Monthly Archives: September 2013

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smt: Am Ende

Ich geh´ im Wald so für mich hin, hab´ die Rückkehr nicht im Sinn. Ich geh´ den Pfad so vor mich her, den Kopf umwölkt – gedankenschwer. Ich kann den Weg vor Schnee kaum seh´n, doch treibt´s mich weiter, bleib´ nicht steh´n. Ich seh´ eine Lichtung – einsam und kalt und weiß, der Weg ist zu Ende bald. Ich sinke dahin zur letzten Ruh´, der frische Schnee deckt alles zu. (Dez. 2010) Ich geh´ im Wald so für mich hin, hab´ die Rückkehr nicht im Sinn. Ich geh´ den Pfad so vor mich her, den Kopf umwölkt – gedankenschwer. Ich kann den Weg vor Schnee kaum seh´n, doch treibt´s mich weiter, bleib´ nicht steh´n. Ich seh´ eine Lichtung – einsam und kalt und weiß, der Weg ist zu Ende bald. Ich sinke dahin zur letzten Ruh´, der frische Schnee deckt alles zu. (Dez. 2010)

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Ich geh´ im Wald so für mich hin,
hab´ die Rückkehr nicht im Sinn.
Ich geh´ den Pfad so vor mich her,
den Kopf umwölkt – gedankenschwer.
Ich kann den Weg vor Schnee kaum seh´n,
doch treibt´s mich weiter, bleib´ nicht steh´n.
Ich seh´ eine Lichtung – einsam und kalt
und weiß, der Weg ist zu Ende bald.
Ich sinke dahin zur letzten Ruh´,
der frische Schnee deckt alles zu.

(Dez. 2010)

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Frank Siegert: Betrachtungen an der Straßenampel

Wenn ich mit dem Fahrrad an der Straßenampel warte, könnte ich vor Ungeduld explodieren. Wann leuchtet endlich dieses blöde grüne Licht auf. Böse Dämonen haben sich gegen mich verschworen. Sie wollen mich nicht fahren lassen. Ans andere Ufer. Die Zeit dehnt sich ins Unendliche. Fühle mich wie ein Dampfkessel ohne Sicherheitsventil. Dann endlich, Grün leuchtet auf, Glücksgefühle flammen in mir auf. Ich trete in die Pedale und bin drüben.

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Wenn ich mit dem Fahrrad an der Straßenampel warte, könnte ich vor Ungeduld explodieren. Wann leuchtet endlich dieses blöde grüne Licht auf. Böse Dämonen haben sich gegen mich verschworen. Sie wollen mich nicht fahren lassen. Ans andere Ufer. Die Zeit dehnt sich ins Unendliche. Fühle mich wie ein Dampfkessel ohne Sicherheitsventil. Dann endlich, Grün leuchtet auf, Glücksgefühle flammen in mir auf. Ich trete in die Pedale und bin drüben.

Wenn ich mit dem Fahrrad an der Straßenampel warte, muss ich stehenbleiben. Stopp. Um mich herum rauscht der Verkehr. Die Autos schießen schnell an mir vorüber. Wohin fahren die Menschen alle. In den Urlaub? . Zum Finanzamt? Zur Geliebten? Eine unsichtbare Macht zwingt mich zum Anhalten. Jetzt bin ich hier. Muss in meinen Tagesablauf innehalten. Schaue an der Häuserwand hoch. Lasse meine Blicke umherschweifen. Dort an der Wand ein offenes Fenster, mit wehenden Gardinen, die nach draußen hängen. Ich will aber weiter. Weiter, schneller, schneller. Endlich das grüne Licht. Die Erlösung von meinen Leiden. Ich kann weiter.

Wenn ich mit dem Fahrrad an der Straßenampel warte, sehe ich die Leute neben mir. Wie sie in die Umgebung blicken. Manche mit Gesichtern, die das Leben gezeichnet hat. Tief gefangen in ihrem eigenen Dasein. Kein Lächeln, das den Tag erhellt und Mut macht. Befinden sie sich in einem Gefängnis. Kann das Aufleuchten von Grün das Gehen in die Freiheit für sie bedeuten. Nein, es ist nur eine normale Straßenüberquerung

Wenn ich mit dem Fahrrad an der Straßenampel warte, hoffe ich ungeduldig auf das Erscheinen des grünen Lichtes. Warum will ich, dass es aufleuchtet. Erwarte ich einen Lottogewinn? Eine Superbraut? Oder willst du einfach dein kleines beschauliches Leben weiter leben und auf die andere Straßenseite fahren.

Wenn ich mit dem Fahrrad an der Straßenampel warte,  Die Autos rauschen mit ihren stur nach vorne blickenden Insassen an mir vorbei. Der Verkehr dröhnt in meinen Ohren. Bereitet mir Schmerzen. Ich will doch nur weiter. Der Regen durchnässt mich. Mich friert. Jetzt mit einem Bacardi Rum in der Hand, auf einem Stuhl sitzen. Samba Musik im Ohr. Die rötliche Sonne im Untergehen genießen. Den lauwarmen Abendwind sanft um die Beine wehen lassen. Und von einer fremden Hand am Unterarm berührt werden.

Wenn ich mit dem Fahrrad an der Straßenampel warte. Wie als Kind das Hoffen auf Weihnachten. Aus Langeweile betrachte ich die Menschen auf der anderen Straßenseite. Bemerke, sie sind da, wo du hinwillst. Das ist nur ein Zwischenstopp. Eine kurze Episode an diesem Tag. So oft schon erlebt. Bald vergessen. Gelöscht. Doch dort im Rinnstein ein Fünfzig-Cent-Stück. Und schon ein Geschenk des Tages entdeckt.

Wenn ich mit dem Fahrrad an der Straßenampel warte, sitze ich fest wie auf einem Wartestuhl beim Arzt. Wann werde ich endlich aufgerufen? Ich warte. Langsam steigt mir der Kaffee von vorgestern in die Kehle. Mein Arzt sagt, ich soll mich nicht aufregen, das sei nicht gut für mein Herz. Es kann sein, dass ich bald für immer zwischen den Brettern liege. So bezähme ich den Tiger in mir. Stehe wie ein braver Bürger auf dem Fußweg und schaue gelangweilt in die städtische Steppe.

Wenn ich mit dem Fahrrad an der Straßenampel warte, will ich schnell weiter fahren. Die Freundin im Café schaut ungeduldig auf die Uhr. Eine unsichtbare Macht zieht mich zu ihr, die nur ein paar Straßen weiter am Tisch sitzt. Aber in mir tickt die Sehnsucht wie eine Bombe, kurz vor der Explosion. Die Zündschnur glimmt bereits.

Wenn ich mit dem Fahrrad an der Straßenampel warte – und einfach eine Grünphase auslasse. Stehenbleibe am Straßenrand. Das macht doch kein Mensch, höre ich meinen Verstand sagen. Jeder erkennt in mir den Sonderling. Die Leute liefen an mir vorüber und würden mich verwundert ansehen. Ist der noch normal, denken sie. Der gehört in eine Anstalt. Mich dem Fluss des Lebens entgegenstemmen. Den allgemeinen Trott hinterfragen. Ich lasse mich jedoch vom Strom mitziehen und fahre über die Straße wie alle anderen.

Wenn ich mit dem Fahrrad an die Straßenampel komme – und einfach sie ignoriere. Ich fahre hinüber. Bei Rot. Hinter mir die bösen Blicke der Wartenden kann ich nicht sehen. Auch einige Rentner sind dabei. Ich kann ihre Gedanken über mich nicht erahnen. Ignorieren sie mich, oder beneiden sie meinen Mut. Oder denken sie, der gehört eingesperrt. Ich lasse sie in ihrem Frieden stehen, dort am Straßenrand.

Wenn ich mit dem Fahrrad an die Straßenampel komme – und einfach sie ignoriere. Ich will genau so stolz Rad fahren, wie die Autofahrer in ihren  chromblitzenden Kisten und ihre Oberkörper im Rhythmus der Stones bewegen. Und denken, sie wären die Könige der Straße. Deshalb nutze ich die Lücke zwischen ihnen, zeige ihnen in Gedanken den Stinkefinger und radle auf die andere Seite.   

Wenn ich mit dem Fahrrad an die Straßenampel komme – und einfach sie ignoriere.  Ich fühle mich wie ein Dissident. Etwas Unerlaubtes tun. Was der brave Bürger nicht tut. Selbst wenn die Straße weit und breit leer ist. Es ist das Aufbegehren gegen die Normen des Alltags. Gegen das zähe Fließen des Unsinns an mir vorbei. In Dunkelheit sein, mitten am Tag. Tief im Herzen lege ich das Gewehr an. Ziele in die Mitte der Normalität. Und fahre frisch und frei in die Sonne. Komme auf der anderen Straßenseite an mit dem Stolz, jetzt doch etwas anders zu sein.

Frank Siegert

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Liane Fehler: Seebrücke Lubmin – Sea bridge Lubmin, Foto: Seebrücke Lubmin von smt

. . . . . . . . . Ich trinke mit den Augen Blau vom Himmel auch das vom Meer ich werde gar nicht satt und mein Gemüt kommt langsam in die Schwebe die Last fällt von den Schultern die Schritte werden leichter fühl eine neue Kraft in mir und Hoffnung das diese Liebe eine Chance hat. Lubmin April 2012

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Foto: Seebrücke Lubmin von smt
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Ich trinke mit den Augen
Blau
vom Himmel
auch das
vom Meer
ich werde
gar nicht
satt
und mein
Gemüt
kommt
langsam
in die
Schwebe
die Last fällt
von den Schultern
die Schritte
werden leichter
fühl eine neue Kraft
in mir
und hoffe
das Liebe
eine Chance hat.

                                                                      Lubmin April 2012


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▶ Gerhard Jaeger – Viva la vida (Lied)

Um den Titel abzuspielen bitte einfach in den blaue Schriftzug Lied: "viva la vida 7" klicken. Musik, Komposition und Gesang: Gerhard Jaeger - Text: Liane Fehler.

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Liane Fehler: Viva la vida – Erlebe das Leben – Experience the life

. . . . . . . . . Im Brennnesselkleid sah ich die Sonne unter gehen Nachtschwarze Seide kühlt meine Haut und ich beginn zu träumen Im Siebenblauen Leinen begegne ich dem Tag Ich tanze wild und zieh den Regenbogen an ich schwebe für Momente in der Luft Nehm ich die Flügel die Du mir verliehen strahl ich in weißen Federn weißem Flaum Ich hebe ab im Federkleid und landen werde ich bei Dir in ferner Zeit im tief, tief roten Kleid Foto: maedchen-sonnenuntergang-k http://quarknet.de/personen-menschen.php

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maedchen-sonnenuntergang-k http://quarknet.de/personen-menschen.php

Foto: quarknet.de

 

Im Brennnesselkleid
sah ich die
Sonne unter gehen

Nachtschwarze Seide
kühlt meine Haut und
ich beginn zu träumen

Im Siebenblauen Leinen
begegne ich dem Tag

Ich tanze wild und zieh
den Regenbogen an
ich schwebe für Momente
in der Luft

Nehm ich die Flügel
die Du mir verliehen
strahl ich in weißen Federn
weißem Flaum

Ich hebe ab im Federkleid
und landen werde ich
bei Dir in ferner Zeit
im tief, tief roten Kleid

Aus diesem Text hat Gerhard Jaeger das Lied „viva la vida“ gemacht.

▶ Liane Fehler liest: „Viva la vida“… Audio Lyrikbeitrag

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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Gerhard Jaeger: Lied „Teller auf den Tisch 1“

Um den Titel abzuspielen bitte einfach in den blaue Schriftzug "Lied: "Teller auf den Tisch 1" klicken. Teller auf den Tisch 1 Text, Musik, Komposition und Gesang: Gerhard Jaeger

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Chronik 2013 – Desdemona: Collagenseminar und Vernissage im Atelier Nottekunst vom 19. – 21. 4. 2013

Auf den ersten Blick verunsichern uns Collagen. Ein Leben lang haben wir Erfahrungen gesammelt, wie was aussieht und wo es hingehört. So konstruieren wir uns unseren inneren, überschaubaren Kosmos.

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Auf den ersten Blick verunsichern uns Collagen.

Ein Leben lang haben wir Erfahrungen gesammelt, wie was aussieht und wo es hingehört.
So konstruieren wir uns unseren inneren, überschaubaren Kosmos.

Nun also Collagen – vor mir an den Wänden des Nottekunst-Ateliers in Wünsdorf.
Meine innere Welt gerät ins Wanken.
Die scheinbar wirr angeordneten Gegenstände oder  ihre Fragmente durchkreuzen alle meine Erwartungen über Ordnung und Harmonie.
Farben, Strukturen und Räume sind verfremdet.

Dann aber beginnen diese neuartige Räume mich zu faszinieren.
Vielleicht inspirieren sie mich gar zu einem kleinen literarischen Versuch?
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Miniaturabbildungen der Collagen

Bildnachweis: Collagen von links nach rechts:

Erste Reihe Miniaturen:

Collagebild “Fisch” von Hagen Ludwig
Jenny Dlugaiczyk: Collage 2
Collage 3 von Helga Gerasch

Zweite Reihe Miniaturen:

Peggy Salaw: Collage 2
Jenny Dlugaiczyk: Collage 3
Hagen Ludwigs Collage: “hagen3”

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Dritte Reihe Miniaturen:

Collage 1 von Helga Gerasch‘
Collage 1″ von Jenny Dlugaiczyk
Collage 2: Helga Gerasch
 
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vierte Reihe Miniaturabbildungen der Collagen :

Hagen Ludwigs Collagebild: “schillernde Steine“
Hagen Ludwigs Collagebild: “Nocturne“
Hagen Ludwigs Collagebild: “Stillleben“

Die Originale befinden sich im Atelier „Nottekunst“ in Wünsdorf.

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Lars Steger: letztes laub raschelt

letztes laub raschelt krähen fern, meisenstimmchen stille und leere

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laub-wald http://quarknet.de/fotos-wald-waelder.php

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letztes laub raschelt*
krähen fern, meisenstimmchen*
stille und leere

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Liane Fehler: Pessimist

Du bist ein Pessimist chronisch unzufrieden mit Dir und dem Leben Stell einen Ausreiseantrag ins Schlaraffenland!

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Du bist ein Pessimist
chronisch unzufrieden
mit Dir und dem Leben
Stell einen Ausreiseantrag
ins Schlaraffenland!

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Susann Schulz: Trashography mit dem Foto: „Schuh-ting“

Foto:Schuh-ting Mehr Informationen und Anregungen zum Thema trashography findet man auf http://trashography.de.

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Lars Steger: Mutmaßungen über Jochen

Er sagt über ihn zu reden sei nicht nötig seine Gedichte zu verstehen so  sitz ich sprachlos vor Texten, die ich übersetzen will mache mir bewusst, was ich weiß ohne ihn zu fragen ...

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Er sagt
über ihn zu reden sei nicht nötig
seine Gedichte zu verstehen
so  sitz ich sprachlos
vor Texten, die ich übersetzen will
mache mir bewusst, was ich weiß
ohne ihn zu fragen
dass das stolze Land, in dem er geboren wurde,
verschwand von den Karten der Welt
dass man plötzlich wieder verhungern kann
und Menschen anderer Nationalität
wieder mit Misstrauen angesehen werden
in einer Gegend
in der für die Gleichheit aller jährlich
Transparente über die holprigen Straßen getragen worden waren
und Menschen in die Kälte Sibiriens geschickt
dort wurde er geboren
in einem Dorf, das nur eine Nummer trug
was selbst seine Frau erstaunte
so geheim also war der Ort
wieder kann ich nur fragend ahnen
aus dem, was ich ohne ihn weiß
kamen seine Vorfahren mit der preußischen Prinzessin
die später die Große genannt wurde?
wurden sie vom dem, der sich der Stählerne nennen lies
aus der Weizenkammer des Landes
in den Permafrost verbannt,
weil einer die gemeinsame Nationalität
der Überfallenden und Überfallenen fürchtete?
oder schickte sie frühere oder spätere Überzeugung
des Terrors oder der Notwendigkeit dorthin?
als Täter oder Opfer? – in jedem Fall
als Sieger der Geschichte – glaubten sie
und ich erinnere mich noch: glaubte auch ich
was bleibt einem Jungen, der aufwächst
in Halbwahrheiten und Verschweigen
als Glauben an die Notwendigkeit der Entberungen
des ewig gefrorenen Bodens
auf dem die ärmlichen Häuser stehen
vielleicht wuchs schon sein Vater so auf
vielleicht trug sein Dörfchen keinen Namen
weil es Staatsgeheimnis Nummer 282 war
vielleicht bleibt er so Geheimnisträger
eines Staates, den es nicht mehr gibt
eines Landes, das den Nachkommen
der vor Jahrhunderten Geworbenen
keine Perspektive mehr bietet
weil es selbst keine mehr sieht
vielleicht ist ihm auch nur unangenehm,
dass er keinen Abschluss vorzuweisen hat
in einem Land, in dem Abschlüsse zählen
und nicht, dass man Meister in der Tischlerei
und Klempnerwerkstatt war, weil man es konnte
weil jeder Tag einen prüfte und keine Handwerkskammer,
dass er seine Familie ernähren und kleiden konnte
ohne die Nationalitätszuständigkeit eines Staates
in Anspruch nehmen zu müssen
damals dort in der kalten Heimat,
dass seine Gedichte gelesen wurden in Zeitungen
er sie vortragen konnte im Sender einer Region
die größer war als die Republik, in der er nun lebt und
in deren Sprache sich erst seine Enkel problemlos verständigen,
dass er dennoch in ein Land gegangen ist
in dem jeder seiner großen Familie besser leben kann
als er

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über ihn zu reden sei nicht nötig
aber so verstehe ich seine Gedichte
den Verlust,
des Glaubens, in dem er aufwuchs,
von der Welt, Heimat, Sprache
und sich
dem Tatmenschen,
dem man zuwenig zu tun gibt

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und mit seinen Gedichten
verstehe ich meinen Nachbarn besser
der ab und zu betrunken vor meiner Tür steht
in gebrochenem Deutsch
weil er sich ausgesperrt hat
und über meinen Balkon
in seine Wohnung steigen kann
und ich verstehe vielleicht
mich ein klein wenig besser
weil ich mir lesend die Frage
nach meinen Verlusten zugestehe

für J. Hartung und Magdalene

Lars Steger

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Gerhard Jaeger: Der Platzwart

Löwenzahn Immerzu muss ich warten Das Goldei flirrt im Tiefblau Wäscheinseln im Gras Immerzu muss ich warten Handtücher um braungebirgige Schultern Haut im Tortenspeck Immerzu warten, hier kommt gar nichts weg, ich steige von Maisprossen hoch zum Septembersteg, aber warten muss ich immerzu im Katzenfell des Sommers kraulen und bürsten Trockenheit, Wind den Haaren aus, aber warten muss ich kreuzen mit bauchigen Segeln Badegeschrei splittert ins Himmelsauge der Apfel einmal wird er stichig einmal stehle ich mich vom Platz dann habe ich genug vom ewigen Frühling dem Warten immerzu

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Löwenzahn
Immerzu muss ich warten
Das Goldei flirrt im Tiefblau
Wäscheinseln im Gras

Immerzu muss ich warten
Handtücher um braungebirgige Schultern
Haut im Tortenspeck

Immerzu warten, hier
kommt gar nichts
weg, ich steige
von Maisprossen hoch
zum Septembersteg, aber

warten muss ich immerzu
im Katzenfell des Sommers
kraulen und bürsten
Trockenheit, Wind
den Haaren aus, aber

warten muss ich
kreuzen mit bauchigen Segeln
Badegeschrei splittert
ins Himmelsauge

der Apfel
einmal wird er stichig
einmal stehle ich
mich vom Platz
dann habe ich genug
vom ewigen Frühling
dem Warten
immerzu

                                               2011

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Liane Fehler: Morgen-Gedanken

Ich alt gewordener Prediger der Liebe verbrenne nun mein Fleisch aus Mittelmaß seh im Spiegel fast die Knochen schimmern lach mir zu doch oft lach ich mich aus

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Ich alt gewordener
Prediger der Liebe
verbrenne nun
mein Fleisch
aus Mittelmaß
seh im Spiegel
fast die Knochen
schimmern
lach mir zu
doch oft lach
ich mich aus

 

    20.April 2012

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Gerhard Jaeger: Ode an ein hartes Wesen – aus der Anthologie unDichternebel: 2001 – 2015

Die Wortfeile möchte ich setzen Dir ans stählerne Ohr Vielleicht fallen ein paar Späne in die Muschel vielleicht gäbe es dann ein wenig Gekuschel

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Ode an ein hartes Wesen

Die Wortfeile
möchte ich setzen
Dir ans stählerne Ohr
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Vielleicht fallen*
ein paar Späne*
in die Muschel*

vielleicht gäbe es dann*
ein wenig*
Gekuschel

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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Liane Fehler: Aus dem Vorwort zum Gewa 113 – Einmalig ist jeder

... Einmalig ist jeder. Bevor wir mit unserer Einzigartigkeit verschwinden, wird die Wortfeile angesetzt - erzählen wir, vom Hiersein, das viel ist und das uns seltsam angeht und auch weil wir spüren, dass uns das Hiesige braucht; binden wir den Sommer, wie einen großen bunten Strauß und riechen doch schon den Schnee und sehen den Wind, der sein Stakkato in unseren Gedankensand schreibt - unfassbar tausendabertausendweit tragen uns unsere Gedanken. Wir müssen laufen, über die weite offene Landschaft, mit dem Gewicht der alltäglichen Dinge; über den niedrigen Sonnenweg, durch einen Novembersturm, der den kahlen Apfelbaum zaust; erkennen dabei, die Verstrickung der kleinen und großen Geschichte. Richten noch mit Hoffnung eine Ode ans stählerne Ohr eines harten Wesens.

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Wie könnte man besser auf dieses Heft einstimmen, als mit einer Collage von euren Texten, die zeigen, wie nah wir beieinander sind und doch so verschieden? Ich hoffe, dass ihr euch hier wiederfindet und erkennt, wie in diesem ganzen, liebevoll gestalteten GeWa von Susann und Lars.

Einmalig ist jeder.
Bevor wir mit unserer Einzigartigkeit verschwinden, wird die Wortfeile angesetzt – erzählen wir, vom Hiersein, das viel ist und das uns seltsam angeht und auch weil wir spüren, dass uns das Hiesige braucht; binden wir den Sommer, wie einen großen bunten Strauß und riechen doch schon den Schnee und sehen den Wind, der sein Stakkato in unseren Gedankensand schreibt – unfassbar tausendabertausendweit tragen uns unsere Gedanken. Wir müssen laufen, über die weite offene Landschaft, mit dem Gewicht der alltäglichen Dinge; über den niedrigen Sonnenweg, durch einen Novembersturm, der den kahlen Apfelbaum zaust; erkennen dabei, die Verstrickung der kleinen und großen Geschichte. Richten noch mit Hoffnung eine Ode ans stählerne Ohr eines harten Wesens.

Wir wandern durch die stille Nacht, stapfen durch weiße Pracht und schweben bis der Nebel fällt herab und Blaue Lichter tanzen uns zauberhafte Lieder.
Einmalig ist jeder. Wir hören von der Apokalypse eines Menschen und seiner Seele können der Sprache und den „Windungen“ eines Gehirns auf Abwegen folgen. Wundern uns möglicherweise noch, warum das kleine Schwarze in die Autoverwertung muss. Aber nicht so sehr, denn wir wissen, dass es zwischen Himmel und Erde Dinge gibt, die nicht einfach zu begreifen sind.

Also, lassen wir den literarischen Ballon in die Höhe fliegen und hoffen, dass er nicht platzt, sondern wir mit ihm sacht über Wolken gleiten und wie die Täubchen in einem gemütlichen Kuschelnest landen. Dort träumen wir vom Muschel-Rauschen und geben der Liebe neue Namen und wünschen sie werde und bleibe, für uns alle, bis an die Grenzen aller Zeit. Amen

Liane Fehler

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Ein kurzes Porträt: Christian Rempel

Geboren 1953 in der Heldenstadt heldenhaft Physik studiert dann promoviert sich selbst zum Dichter gekürt abserviert schließlich privatisiert ein Handwerker nur der auffasst, gestaltet, hat seins

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Geboren 1953 in der Heldenstadt

heldenhaft Physik studiert
dann promoviert
sich selbst zum Dichter gekürt
abserviert
schließlich privatisiert
ein Handwerker nur
der auffasst, gestaltet, hat seins

 

Heute am Stadtrand der Hauptstadt
Gedichtladen Waltersdorf:

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