Categotry Archives: * Collage und Montage

0

Liane Fehler: Blechdosen und Freundeskreis oder Ein Liebesbrief an die UnDichter (2012)

Blechdosen und Freundeskreis oder Ein Liebesbrief an die UnDichter Blechdosen noch vergraben zu Zeiten der DDR. Jetzt wurden sie geborgen. Halten diese „Artefakte“ vielleicht Geschichten bereit? Wir sitzen im Kreis und erinnern uns. „Ja dieser Brathering, der war gut. Den hat mein Opa gern mit mir gegessen. Was hat es auf sich mit diesen Blechdosen? Eine „dolle“ Story.“ „Gerhard hat uns mal wieder was serviert!!! Können Blechdosen ein Schreibanlass sein?“ ▶ Hinweis: Um den Links folgen zu können bitte in die Artikelüberschrift oder das Wort weiterlesen klicken. Hier in der Vorschau erscheint der Text immer ohne Links.

by

*

Die Bild-Text-Collage „Büchsen“ fertigte Gerhard Jaeger. Sie diente als Schreibanlass für eine spielerische Schreib-Übung im Sommerseminar 2012.


Blechdosen und Freundeskreis oder Ein Liebesbrief an die UnDichter

Blechdosen noch vergraben zu Zeiten der DDR. Jetzt wurden sie geborgen. Halten diese „Artefakte“ vielleicht Geschichten bereit? Wir sitzen im Kreis und erinnern uns. „Ja dieser Brathering, der war gut. Den hat mein Opa gern mit mir gegessen. Was hat es auf sich mit diesen Blechdosen? Eine „dolle“ Story.“ „Gerhard hat uns mal wieder was serviert!!! Können Blechdosen ein Schreibanlass sein?“

 Wir reden, wir lachen, erinnern uns und schon ist der „Geist“ da, den wir so lieben. Vertrautheit, Verstehen – gemeinsame Worte. UnDichter-Kreis auf einer Reise ins Gestern, ins Heute, ins Morgen. Nebenbei verhandeln wir: „Gott und die Welt“, „Liebe und Tod“ und alles dazwischen. Die Sorgen von heute, werden neben die Tasse Kaffee oder die Flasche Bier gelegt.

Könnte man den „Spirit“, der über unserer Dichterrunde liegt, doch auch in Konservendosen haltbar machen, für „schlechte Zeiten“ und sie dann bei Bedarf, als „Lebensmittel“, als „Medizin“ oder als „Talisman“ „bei sich“ haben.

Wenn man des spitzbübischen Lächelns Gerhards bedarf, welches unscheinbar aufleuchtet, nachdem er etwas, vom Extrakt der Wahrheit, in Worte gießen konnte. Wenn er uns kleine Portionen davon, auf den Tisch legt. Es scheint, als weiß er genau, wie viel wir gerade vertragen. Ziemlich hoffnungsvoll schaut er dabei uns „Jüngeren“ zu, wie wir daran „kauen“. An den Geschmack werden wir uns vielleicht erinnern, wenn wir es nötig brauchen. Danke Gerhard!
Ein Stück Wahrheit ist noch übrig. Ich würze es, mit dem Lachen in Deinen Augen, das durchhuscht, wenn Du merkst, dass wir etwas kapiert haben. Das wecke ich auch ein. Ich schreibe auf das Ding „Wegweiser- hilfreich“ das finde ich wieder.

Ich packe das Lachen aus unserer Runde, in eine schöne Dose. Bevor sie ganz zu ist, höre ich noch das herzhafte Kullern, in der Stimme, das Glucksen, die gepressten Laute, die sich stoßweise Bahn brechen, um sich dann doch in einem Schwall zu entladen und auch das Heitere aus vollem Hals – alles rein damit. Es kichert noch im Inneren.
In die nächste Dose kommt ein schillerndes Wort. Es funkelt. Es klingt edel. Ich sage es genüsslich. Wir werfen es uns zu. Das leuchtet sogar, in der Luft, wenn wir es uns zu spielen. Und? Wer hat es aus der Tasche geholt? Hat Lars geahnt, welche Freude er uns damit macht? Mit dem „Majestatis Pluralis“ – ein Hauch von „Adel“ liegt in der Luft. Wir meinen…, „Wir denken“… HiHi!
J
Wir spielen ja gern mit Worten… Christian geht ein bisschen in Deckung. „Ist das eine Fangfrage?“ Er kennt sie schon gut. „Was soll das sein? Aufsatz, Kommentar , Essay?“ Erst mal den Ball schnell zurück werfen. “Aufsatz!!!!“ sagt er schnell. „Puh!“ Raus aus seinem Feld. Jetzt sind die Anderen (Wir) erst einmal beschäftigt, für ein paar Minuten. In der Zwischenzeit nimmt er ein paar leere Dosen und bugsiert diese Begriffe schnell hinein. „Kolumne, Adaption, Aufsatz…“ das geht so schnell, ich sehe gar nicht alle. In eine kleine Dose stopft er die Frage hinein „Für wen schreibst Du eigentlich?“ ordentlich verschließen. „Die wird wohl ganz unten vergraben.“ denke ich. Darauf kann er gut eine Weile verzichten.

Ich sehe schon aus den Augenwinkeln, wie es, fast unbemerkt von mir, passiert: „Lianes“ „Hades“ und „Tartaros mitsamt dem Blitzbündel vom Zeus“ und dem „Seelenkorn“ kommen in die große Dose. Es passt fast die ganze Diskussion, über die griechische Mythologie, mit hinein. Da ist ja noch was übrig: der Phönix mitsamt seiner Asche und der Medusenkopf. Besser wir verteilen das mal auf mehrere kleine Portionen, das muss man „wohldosiert“ zu sich nehmen.“ „Ok Leute…“
Eine Dose bekommt das Etikett: „weißt Du noch? „ Mann“ da muss was rein. Also eine Dose reicht dafür gar nicht. Wir sind uns einig! Schon schreibt man „Blankensee“, da ruft einer „Gründungsveranstaltung“, ich höre: „Anthologie“ auch „Homepage o Jeh!“ das auf zu zählen wird ein Roman.
Andreas teilt einen Text und gibt jedem von uns ein Stück von dieser Sprachgewalt, aus denen noch die Verzweiflung und Einsamkeit tropfen. So teilen wir dies und geteilte Einsamkeit, wärmt doch schon wieder ein bisschen die Seele. Ein paar winzige Portionen dieses Gefühls konservieren wir gemeinsam.
Annett versorgt uns alle mit Weltliteratur und mit liebevollen Worten, davon hätte ich so gern 1000 Dosen auf Vorrat. Aber jeder will ja etwas haben…
Kleine Warnhinweise werden geschrieben, kommen unter anderem auch auf die Dose, mit Franks Gedichten. „Achtung möglicherweise Zynismus, Sarkasmus oder ähnliches enthalten“ ich denke: „ dann halt „Genuss auf eigenes Risiko“. Da steht schon ein Sack “Manipulation“. Wir werden uns nicht ganz einig, welche Sachen wir da rein werfen wollen. “Vielleicht, weißt uns der gesattelte Frosch den Weg, der gerade von dannen hüpft? Glück gehabt Du bist offenbar entkommen? Oder hat etwa jemand deine Schenkel für eine Delikatesse gehalten?
Stephan, der auch zu dem „Dresdner-Trio“ gehörte, welches uns dieses Treffen so genial vorbereitet hat, schleppte sich trotz Krankheit und Erschöpfung zu uns. Von seinem Beitrag in der abendlichen Runde, konnte das poetische Wort „Ballerina“ geraume Zeit über dem Gesprächskreis ihre Pirouetten drehen. Ich habe es nicht übers Herz gebracht, sie wieder in eine Dose, auch nicht in eine Spieldose zu verbannen, sondern sie laufen lassen. So dass sie keinen mehr braucht, der noch mal den Schlüssel rum dreht. Sie hinterließ einen Zettel, ihr war es fad zu warten, ob sich der Schlüssel nun nochmal dreht…. Ich glaube, die geht jetzt anderen Abenteuern entgegen, lässt sich aber sicher gern weiter be-dichten und besingen.:)Also eine Spieldose ohne „Ballerina“ und ein Entschuldigungszettel in die Konserve.
Olaf in seiner freundlichen, wohlwollenden Art, würdigte, lobte das Gelungene ganz fachkundig und persönlich, das gehört auch in die Vorratsdose für „schlechte Zeiten“!
Ehrlich gemeinte Anerkennung, da darf es ruhig etwas mehr sein, soll ja für Alle reichen. Also Freunde, viele kleine Dosen gefüllt; hier ist für „Jeden“ ein gutes Wort.
Gunda Schrock sprang in die Bresche und bereitete für uns alle einen großen Topf Suppe. Kam mit Suppe, Gastfreundlichkeit und mit einem Blumenstrauß zu den UnDichtern. Solche herzlichen Menschen brauchen wir alle; wie das Salz in der Suppe. Also kommen ein paar Blütenblätter und eine große Scheibe Gastfreundschaft in mehrere Konserven. Ein großes Dankeschön, in eine Dose für Gunda!
„Schulli“ und Ilona haben uns den bitteren Geschmack der Ungerechtigkeiten, die täglich in unserem Land passieren, auch in unsere Mitternachtssuppe gerührt. Richtig so! Es gibt nicht nur „Süßes“, zu wissen, was bitter ist und wer am besten die Suppe auslöffeln sollte, wenn es mit rechten Dingen zugeht. Das kommt auch zu den anderen wertvollen Dingen. Haltbar gemacht. Stante pede!
Sibyll hat eine Dose für jeden vorbereitet. Da ist glänzender kalter Stein, atmendes Holz, Lehm und Ton, „aber Vorsicht mit dem Feuer“ würde ich dazu schreiben…J
Wenn ich in den Himmel komme, nehme ich die Doseninhalte mit, auf diesen Schatz, möchte auf keinen Fall verzichten! 😉

Liane

0

Peggy Salaw: Collage 5 – Text: Sylvia Woodhouse

Die Türe zu, Bengel! Dat Hoftor ran! Dat Opa schlafen kann. De Pforte jeschlossen! Den Rejenschirm rin! Opa muss penn!

by


*

*
Die Türe zu, Bengel!

Dat Hoftor ran!
Dat Opa schlafen kann.

De Pforte jeschlossen!
Den Rejenschirm rin!
Opa muss penn!

Mach dichte die Bretter
Hau’n Nagel rein!
Is jut, Opa!
Schlaf widder ein!

0

Peggy Salaw: Collage 1 mit einem Text von Sylvia Woodhouse

Na? Kleene Krabbe Kommste mit? Een kleenet Stück Ins Stoffelglück?

by

Na?

Kleene Krabbe

Kommste mit?

Een kleenet Stück

Ins Stoffelglück?

0

Sylvia Woodhouse zur Collage 4 von Helga Gerasch

Kinder et is anjericht’ heut jibts Kiesel uff de Sprossen

by

**
*

*
*
*
*

*
*
*
*

Kinder et is anjericht’
heut jibts Kiesel
uff de Sprossen

1

Jenny Dlugaiczyk: Collage 3

Inspiriert von der Collage? Dichtet Euren eigenen Text dazu! Die interessantesten Vorschläge werden hier veröffentlicht. Collage: Jenny Dlugaiczyk

by


*

*

*
*
Inspiriert von der Collage?
Dichtet Euren eigenen Text dazu!
Die interessantesten Vorschläge
werden hier veröffentlicht.

0

Sylvia Woodhouse zur Collage 2 von Helga Gerasch

Grüne Bohnen Blaue Eier Serviert im Kieferholzkelch Wer möchte da nicht Zugreifen?

by

*
*

*
Grüne Bohnen
Blaue Eier
Serviert im Kieferholzkelch

Wer möchte da nicht
Zugreifen?

0

Lars Steger: Collage und Montage

Autor: Lars Steger Die Literatur“; wird hier erklärt mit: „[[…] französisch „das Leimen, das Ankleben"]: aus der bildenden Kunst in den Bereich der modernen Literatur übertragene Bezeichnung 1. für die Technik der zitierenden Kombination von meist nicht zusammengehörigem vorgefertigtem sprachlichem Material; 2. für die derart entstandenen literarischen Produkte. Es werden fremde Text-Materialen für ein eigenes Ganzes genutzt – mit, gegen oder zumindest abweichend von Intentionen des Ausgangsmaterials.

by

*

Die Literatur“; wird hier erklärt mit: „[[…] französisch „das Leimen, das Ankleben“]: aus der bildenden Kunst in den Bereich der modernen Literatur übertragene Bezeichnung 1. für die Technik der zitierenden Kombination von meist nicht zusammengehörigem vorgefertigtem sprachlichem Material; 2. für die derart entstandenen literarischen Produkte.

Es werden fremde Text-Materialen für ein eigenes Ganzes genutzt – mit, gegen oder zumindest abweichend von Intentionen des Ausgangsmaterials. Eine Gattungsänderung ist hier nicht nötig. Die Beschneidung, Erweiterung, Neuordnung, Umdeutung des Materials dagegen geradezu Konzept.
Exkurs I: Wenn dabei der Anspruch besteht einen Dialog mit dem Ursprungsmaterial einzugehen, dieser also in gewisser Weise Thema des Textes ist, scheint es mit nur umso wichtiger, dass dessen Material, soweit es im Text selbst sichtbar ist, als Vorlage erkennbar wird.

Exkurs II: Lange habe ich allerdings mit dem Beispiel Georg Büchner gerungen: Der hat seine Vorlagen auch nicht kenntlich gemacht, scheinbar schamlos abgeschrieben – beim „Lenz“ und „Dantons Tod“, bis mir aufging: Das sind nun wirklich Adaptionen – aus (Wissenschaftlichem) Tagebuch bzw. Rede-Protokollen wird literarische Fiktion.
Der Begriff „Montage“, aus der Filmtechnik übertragen auf die Literatur, bezeichnet die bewusste Zusammenfügung von sprachlich, stilistisch und auch inhaltlich unterschiedlichen Textteilen. Die Funktionen der Montage sind vielfältig: die Spannbreite reicht von der Erzielung vordergründiger Überraschungseffekte über die ästhetische Provokation (z. B. im Dadaismus) bis zum Versuch in Romanen, die verschiedenen Bereiche und Ebenen der Wirklichkeit unter sich durchsichtig und durchlässig zu machen. Die Montagetechnik findet sich in allen Gattungen der modernen Literatur, in der Lyrik (G. Benn, H. M. Enzensberger), in der Erzählprosa (A. Döblin, „Berlin Alex¬anderplatz“, Roman, 1929), im Drama (P. Weiss, „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats …“, 1964) und im Hörspiel.
Betrachtet man sich unter diesem Blick die letzten GeWa und die Angebote im Sommer-Seminar, finden sich bereits einige Beispiele für Collage bzw. Montage. Christians Texte bieten da sehr verschiedene Umgangsweisen mit den Original-Texten: Zur Essenz verknappend, Gegenentwürfe anbietend, den eigenen Text aus (mehr oder weniger vielen) Motiven entwickelnd. Lianes Vorworte fallen mir ein. Collage pur. Aber es muss auch nicht immer zitiert werden: Mein „Stillleben“ im GeWa 112 würde ich ebenfalls als Collage ansehen. Weil hier verschiedene Wirklichkeitsbereiche gegeneinander gesetzt werden. Das soll dem Leser sehr wohl bewusst werden. Fremdmaterial ist für beide Begriffe nicht Grundvoraussetzung. Eisensteins Bilder entstanden ja auch alle unter seiner Regie für den jeweiligen Film.
In der Montage dagegen scheint mir die Einheit des Gesamten, der unauffällige Übergang der Einzelteile stärker. Nichtsdestotrotz bleiben fließende Übergänge, die aber schon interessant sind, wenn es um die Wirkungsstrategie des Werkes geht.

Beide Begriffe lösen für mich auch z.gr.T. unseren Streit um die Adaption. Viele der unter dieser Aufschrift verpackten Texte können nämlich sehr wohl als Montage oder Collage gelten. Es werden fremde Text-Materialen für ein eigenes Ganzes genutzt – mit, gegen oder zumindest abweichend von Intentionen des Ausgangsmaterials. Eine Gattungsänderung ist hier nicht nötig. Die Beschneidung, Erweiterung, Neuordnung, Umdeutung des Materials dagegen geradezu Konzept.

Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers: