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Gerhard Jaeger: Geselliges Lied

Wenn ich nicht singen würde wäre ich ein schlechter Trinker, aber ein besserer Mensch, doch was wäre all mein Gut – Sein ohne Lieder Freunde taucht auf aus weichem Blau der Nacht ich öffne einen Spalt dem gläsernen Wort es färt der bittere Schaum des Bieres am Flaschenhals hinauf bis er überläuft und abwärts rinnt herb frisch durch die Kehle süß säuselt die Zunge: hereinspaziert ihren Vorbau schiebt die Gegenwart ins Zimmer sie warb so auf Plakaten für das scharfe Getränk auf Zehenspitzen tippelt der Traum hinterher vorher kam die Vergangenheit, die ein Lied in Fesseln hielt in ihren Armen verschlief ich manchen Rausch und es tanzen die verlorenen Worte und es erklingen vergessene Schreie und im roten Abendkleid erscheint die Angst und der Mut kommt aufgebretzelt im bleichen Frack Party, Freunde Party das Bier wird warm, die Seele weit per Handy meldet sich die Erinnerung falsch verbunden, die Hoffnung hat ein kristallenes Lachen aber es tanzen Licht und Schatten aber die Nebel umschlingen die Tanne aber da draußen um elfe am Gartentor winkt schon das nächste Lied: Lebt wohl einen werd ich noch trinken einen singen für die Katz, aber wenn wir nicht so lieben würden- nüchtern wären wir trara…

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Wenn ich nicht singen würde
wäre ich ein schlechter Trinker, aber
ein besserer Mensch, doch
was wäre all mein Gut – Sein ohne Lieder

Freunde taucht auf
aus weichem Blau der Nacht
ich öffne einen Spalt
dem gläsernen Wort

es färt der bittere Schaum des Bieres
am Flaschenhals hinauf
bis er überläuft und abwärts rinnt
herb frisch durch die Kehle süß

säuselt die Zunge: hereinspaziert
ihren Vorbau schiebt die Gegenwart ins Zimmer
sie warb so auf Plakaten für das scharfe Getränk
auf Zehenspitzen tippelt der Traum hinterher
vorher kam die Vergangenheit,
die ein Lied in Fesseln hielt

in ihren Armen verschlief ich manchen Rausch

und es tanzen die verlorenen Worte
und es erklingen vergessene Schreie
und im roten Abendkleid erscheint die Angst
und der Mut kommt aufgebretzelt im bleichen Frack

Party, Freunde Party
das Bier wird warm, die Seele weit
per Handy meldet sich die Erinnerung
falsch verbunden, die Hoffnung hat ein kristallenes Lachen

aber es tanzen Licht und Schatten
aber die Nebel umschlingen die Tanne
aber da draußen um elfe am Gartentor
winkt schon das nächste Lied: Lebt wohl

einen werd ich noch trinken
einen singen für die Katz, aber
wenn wir nicht so lieben würden-
nüchtern wären wir trara…

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Gerhard Jaeger: Erwachen II

Erwachen II hinein ins hohe Gras fährt Stahlblau die Klinge klingt die Sense senst und stiehlt was das Gras fällt Gefallenes auf dem Anger Blicke fallen hin auf den Weg ins Tor den Kreuzen entgegen Sense jeder Schnitt ein Vorwurf jeder Vorwurf ein Schnitt

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Erwachen II

hinein ins hohe Gras
fährt Stahlblau
die Klinge klingt
die Sense senst und
stiehlt was
das Gras fällt
Gefallenes auf dem Anger
Blicke fallen hin
auf den Weg
ins Tor
den Kreuzen entgegen

Sense
jeder Schnitt
ein Vorwurf
jeder Vorwurf
ein Schnitt

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Gerhard Jaeger: Eisig schäumt es in der Bucht

Eisig schäumt es in der Bucht das ist der Bogen festgemacht zwischen den Wellen krummgeblasen das ist der Bogen gepeitscht vom Sand und sonnengbleicht manchmal auch schaurig beladen mit Leibern oder mit Eis das ist der Bogen zwischen Dunkel und Licht, aufgefüllt mit Salz Muscheltang und dem fischigen Aroma geschliffener Steine das ist der Bogen diese gekrümmte Linie in deiner Hand

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Eisig schäumt es in der Bucht

das ist der Bogen
festgemacht zwischen den Wellen
krummgeblasen

das ist der Bogen
gepeitscht vom Sand
und sonnengbleicht
manchmal auch
schaurig beladen
mit Leibern
oder mit Eis

das ist der Bogen
zwischen Dunkel und Licht,
aufgefüllt mit Salz
Muscheltang und
dem fischigen Aroma
geschliffener Steine

das ist der Bogen
diese gekrümmte Linie
in deiner Hand

 

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Gerhard Jaeger: Eisblauer Augenblick

Eisblauer Augenblick im Februar 1997 woher kommen denn die Träume und warum ausgerechnet zu dieser Zeit etwas schärft zwischen dem Untergang der Nacht und dem aufgehenden Morgen. Noch ist es die silbrig kalte Himmelsklinge, noch sind die Sterne da, leuchtende Pupillen ein Herabstarren aus der endlosen Eiszeit, schon eingefroren im See das Herschauen der Liebsten, im Raureifmantel auf bleichen Wiesen ein Lufthauch trägt noch immer den Atem ihres Kusses Schlittschuhlauf auf vereister Seele die grau und stumm ist wie der See umringt kahles Geäst im Winterhimmel. Gott, der aus dem Jenseits herrscht und das Schweigen schickt über Wälder in den ich ihr Antlitz vergaß selten kam es mir so nah

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Eisblauer Augenblick im Februar 1997

woher kommen denn die Träume
und  warum ausgerechnet zu dieser Zeit

etwas schärft
zwischen dem Untergang der Nacht
und dem aufgehenden Morgen.
Noch ist es die silbrig kalte Himmelsklinge,
noch sind die Sterne da, leuchtende Pupillen
ein Herabstarren aus der endlosen Eiszeit,

schon eingefroren im See
das Herschauen der Liebsten,
im  Raureifmantel auf bleichen Wiesen
ein Lufthauch trägt
noch immer den Atem ihres Kusses

Schlittschuhlauf auf vereister Seele
die grau und stumm ist wie der See umringt
kahles Geäst im Winterhimmel. Gott, der
aus dem Jenseits herrscht und

das Schweigen schickt
über Wälder in den ich
ihr Antlitz vergaß

selten kam es mir
so nah

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Gerhard Jaeger: Der Traum, die Erinnerung

Der Traum, die Erinnerung Ach zwei Maschinen rattern in meiner Brust vorwärts dreht der Traum dieser Antrieb der anspringt vor dem blassen Morgen welche Bilder aber mischt er unter die Rätsel der Visionen welche Düfte verfangen sich bevor der Himmel blaut und nur im Innersten klingen Stimmen und nur im Fernsten wachsen Innigkeiten aus dem Atem des Dunkelseins rückwärts schalten Bilder hasten nach dem Halt fördern aus dem Versunkensein das Lautlose zum vertrauten Klang milchiger Wärme, honiggelb – der harte Blick der Liebe die trifft auf mechanisches Abschalten

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Der Traum, die Erinnerung

Ach zwei Maschinen rattern
in meiner Brust

vorwärts dreht der Traum
dieser Antrieb der anspringt
vor dem blassen Morgen

welche Bilder aber
mischt er unter
die Rätsel der Visionen
welche Düfte verfangen sich
bevor der Himmel blaut

und nur im Innersten klingen Stimmen
und nur im Fernsten wachsen Innigkeiten
aus dem Atem des Dunkelseins

rückwärts schalten Bilder
hasten nach dem Halt
fördern aus dem Versunkensein
das Lautlose zum vertrauten Klang
milchiger Wärme, honiggelb –

der harte Blick der Liebe

die trifft auf mechanisches
Abschalten

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Gerhard Jaeger (Bild und Text): Karpatenhütte

. . . . . . . . . . .Karpatenhütte Wolowz September 1983 aber das Leben stutzte den Seelen die Flügel und sie froren in der hölzernen Hütte am finsteren Ofen im Schein glomm schmerzliche Phantasie buk duftendes Brot gegen die Resignation und eine Stimme rief

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Karpatenhütte

           Wolowz September 1983

aber das Leben
stutzte den Seelen
die Flügel
und sie froren
in der hölzernen Hütte
am finsteren Ofen
im Schein
glomm schmerzliche Phantasie
buk duftendes Brot
gegen die Resignation
und eine Stimme rief

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Gerhard Jaeger: Im Chaos der Zeichen bist du das Zentrum

Im Chaos der Zeichen bist du das Zentrum über südliche Meere pilgert der Herbst laubbunte Wasser laufen gegen rostige Klippen, morgens oder abends, wenn Dunkelheiten zu rasch dich bedecken senden Agaven mit seltsamen Antennen Funksprüche über das Felsplateau Schwärze, die du kennst Finsternis, die dich umbettet die Terrassen kühlen aus, ratlos blickst du hinauf ins Chaos sternener Zeichen, deren Sinn dir abhanden kam langsam beginnt es, das Universum fängt an zu kreisen allein um dich

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Im Chaos der Zeichen
bist du das Zentrum
über südliche Meere
pilgert der Herbst
laubbunte Wasser
laufen gegen rostige Klippen,
morgens oder abends,
wenn Dunkelheiten zu rasch
dich bedecken

senden Agaven
mit seltsamen Antennen
Funksprüche über das Felsplateau

Schwärze, die du kennst
Finsternis, die dich umbettet

die Terrassen kühlen aus,
ratlos blickst du hinauf
ins Chaos sternener Zeichen,
deren Sinn dir abhanden kam

langsam beginnt es, das Universum
fängt an zu kreisen

allein um dich

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Gerhard Jaeger (Text und Foto): Diese Frau

. . . . . . . . .. Diese Frau mit dem Gesicht das so alt ist, doch sehe ich genauer hin springt es auf das Mädchen flüstert der Wind bist du das Gras bin ich ich streichle dich

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Diese Frau
mit dem Gesicht
das so alt ist,
doch sehe ich
genauer hin
springt es auf

das Mädchen
flüstert
der Wind
bist du
das Gras
bin ich

ich streichle
dich

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Gerhard Jaeger: Donegal

. . . . . . . . . . Donegal Grasschafe das Ich - Land im Regenpelz, Nebel das Land ein Weg, ich zwischen Stein oder Felsen, ich Wasser, fließe mit, Zeit Düfte schäumen im Torfdunkel, ich schwebe am Atlantik, Geliebter, weite dich abends beim schwarzen Bier im Rausch der rothaarigen Nächte, im Fiddeltanz, du und ich ein Trommelwirbel, Silberklang der Hirtenflöte, am morgen wandern wir dem herabfallenden Himmel zu

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Grasschafe
das Ich – Land im Regenpelz, Nebel
das Land ein Weg, ich
zwischen Stein oder Felsen, ich
Wasser, fließe mit, Zeit
Düfte schäumen
im Torfdunkel, ich
schwebe am Atlantik, Geliebter,
weite dich abends
beim schwarzen Bier im Rausch
der rothaarigen Nächte, im
Fiddeltanz, du und ich
ein Trommelwirbel, Silberklang
der Hirtenflöte, am morgen
wandern wir dem
herabfallenden Himmel
zu

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Gerhard Jaeger (Text und Foto): Denn der Morgen

. . . . . . . . . . Denn der Morgen trommelt gegen das Dunkel an Ausgeruhtheit mit Kühle auf der Haut dieser Frische, die Maigrün angeträumt ach drängen seine Hieben nicht ein in meine Stille, die lag im Haus beim Mut der sich erhebt gegen den Rufer: Du musst! Lauter tönen seine Hiebe nun fliehen meine Elfen und Freier Schmecken dir die Marmeladenbrote fragst du Ein Dickicht schließt sich unterm Bogen Licht

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trommelt  gegen das Dunkel
an Ausgeruhtheit mit
Kühle auf der Haut
dieser Frische, die
Maigrün angeträumt

ach drängen seine Hiebe
nicht ein in meine Stille,
die lag im Haus beim Mut
der sich erhebt
gegen den Rufer:
Du musst!

Lauter tönen seine Hiebe
nun fliehen meine Elfen und Freier

Schmecken dir die Marmeladenbrote
fragst du

Ein  Dickicht schließt sich
unterm Bogen Licht

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Gerhard Jaeger: Der Platzwart

Löwenzahn Immerzu muss ich warten Das Goldei flirrt im Tiefblau Wäscheinseln im Gras Immerzu muss ich warten Handtücher um braungebirgige Schultern Haut im Tortenspeck Immerzu warten, hier kommt gar nichts weg, ich steige von Maisprossen hoch zum Septembersteg, aber warten muss ich immerzu im Katzenfell des Sommers kraulen und bürsten Trockenheit, Wind den Haaren aus, aber warten muss ich kreuzen mit bauchigen Segeln Badegeschrei splittert ins Himmelsauge der Apfel einmal wird er stichig einmal stehle ich mich vom Platz dann habe ich genug vom ewigen Frühling dem Warten immerzu

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Löwenzahn
Immerzu muss ich warten
Das Goldei flirrt im Tiefblau
Wäscheinseln im Gras

Immerzu muss ich warten
Handtücher um braungebirgige Schultern
Haut im Tortenspeck

Immerzu warten, hier
kommt gar nichts
weg, ich steige
von Maisprossen hoch
zum Septembersteg, aber

warten muss ich immerzu
im Katzenfell des Sommers
kraulen und bürsten
Trockenheit, Wind
den Haaren aus, aber

warten muss ich
kreuzen mit bauchigen Segeln
Badegeschrei splittert
ins Himmelsauge

der Apfel
einmal wird er stichig
einmal stehle ich
mich vom Platz
dann habe ich genug
vom ewigen Frühling
dem Warten
immerzu

                                               2011

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Gerhard Jaeger: Unter den Spiegeln

Der Seen Schwimmen Landschaften, Ufer des Erinnerns Auf steigen Vögel, um zu erspähen ein Aufblitzen am Rückenbogen der Wellen oder Fische Beute macht der Wind Im Erlengeäst. Er treibt Gewölk vom erglühenden Himmel Und kehrt Sorgen Ins Verblassen So schwimmt etwas Unter den Spiegeln Nun anders Dahin

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Der Seen
Schwimmen Landschaften,
Ufer des Erinnerns

Auf steigen Vögel,
um zu erspähen
ein Aufblitzen am Rückenbogen
der Wellen oder Fische

Beute macht der Wind
Im Erlengeäst. Er treibt
Gewölk vom erglühenden Himmel
Und kehrt Sorgen
Ins Verblassen

So schwimmt etwas
Unter den Spiegeln
Nun anders
Dahin                               

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Gerhard Jaeger: An die Oder

Eisschollenstrom Strom aus Licht aus Weite und Flut über die Nähte der Auen über die Ufer aus damals und heute

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Eisschollenstrom

Strom aus Licht
aus Weite und Flut
über die Nähte der Auen
über die Ufer aus
damals und heute

aus Blut und Flucht
über die Wasser
getrieben vom Wahn
her und hin
das Rauschen

einzig überflügelt
vom roten
Milan

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