Tag Archives: *** Aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015 –

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smt: Selig – aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015

Selig Hinter dem Meeresrauschen ein Fels von Stille umtost klein geborgen steht er im Rücken hoher Berge urzeitalt ...

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Selig

Hinter dem Meeresrauschen
ein Fels
von Stille umtost
klein geborgen
steht er im Rücken hoher Berge
urzeitalt
sein kahles Haupt krüppelkieferumkränzt
reckt er zum Himmel unerreichbar.

Seine Beschützer teilen die Wolken
schaffen ihm eine Sonneninsel.
Er weiß nichts von der Brandung
die sich ihm entgegennagt.
In jugendgreiser Weisheit
strahlt er in seinem Glück
und atmet
Ruhe.

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

Gerhard Jaeger – Bild: Tulpen 57 – aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015

▶ Hinweis: Dies ist eine Vorschau, um dieses Bild in voller Größe sehen zu können, bitte in die türkisfarbene Überschrift oder auf das Wort “Weiterlesen” klicken und den Artikel öffnen. ▶ Note: This is a preview. Please click in the turquoise-colored heading of the article, and you can see the pictures in full size. Dieses Bild von Gerhard Jaeger war neben weiteren Exponaten der Kunstausstellung des Malaika Projektes “Art‬ unite us – Kunst vereint uns” im Rahmen einer Multimedia Show am 5.12.2014 im Mehrgenerationenhaus (MGH) Königs Wusterhausen zu sehen.

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Gerhard Jaeger: Bild " Tulpen-57"

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Gerhard Jaeger: Bild " Tulpen-57"

 

 Gerhard Jaeger – Bild: Tulpen 57

Dieses Bild von Gerhard Jaeger war neben weiteren Exponaten der Kunstausstellung des Malaika Projektes “Art‬ unite us – Kunst vereint uns” im Rahmen einer Multimedia Show im Dezember 2014 im Mehrgenerationenhaus Königs Wusterhausen zu sehen.

Das Bild wurde wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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Gerhard Jaeger: Brummkreisel

Brummkreisel Brumm kreiselt kreiselt rum mit Gebrumm um die eigne Achse lustig mit Bier und mit Faxe ...

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Brumm kreiselt
kreiselt rum
mit Gebrumm
um die eigne Achse
lustig mit  Bier
und mit Faxe
schwankt nach links
wankt zur Rechten
und macht brumm
bis er kippt

dann ist er stumm

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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Gerhard Jaeger: Sachlicher Bericht

Sachlicher Bericht Und da hab’ ich Und da wollt’ ich Und da konnt’ ich Nicht Nicht konnt’ ich da ...

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Sachlicher Bericht

Und da hab’ ich
Und da wollt’ ich
Und da konnt’ ich
Nicht

Nicht konnt’ ich da
Nicht wollt’ ich da
Nicht hab’ ich da

Und

da hat’s geklappt

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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*** Aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015 – Gerhard Jaeger: Langsamläufer

Langsamläufer Träge dreht das Windrad Langsamläufer Träge fließt der Fluss Langsamläufer Träge geht der Mann Langsamläufer Träge trinkt er dann Langsamsäufer

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Träge dreht das Windrad

            Langsamläufer

Träge fließt der Fluss

            Langsamläufer

Träge geht der Mann

            Langsamläufer

Träge trinkt er dann

            Langsamsäufer

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Aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015 – Gerhard Jaeger: Wehe, weh

wehen, sehen, gehen geh bleib, bleiben schreib, schreiben, treiben treib komm wehe komm bleib komm schreib komm treib es voran es nicht zu weit es zu mir treib mich rum im Bier im Bier, das treibt, siehst du ich gehe, wehe weh

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Wehe, weh

wehen, sehen, gehen
geh

bleib, bleiben
schreib, schreiben, treiben
treib

komm wehe
komm bleib
komm schreib
komm treib

es voran
es nicht zu weit
es zu mir

treib mich rum
im Bier
im Bier, das treibt,
siehst du

ich gehe, wehe
weh

*

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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Gerhard Jaeger: Wetterleuchten

Wetterleuchten noch ist nichts. einige Farben Gewölk Striche grün, braun schwarz, indigo ach, bin ich froh noch hat es keine Blitze noch donnert es, nur so ein Furzgegrummel, Mensch ...

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noch ist nichts.
einige Farben
Gewölk Striche
grün, braun
schwarz, indigo
ach, bin ich froh

noch hat es keine Blitze
noch donnert es, nur so
ein Furzgegrummel, Mensch
trägst du `nen kurzen Fummel
Hei! Lass mich mal ran
an die Staffelei

es blitzt ich male

Rhomben mit einem Strich
mitten drin, als Kinder
malten wir das an die Wand

meine Hand ist elektrisch
draußen wird’s hektisch
Endladung

aus Wolkengeheul
aus Windgehechel

wie du stöhnst und
das noch verschönst

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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sibyll maschler: Was übrig bleibt

Die Werkstatt war vom Licht durchflutet und voller Gegenstände. Früher, als die Wände noch mit Kalk geweißt wurden, reflektierten sie die Helligkeit der Sonne. Inzwischen hatte die Zeit aber ihre Spuren hinterlassen. Die vergilbten Wände hatten Risse, ...

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Die Werkstatt war vom Licht durchflutet und voller Gegenstände. Früher, als die Wände noch mit Kalk geweißt wurden, reflektierten sie die Helligkeit der Sonne. Inzwischen hatte die Zeit aber ihre Spuren hinterlassen. Die vergilbten Wände hatten Risse, Löcher und Einschlüsse aus Stein, Glas und Metall. Oberflächlich lagerten Gips, Ton- und Wachsspuren. Außerdem gab es viele Gerüche hier. In einer Ecke roch es nach frischem Holz und Bienenwachs, in der anderen nach Farben und Lacken, hinter einer hölzernen Absperrung hatte man das Gefühl, als läge metallischer Geschmack auf der Zunge.

Die Frau, von der hier erzählt wird, war in diesem großen, teils verwinkelten Raum fast groß geworden. In ihrer Kindheit hatte sie spielerisch von ihm Besitz ergriffen, ihn nach und nach umgestalten dürfen. So veränderte sich mit den Jahren, besonders während der Ausbildung zur Bildhauerin, der alte Lagerraum in ein Atelier. Das Fachwerk blieb immer sichtbar, denn es gab ihr Struktur.

Als sie noch eine junge Frau war, bevorzugte sie die Arbeit mit hartem Material. Sie liebte Gestein, die Kühle und den Glanz, besonders aber den Widerstand, den es bot. Es machte ihr Freude, mit Kraft zu behauen. Jeder Schlag tönte weit ins angrenzende Feld hinein. Es war, als könnte sie all ihre Energie in Stein meißeln. Das machte sie nicht nur glücklich, sondern die Werke auch stolz und schön. Außerdem hatte sie die Gabe, rasch zu erkennen, welche Figur sich in welchem Gesteinsblock verbarg. So brauchte sie das Innere nur noch freizulegen, ohne es dabei zu beschädigen oder gar zu zerstören. Doch mit den Jahren verlor sich die Begeisterung für das gewaltige Handwerk. Sie wurde allmählich ruhiger. Auch ließen die Kräfte nach. Die Fahrten zum Steinbruch nahmen ab. Schließlich griff sie zu weichen Materialien. Zunächst war es ungewohnt, nach Treibholz zu suchen oder Baumstämme zu organisieren. Aber bald darauf entdeckte sie die Wärme und Struktur des Holzes für sich. Sie liebte die Düfte der verschiedenen Holzarten. Einige Skulpturen beließ sie deshalb sogar im Raum, sie mochte ihre Gesellschaft.

Und dann, wieder viele Jahre später, sollten die Werke von klein an wachsen, zum Beispiel aus Ton und Lehm. Sie gab nun lieber etwas dazu, vermehrte die Masse, damit eine Figur entstand. Keine Abspaltung mehr, sondern Ergänzung.

Eines Tages, als sie den Lehm gebrannt hatte, fiel ihr auf, wie unfertig ihr Gebilde eigentlich noch war. Sie spürte einen Fehler, eine deutliche Lücke und erschrak über den Mangel. So kam ihr der Gedanke, eine Mischform zu kreieren. Sie ergänzte die Keramik mit Wachs. Später, während sie die Farbe darüber pinselte, war sie recht zufrieden mit dieser Kombination.

Die Arbeit mit Wachs ging wunderbar leicht von der Hand. Sie benötigte nur Zeit und Geduld. Die Skulpturen fühlten sich geschmeidig und fließend an. Zwar war diese Technik für eine Bildhauerin eher ungewöhnlich, aber das machte ihr nichts aus. Es wurde auch unwesentlich, wie lange eine Skulptur überdauern würde. Vieles war nun vergänglicher als früher. Bis zu einem gewissen Maße wurde es auch unwichtig, welchen Gewinn die Bildhauerin aus ihren Arbeiten erzielte. Mit zunehmendem Alter verschenkte sie sogar ihre Lieblingsstücke, manchmal ihre kostbarsten. Jedenfalls entstanden nun auch verschiedene Figuren aus Wachs, anfangs kleine, dann größere, die zu stattlicher Pracht heranwuchsen. Da sie dadurch aber immer mehr Wachs benötigte, entschloss sie sich, das Grundgerüst aus Lehm zu formen. Dann begann sie den ersten Menschen mit dieser Schichtung. Er schien sehr kraftvoll und gleichsam lebendig zu sein, so dass sie ihn immer und immer wieder verändern und ergänzen musste. Die Tage reichten nicht aus, um ihm gerecht zu werden. Deshalb begann sie auch nachts zu arbeiten. Da waren die Konturen scharf und die dahinter liegende Dunkelheit tief. Sie formte und formte, voll Leidenschaft, fast besessen. Und sie nahm immer mehr Wachs. Dann blieb es an ihren Händen kleben, am Haar, rann an den Armen herab, an der ganzen Kleidung glitt es bis zu den Füßen herunter. Die Schichten wurden dicker, so dass sich die unteren verfestigten und die Bewegungen erschwerten. Aber sie ließ nicht nach, denn diese Figur schien unersättlich und wuchs und wuchs über sich hinaus. Sie verlangte nach mehr, nach kräftigen Händen und einem starken Rumpf. In der Wärme des Feuers löste sich das Gesicht leicht und verlor an Kontrolle. Die Wangen drohten zu entgleiten, die Mundwinkel zu erschlaffen. Die Lider wurden schwer. Aber sie mühte sich um Halt, denn sie wollte sie vollenden. So ging sie immer wieder zu dem Topf über dem lodernden Feuer, um das Wachs zu schmelzen. Bis das Feuer übergriff. Sie spürte die Verschmelzung von Kleidung, Haut und Haar, von Wachs und Lehm. Die Wärme durchdrang ihren Körper, aber sie spürte es kaum, denn das Wachs floss nun geschmeidig auf die neue Skulptur. Ringsum fingen die Balken Feuer, so dass die Hitze unerträglich und ihre Schreie unhörbar wurden. Das Wachs zerrann und ergoss sich am Boden. Der Lehm, die Urgestalt, wurde gebrannt und erstarkte in der ersten Form.

Und am Morgen, als sich die Asche über dem Ort gelegt hatte, stiegen noch immer kleine Rauchschwaden zum Himmel hinauf.

 Juli 2012

Der Text wurde veröffentlicht in der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015.

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Lars Steger: Mutmaßungen über Jochen

Er sagt über ihn zu reden sei nicht nötig seine Gedichte zu verstehen so  sitz ich sprachlos vor Texten, die ich übersetzen will mache mir bewusst, was ich weiß ohne ihn zu fragen ...

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Er sagt
über ihn zu reden sei nicht nötig
seine Gedichte zu verstehen
so  sitz ich sprachlos
vor Texten, die ich übersetzen will
mache mir bewusst, was ich weiß
ohne ihn zu fragen
dass das stolze Land, in dem er geboren wurde,
verschwand von den Karten der Welt
dass man plötzlich wieder verhungern kann
und Menschen anderer Nationalität
wieder mit Misstrauen angesehen werden
in einer Gegend
in der für die Gleichheit aller jährlich
Transparente über die holprigen Straßen getragen worden waren
und Menschen in die Kälte Sibiriens geschickt
dort wurde er geboren
in einem Dorf, das nur eine Nummer trug
was selbst seine Frau erstaunte
so geheim also war der Ort
wieder kann ich nur fragend ahnen
aus dem, was ich ohne ihn weiß
kamen seine Vorfahren mit der preußischen Prinzessin
die später die Große genannt wurde?
wurden sie vom dem, der sich der Stählerne nennen lies
aus der Weizenkammer des Landes
in den Permafrost verbannt,
weil einer die gemeinsame Nationalität
der Überfallenden und Überfallenen fürchtete?
oder schickte sie frühere oder spätere Überzeugung
des Terrors oder der Notwendigkeit dorthin?
als Täter oder Opfer? – in jedem Fall
als Sieger der Geschichte – glaubten sie
und ich erinnere mich noch: glaubte auch ich
was bleibt einem Jungen, der aufwächst
in Halbwahrheiten und Verschweigen
als Glauben an die Notwendigkeit der Entberungen
des ewig gefrorenen Bodens
auf dem die ärmlichen Häuser stehen
vielleicht wuchs schon sein Vater so auf
vielleicht trug sein Dörfchen keinen Namen
weil es Staatsgeheimnis Nummer 282 war
vielleicht bleibt er so Geheimnisträger
eines Staates, den es nicht mehr gibt
eines Landes, das den Nachkommen
der vor Jahrhunderten Geworbenen
keine Perspektive mehr bietet
weil es selbst keine mehr sieht
vielleicht ist ihm auch nur unangenehm,
dass er keinen Abschluss vorzuweisen hat
in einem Land, in dem Abschlüsse zählen
und nicht, dass man Meister in der Tischlerei
und Klempnerwerkstatt war, weil man es konnte
weil jeder Tag einen prüfte und keine Handwerkskammer,
dass er seine Familie ernähren und kleiden konnte
ohne die Nationalitätszuständigkeit eines Staates
in Anspruch nehmen zu müssen
damals dort in der kalten Heimat,
dass seine Gedichte gelesen wurden in Zeitungen
er sie vortragen konnte im Sender einer Region
die größer war als die Republik, in der er nun lebt und
in deren Sprache sich erst seine Enkel problemlos verständigen,
dass er dennoch in ein Land gegangen ist
in dem jeder seiner großen Familie besser leben kann
als er

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über ihn zu reden sei nicht nötig
aber so verstehe ich seine Gedichte
den Verlust,
des Glaubens, in dem er aufwuchs,
von der Welt, Heimat, Sprache
und sich
dem Tatmenschen,
dem man zuwenig zu tun gibt

*

und mit seinen Gedichten
verstehe ich meinen Nachbarn besser
der ab und zu betrunken vor meiner Tür steht
in gebrochenem Deutsch
weil er sich ausgesperrt hat
und über meinen Balkon
in seine Wohnung steigen kann
und ich verstehe vielleicht
mich ein klein wenig besser
weil ich mir lesend die Frage
nach meinen Verlusten zugestehe

für J. Hartung und Magdalene

Lars Steger

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Gerhard Jaeger: Ode an ein hartes Wesen – aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015

Die Wortfeile möchte ich setzen Dir ans stählerne Ohr Vielleicht fallen ein paar Späne in die Muschel vielleicht gäbe es dann ein wenig Gekuschel

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Ode an ein hartes Wesen

Die Wortfeile
möchte ich setzen
Dir ans stählerne Ohr
*
Vielleicht fallen*
ein paar Späne*
in die Muschel*

vielleicht gäbe es dann*
ein wenig*
Gekuschel

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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