich. Berechnet man nämlich, wie viel Energie die Sonne über die Milliarden Jahre ihrer Existenz abgibt, dann kommt man auf 1044 Joule. Hat man im Blick, dass die Gesamtenergie des Universums etwa 1069 Joule beträgt, kommt einem diese abgegebene Energie eines einzigen Sterns ziemlich hoch vor. Aber schon geht die Rechnung weiter. Die auf die Erde eingestrahlte Leistung ergibt sich aus der Solarkonstante multipliziert mit der Querschnittsfläche der Erde, die etwa 1014 m2 beträgt. Man bekommt also 1017 W. Um unsere 2 1013 W zu ziehen, würde eine Fläche eines Quadrates von 120 km Kantenlänge schon ausreichen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass nur gut die Hälfte der Sonnenergie auf dem Boden ankommt und Solarpanele eine Effizienz von 20% haben, wäre die Fläche gerade mal ein Quadrat mit 400 km Kantenlänge. Darüber hinaus müsste man natürlich etwa vier davon haben, weil sich die Erde ja dreht, aber auch das wäre noch nicht tragisch. Das sind gute Nachrichten für alle, die mit Sorge auf die zur Neige gehenden Ressourcen sehen. Das war jedenfalls ein echter Lichtblick. 24.4.2013

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Es begann mit den üblichen Querelen. Erst erschien der Computerschirm gar nicht auf dem Beamer und dann nur ein Zweitbildschirm, der nicht dasselbe darstellte, wie der Labtop. Aber die kleine junge Frau mit den schwarzen Augen ist schon auf alle möglichen Schwierigkeiten eingestellt und hat auch eine PDF Datei mit, die sie dann von meinem Bildschirm startet.

Das Thema ist: Von der Sonne abgestrahlte Energie und von der Erde empfangene. Ein Thema, mit dem sie erst gar nichts anfangen konnte und hatte sich per email erkundigt, was denn da alles dazugehört.

Erst einmal kommt das Übliche: Die Sonne strahle Teilchen ab, den sog. Sonnenwind, der ja auch bewirkt, dass ein Kometenschweif immer von der Sonne abgewandt ist. Dann stellt sie fest, dass die Sonne ein schwarzer Strahler ist, also der Strahlung, die aus einem fast geschlossenen Hohl­raum kommt, der sich mit der Strahlung in einem thermischen Gleichgewicht befindet, gleicht.

Von meiner Zwischenfrage, ob sie denn vielleicht auch zwei schwarze Strahler bei sich hätte, weiß sie zwar nicht die Antwort, aber lässt sich nicht weiter aus dem Konzept bringen. Das ist ja auch eher so eine Prüfungsfrage und kaum einer weiß, dass der Augapfel genau diese Bedingung erfüllt, dass er fast abgeschlossen ist und nicht wärmer als das darin befindliche Licht. Demnach erscheint die Pupille schwarz und ein schwarzer Strahler ist natürlich nicht immer schwarz. Wenn seine Temperatur hoch genug ist, sieht man ihn glühen, was so ab 600 °C der Fall ist.

Sie stellt noch ein paar Betrachtungen an, inwiefern die auftreffende Leistung vom Neigungswinkel abhängt und weiß auch, dass die Theorie des schwarzen Strahlers einst der Ausgangspunkt für Plancks Quantenhypothese war. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus, was eine angehende Bekleidungstechnikerin alles weiß.

Dann geht sie zur Tafel, zwar mit einem Zettel, aber sie weiß, was sie tut. Sie multipliziert die Solarkonstante, also die in Erdnähe eingestrahlte Leistung pro Quadratmeter mit der Oberfläche einer gedachten Kugel, die den Radius des Abstandes der Sonne von der Erde hat. Nicht jeder versteht das gleich und es gibt eine Rückfrage aus dem Publikum. Sie kommt auf die phantastische Zahl von 4 1026 W. Darunter kann man sich natürlich nichts vorstellen. Wenn man sich klarmacht, dass die auf der Erde verbrauchte Leistung gerade mal 2 1013 W beträgt, kommt einem das noch nicht einmal so sonderlich viel vor. Aber die Zehnerpotenzen haben es in sich. Berechnet man nämlich, wie viel Energie die Sonne über die Milliarden Jahre ihrer Existenz abgibt, dann kommt man auf 1044 Joule. Hat man im Blick, dass die Gesamtenergie des Universums etwa 1069 Joule beträgt, kommt einem diese abgegebene Energie eines einzigen Sterns ziemlich hoch vor.

Aber schon geht die Rechnung weiter. Die auf die Erde eingestrahlte Leistung ergibt sich aus der Solarkonstante multipliziert mit der Querschnittsfläche der Erde, die etwa 1014 m2 beträgt. Man bekommt also 1017 W. Um unsere 2 1013 W zu ziehen, würde eine Fläche eines Quadrates von 120 km Kantenlänge schon ausreichen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass nur gut die Hälfte der Sonnenergie auf dem Boden ankommt und Solarpanele eine Effizienz von 20% haben, wäre die Fläche gerade mal ein Quadrat mit 400 km Kantenlänge. Darüber hinaus müsste man natürlich etwa vier davon haben, weil sich die Erde ja dreht, aber auch das wäre noch nicht tragisch.

Das sind gute Nachrichten für alle, die mit Sorge auf die zur Neige gehenden Ressourcen sehen. Das war jedenfalls ein echter Lichtblick.

C.R. 24.4.2013

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