Tag Archives: Autor: Lars Steger

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Lars Steger: winterhelles grau

winterhelles grau glockenklang krähengekrächtz drunter zart schilpen

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winterhelles grau*
glockenklang krähengekrächtz*
drunter zart schilpen

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Lars Steger: letztes laub raschelt

letztes laub raschelt krähen fern, meisenstimmchen stille und leere

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laub-wald http://quarknet.de/fotos-wald-waelder.php

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letztes laub raschelt*
krähen fern, meisenstimmchen*
stille und leere

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Lars: Wir hatten uns

Wir hatten uns zu häufig hingenommen das Rauchen aufzugeben, gabst du auf du wusstest, wie mir die Luft wegblieb ich nahm es hin weil ich dachte, weil ich dich liebe auf mein „Ich liebe dich.“ kam offen ehrlich lang schon

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Wir hatten uns
zu häufig hingenommen

das Rauchen aufzugeben, gabst du auf
du wusstest, wie mir die Luft wegblieb

ich nahm es hin
weil ich dachte, weil ich dich liebe

auf mein „Ich liebe dich.“
kam offen ehrlich lang schon
dein „Das kannst du beibehalten.“

lies mich liegen hinter dir
doch drehtest du dich nicht mehr
um  mit mir und ich mich wohl
nicht mehr zurück

ich wachte fern von dir
nun morgens auf
dich nicht zu stören
schlich ich fort

anstatt die Nase
noch einmal in dein Haar zu graben
Geruch Wärme Berührung
die mir Mut gab für den Tag

am Anfang war nicht mehr
von Kindern die Rede
am Ende nicht mehr
vom gemeinsamen Haus

in den Jahren dazwischen
reduzierten sich
die Arten unserer Berührungen
weil wir uns kannten oder
weil wir uns nicht mehr kannten

uns unsere Luftschlossträume
unsere tiefsten Ängste
nicht mehr eingestanden

auch, wenn wir sie
wegen einander aufgaben
oder nur miteinander besiegen konnten

wir hatten gelernt uns hinzunehmen

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(Erstveröffentlichung in: Heuschnupfen. Geschichten und Gedichte von der Liebe und vom Leben, Hrsg. Dachverband Altenkultur e.V., Leipzig 2010)

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Lars Steger: im haus vor dem deich

im haus vor dem deich wohnst du wissend um die flut die kommt irgendwann (veröffentlicht im GeWa 114)

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im haus vor dem deich
wohnst du wissend um die flut*
die kommt irgendwann

(veröffentlicht im GeWa 114)

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Lars Steger: die inselnase

die inselnase hier musst du her nach dem sturm berge muscheln tang (veröffentlicht im GeWa 114)

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die inselnase
hier musst du her nach dem sturm
berge muscheln tang
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(veröffentlicht im GeWa 114)

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Lars Steger: früheres sumpfland

früheres sumpfland riech ich manchmal die feuchte ankommen zu haus

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früheres sumpfland
riech ich manchmal die feuchte
ankommen zu haus

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Lars Steger: Knisternde äste

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Knisternde äste

Vogelrufe vereinzelt
Fallende tropfen

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Lars Steger: der kleine kirschbaum

der kleine kirschbaum im frühen himmelblauen wirft raureifschatten

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der kleine kirschbaum
im frühen himmelblauen
wirft raureifschatten

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Lars Steger: vorm fenster das netz

vorm fenster das netz raureifgeflecht am morgen weiß noch der himmel

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vorm fenster das netz
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raureifgeflecht am morgen
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weiß noch der himmel

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Lars Steger: Wiederkehr 1

Auf dem Rückweg war er unentschlossen, er hatte noch nichts gegessen, es war Zeit für ein paar Anrufe, wenn er seiner ehemaligen Familie und seinen Eltern nicht wirklich

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Auf dem Rückweg war er unentschlossen,
er hatte noch nichts gegessen,
es war Zeit für ein paar Anrufe,
wenn er seiner ehemaligen Familie
und seinen Eltern nicht wirklich
den heiligen Abend stören wollte.
Sieben Kneipen hatte er gezählt
die alle zu hatten für die nächsten
drei Tage oder die ganze Jahreszeit.

Vor der Kirche blieb er stehen.
Da gehörte er irgendwie nicht hin.
Wäre bemerkt worden.
Dort wollte er nicht bemerkt werden.
In der Heide oder auf den leeren Wegen
des Dorfes störte ihn sein Bild
vom einsamen Wanderer nicht.
Er fand einen Tannenzweig
zwischen den Häusern, hier, wo
Tannen nur in den Wohnzimmern wuchsen,
den trug er in sein Zimmerchen unterm Dach
wo die kleinen modernen Katastrophen
auf ihn warteten, er hatte das Ladekabel
des Handys vergessen und den Adapter
für den MP3-Player, so blieben ihm
zwei Weihnachts- und fünf andere CDs
und die Stille. Aber er war ruhig
er hatte heute das Meer gehört
in seine Gischt gesehen.

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Моя Драма – Mein Drama – Nachdichtung eines Textes von Jochen Hartung – ins Deutsche übertragen von Lars Steger

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Моя Драма

Я в России, был немцем и Ганцем,
А в Германии русский, Иван,
Тут и там, по судъбе иностранцем –
Я не Йохан и я не Иван.
Я не немец, но я и не русский,
Две кулътуры во мне заплелисъ.
Не судачъте на лавке старушки –
Так меня раз уделала жизнъ.
Я живу в постоянном неволе
И душа дотлевает в золе,
Я такой не по собственной доле –
Я по воле Господ на Земле.
Приютила Германияе – мама,
Раздвоила меня пополам.
Вот такая теперъ моя драма
Я не Йохан и я не Иван.

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Mein Drama

In Russland war ich Deutscher und Ganz
Und in Deutschland russischer Iwan
Hier wie dort ist mein Schicksal Ausländer-Sein
Ich bin nicht Johann und bin nicht Iwan
Ich bin nicht deutsch, aber ich, und nicht russisch
Zwei Kulturen habe ich
Schweigend sitzen alte Frauen auf der Bank
So schmückt mich das Leben
Ich lebe immer in Unfreiheit
Und die Seele glüht in der Asche
Doch ich bin nicht die meines Schicksals
Ich bin durch die Sklaverei Herr der Erde
Beherbergt von „Mutter Deutschland“
Zerhackt I C H zu Hälften
Das ist jetzt mein Drama
Ich bin nicht Johann und bin nicht Iwan