Tag Archives: Autor: Gerhard Jaeger

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Gerhard Jaeger: Versöhnung

Manchmal Matjora Schmecke ich das Blut Die zerbrochene Klinge Ragt aus meinem Auge Blau Du schenkst Wein, rot wie der schmeckt und vom Blut befreit diesen Brotlaib in dem alle Leiber schwanden die zerfielen zu Ackersand Speck teilst du und Freundschaft springt über Als könne uns nun Keine Klinge mehr (veröffentlicht im GeWa 114)

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Manchmal Matjora
Schmecke ich das Blut
Die zerbrochene Klinge
Ragt aus meinem Auge
Blau

Du schenkst Wein, rot
wie der schmeckt und
vom Blut befreit

diesen Brotlaib
in dem alle Leiber schwanden
die zerfielen
zu Ackersand

Speck teilst du und
Freundschaft springt über
Als könne uns nun
Keine Klinge mehr

(veröffentlicht im GeWa 114)

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Gerhard Jaeger: Abenddennerung

denn es geht weiter denn es wird dunkel denn Abendschläue denn das ist gewiß denn abends auf der Leiter denn auch ein Gefunkel

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denn es geht weiter*
denn es wird dunkel*
denn Abendschläue*
denn das ist gewiß*
denn abends auf der Leiter*
denn auch ein Gefunkel*
denn ich in alter Treue*
denn ein wenig Schiß*
denn der Schlaf*
denn die Ruhe*
denn der Traum*
ist nicht ohne Schaf*
ist nicht ohne*
denn wenn ich penne*
ist es anders als wenn*
Ich renne, denne*
unter der Abenddennerung*
ist ein großes Werden*
hier auf Erden

*

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Das Gedicht Abenddennerung wurde veröffentlicht im Heft Gedankenwasser (GeWa) 103.

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Gerhard Jaeger: Regenschleier

trägst sie her vor dir trägst ein Gewölk aus Frische ein Grau überm Grün das Blüten durchschweben diese weißen der Kirschen deren Saft später mir blutet vom Puls, wenn junihaftes Blau vom Abschied kündet

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trägst sie her vor dir
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trägst ein Gewölk aus Frische
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ein Grau überm Grün
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das Blüten durchschweben
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diese weißen der Kirschen
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deren Saft später mir
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blutet vom Puls,
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wenn junihaftes Blau
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vom Abschied kündet
*
und barmherzig
*
Sonne brennt
*
darüber hinweg

 

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Gerhard Jaeger mit dem Gedicht: Wegweiser und dem Bild: Kanal mit Zirkus

geh immer schau in die schwarzen Spiegel der Wasser schau in den leuchtenden Himmel beide gehen geh immer mit den Schatten, die wachsen mit dem Laub, das schwindet weiter

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Wegweiser

geh immer
schau in die schwarzen Spiegel der Wasser
schau in den leuchtenden Himmel
beide gehen

geh immer
mit den Schatten, die wachsen
mit dem Laub, das schwindet
weiter

immer weiter
bis in den Punkt, in dem Himmel und Wasser
bis dahin , du ahnst es und gehst
weiter, immer weiter

immer zu
in eine Richtung,
in der Abschied und Begegnung zusammentreffen

bis dahin geh
und sing und lach
immer näher

immer näher
gestern zogen die Vögel
gestern kehrten sie heim

einen wirst du treffen
der dich nimmt für immer
ihn verpaßt du
nicht

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Gerhard Jaeger: Monochrom

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blauer Schnee
blauer Rauch
blaue Mondnacht
blauer Mond lacht
blauer Schneemann auch
blau sein Bauch
blau sein Gesicht
blau der ganze Wicht
aus blauem Schnee
*
ach kalte Nacht
durch die ich geh’
mit Blaulicht und Schnee
*
Ich – ein blauer Mann, einer,
der auch frieren kann
*
Blauer Schnee
Schnee so blau
*
schau
alles blau

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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Gerhard Jaeger – Bild: Über Wasser

Hiddensee 2012 Insel im Regen, weißt du, den Regen trinken die Wiesen. hier trinken die Wiesen

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                Hiddensee 2012

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015.

gen
trinken die Wiesen.
hier trinken die Wiesen
mehr als andern Orts.
Was?

Wasser rund um
Wasser im Schwamm
Wasser im Bodden
Wasser – Wasserwiesen
Die Insel, wird untergehen.
Was?


Untergehen kann sie nicht
Wasser, ja schon, aber
sie wird gehalten, getragen-
getragen – von wem? –
Was?

Vom Sanddorn, Holunder
einwenig Sonne und
Wildrosen auch, sie
halten die Insel, aber
die Düfte, die allein
tragen sie.

 

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Gerhard Jaeger: Fernweh

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*

und er erhob sich zu vermitteln
zwischen den Sprachen und den Dingen
Er redete über ein Land so,
daß manche sich erinnern konnten, auch
sie lebten irgendwo, aber
sie wußten nichts über die Berge, Seen, nichts
von der Schwere oder Leichtigkeit
der Vögel, die wie Lieder dahinflogen

sie spiegelten sich in gläsernen Wänden
Zahlenkolonnen marschierten durch ihre Gehirne
und schnitten sie in ungleiche Einsamkeiten
kristallene Leuchter auf den Häuptern
eine Schwere auch in der Brust

er erhob sich und sein Glas als
im roten Wein ein Sonnenstrahl zerbrach
da wußte er, daß aus diesem Bild
ihr Schweigen sprach

*

(aus: “Zwischen den Zeiten 1990-2000″ (Anth.); hrsg. von Eitel Kunst e.V.,
Peter-Segler-Verlag, 2003, 2. Aufl., ISBN 978-3-931445-07-2)