Tag Archives: Chronik

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Andreas Schrock: Kleine Geschichte von etwas

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Kleine Geschichte von etwas

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Die schmale Frau wirbelte durch ihre Küche, mit dem zweijährigen Mädchen auf dem Arm, wie eine kleine Umwucht. Das ging vom Kühlschrank zum Herd, und vom Herd zur Salatschüssel. Ihre rechte Hand verschwand in der Schüssel. Sie warf ihr Haar nach hinten und blickte zu mir: „Willst du Sirup? Holundersirup, in homöopathischen Dosen.“ Sie lachte und gab mir mit links das Kind in den Arm. Sie glitt jetzt an den Küchenmöbeln entlang. Mit einem Minimum an Kraft holte sie ein Maximum an Bewegung heraus. Sophie. Das letzte Mal sah ich dich sie als Pantomime, auf der Bühne. Da warst du ganz klein, dein Gesicht ganz weiß. Wie jene Frau in Burkina Faso, die sich dem Franzosen an der Bar anverwandeln wollte. Sophie, du könntest auch Sofie heißen. Oder Zofia. Und dann über mich lachen, während ich deine Namen ausspräche. Deine vielen Namen. Sie reichte mir das Glas, nahm mir das Kind aus dem Arm. Ich kann nicht von dir lassen.

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„Liebe Eva, heute früh regnete es, jetzt, es ist 13 Uhr, scheint die Sonne. So ist es in meinem Leben. Auf Deine Briefe freue ich mich immer wieder. Und frage mich, wann Du das alles schreibst. Die letzten Briefe von Dir kamen am 3.8., 10.8., 14.8. und 18.8., am 27. und 29.8. und am 31.8. Meine Liebe, bis zum 31.8. […] einschließlich Lenins Kinderkrankheiten und die beiden getrockneten Blumen ist alles da. Sodann ein Foto mit Barry, dem Hund, und, na was schon? Mit Dir. Du siehst, alles registriert. — Der kleine Hof gehört zum Haftkrankenhaus. Auf ihm wandle ich und denke an die Freiheit.“ Das schreibt Erich Honecker, glaubst du nicht, das kannst du nicht glauben, aber so ist es. Nicht mal an seine Frau schreibt er das, das mit dem Regen und der Sonne. Er schreibt an die Genossin Eva Ruppert, aus dem Gefängnis Berlin-Moabit.

3
Ich sitze in der Kirche, allein, ganz hinten. Und nichts passiert. Nichts passiert mit mir. Das Kirchenschiff schweigt. Die Stille ist die Schwester des Wahnsinns. Dabei ist alles da, um es ordentlich krachen zu lassen. Ein Christus, der am Kreuz hängt, vor mir abgegriffene Holzbänke, Jahrhunderte voller Geschichten. – Erst draußen, vor der Kirche, weht sie mich an: die Billigkeit. Die Billigkeit ist sanft zur Haut, sie säuselt, sie zeigt sogar ihre Brüste, ohne dass ich zahlen müsste. Mal ehrlich, Christus am Kreuz hing ganz schön durch, aber er war ein bisschen vollkommen, in seinem silbereloxierten Körper. Jugendstil, so wie die ganze Kirche. Ich hätte es wissen können. Und wieder eine Kriegertafel, ohne Eingeständnis der Schuld.

​4
Von Burnout zu sprechen, kann billig sein. Wusstest du das? Ich wusste es nicht, ich habe es gelesen, aber es war…wie sagt man so schön? Evident. Das Evidente braucht keine Begründung. Es ist einfach da. Wie eine Schlagermelodie: Lass mich dein Evidentum sein…. Schluss jetzt, Burnout gibt es überhaupt nur in Deutschland. Da wird die Depression mal schnell mit hinein gepackt. Andere Länder sind genauer in der Diagnose. Das Problem: Wer an Burnout leidet, sollte sich ausschlafen. Wer depressiv ist, sollte einen Schlafentzug durchmachen. „Ick gloob, ick hab `n Burnout“, ist billig; und der erste Schritt zur Fehlbehandlung.

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Also, was jetzt. Die kleine Frau zeigt mir ihre Wohnung. Sie nimmt mich an die Hand. Das Schlafzimmer, aha, weiter geht’s. Sophie, ich möchte dein Bruder sein. Hältst du mir auch die Hand, wenn ich sterbe? Ich meine, könntest du dir vorstellen, meine Hand zu halten? Ich will dich gar nicht lieben. Ich will deine Nähe, für Null. Nein, ich will sie nicht für Null. Es geht nicht um mich. Und es geht nicht um dich. Lass uns über Kunst reden. Gib mir die Kleine nochmal.

Dresden, Aug. 2017, letzte Bearbeitung Juni 2018, allerletzte Bearbeitung Juli 2021

Erstfassung unter dem Titel „Kleine Geschichte von nichts“ Dresden/Goppeln, Juli 2006, letzte Bearbeitung Jan. 2009

Brief aus dem Haftkrankenhaus Berlin-Moabit 4. August 1992

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Eine Hommage – Beiträge von sibyll maschler im Slider

Liebe sibyll, ich bedanke mich bei Dir für die nun schon neun Jahre andauernde gute Zusammenarbeit für unseren Blog. Besonders angenehm für mich war festzustellen, dass Du kontinuierlich über die Jahre hinweg die Entwicklung im Blog verfolgt hast und von Dir aus Texte und Fotos zur Verfügung gestellt hast. Hab Dank dafür.

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Foto B.M
sibyll maschler Foto: B.M.T.

Liebe sibyll,
ich bedanke mich bei Dir für die nun schon neun Jahre andauernde gute Zusammenarbeit für unseren Blog.
Besonders angenehm für mich war festzustellen, dass Du kontinuierlich über die Jahre hinweg die Entwicklung im Blog verfolgt hast und von Dir aus Texte und Fotos zur Verfügung gestellt hast. Hab Dank dafür.
Die Hervorhebung Deiner Beiträge sind eine Hommage an Dich, verbunden mit allen guten Wünschen für Dein persönliches Wohlergehen.

Liane Fehler Onlineredaktion

Im Slider (ganz oben im Blog) werden in den nächsten Tagen Beiträge von sibyll maschler präsentiert.
Nicht nur Texte sondern auch viele Fotos von sibyll maschler sind in den letzten Jahren in unserem Blog veröffentlicht worden.


Foto von sibyl maschler Sibyll Maschler Foto: Zeiten der Dürre Gewässer Foto von sibyll maschler Mohnblumen-sibyll-maschler sibyl maschler – Foto : Blickwinkel
Foto: von Sibyll Maschler Foto: sibyll maschler Steine Foto: sibyll maschler Foto von sibyl Himmel 1  Sibyll Maschler Foto: Himmel 5 von Sibyll Maschler Himmel 3 Sibyll Maschler
Foto: von Sibyll Maschler sm IMG_5565 Foto:Skulptur (liegend) von Sibyll Maschler

Himmel 2 Sibyll Maschler Himmel 3 Sibyll  Maschler


Foto Skulptur von Sibyll Maschler.
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Redaktionsschluss für das nächste Gedankenwasser (Gewa) ist Sonnabend, der 31.Juli 2021

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Stephan und Andreas lassen uns wissen :

„Ihr Lieben,
wir haben den Redaktionsschluss für das nächste Gewa verschoben. Statt diesen Sonntag, 18. Juli wäre es nun Sonnabend, 31.Juli.“

Wer möchte, kann jetzt noch länger die Chance nutzen und mit zum Gelingen des Gedankenwassers beitragen. Eine gute Nachricht.

Liane Fehler Onlineredaktion

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Liane Fehler: Regenluft

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Regenluft strömt kühl
in aufgeheizte Räume
frisch und belebend

der Körper lächelt leise
endlich wieder tief atmen

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Überraschungen gefällig?

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Ihr Lieben,
wer schafft es, sich bis in den schwarzen Bereich der Startseite ganz unten durch zu arbeiten? Zugegeben, der schwarze Bereich – das war lange irgendwie unspektakulär, doch nun gibt dieser schwarze Hintergrund einen schönen Platz für eine Galerie her.
Da hatte ich eine Idee und Freude daran, diesen Platz kreativ zu nutzen. Die Fotos und Bilder scheinen zu leuchten durch diesen starken Kontrast.

Die Online-Galerie bietet die Möglichkeit, viele „Schätzezu präsentieren.
Sie ähnelt damit vom Prinzip dem Slider (Schieberegler) ganz oben auf der Startseite. Wo ich regelmäßig die Beiträge wechsle, damit mehr entdeckt werden kann. Auch zur Erinnerung kann es dienen.

Die Online-Galerie – wie funktioniert sie?
Hier spielt der Zufall eine Rolle, ob Erinnerungen an Titelbilder eines GeWa, künstlerisch Fotos, gemalte Bilder oder Zeichnungen ausgewählt werden und in welcher Konstellation.
Es ist immer wieder anders und auch die Mischung spielt eine Rolle. Welche Objekte nebeneinander oder nacheinander zu sehen sind, entfalten je nach Positionierung ganz unterschiedliche Wirkungen.
Wer will, klickt auf das ausgewählte Objekt zum Beispiel ein Bild und gelangt an den entsprechenden Beitrag im Blog und kann es dann beispielsweise in voller Größe sehen oder gemeinsam mit einem Gedicht oder einem Liedtext betrachten.

Ich hoffe, die Online-Galerie beinhaltet für Euch einen zusätzlichen Nutzen und führt zu interessanten Entdeckungen oder schönen Erinnerungen. So ging er mir als ich mich an die Zusammenarbeit mit Nottekunst erinnerte Eitel Kunst meets Nottekunst. (Liebe Grüße an dieser Stelle an alle, denen es auch so geht.☺) Oder beim Anblick eines anderen Fotos erinnerte ich mich an ein Seminar an dem Ch.Hohberg mit im Mehr-Generationen-Haus beteiligt war.

Beim Erstellen dieser Galerie ist mir bewusst geworden, wie witzig und – oder kreativ unsere Künstler sind – wie gute Beobachter unter den fotografierenden Dichtern oder den texenden Fotografen sind. Manche sind Multitalente, da gibt es gute Texte und Fotos etc.
Vielleicht vermittelt sich auch darüber eine Inspiration, wer weiß?

Am besten Ihr macht Euch selbst ein Bild von der neuen Online-Galerie.
Dabei wünsche ich Euch eine gute Zeit.

Ich habe noch eine Bitte.
Wer von den Gedankenwasser-Machern noch ein Titelbild eines Gedankenwassers in elektronischer Form zur Verfügung stellen kann, fühle sich gebeten, dies an mich zu senden.
Meiner Meinung nach gehört auch das zur Geschichte unseres Vereins und illustriert unseren Weg.
Sehr oft steckt auch darin Sehens- und Bewahrenswertes.
Vielen Dank.

Liane Fehler Onlineredaktion

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oskar löffelschuh: die friedensschuld

die friedensschuld Mit frisch geölter führungskette am denkgeländer eingehakt tun sie alles, immer mehr um köderhappen auf zu schnappen so um den neuen kult geschart trägt jeder teil um teil beim puzzle-irrsinn hin bei zum großen bild so stück für stück ...

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die friedensschuld

Mit frisch geölter führungskette
am denkgeländer eingehakt
tun sie alles, immer mehr
um köderhappen auf zu schnappen

so um den neuen kult geschart
trägt jeder teil um teil
beim puzzle-irrsinn hin bei
zum großen bild so stück für stück
sein recht und gut, den mut zum glück
und ganz gewöhnlich wächst heran
der lang ersehnte leviatan

verkehrte welt verdreht vertauscht
gesprungen sind die spiegel
ist alles in die not gedrungen
einander zu verlieren

und doch wenn alle nur für sich
erwecken einen kleinen frieden
und mit ihm handel treiben
wie mit geld, ihn tauschen
leihen gut verzinst

dann wächst ein wissen
um die kleinen frieden
denn jeder steht gemütlich
bald in eines andern
friedensschuld

   april 2021

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Lars Steger: Haiku – Alter Ego – Zufälle

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Alter Ego – Zufälle

um mitternacht die
nähe des flusses riechen
wie alt muss man sein.

meines großvaters
chrysanthemen – erinnern
glückliche kindheit  

zwischen den fenstern
sucht die fliege den ausweg
ihren tag leben 

schon wieder schimmert
der spielplatz durch die blätter
spätsommerglitzern

                                               Jahnishausen
kinderklettertraum
doppelstämmiger ginko
traumweiter weltblick 



für pete, joan und harry

wie klare wasser
worte sagen und singen
ewig dies strömen


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Lars Steger: wie klare wasser

für pete, joan und harry wie klare wasser worte sagen und singen ewig dies strömen

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für pete, joan und harry

wie klare wasser
worte sagen und singen
ewig dies strömen

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Oskar Löffelschuh: Unterm Kaiserbild

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Unterm Kaiserbild

da sitzt du nun
und nähst aus grobem Zeug den Helden das Gewand
den Bruderrock zum letzten Säbeltanz in dem die gleichgemachten
sich zuckend winden dann im Takt der Feuergarben und fallen
einzeln doch zuletzt auf kalten Boden

da sitzt du nun
denkst an die uniformen Taschen, an all die Kinderbilder, all die Liebsten
die sie einmal tragen und die so oft in letzten Ruhestätten lichtlos mit vergehen
beschmutzt mit allem was sich denken lässt und dem
was nur die Helden kennen

da sitzt du nun
und hast mit diesem Ehrenzwirn dein Wochensoll erfüllt
wie viele deiner Werke werden später sauber in den Schränken hängen
wenn nachts die Heldenhäupter
Trost in Frauenschößen suchen

da sitzt du nun
ein Maßschneider in seiner Werkstatt dem Kriegsdienst anbefohlen
und dienst doch nur dem Geist der Zeit auf deine Weise
Helden sind das Spielzeug alter Männer
damit Opfer sinnvoll scheinen gibt man ihnen Ehre, Flasche und Gewehr

nein,
du bist kein Held
du bist ein Meister deiner Zunft
und sitzt nun da seit Stunden unbewegt
an diesem Feierabend

Oskar Löffelschuh, März 2021 

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Geburtstagsgruß an Jennifer Müller 26. Juni 2021

Bild von Malack Silas

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Malack Kelvin Olteo Silas: mit einem Bild von Zebras

Heute ist ein perfekter Tag Jennifer Müller einmal mehr Danke zu sagen und die besten Wünsche mit auf den weiteren Lebensweg zu geben.

Heute, am 26. Juni, ist der Slider Jennifer Müller gewidmet – ein kleiner Geburtstagsgruß.


Liebe Jenny,
ich möchte Dir ganz herzlich gratulieren und von Herzen Glück und Lebensfreude wünschen, möge es Dir heute und alle anderen Tage wirklich gut gehen.

Es ist immer wieder schön, Dir zu zuhören und Dich zu erleben.
Du bist engagiert und kreativ, einfach liebenswert. Du bist einfach ein toller Mensch.
Vielen Dank für Dein engagiertes, freundliches und hilfsbereites Wesen. Du bereicherst mit Deiner Anwesenheit jedes unserer Vereinstreffen. Ob mit Deinen Texten oder mit Deiner Musik, es gelingt Dir immer wieder Höhepunkte zu kreieren. Es ist einfach eine Freude, Dich in unserem Kreis zu wissen. Danke, dass es Dich gibt.

Welches Bild könnte zu diesem kleinen Geburtstagsgruß besser passen als das von Malack Silas mit dem bunten Zebra? Das Bild symbolisiert für mich etwas Besonderes. Es bereichert so wie Du unsere Welt. Ich hoffe, das Bild gefällt Dir.

Für die Zukunft wünsche ich Dir alles, alles Gute!

Liane Fehler Onlineredaktion

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Zum 31. Vereinsgeburtstag des „Eitel Kunst e.V.“ im Jahr 2021 gibt es eine „Festtags-Woche“ im Blog

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Vor ein paar Tagen, am 17. Juni 2021, war unser 31. Vereinsgeburtstag.
Wir leben, denken und dichten weiter.

Eine Art „Festtags-Woche“ im Blog ist für alle Interessierten bereitet.

Wer jetzt selbst keine Beiträge künstlerischer Art zur Verfügung stellen kann oder möchte, könnte sich trotzdem beteiligen, indem ein Feedback über die Kommentar-Funktion gegeben werden könnte.

Ein wesentlicher Bestandteil unseres Vereinslebens ist der Austausch zu den diversen künstlerischen Ausdrucksformen.
Wer kennt die Freude nicht, wenn erste Reaktionen auf einen Text oder ein Bild gegeben werden?

In diesem Sinne seid bitte großzügig.
„Geben und Nehmen“ eine wunderbare Symbiose, die unser gemeinsames Leben trägt.

Ich wünsche Allen eine gute Zeit und trotz und wegen der derzeitigen besonderen Umstände eine besonders ausgeprägte Lebensfreude. Möge sie uns die Kraft geben, die es braucht, um all den Herausforderungen gewachsen zu sein, denen wir begegnen.

Mit unserem Blog soll auch diese Kraftquelle erweckt unterstützt werden.
Schöne Momente in Haiku oder Tanka festgehalten, können die bewusste Wahrnehmung schärfen und schulen.
Es gibt neben dem Schatten auch immer das Licht. Neben dem Bösen wächst das Gute. Unsere Stärke liegt in der Gemeinschaft.

Mit Herzensgüte wollen wir uns weiterhin begegnen, einander helfen und da sein, wenn wir gebraucht werden.
Verbundenheit zeigt sich auf vielfältige Weise. Als noch unsere monatlichen Treffen auf der Tagesordnung standen, „hockten“ wir zusammen und haben diskutiert, gelacht und in der Sache gestritten. Fast immer kultiviert und ohne das Gegenüber persönlich anzugreifen. Das ist eine sehr wertvolle Tradition, auf die wir ganz zu Recht stolz sein dürfen.

Ich hoffe, dies wird auch hier im Blog weiterhin ihren Niederschlag finden.
Der Blog ist unser Medium
machen wir gemeinsam etwas daraus – machen wir weiter?!

Liane Fehler
Onlineredaktion

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sibyll jean: Vorbereitung des Seminars 2021 in Jahnishausen

Liebe Seminarteilnehmenden, hiermit möchte ich die von Andreas begonnen Überlegungen zu unserem Seminar aufgreifen und mit der Abfrage der Teilnehmenden beginnen. Immerhin können wir uns ja auf eine Lesung vor Publikum freuen. Und später wollen wir alle eine gute Schlafstatt haben. ...

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Liebe Seminarteilnehmenden,
hiermit möchte ich die von Andreas begonnen Überlegungen zu unserem Seminar aufgreifen und mit der Abfrage der Teilnehmenden beginnen.
Immerhin können wir uns ja auf eine Lesung vor Publikum freuen. Und später wollen wir alle eine gute Schlafstatt haben.

Wer möchte am Mittwoch, d. 25.08.2021 anreisen und wer am Freitag, d. 27.08.2021? Wir sind ab 15 Uhr willkommen. Gibt es Tagesteilnehmende, wenn ja, an welchen Tagen? Dies wäre für die Essensplanung wichtig.

Bitte teilt mit, ob ein Einzelzimmer gewünscht wird oder die Freude größer ist, wenn im Nachbarbett ein Gegenüber liegt und gleichzeitig auch der Einzelzimmerzuschlag entfällt.

Falls die Anzahl der EZ knapp werden sollte, bin ich auch für einen Hinweis auf kurzfristige Flexibilität dankbar.
Bitte an Bettzeug denken, ggf. entstehen zusätzliche Kosten.
Außerdem werden auch gern Anmeldungen für Zeltende oder
Im-Auto-Schlafende angenommen.

Für Freitagabend ist unsere zweite Lesung in Jahnishausen geplant. Start soll 20 Uhr sein. Wer möchte sich aktiv beteiligen? Habt Ihr Ideen für ein Motto, mit welchem ich die Werbung vor Ort anschieben sollte? Bei Vorschlägen beachtet bitte die Lebenstraumgemeinschaft mit all ihren Facetten.

Um unser Publikum nicht zu überfordern, wird eine Lesungsdauer von einer Stunde geplant. Jede/r Lesende/r sollte sich nach derzeitigem Stand auf eine Zeit von 8 bis 9 Minuten einstellen. Werden nur wenige von uns lesen, gebe ich vorher Bescheid, so dass sich die Lesenden rechtzeitig auf eine längere Beitragszeit einstellen können.

Lars wird freundlicherweise moderieren. Wer möchte etwa zweiminütige, musikalische Überleitungen zwischen den Textbeiträgen gestalten? Anschließend bieten wir wieder die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch an.

Eure Antworten erwarte ich bis zum 18. Juli. Bei Fragen oder Anregungen bitte gern bei mir melden!

Liebe Grüße von sibyll jean

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Unser Team Stephan und Andreas bereitet das GeWa Nr. 147 vor

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Liebe Eitle Künstler, Dichter und Denker,

Stephan Tittel und Andreas Schrock bereiten die Nummer 147 des Gedankenwassers vor und möchten Euch zu Einsendungen aufrufen. Das Heft soll pünktlich zum Seminar in Jahnishausen am 25./27. bis 29. August 2021 erscheinen. Redaktionsschluss für die Einsendungen ist am 18. Juli, also etwa vier bis fünf Wochen vorher. Hier einige Anregungen:

A)     Das neue Gedankenwasser soll die Textlesungen im Seminar wesentlich erleichtern. Wir freuen uns also über die Texte, die wir im Seminar voraussichtlich lesen werden.

B)     Ein Teil des Heftes soll für Beiträge zum Thema „Que(e)rdichten/Que(e)rmalen“ geöffnet werden. Der Titel ist – zugegeben – recht sperrig. Aber wir hoffen, dass sich unter dessen Dach vieles vereinen zulässt. Lasst Euren Inspirationen also freien Lauf! Wir freuen uns über Text- und Bild-Einsendungen.

C)      Wir freuen uns über Textinterpretationen und Rezeptionen aller Art (Bildrezeption wäre auch so ein Ding).

D)     Wir bitten alle Einsender, eine kleine Vita mitzuschicken. Hilfreich ist erfahrungsgemäß immer ein Ort und ein Jahrgang, dem man sich zugehörig fühlt. Alles andere kann nach eigenem Ermessen gern gestaltet werden.

E)      Bitte vergesst unseren schönen Vereinsblog nicht und vermerkt, was Liane auf die Seite stellen kann.

Habt einen guten, beginnenden Sommer und seid herzlich gegrüßt…

Euer temporäres Team, Stephan und Andreas

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Liane Fehler: ZEICHEN – Alpha und Omega – Liedtext

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ZEICHEN

Alpha und Omega

Ich lebe im Alpha und Omega
bin auch dazwischen
Ich werde zum Spiegel
und zum Spiegelbild

Refrain:
Mein Herz lacht und
meine Füße tanzen
mal bin ich der Schatten
mal bin ich das Licht

Mal gehör ich dem Licht
dann auch dem Schatten
Ich liebe und fürchte und
fürchte´ mich auch nicht

Refrain:
Mein Herz lacht und
meine Füße tanzen
mal bin ich der Schatten
mal bin ich das Licht

Ich lebe und werde
ich sterbe, vergehe
schmelze in der Sonne
wie Schnee
komme dann vom Himmel nieder
als Schneeflocke wieder

Refrain:
Mein Herz lacht und
meine Füße tanzen
mal bin ich der Schatten
mal bin ich das Licht

Liane Fehler     (9. Oktober 2013) erster Entwurf
Musikbeispiel für den Rhythmus
Schiller – Don’t Go (Stygma Remix)

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Lars Steger: farbige stümpfe

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farbige stümpfe
damit niemand dort stolpert
gefälltes leben


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sibyll maschler: Zerlegung eines VorGanges. In vier Akten.

Zerlegung eines VorGanges. In vier Akten. Beteiligte Personen: Frau, Mann und Sohn im Westen, Frau im Osten Orte: Haus, Straße, Garten, Zuhause

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Foto: sibyll maschler


Zerlegung eines VorGanges. In vier Akten.

Beteiligte Personen: Frau, Mann und Sohn im Westen, Frau im Osten

Orte: Haus, Straße, Garten, Zuhause




  1. Akt.

Sie verlässt das Haus. Mit Glas im Gepäck. Und einem Grund. Oder mehreren. Oder grundlos. Wer weiß. Sie geht. Es wird gesagt: Kein leichter Spaziergang. Aus dem Garten. Fort. Längst. Mit dem Vorhaben weit. Für immer. Vielleicht. Sie geht demonstrieren. Gegen ihre Familie. Oder für eine Kleingruppe. Aus Protest. Für eine Auszeit. Sie sieht sich. Im Fensterglas. Denken. Andenken. Nachdenken. Ansehen. Nachsehen. Von Westen nach Osten. Und zurück. Ein Hin und Her. Über Konkurrenz. Nach und Teilen. Sie will. Ihren Körper spüren. Wege ausprobieren. Wälder, Kreuzungen, Ländereien begehen. Bergan, bergab, erlaufen. Ausdauernd. Hauptsache fort. Vor wem? Von Zuhause? Und was es mal war.

Sie geht weit. Unbedarft. Prüft nicht, wie weit sie geht. Was kann sie zumuten? Sich? Anderen? Sie geht weiter. Sie greift ein. Ohne Grübeln. Handelt ohne Vordenken. Sie nimmt ein Glas. Es ist von ihr. Er hat es ins Haus gebracht. Nun hat sie das Glas. Sie wirft Glas. Mit Macht. Und Genugtuung. Fort. Splitter. Auf der anderen Seite. Eine Lache. Die saubere Hand. Nun blutet sie. Sie ist weit gegangen. Das Glas ist nun fort. Sie ist da. Erst jetzt, spät, sehr spät, hält sie inne. Es dunkelt. Ringsum. Furcht. Der Körper trägt nicht mehr. Sie ist allein. Hier und zu Hause auch.

  1. Akt

Sie denkt. Ich brauche Hilfe. Wer gehört zur Familie? Noch. Sie gehört dazu. Nun. Sie ruft. An einen Sohn. Anrufung. Wen ruft sie? Einen Mann. Ist es ihr Mann? Er war es sicher. Gegenwärtig vermutlich. In seinem Zimmer. Telefonate. Seit Monaten. Zu oft. Trotz ihres Verbotes. Ist er unterwegs. Im Netz und werkt. Er ist nicht da. Und dort. Kopfkino. Anklage. Am Telefon. Der Körper ist erschöpft. Er sagt. Ich will Hilfe. Sie auch.

  1. Akt

Sie fragt. Sich. Bleibt er? Aus Verantwortung. Er hat Kraft. Neu. Er ist schmal. Und gräbt im Sand. Im Garten. Ein Loch. Nach Wasser. Es ist tief. Sie lässt ihn. Graben. Im Erdreich. Steckt er fest. Vielleicht.

Sie dort. Im Osten. Darf es nicht wissen. Dass er nach Wasser gräbt. Sie soll ihn nicht sehen. Nicht berühren. Sie darf ihm nicht helfen. Beim Ausgraben. Schöpfen. Baggern. An Ufern.

Nach den Wochenenden. Fragen. Wie viel Liebe hat er? Bei Ihr? Er hat viel. Mit. Gefühl. Mit Leid. Er ist groß. Und hat mehr. Als schöne Augen. Der Blickwinkel ist fraglich. Die Position offen.

  1. Akt

Sie setzt sich. In der Ferne. Auseinander. Und zu ihnen. In den Westen. Diese Familie. Wer ist sie. Diese Frau. Nicht gläsern. Und er? Wen wird er schützen? Grüßen. Was hat das. Mit ihr zu tun. Was wird es machen? Mit ihr? Wenn diese Frau zu weit geht. Was dann?

sibyll maschler

Juni 2020

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Chronik: Veranstaltung: Online Poesiegipfel am 10. März 2021 ab 17 Uhr per Zoom

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Liebe “Eitlen Künstler”, – liebe Freunde und Gäste,
ich möchte an die Veranstaltung online Poesiegipfel erinnern.

An alle unsere Poeten, die es noch nicht verinnerlicht haben, es wird morgen wieder ein online Poesiegipfel stattfinden. Alle Details findet ihr in den Mails von Jenny Müller, die uns wieder zuverlässig wie ein Uhrwerk darüber informiert hat. An dieser Stelle mein Dank an Jenny Müller und Susann und alle anderen, die auch zum Gelingen unserer Veranstaltungen mit beitragen.

Wer Lust und Laune hat, könnte auch einen Beitrag über den online Poesiegipfel hier im Blog lancieren. Ich bin gern bereit, dass Projekt auf diese Weise nach Kräften zu unterstützen.
Vielleicht erreichen wir dadurch noch weitere interessierte Poeten?
Ihr seid willkommen.

Liane Fehler Onlineredaktion

PS: Jenny freut sich über eine kurze Teilnahmeinfo.

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Geburtstagsgruß an Lars am 17. Februar 2021

Lieber Lars, wir sind in Gedanken bei Dir und wünschen Dir das Allerbeste. Die nachfolgenden Links sollen wie ein Kerzenlicht das lyrische Feuer deiner Gedichte zum Leuchten bringen, ein gutes Gefühl transportieren und uns Allen Freude schenken. Liane

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Lieber Lars,
wir sind in Gedanken bei Dir und wünschen Dir das Allerbeste. Die nachfolgenden Links sollen wie ein Kerzenlicht das lyrische Feuer deiner Gedichte zum Leuchten bringen, ein gutes Gefühl transportieren und uns Allen Freude schenken.
Liane

schwalbenstaffelschrei
kastaniengrün
fallende blätter
am Ende das Bild
die Bauernrose
sonniger Morgen
gegen die grelle des morgens
weit weit aufgeblüht
unterm Blau
Fern – Weh
einsam zu spielen
noch kilometer
entenbalznicken
noch treiben schollen
der fische stille
krumme wege nachts
fast brandbraun verblüht
die nackte erde
stille steht am see
nach dem zweiten glas
still steh’n laternen
plötzlich lebten wir
dieselbe sonne
sternenstill die zeit
asche und feuer
der mond ist im see
am Feuer noch
unterm wolkenbrand
schnee unterm bleigrau
im grauen kleid schön
wenn neben steinen
rosenkranzhände
leer alte nester
noch nach den stürmen
unsere worte
verhangener mond…
die nebel stiegen
mein tal im nebel
Erste Säle – hier draußen ist grelle
mein thüringer tal
aus der nebelwand
Stilleben
Erste Säle – schneelichtspaziergang
Erste Säle – garten das lebensmotiv
Erste Säle – finnisch silberweiß
Erste Säle – der wind im korngold
Erste Säle – venedig im licht
Erste Säle – wirf deine stecken weg
Erste Säle – aueland-einsamkeit
winterhelles grau
letztes laub raschelt
der vierte der affen

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Liebe “Eitlen Künstler” und Freunde der “UnDichter”, unser Treffen zu „Lesen und Schreiben“ in der Karl-Marx- Straße Nr. 123 in 15745 Wildau findet heute leider nicht statt.Eine Information dazu gab es bereits durch Jenny M. per Mail. Liane FehlerOnlineredaktion

Aside

by

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Isabel Arndt: Sabbattagebuch „Unterwegs“

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Isabel Arndt

I
16.01.20

Es gibt solche Tage. Solche, die ins Licht geboren werden. Die beginnen, wenn es Zeit ist.
Die anderen, die aus der Nacht geschnitten werden, Frühchen von Tagen also, die blass und schwach starten, die im Brutkasten des Morgens liegen – die will ich nicht mehr beginnen noch beenden. Jetzt, jetzt, jetzt kriegen die Tage ein Possessivpronomen, sie heißen: meine.

Noch zwei Monate und ich fahre los. 51 Jahre mit dem Leben verhandelt. Auf Knien, im Dreck, im Sturm. Verträge abgeschlossen, kleinste gemeinsame Nenner gefunden. Je mehr Kompromisse, destokleiner die Zahl. Bin Bruch, immer der Bruch eines Ganzen gewesen. Jetzt werde ich Zähler sein. Die Sache ist gekippt. Die Südhalbkugel wird für mich bald oben sein. Das Ende der Welt, el fin del mundo ein Anfang.

Ich möchte ins Fremde tauchen. Ins Dunkel, ins Unbekannte. Es hat Gesichter, Sprachen, Farben, Gerüche. Es hat Gassen und steinige Aufstiege. Es hat womöglich spitze Zähne. Ich kenne es nicht. Es ist wie das Morgen. Ich möchte es begrüßen. Aufrichtig, freundlich, respektvoll. Möchte das Haus erkunden, das unsere Welt ist. Den Mörtel und die Einschusslöcher.

II
10.03.20

Zwei Wochen noch. Die Spielfigur rückt voran. Mein Zeigefinger reist bunten Linien nach. Das Tablet leuchtet. Ich erkläre etwas, was mit mir nichts zu tun hat. Kap Horn, die Magellan-Straße, Torres del Paine im Lieblingsrestaurant. Warmer Kerzenschein und die ganzen Möglichkeiten füllen den Raum.
Wirklich dort sein wird komplett anders sein, heftigster Wind, mit Schnee ist immer zu rechnen und die Einsamkeit und ich – wir werden Freundschaft schließen müssen.

Jedes Abschiedstreffen bringt neue Ratschläge: was ich mitzunehmen, zu bedenken, zu planen, keinesfalls zu verpassen habe. Es ist fast gar nicht mehr meine Reise. Ich weiß, ihr meint es gut; ich mag euch, alle, die ihr euch sorgt. Einiges wird mich beschützen, anderes Ballast sein – wie unterscheiden? Die Ausrüstung unter die volle Gießkanne halten bringt neue Erkenntnisse. Einiges muss neu besorgt werden. Noch ist ein bisschen Zeit. Sicher ist: ich werde nicht auf alles vorbereitet sein. Muss improvisieren. Muss eine Achillessehne mitnehmen, die vor all dem streikt. Toller Zeitpunkt, wirklich. Ich verlasse Menschen, die ich liebe und liebenswerte welche, die ich grade erst traf.

Das Haus hat noch keinen, den es wärmt, wenn ich weg bin; wir suchen noch immer, das zermürbt. Und was wird dieser Virus noch alles anstellen, welche Grenzen versperren sich – am Ende kann ich nirgendwohin. Und womit? Der perfekte neue Rucksack steht vollgepackt im Wohnzimmer neben all den Sachen, die auch noch mit wollen. Die Gedanken rennen in meinem Kopf kreuz und quer. Die Tagesaufgaben auf Arbeit erledigt grade jemand, der aussieht wie ich, aber gar nicht bei der Sache ist. Ach, sag ich. Dabei wollte ich mich doch freuen.

III
16.03.20

Was tun?
Ein winziger Virus namens Corona tanzt auf meinen großen Plänen herum. Immer mehr Leute werden krank, Leute sterben irgendwo und das irgendwo kommt näher. Die anderen hamstern die Märkte leer, es gibt Handlungsanweisungen zur Handdesinfektion, zur Einschränkung sozialer Kontakte. Aber ein Telefon kann einen doch nicht umarmen.

Immer mehr Grenzen gibt es, allerorten wird zugesperrt. Die Angst oder die Vernunft – wer regiert hier? Ich weiß es nicht mehr. Ich kann doch jetzt nicht mehr an meinen Plänen festhalten – wie verrückt ist das denn? Das Auswärtige Amt sagt „nicht notwendige Reise“. Das Virus könnte auch mich irgendwo befallen und wäre ich dann nicht lieber bei maximaler medizinischer Versorgung hier?

In einer solchen Situation mache ich immer Lose. Das ist natürlich das Unvernünftigste, was man tun kann. Aber ich hab es extra schwer gemacht: von 4 Losen war nur eins dafür, weiterhin und jetzt nach Chile zu wollen. Als ich es zog, wusste ich, dass ich es ziehen wollte.

Ich bin längst nicht mehr hier. Weiß nicht, für wen all diese Mails sind, wovon sie handeln oder was von mir zu erwarten ist. Chilenische Pampa in meinem Kopf, Teppichboden unter den zuckenden Füßen.

IV
17.03.20

Auswärtiges Amt: „Ab Mittwoch, den 18.März 2020 schließt Chile seine Luft-, See- und Landgrenzen für die Einreise von Ausländern.“die zeitfenster sind durchsichtig. auch geschlossen sehe ich noch gelobtes land dahinter. ich habe ein bedrucktes papier namens ticket – ich hätte es nicht opodo, sondern dem schicksal abkaufen sollen.

man kann im eigenen traum ertrinken, mit den armen rudernd als teilte sich dadurch das vierbuchstabige „nein“ in zwei einzelne „ja“, von denen eins reichen würde, hindurchzuschlüpfen. aber das wünschen reicht nicht. und nicht, sich genau zu überlegen, wie alles passen könnte bis alles so schön passt, dass es zu schön ist für die wirklichkeit. träume dürfen das, die können gar nicht schön genug sein. aber wenn die träume mal wirklichkeit sein wollen, wenn die seifenblasen mal nicht blöd bei jedem wind und fremdkontakt platzen wollen, dann … und das heißt dann chance. daraus kann sich ganz was neues entwickeln, ganz was großes und schönes…

Das Personalreferat ist nett. Ich darf mir das nächstes Jahr noch mal wünschen. Das wird toll.

V
29.03.20

Vielleicht hätte der Zug noch funktioniert. Trotz Ausgangssperre. Vielleicht hätte Isabel Arndt am 24.03.20 noch 10:10 Uhr mit diesem Ticket von Dresden nach Frankfurt Flughafen fahren können. Statt dessen läuft sie, laufe ich – woandershin. Laufe – google Maps sagt 14 km – vom kleinen Elbhäuschen den Fluss aufwärts. Schlängle mich mit ihm, bis ich in den Eichhörnchengrund abbiege und dort in der Buschwindröschenstille raste. Die Eichhörnchen sind nicht da, aber ich. Während sich die Gedanken in die Zugpolster gekuschelt haben, die Füße auf den dicken Rucksack gelegt, dösen. Patagonien, endlich, jetzt ist es soweit. Heute Abend der Flug – noch nie so lange geflogen, wie wird das – erst bis Barcelona, dann Santiago de Chile – wie das schon klingt – und nach Punta Arenas der Anschlussflug. Zwei Tage wird das dauern, das wird anstrengend, wir müssen dringend schlafen, sagen die Gedanken, aber können gar nicht vor Aufregung.

Die wieder geöffneten Augen sehen grün. Ein linkselbisches Kerbtal, von Mittagssonne geflutet. Der Rucksack neben mir will weiter, will unbedingt weiter. Ach, der Rucksack ist schwer auf einmal. Die ganze Zeit eigentlich schon, aber jetzt, wo er so erwartungsvoll neben mir steht, so voll mit allem, was man braucht, mehrere Tage in der Steppe zu überleben, jetzt schaffe ich kaum, ihn hochzunehmen. Ich weiß nicht, warum das alles mit mir rumtrage. Ob ich überhaupt hier unterwegs sein sollte. Man soll zu Hause bleiben, Kontakt nur zu einer weiteren Person haben. Kein Flug geht mehr, kein Land hat noch offene Grenzen. Meine Tickets mit zehnstelliger Buchungsnummer bringen mich nirgendwohin. Ich wollte ans Ende der Welt, aber das Ende der Welt ist hierhergekommen. Es braucht nur ein winziges Virus und das Ende alles Vorstellbaren ist gekommen. Ein hübsches Virus übrigens; die Grafiker haben dem gelben Körper rote Krönchen aufgesetzt. Corona also. Es sieht nicht aus, als müsste man davor Angst haben. Ich habe nie wieder Angst haben wollen, ich wollte weit weg ganz allein klarkommen. Und das wäre ich, irgendwie. Aber jetzt soll ich Angst haben, jetzt soll ich vernünftig sein, Kontakte und Reisen vermeiden, wir müssen alle die Amplitude einer Kurve flach halten.Die Infizierten, die Toten sollen beherrschbar bleiben. Was um Himmels Willen ist hier los??

Weiter! Ich kann hier nicht bleiben. Nicht, wenn mein Flug in ein paar Stunden geht, nicht, wenn ich alle Schritte der nächsten Tage schon tausendmal gegangen bin. Gehen. Gehen ist Nicht-Bleiben. Das ist das Einzige, was aushaltbar ist jetzt. Es gibt einen Ort, es gibt genau einen Ort, an den ich jetzt möchte. Dort – ja, ich weiß, die Mutter seiner Kinder hat ihm, da Kontakt zu mir – 14 Tage in Quarantäne geschickt und jetzt komm ich, die Quarantäne mit ihm zu teilen, das ist so verboten, wie es schräg ist. Ich darf bleiben, aber auf keinen Fall zu nah. Das ist ok, so wie alles derzeit ok ist, was gar nicht ok ist. Die Nächte sind frostig. Wir haben den Aprikosenbaum in zwei weiße Laken gehüllt; der Scheinwerfer drunter leuchtet nachts Wärme, er leuchtet; eine weiße Fahne, wir haben kapituliert. Die Tage in reinstem Frühlingsblau, ahnungslos. Aus den Lautsprechern die neusten Zahlen, während ich die Katze kraule, während ich Erdbeerpflanzen umsetze. Finde ein Schild mit der Sorte „Korona“. Hämmere, hämmere mit dem alten Klüpfel, mit den alten Beiteln auf wurmstichiges Feuerholz ein, bis es mir sagt, was es eigentlich ist. Ich will dringend wissen, was es eigentlich ist, das alles.

Als er nicht sagte, bleib, ging ich. Ging ich den ganzen Weg zurück, um zu gehen. Unterwegs nach Patagonien. Ein Freund rief an, wir könnten. Könnten biwakieren an einem See, biwakieren ginge immer. Und zwei geht auch. Also ging der Rucksack wieder auf die Reise. Schöne Seen haben sie da in Patagonien. Wie die Kiesgruben bei uns. Sandige Ränder mit Birken. Rohrkolben, denen die Zeit weggeweht ist. Trübes Wasser, kalt. Trockenes Holz mit Birkenrinde und Feuerstahl leuchtet warm in unseren Gesichtern. Erstaunlich windstill in Patagonien.

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