Categotry Archives: Lyrik von Andreas Schrock

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Andreas Schrock: Der Rest der Revolution

Der Rest der Revolution Wir wimmern, statt zu schrein. Wir zärteln und scheuen den Kuss. Die Revoluzze im Bett, verhandeln wir wer oben und wer unten liegen muss.

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Wir wimmern, statt zu schrein.
Wir zärteln und scheuen den Kuss.

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Die Revoluzze im Bett, verhandeln wir
wer oben und wer unten liegen muss.

 

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Andreas Schrock: Depression

ich fliege von blüte zu blüte, und blüte zu blüte, gleich mit beginn der zeit, im frühling, wenns blüht und glüht, die sonne, die wonne dann flieg ich, bis zum herbst, ...

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ich fliege
von blüte zu blüte,
und blüte zu blüte, gleich
mit beginn der zeit,
im frühling, wenns blüht
und glüht, die sonne,
die wonne

dann flieg ich,
bis zum herbst, da sterbst,
im Blute, ich gute,
nehm nur die gute zeit, bereit

nicht im dunkeln, nein,
da nicht, ich kann nur
als licht

das herzeleid,
in herbstezeit
ertrag ich nicht

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Andreas Schrock: Ballade des Mannes im Dorfkrug zu Briesen

Die Mütz’ lass ich uff’m Kopp Warum och, ich mach hier nur Rast Dat Bier, dat schmeckt schon längst nicht mehr Ich weeeß, ich bin ein fremder Gast Dat Mädchen drüben sitzt so allein Wie meine Elli, auf der Bank vor’m Haus Die ich heimlich jeliebt, der ich allet jemacht Immer jedacht, wie kommt man aus’m denken raus Herbst war’s,kühl, auf der Bank Als Elli allein ein Schnäpschen trank Die Bluse so dünn, die Brüste so fest Die Blicke so groß, wie macht man das bloß Den Moment hab ich verpasst Allet jespürt und nischt erfasst Herbst ist wenn große Taten auf mich warten Immer dann bloß warten, warten warten Jetzt steht dat bier vor mir, mags nich mehr sehn Die Plürre,dat Mädchen, man sollte gehen Nächstens mal nüchtern, könnt ja Schüchtern lächeln zu ihr Ins Jesichte schaun, den Blick nich verbau’n Mit Busen und Brust, mit vdieser janzen Lust Ins Jesichte schaun, den Blick nich verbau’n mit dieser janzen Lust Es gibt eine Liedfassung von Gerhard Jaeger die aufgrund dieser Textvorlage von A. Schrock entstanden ist. Dabei wurde der Text nur minimal verändert. Das Lied hat den gleichen Titel wie dieses Gedicht: "Ballade des Mannes".

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Die Mütz’ lass ich uff’m Kopp
Warum och, ich mach hier nur Rast
Dat Bier, dat schmeckt schon längst nicht mehr
Ich weeeß, ich bin ein fremder Gast

Dat Mädchen  drüben sitzt so allein
Wie meine Elli, auf der Bank vor’m Haus
Die ich heimlich jeliebt, der ich allet jemacht
Immer jedacht, wie kommt man aus’m denken raus

Herbst war’s,kühl, auf der Bank
Als Elli allein ein Schnäpschen trank
Die Bluse so dünn, die Brüste so fest
Die Blicke so groß, wie macht man das bloß

Den Moment hab ich verpasst
Allet jespürt und nischt erfasst
Herbst ist wenn große Taten auf mich warten
Immer dann bloß warten, warten warten

Jetzt steht dat bier vor mir, mags nich mehr sehn
Die Plürre,dat Mädchen, man sollte gehen
Nächstens mal nüchtern, könnt ja
Schüchtern lächeln zu ihr

Ins Jesichte schaun, den Blick nich verbau’n
Mit Busen und Brust, mit vdieser janzen Lust
Ins Jesichte schaun, den Blick nich verbau’n
mit dieser janzen Lust

Es gibt eine Liedfassung von Gerhard Jaeger die aufgrund dieser Textvorlage von A. Schrock entstanden ist. Dabei wurde der Text nur minimal verändert.
Das Lied hat den gleichen Titel wie dieses Gedicht: „Ballade des Mannes“.

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Andreas Schrock – Haiku: worte wehen leis`

worte wehen leis` vom blatt wie segelflieger im sommerabend

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worte wehen leis`*
vom blatt wie segelflieger*
im sommerabend

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für maria, Gedankenwasser 114
andreas schrock

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Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015 – Andreas Schrock: satt liegt der abend

satt liegt der abend so in der hängematte zwischen dir und mir

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Andreas S.: klassentreffen

was wäre denn, als idee nur, beim tuscheln in der bank, was wäre denn, wenn wir zusammenhielten nach fünfundzwanzig jahren, wenn wir beschützten einander, wenn mein lächeln dir gälte, als kameradin, sagt man nicht mehr, als schwester vielleicht, oder freundin auf zeit was wäre denn, wenn wir wüssten, wie erwachsene und glaubten, wie kinder, wenn wir uns führten und berührten, uns erzählten und erwählten im flaschendrehn, brächte ich dich bis zur haustür, bis morgen, dann fingen wir neu an.

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was wäre denn, als idee nur,
beim tuscheln in der bank,
was wäre denn, wenn
wir zusammenhielten nach
fünfundzwanzig jahren, wenn
wir beschützten einander, wenn
mein lächeln dir gälte, als
kameradin, sagt man nicht mehr,
als schwester vielleicht,
oder freundin auf zeit
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was wäre denn, wenn
wir wüssten, wie erwachsene
und glaubten, wie kinder, wenn
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wir uns führten und berührten,
uns erzählten und erwählten
im flaschendrehn,
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brächte ich dich
bis zur haustür,
bis morgen, dann
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fingen wir neu an.

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Andreas Schrock: frühling in dresden

frühling in dresden wenn der schnee schmilzt steigt der elbpegel, aber das hat eigentlich noch nie einen interessiert. in den kellergewölben tanzen wir bis das licht ausfällt. das frühstück mit dir ist wie`s abendbrot. du bist hellwach, immergleich, deine hände brötchenwarm. es regnet lindenblüten, aber es ist ohne bedeutung. ich lauf durch die straßen und bin immer schon da. komm, wir feiern abschied. trinken sekt, hören kurzwelle und knoten ein taschentuch an die antenne.

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wenn der schnee schmilzt
steigt der elbpegel, aber das
hat eigentlich noch nie
einen interessiert.

in den kellergewölben
tanzen wir bis
das licht ausfällt.

das frühstück mit dir
ist wie`s abendbrot. du
bist hellwach, immergleich,
deine hände brötchenwarm.

es regnet lindenblüten,
aber es ist ohne bedeutung.
ich lauf durch die straßen
und bin immer schon da.

komm, wir feiern abschied.
trinken sekt, hören kurzwelle
und knoten ein taschentuch
an die antenne.

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Andreas Schrock: dorfstraße nachts

das dach hängt schief im gemäuer ein hund springt mich an meine seele ist dran flacher wind treibt tränen ins gesicht fernlicht blendet der fahrer hält auf mich zu ich spür meinen atem rasseln ein betrunkener radelt die straße hinab brummt sorglos: heim, nur heim tür zu hund raus blinder fleck

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das dach hängt
schief im gemäuer
ein hund springt mich an
meine seele ist dran

flacher wind treibt
tränen ins gesicht
fernlicht blendet
der fahrer hält
auf mich zu
ich spür meinen atem
rasseln

ein betrunkener radelt
die straße hinab
brummt sorglos:
heim, nur heim
tür zu hund raus
blinder fleck

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Andreas Schrock: hafengelände, mitternacht

zwei mädchen warteten auf den steuermann der aber wußte nicht, daß er steuern kann ein andrer kam und bot sich an sie schickten ihn fort, den falschen mann die mädchen warteten, froren und summten das lied vom steuermann dem lumpen der steuermann betrank sich der andre mann erhang sich die mädchen gingen langsam heim: der morgige tag würde schöner sein

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zwei mädchen warteten auf den steuermann
der aber wußte nicht, daß er steuern kann

ein andrer kam und bot sich an
sie schickten ihn fort, den falschen mann

die mädchen warteten, froren und summten
das lied vom steuermann dem lumpen

der steuermann betrank sich
der andre mann erhang sich

die mädchen gingen langsam heim:
der morgige tag würde schöner sein

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(Veröffentlicht in : “Zwischen den Zeiten 1990-2000″ (Anth.); hrsg. von Eitel Kunst e.V., Peter-Segler-Verlag, 2003, 2. Aufl., ISBN 978-3-931445-07-2)

 

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Andreas Schrock: Die Lücke

Ach, wissen Sie, das Mikrofon ist aus, nicht wahr? Ich hab es mit den Nazis, nur ein bißchen. So ein bißchen war ich, Mädchen, im BDM, Sie Feingeist. Ach, wissen Sie, mein Mann, starb einen schönen Tod, `nen schnellen, nach dem Frühstück,

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Ach, wissen Sie, das Mikrofon
ist aus, nicht wahr? Ich hab es mit
den Nazis, nur ein bißchen.
So ein bißchen war ich, Mädchen,
im BDM, Sie Feingeist.

Ach, wissen Sie, mein Mann,
starb einen schönen Tod,
`nen schnellen, nach dem Frühstück,
auf der Bank, vorm Haus.

Und so aktiv noch bin ich,
mit achtzig. Aber schnell
muß es gehen. Schnell
und schön: der Tod, das Leben.
Und keine Lücke, bitte!

Ach, wissen Sie, die Lücke
ist ja nicht totzukriegen
im Leben, unsereins
hat immer was zu stopfen,
wie’n Zahnarzt, so am Stuhl.

Ach, Sie! Ich fall’ nicht aus der Welt,
nicht in den Sack,
nicht in den Pfuhl.

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*** Aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015 – Andreas Schrock: Busbahnhof Sewastopol

Wie ein Greifvogel fällt die Dämmerung in die awtozanzija, über Männer mit leeren Kartoffelsäcken, über Mädchen mit Handtaschen, über das Kind. Da hinein fällt die Dämmerung, fällt das Licht des Linienbusses, spärlich, ins Donezkbecken fährt er, gut tausend Kilometer, budjet, budjet. Auf den letzten Plätzen sitzen wir, dein Gesicht, deine großen Augen gegen den dunklen Himmel. Nach Jalta oder weiter nach Donezk fliegen unsere Gedanken dem Busfahrer voraus.Die deschurnaja ist jung, eine djewotschka, die durchzählt mit klarem Blick. Voraus fliegen unsere Wünsche, ein Bus voll Erwartung, schweigend, schaukelt die Küstenstraße, Kurve um Kurve am Mittelstreifen entlang. Der Mond scheint wie eine halbierte Melone, hängt unwirklich, ungelenk, nichts voreilige festlegend, purzeln die Worte, geht die Fahrt ins offene Land.

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Wie ein Greifvogel fällt die Dämmerung
in die awtozanzija, über Männer mit
leeren Kartoffelsäcken, über Mädchen
mit Handtaschen, über das Kind.

Da hinein fällt die Dämmerung, fällt das Licht
des Linienbusses, spärlich, ins Donezkbecken
fährt er, gut tausend Kilometer, budjet, budjet.

Auf den letzten Plätzen sitzen wir,
dein Gesicht, deine großen Augen
gegen den dunklen Himmel. Nach
Jalta oder weiter nach Donezk
fliegen unsere Gedanken dem
Busfahrer voraus.Die deschurnaja
ist jung, eine djewotschka, die
durchzählt mit klarem Blick.

Voraus fliegen unsere Wünsche, ein Bus
voll Erwartung, schweigend, schaukelt
die Küstenstraße, Kurve um Kurve
am Mittelstreifen entlang.

Der Mond scheint wie eine
halbierte Melone, hängt
unwirklich, ungelenk, nichts
voreilige festlegend,
purzeln die Worte,

geht die Fahrt ins
offene Land.

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Andreas Schrock: judas, ich, am morgen

wenn wir die straße verlassen das dorf, die gärten, häuser hinter uns der kirchturm, das frühläuten über der wiese, dem bach wenn du mir folgst bedingungslos und ich dir oder meiner idee von dir ohne zu fragen ohne zu sagen wie rauschhaft ich deinen blick spüre, von der seite, dann sind wir täter, endlich und verräter an der nacht und ihren bitten krieger und sieger wir fragen später

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wenn wir die straße verlassen
das dorf, die gärten, häuser
hinter uns der kirchturm,
das frühläuten über
der wiese, dem bach

wenn du mir folgst
bedingungslos
und ich dir oder
meiner idee von dir

ohne zu fragen
ohne zu sagen

wie rauschhaft ich
deinen blick spüre,
von der seite, dann

sind wir täter, endlich
und verräter
an der nacht
und ihren bitten

krieger und sieger wir

fragen
später

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