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Gerhard Jaeger: Das Alte

altert und wird älter und wird zahmer und wird kälter und wird lahmer So altert es dahin, fragt niemand nicht nach einem Sinn, altert und wird älter und wird schriller und wird kälter und wird stiller so altert es es bleibt Schweigen Gott sei Dank Nach dem letzten Wort: Mensch Altes nun bist du fort

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altert und wird
älter und wird
zahmer und wird
kälter und wird
lahmer

So altert es
dahin, fragt
niemand nicht nach einem
Sinn,

altert und wird
älter und wird
schriller und wird
kälter und wird
stiller

so altert es
es bleibt Schweigen
Gott sei Dank
Nach dem letzten Wort:

Mensch Altes
nun bist du
fort

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Einladung zum Frühjahrsseminar des Eitel Kunst e.V. im März 2014

Liebe Eitle Künstler und Freunde des Eitel Kunst e.V., hiermit darf ich Euch ganz herzlich zu unserem Frühjahrsseminar einladen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Euch und auch auf Gäste die erstmals zu uns finden. Was erwartet Euch bei unserem Frühjahrsseminar des Eitel Kunst e.V. vom 28. bis 30.März ? Für das Seminar Im Mehrgenerationenhaus am Fontaneplatz in KW ist folgendes geplant: Programmplanung: Freitag: 19 Uhr Christian Friedrich Hohberg, Liedermacher und Spielmann.Er singt und spricht Texte aus seinem Programm: “Vormittagsjazz“. Dazu begleitet er sich auf Klampfe & Zister. Danach (optional) Vorstellungslesung - interessierte Teilnehmer können sich & ihre Texte vorstellen (pro Lesendem etwa 1- 3 Texte) anschließend Gedankenaustausch und Textarbeit, open end Samstag: 10:00 Uhr Textarbeit 12:00 Uhr Mittag 13:00 Uhr Textarbeit 15:00 Uhr Kaffeepaause 15.45 Uhr "Das Für und Wider von ebooks". Christian Rempel & Liane Fehler stellen Erfahrungen und Gedanken zur Diskussion anschließend Textarbeit 18.30 Uhr Abendbrot 19 Uhr Textarbeit wie immer mit einem "open end" Sonntag: Beginn ca.12 Uhr Textarbeit bis ca. 14 Uhr Liebe Freunde, die hier vorgestellte Programmplanung ist noch vorläufig. Wer diesbezüglich noch Vorschläge und Fragen hat oder selbst noch etwas zum Gelingen beitragen möchte, wendet sich entweder an den Vorsitzenden unseres Vereines Lars Steger oder meldet sich bei mir. Die Kontaktdaten findet Ihr auf unserer Startseite im Menü (oben) unter "Kontakt". Es wär sehr freundlich von Euch einen von uns beiden vorab über eine beabsichtigte Teilnahme zu informieren, sofern dies schon möglich ist.

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Liebe Eitle Künstler und Freunde des Eitel Kunst e.V.,

hiermit darf ich Euch ganz herzlich zu unserem Frühjahrsseminar einladen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Euch und auch auf Gäste die erstmals zu uns finden. Was erwartet Euch bei unserem Frühjahrsseminar des Eitel Kunst e.V. vom 28. bis 30.März ?
Für das Seminar Im Mehrgenerationenhaus am Fontaneplatz in Königs Wusterhausen ist folgendes geplant:
Programmplanung:
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Freitag:

19 Uhr Christian Friedrich Hohberg, Liedermacher und Spielmann.Er singt und spricht Texte aus seinem Programm: “Vormittagsjazz“. Dazu begleitet er sich auf Klampfe & Zister.

Danach (optional) Vorstellungslesung – interessierte Teilnehmer können sich & ihre Texte vorstellen
(pro Lesendem etwa 1- 3 Texte) anschließend
Gedankenaustausch und Textarbeit, open end
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Samstag:
10:00 Uhr Textarbeit
12:00 Uhr Mittag
13:00 Uhr Textarbeit
15:00 Uhr Kaffeepaause
15.45 Uhr „Das Für und Wider von ebooks“. Christian Rempel & Liane Fehler stellen Erfahrungen und Gedanken zur Diskussion
anschließend Textarbeit
18.30 Uhr Abendbrot
19 Uhr Textarbeit wie immer mit einem „open end“
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Sonntag:
Beginn ca. 12 Uhr     Textarbeit bis ca. 14 Uhr
Liebe Freunde, die hier vorgestellte Programmplanung ist noch vorläufig. Wer diesbezüglich noch Vorschläge und Fragen hat oder selbst noch etwas zum Gelingen beitragen möchte, wendet sich entweder an den Vorsitzenden unseres Vereines Lars Steger oder meldet sich bei mir. Die Kontaktdaten findet Ihr auf unserer Startseite im Menü (oben) unter „Kontakt“. Es wär sehr freundlich von Euch einen von uns beiden vorab über eine beabsichtigte Teilnahme zu informieren, sofern dies schon möglich ist.
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Liane Fehler Online-Redaktion

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Gerhard Jaeger: Frustrutsche, eine Landschaft

Frustrutsche, eine Landschaft aufwärts stieg der Frust türmte vom Bauch zur Kehle in den Schädel kreisen wollte er unterm blauen Tuch, wolkenlos hing es herab zur Deichschräge in die schiefe Ebene Landschaft Der Raubvogel kreist augenblicklich, stürzt in die Tiefe. – Jetzt die Rutsche runter rutscht Frust. Vom Turm, aus dem Schädel durch den Bauch. Ach was weiß denn ich er sinkt in den Fluß, gluckst unter kleine Wellen, verstrudelt nordwärts Graugänse im Keilflug kommen uns entgegen

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Frustrutsche, eine Landschaft

aufwärts stieg der Frust
türmte vom Bauch zur Kehle in den Schädel
kreisen wollte er unterm blauen Tuch,
wolkenlos hing es herab
zur Deichschräge in die schiefe Ebene
Landschaft

Der Raubvogel kreist augenblicklich,
stürzt in die Tiefe. – Jetzt
die Rutsche runter rutscht Frust.
Vom Turm, aus dem Schädel
durch den Bauch. Ach was weiß denn ich
er sinkt in den Fluß, gluckst unter
kleine Wellen, verstrudelt nordwärts
Graugänse im Keilflug
kommen uns entgegen

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Jour fixe – unser Treffen zu „Lesen und Schreiben“ am 12. März 2014

Der Termin für unser nächstes Treffen ist Mittwoch der 12. 3. 2014 und wir werden ab 16:30 Uhr wieder in der Bibliothek in Wildau zu Gast sein. Liane Fehler Onlineredaktion

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Der Termin für unser nächstes Treffen ist
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Mittwoch der 12. 3. 2014 und
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wir werden ab 16:30 Uhr wieder
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in der Bibliothek in Wildau zu Gast sein.
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Liane Fehler Onlineredaktion

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Gerhard Jaeger – Bild: Warte Dorf

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Gerhard Jaeger: Flusslandschaft mit Weiden

Wartatal Oktober 2004. die sollst du meiden getroffen von Blitzen vielfach doch aus verkohlten Stämmen immer wieder Triebe grün Warum soll man Weiden meiden

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                     Wartatal Oktober 2004.

die sollst du meiden
getroffen von Blitzen
vielfach
doch aus verkohlten Stämmen
immer wieder
Triebe grün

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Warum
soll man Weiden
meiden

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Christian Rempel: Neujahr

Ganz leise geht ein Schneegegriesel und du so neben mir, hast voll die Pläne zu schnell geh ich, fast wie ein Wiesel umsonst gespannt, bis in die letzte Sehne Denn keiner will mehr etwas haben von diesem Wrack, das ich nun mal bin war talentiert und voller Gaben doch bar der Richtung nirgend hin Will mich ein traurig Schicksal führen das mich vergaß zu schlagen in den Staub so kann ich nicht einmal verlieren bin nicht erhört, die Sterne scheinen taub So rüttle mich Du komm´des Jahr nur ganz zurecht für einen letzten Gang denn was Du tust ist gut und wahr und ich erstorben bin schon lang

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Ganz leise geht ein Schneegegriesel
und du so neben mir, hast voll die Pläne
zu schnell geh ich, fast wie ein Wiesel
umsonst gespannt, bis in die letzte Sehne

Denn keiner will mehr etwas haben
von diesem Wrack, das ich nun mal bin
war talentiert und voller Gaben
doch bar der Richtung nirgend hin

Will mich ein traurig Schicksal führen
das mich vergaß zu schlagen in den Staub
so kann ich nicht einmal verlieren
bin nicht erhört, die Sterne scheinen taub

So rüttle mich Du komm´des Jahr
nur ganz zurecht für einen letzten Gang
denn was Du tust ist gut und wahr
und ich erstorben bin schon lang
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C.R. 1.1.2009

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Gerhard Jaeger: Es war einmal

Es war einmal abends legt sich das Jahr in den nassen Schnee etwas blau leuchtet im Schwarz über den Dächern und macht es zitternd als überfiele es das Erinnern als hätte es einen letzten Wunsch noch als wolle es etwas senden diesen Rest an Hoffnung dieses Erlöst sein von dem Übel dieses dennoch, das funkelnd steht im Glanz der Sterne diese Sehnsucht, die dem Kommenden entgegen eilt auf frosthartem Wege am Hacken die Zweifel die ihm raten: Tritt ab und leiste Verzicht - gutes altes Jahr zwischen Erde und Himmel atmet so frisch der Wind dorthin wispern die Gräser daher rauschen die Tannen: Wir spüren schon das Neue und es bringt etwas was aber kann das sein I am looking for ward to... ruft vom kahlen Ast die Krähe sie ist zurückgekehrt aus England ja, ja sagt das alte Jahr ich gehe

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abends legt sich das Jahr
in den nassen Schnee

etwas blau
leuchtet im Schwarz
über den Dächern
und macht es zitternd

als überfiele es das Erinnern
als hätte es einen letzten Wunsch noch
als wolle es etwas senden

diesen Rest an Hoffnung
dieses Erlöst sein von dem Übel
dieses dennoch, das funkelnd steht
im Glanz der Sterne
diese Sehnsucht,
die dem Kommenden
entgegen eilt

auf frosthartem Wege
am Hacken die Zweifel
die ihm raten: Tritt ab und
leiste Verzicht –

gutes altes Jahr

zwischen Erde und Himmel
atmet so frisch der Wind
dorthin wispern die Gräser
daher rauschen die Tannen:

Wir spüren schon das Neue und
es bringt etwas
was aber kann das sein

I am looking for ward to…

ruft  vom kahlen Ast die Krähe
sie ist zurückgekehrt aus England

ja, ja sagt das alte Jahr
ich gehe

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Christian Rempel: Silber und Gold

Die Sprache der Metalle ist Silber und Gold der Stoffe ist Fließen und Fallen und reden sei Silber und schweigen sei Gold war es das, was die Sprache uns hat sagen gewollt? Und webet der Mond uns den Silberstrahl ins verlockende Dunkel der wirrhaarigen Nacht dann ist er, so scheint es, aus Stammeln gemacht aus Schwitzen und aus dem Gleichgewicht sein aus dem Fallen der Stoffe und fließendem Wein Und wie alles nächtens aus Häuten gemacht zerrieben die Zwiebel zu Tränen – sie lacht Da blitzet der Dolch mir vorm Herze so dicht sah ich doch das Blinzeln ihres Ringeleins nicht "Du bist meines Herzens Gebieterin erdolch mich für's Schweigen, für den tieferen Sinn" Sie gebietet mir: "Rede, dann verröchle im Schmutz Du bietest mir nicht mal im Bette Trutz" Und in meinem Busen ein Widerstreit der Weisheit zu dienen und so geh'n vor der Zeit: Reden ist Silber und schweigen bringt Tod ist es wirklich so strenge, das Schweigegebot? Ihr den Dolch zu entwinden, das wäre nicht schwer sich ihr zu entschlagen um einiges mehr Ich gebe den Weisen und kontempliere das im einen Fall ich wie im andern verliere schon bohrt sich der Dolch mir ins zaudernde Herz das brechende Auge wendet sich himmelwärts Von dorten tönt ein willkommnendes Raunen man redet auch droben, kein schweigendes Staunen und immer noch schweigend seh ich gerade noch ein das Loben des Schweigens kann nur Teilwahrheit sein Wenn zum Sprechen gefordert, ist es besser man spricht den Schweigenden droht ein gar greulich Gericht Das Problem war nur eben, mir fiel grad nichts ein es ward wie gelähmt mir mein Züngelein Dann Sterben ist rechtens, man klage nicht mein hab ich doch im Himmel ein Stelldichein Wenn alles im Leben sich löst so kommod dann ist nicht Entbehrung, nicht Schmerz und nicht Not Und wären mein Hauten ein einziges Schwären man stünde nicht an, mich doch zu belehren Das Schweigen ist Silber und Reden ist Gold und Geliebte sind nur den Redenden hold. C.R. 1.4.2013

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Die Sprache der Metalle ist Silber und Gold
der Stoffe ist Fließen und Fallen
und reden sei Silber und schweigen sei Gold
war es das, was die Sprache uns hat sagen gewollt?

Und webet der Mond uns den Silberstrahl
ins verlockende Dunkel der wirrhaarigen Nacht
dann ist er, so scheint es, aus Stammeln gemacht
aus Schwitzen und aus dem Gleichgewicht sein
aus dem Fallen der Stoffe und fließendem Wein

Und wie alles nächtens aus Häuten gemacht
zerrieben die Zwiebel zu Tränen – sie lacht
Da blitzet der Dolch mir vorm Herze so dicht
sah ich doch das Blinzeln ihres Ringeleins nicht

„Du bist meines Herzens Gebieterin
erdolch mich für’s Schweigen, für den tieferen Sinn“
Sie gebietet mir: „Rede, dann verröchle im Schmutz
Du bietest mir nicht mal im Bette Trutz“
Und in meinem Busen ein Widerstreit
der Weisheit zu dienen und so geh’n vor der Zeit:
Reden ist Silber und schweigen bringt Tod
ist es wirklich so strenge, das Schweigegebot?
Ihr den Dolch zu entwinden, das wäre nicht schwer
sich ihr zu entschlagen um einiges mehr
Ich gebe den Weisen und kontempliere
das im einen Fall ich wie im andern verliere
schon bohrt sich der Dolch mir ins zaudernde Herz
das brechende Auge wendet sich himmelwärts

Von dorten tönt ein willkommnendes Raunen
man redet auch droben, kein schweigendes Staunen
und immer noch schweigend seh ich gerade noch ein
das Loben des Schweigens kann nur Teilwahrheit sein
Wenn zum Sprechen gefordert, ist es besser man spricht
den Schweigenden droht ein gar greulich Gericht
Das Problem war nur eben, mir fiel grad nichts ein
es ward wie gelähmt mir mein Züngelein
Dann Sterben ist rechtens, man klage nicht mein
hab ich doch im Himmel ein Stelldichein
Wenn alles im Leben sich löst so kommod
dann ist nicht Entbehrung, nicht Schmerz und nicht Not
Und wären mein Hauten ein einziges Schwären
man stünde nicht an, mich doch zu belehren
Das Schweigen ist Silber und Reden ist Gold
und Geliebte sind nur den Redenden hold.

C.R. 1.4.2013

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Liane Fehler: Wintermorgen – Winter morning – aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015

. . . . . . . . . Wintermorgen Eisblau das Land von Dächern und Wipfeln schwebt weiß auf grauen Straßen glitzerndes Eis Backsteinrot verspricht Wärme im Haus auf dem Schnee sind Fährten ein Rätsel Bekomm es heraus Frühjahr.2010

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Chronik 2014: Seminare des Eitel Kunst e. V. im Jahr 2014

Für die Seminare im Jahr 2014 sind folgende Termine und Veranstaltungsorte vereinbart worden: Ein Frühjahrsseminar ist vom 28. bis 30. März 2014 geplant. Es soll wieder im Mehrgenerationenhaus am Fontaneplatz in Königs Wusterhausen stattfinden. Das Sommerseminar soll vom 29. bis zum 31. August 2014 auf dem Campingplatz "Bad Sonnenland" bei Moritzburg in bewährter Manier zelebriert werden. Liane Fehler Onlineredaktion

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Für die Seminare im Jahr 2014 sind folgende Termine und Veranstaltungsorte vereinbart worden:*

Ein Frühjahrsseminar ist vom 28. bis 30. März 2014 geplant. Es soll im  Mehrgenerationenhaus am Fontaneplatz in Königs Wusterhausen stattfinden. *
Das Sommerseminar soll vom 29. bis zum 31. August 2014 auf dem Campingplatz „Bad Sonnenland“ bei Moritzburg in bewährter Manier zelebriert werden.

Liane Fehler Onlineredaktion

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Lars Steger: Gelesen, gehört, gesehen, sogar kurz gesprochen. Siegrid Damm am 17.11.2012

Meine Liebsten hocken im Gras unter einem Olivenbaum. Sie malen. Ich darf ihnen vorlesen. Stundenlang. Egoistisch wähle ich Bücher, die ich selbst nicht kenne, bei deren Autoren ich aber sicher bin, zu wissen, wie sie ihre Sätze zusammenfügen, mich hineinfühlen kann und nur selten verlese. Hans Fallada, Christa Wolf, Sigrid Damm. Bücher, deren Inhalt mich angeht. Wie sehr, ahne ich noch nicht, als ich für unser Seminar als vorzustellenden Lieblingstext Sigrid Damms „Wohin mit mir“ auswähle. Das fiktives Tagebuch der Autorin eines gerade erfolgreichen Goethe-Buches, die für ein halbes Jahr ins „Casa di Goethe“ in Rom eingeladen wurde. Geschrieben zehn Jahre später. Selbst nach der Lesung, im Reden über das Buch und das eigene Schreiben, blieb Sigrid Damm konsequent: Wenn es um den Text ging, sprach sie von der Erzählerin.

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Foto von Lars Steger:"Vergänglichkeit"


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Meine Liebsten hocken im Gras unter einem Olivenbaum. Sie malen. Ich darf ihnen vorlesen. Stundenlang. Egoistisch wähle ich Bücher, die ich selbst nicht kenne, bei deren Autoren ich aber sicher bin, zu wissen, wie sie ihre Sätze zusammenfügen, mich hineinfühlen kann und nur selten verlese.

Hans Fallada, Christa Wolf, Sigrid Damm. Bücher, deren Inhalt mich angeht.

Wie sehr, ahne ich noch nicht, als ich für unser Seminar als vorzustellenden Lieblingstext Sigrid Damms

Wohin mit mir“ auswähle. Das fiktives Tagebuch der Autorin eines gerade erfolgreichen Goethe-Buches, die für ein halbes Jahr ins „Casa di Goethein Rom eingeladen wurde. Geschrieben zehn Jahre später.  Selbst nach der Lesung, im Reden über das Buch und das eigene Schreiben, blieb Sigrid Damm konsequent: Wenn es um den Text ging, sprach sie von der Erzählerin.

Die Frau eine Erscheinung. Klein. Sehr langer weißer locker geflochtener Zopf. Das Mauerwerk hinter ihr in einem warmen Licht. Dazu das Leselicht. Ihr Haar reflektierte das alles, erhellte die Umgebung ihres Kopfes. Jetzt weiss ich, wie die Idee von Heiligenscheinen entsteht. Als sie zu lesen begann – eine überraschend zarte, etwas brüchige Stimme. Ich hatte wohl Christa Wolfs ruhigen tiefen Ton erwartet.

Überraschend ihre Leseauswahl. Alles, was ich für das letzte Seminar im  MGH bei Thema Lieblingstext ursprünglich gern aus dem Buch vorgestellt hätte, war dabei. Wie alltägliche Erlebnisse und Begegnungen sich mit Erinnerungen und Er-lesenem vermischen. Goethe, Che Guevara, Ingeborg Bachmann und Caravaggio. Auch Anna Chiarloni wird diesmal übrigens benannt.*

Die gefühlte Nähe, die mir beim Lesen schon klar geworden war, wird noch deutlicher beim Sprechen über das Schreiben: Laufen müssen als Voraussetzung, weite offene Landschaft, das Gewicht der alltäglichen Dinge, die Verstrickung der kleinen und großen Geschichte – am Ende beim Signieren, als wir über den Rhythmus beim Schreiben sprachen, wies sie mich noch auf Fühmann hin. Das Ungarn-Tagebuch. Natürlich, wie konnte ich das vergessen!

Ich musste dann erst mal flüchten vor der Unruhe der Kolleginnen und deren Enttäuschung, dass so wenig von Rom die Rede war. Dabei war auch das doch Thema: die Stadt, die sie suchte, Goethes Flucht-Ort, nicht gefunden zu haben, mit Anderem, dem zurückliegenden Erlebnis Lapplands, den Söhnen und Enkeln, beschäftigt zu sein. Sich ihr Rom zehn Jahre später erarbeiten zu müssen, zu wollen.

Am liebsten hätte ich einen langen Nachtspaziergang gemacht. Na ja, Autobahn im Nebel hatte auch was. Nur innehalten kann man dabei nicht. Worte wälzend. So hole ich das nach.

* A.C. schrieb das Vorwort zu „zwischen den zeiten“, der Anthologie des E.K.e.V. (Peter Segler Verl., 2003), und übersetzte ein Gedicht von mir; sie wurde in S. Damms „Diese Einsamkeit ohne Überfluss“ (Insel Verl., 1995), einem Schottland-Tagebuch, nur anonym als Germanistin aus Turin benannt.

Lars Steger – Foto:”Vergänglichkeit”

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smt: Schattenengel – Der Beginn

Da stehst Du nun vor mir ganz still, hübsche Augen, so groß und weit. Schreck im Gesicht und Mitgefühl. Ich hauch´ Dir zu: Es tut mir leid, dass ich Dir vor die Füße fiel. Um Dich herum die Zeit verfließt, doch Du bist salzsäulenstarr. Dein tränenfeuchter Blick ergießt

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Foto:quarknet.

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Da stehst Du nun vor mir ganz still,
hübsche Augen, so groß und weit.
Schreck im Gesicht und Mitgefühl.
Ich hauch´ Dir zu: Es tut mir leid,
dass ich Dir vor die Füße fiel.

Um Dich herum die Zeit verfließt,
doch Du bist salzsäulenstarr.
Dein tränenfeuchter Blick ergießt
sich auf das, was einst Leben war
und vor Dir sein Dasein beschließt.

Ich weiß, es war ein Zufall nur,
keiner hörte den stillen Schrei.
Dennoch will ich glauben stur,
Du kamst allein für mich vorbei
Und folgtest meiner Seelenspur.

Du bist so unschuldig und rein,
wie Du vor Leben quillst,
hüll´ Dich mit meinem Geiste ein,
grad als Du gehen willst,
will nun Dein Schattenengel sein.

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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