Monthly Archives: August 2013

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sibyll maschler (Texte und Fotos): Haiku Trilogie

Haiku Triologie Aus dem Licht fallen hinein in einen Schatten reichst du mir die Hand

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Lars Steger: Fallada, da du tanztest

im Elsterjahr, tränenverhangen lächelnder Bovist in sonnenumspülten dunklen Zimmern durch die Läden kriechen die Bäume Gerüche und Gerüchte während die Wolkendecken lautlos aneinander vorbei dröhnen, wabern die Wichtigkeiten übers platte Land UnterhaltungsMarschMeldungenKlassik der immer zu frühe Abend das verkrallte Alleinsein im Arm ein brennender Hall euer sich halten wollendes Niederreißen ohne Aussicht, ohne Blick über Wiesen der Atem der Gräser käferversponnen Kinderlachen, Bienenstille zerweht im Rauschen des Grammophons kratz die Geschichte vom kleinen Mut aufs Papier vergißt nicht (beim Wiedersehen von Roland Gräfs "Fallada - letztes Kapitel") (aus: “Zwischen den Zeiten 1990-2000″ (Anth.); hrsg. von Eitel Kunst e.V., Peter-Segler-Verlag, 2003, 2. Aufl., ISBN 978-3-931445-07-2)

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im Elsterjahr, tränenverhangen
lächelnder Bovist
in sonnenumspülten dunklen Zimmern
durch die Läden
kriechen die Bäume
Gerüche und Gerüchte
während die Wolkendecken lautlos
aneinander vorbei dröhnen, wabern
die Wichtigkeiten übers platte Land
UnterhaltungsMarschMeldungenKlassik
der immer zu frühe Abend
das verkrallte Alleinsein
im Arm ein brennender Hall
euer sich halten wollendes Niederreißen
ohne Aussicht, ohne Blick
über Wiesen der Atem der Gräser
käferversponnen
Kinderlachen, Bienenstille
zerweht
im Rauschen des Grammophons
kratz die Geschichte vom kleinen Mut
aufs Papier
vergißt nicht

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(beim Wiedersehen von Roland Gräfs „Fallada – letztes Kapitel“)
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(aus: “Zwischen den Zeiten 1990-2000″ (Anth.); hrsg. von Eitel Kunst e.V.,
Peter-Segler-Verlag, 2003, 2. Aufl., ISBN 978-3-931445-07-2)

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Christian Rempel: Trosttanka

Ist halb nur der Mond, leuchtet dem deutschen Michel. So klein war er nie – der Mond ist gemeint, nicht Sie. Ist bewohnt seine Sichel? Bist so blass wie er, ein Kreuz zu machen ist schwer, im September schon. Lass es Dir leicht sein mein Sohn, bis dahin ist noch ein Mond.

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Ist halb nur der Mond,
leuchtet dem deutschen Michel.
So klein war er nie –
der Mond ist gemeint, nicht Sie.
Ist bewohnt seine Sichel?

Bist so blass wie er,
ein Kreuz zu machen ist schwer,
im September schon.
Lass es Dir leicht sein mein Sohn,
bis dahin ist noch ein Mond.

C.R. 22.8.2013

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Liane Fehler: Kismet II

Du bist ein Tautropfen auf mir dem Blatt durch Dich spiegelt sich auf mir der Himmel

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 Foto: regentropfen-reihe-k

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Du bist
ein Tautropfen
auf mir
dem Blatt
durch Dich
spiegelt sich
auf mir
der Himmel

5. August 2013

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sibyll maschler: Mein Herz schlägt

Mein Herz schlägt und wacht bis zum Morgen über dir wenn du gehen wirst Wie im freien Fall der Habicht das Tier ergreift durchbrach er ihr Fleisch. Im Zenit der Zeit sei Regen in den Furchen auf verdorrtem Land

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Mein Herz schlägt und wacht
bis zum Morgen über dir
wenn du gehen wirst

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Wie im freien Fall
der Habicht das Tier ergreift
durchbrach er ihr Fleisch.

Im Zenit der Zeit
sei Regen in den Furchen
auf verdorrtem Land

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Vereinsinformation: Lesen & Schreiben: am 11. September und 13.November 2013 – im Oktober 2013 ein mehrtägiges Herbstseminar

Liebe ­Eitle Künstler und Freunde des Eitel Kunst e. V., die nächsten Termine für unsere Treffen zu Lesen & Schreiben stehen fest. Wir treffen uns am 11. 09. 2013 und 13. 11. 2013, wie immer, ab 16.30 Uhr in der Gemeindebibliothek Wildau. Im Oktober gibt es einen Termin für Gedankenaustausch und Textarbeit - das Herbstseminar: vom 11. bis zum 13. Oktober 2013 in Königs Wusterhausen, im Mehrgenerationenhaus; "Am Fontaneplatz". Liane Fehler, Online-Redaktion

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Tassen Kaffee

Liebe ­Eitle Künstler und Freunde des Eitel Kunst e. V.,
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die nächsten Termine für unsere Treffen zu Lesen & Schreiben  stehen  fest. Wir wollen uns am 11. 09. 2013 und 13. 11. 2013, wie immer, ab 16.30 Uhr in der Gemeindebibliothek Wildau treffen.  *
Im Oktober gibt es einen Termin für Gedankenaustausch und Textarbeit –  das Herbstseminar:
vom 11. bis zum 13. Oktober 2013 in Königs Wusterhausen, im Mehrgenerationenhaus; „Am Fontaneplatz“.

Liane Fehler, Online-Redaktion

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sibyll maschler: Kommen und Gehen

Im Wind am Ufer wartet sie dass die Liebe kommt mit der Flut verlässlich vom Mond geschickt Wasser, Licht und Stille brechen Weib und Kind Sommer 2011

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Im Wind
am Ufer
wartet sie
dass die Liebe kommt
mit der Flut
verlässlich
vom Mond geschickt
Wasser, Licht und Stille brechen
Weib und Kind

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Sommer 2011

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Frank Siegert: Papstdorfer Wanderung

Als ich gestern die Straße entlang ging, entdeckte ich in der Mitte einen Schaden im Asphalt. Ein Loch, in dem sich etwas Wasser befand. Heute gehe ich erneut daran vorbei und staune. Es schauen zwei grüne Blätter einer Pflanze daraus empor. Wie lange werden sie wohl wachsen können. Ich betrete einen Weg. Rechts von mir ist eine Böschung mit Ackerschachtelhalm übersät. Wie ein Wald steht er kerzengerade da. Meine Oma sagte: „Wenn er einmal auf dem Beet ist, bekommt man ihn nicht mehr los.“ Ich bewundere ihn. Was hat er für ein Durchsetzungsvermögen gegenüber den anderen Kräutern auf der Wiese. Ich gehe einen Berg empor. Als ich auf dem Gipfel war, liegt vor mir ein Feld. Wie bei einem Teppich, der sich im Abendwind sanft wellt, strahlen roter Klee, blaue Miere und weiße Kamille mich an. Am Rand wachte der Mohn wie eine rote Ampel. Bitte nicht betreten!

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Als ich gestern die Straße entlang ging, entdeckte ich in der Mitte einen Schaden im Asphalt. Ein Loch, in dem sich etwas Wasser befand. Heute gehe ich erneut daran vorbei und staune. Es schauen zwei grüne Blätter einer Pflanze daraus empor. Wie lange werden sie wohl wachsen können.

Ich betrete einen Weg. Rechts von mir ist eine Böschung mit Ackerschachtelhalm übersät. Wie ein Wald steht er kerzengerade da. Meine Oma sagte: „Wenn er einmal auf dem Beet ist, bekommt man ihn nicht mehr los.“ Ich bewundere ihn. Was hat er für ein Durchsetzungsvermögen gegenüber den anderen Kräutern auf der Wiese.

Ich gehe einen Berg empor. Als ich auf dem Gipfel war, liegt vor mir ein Feld. Wie bei einem Teppich, der sich im Abendwind sanft wellt, strahlen roter Klee, blaue Miere und weiße Kamille mich an.

Am Rand wachte der Mohn wie eine rote Ampel. Bitte nicht betreten!

Auf den nicht mit Wald bedeckten Flächen befinden sich Getreidefelder. In der Luft fliegen Schwalben. Fern ragen die Sandsteine aus den Wäldern. Dazwischen wellen sich Dorf und Felder umgrenzt von Baumgruppen. Der sachte Luftstrom vermittelt mir Ungebundensein. Ich laufe langsam, um dieses Gefühl lange in mir zu spüren.

Vor mir auf einer Bank sehe ich drei junge Damen. Der Faszination, die von ihnen ausgeht, kann ich mich nicht entziehen. Wie die ersten Kirschblüten, mit ihrer Lieblichkeit und ihrer Reinheit so strahlen sie mich an.

Auf einmal werde ich angesprochen. Wie geblendet zucke ich zusammen. Eine dieser Erscheinungen bittet mich um zwei Euro für zwei Flaschen Limonade. Erschrocken ziehe ich die Geldbörse heraus und gewähre ihnen die Bitte.

Ein nettes Dankeschön springt aus ihren Mündern. Im Gleichklang ihrer Worte so lachen ihre Augen mir zu. Sogleich steigt mir vom Herzen ein angenehmes Gefühl auf. Schade, dass ich im Rücken keine Kamera habe, sonst könnte ich ihre Freude aufzeichnen, um sie mit nach Hause zunehmen.

Meine Fußsohlen betreten einen teilweise mit Kräutern und Gräsern bewachsen Waldweg. Zwischen den Bäumen schauen die Sandsteine hervor. Verhalten zwitschern Waldvögel. Oft wird der Weg nicht betreten. Doch finde ich eine leere Limonadenflasche. Es war also doch jemand vor kurzen hier. In Gedanken fülle ich die Flasche mit meiner Urlaubsenergie auf und lasse sie für den nächsten Wanderer liegen.

In dem sanft im Tal gewellten Ort stehen die Häuser mit roten und schwarzen Dächern zwischen Steinmauern. Fichten und Apfelbäume säumen die gemähten Wiesen. Einige sauber gestrichene Garagentore stehen auf und lassen Heimwerkerwerkstätten sehen. Manchmal kräht ein Hahn. In Vorgärten blühen gelb sorgsam eingefasste Blumenkästen. Auf Plastestühlen sitzen ein paar ältere Herren im Plausch vertieft.

Die von Wald umrankten Sandsteine werden ihre Welt wohl nicht durch umfallen zerstören können.

Vor einer großen Hütte sitzen junge Männer mit langen Bärten. Sie haben Bücher in der Hand und diskutieren laut. Auf dem Tisch steht kein Bier, sondern Teegläser. Die Sonne ist fast im Untergehen.

Durch eine halboffene Tür sehe ich Reagenzgläser im Abendlicht.

Das Haus sieht neu gebaut aus. Die alte Bauernhausform verrät aber sein Alter. Mit Fachwerk und gelbem Putz steht es an einem Kastanienbaum. Von fern schreit ein Kind. Auf einem freien Fleck zwischen Wiese und einer Pergola steht ein junger Mann. Mit langsamen kreisenden Arm und Körperbewegungen bewegt er sich harmonisch in der untergehenden Sonne.

 Abends gehe ich in das Gasthaus „Zur Hoffnung“. Die kleinen Tische im Gastraum sind alle mit Gästen besetzt. Verhaltenes Stimmengewirr ist im Raum, der mit Essensgerüchen gefüllt ist. Die Bestecke stehen in Bierkrügen, in den Speisekarten befinden sich auf der Rückseite Wanderhinweise. Ein alter Regulator hängt an der Wand. Die freundliche Kellnerin bringt mein bestelltes Essen. Verschiedene Urlaubsdialekte umschwirren mein Ohr. Meine Zunge wird von der Mahlzeit sehr verwöhnt.

Ich hoffe vergebens, dass ich die Uhr anhalten kann, um diese Würze des Augenblicks  richtig auskosten.

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Gerhard Jaeger: Nachsinnen

Was macht im Leben Sinn: Gut, lieb oder schön –? Na ja Sinnvoll ist auch einander zu verstehen

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Liane Fehler: Supernova oder Geduld

wir müssen erst zu Sternen werden wenn wir uns finden im All geht ein Leuchten durch alle Himmel

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 Foto: halbmond-k quarknet


wir müssen erst
zu Sternen werden
wenn wir uns
finden im All
geht ein Leuchten
durch alle Himmel

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zur Musik „Adagio“ von Safri Duo

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Liane Fehler: ausatmen

will diese Liebe rausschreien ausatmen dass der Wind sie trägt der sie mir brachte und der Mond sein Komplize scheinheilig leuchtet er wieder

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Christian Rempels: Literaturempfehlung Alter Schwede

Beide haben wir dieses Buch, womöglich im ehelichen Bett, von den Ehefrauen herüberge­reicht bekommen und für mich ist es die dritte Begegnung mit dem Schwedischen nachdem ich eine Zeitlang August Strindbergs "Am offenen Meer" für das Beste hielt, was mir je empfohlen wurde, Henning Mankell auch nicht schlecht fand und jetzt eben Jonas Jonasson "Der Hundert­jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand", das Du vorhin bei unserem eher zufälligen Telefonat als genial bezeichnet hast.

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Beide haben wir dieses Buch, womöglich im ehelichen Bett, von den Ehefrauen herüberge­reicht bekommen und für mich ist es die dritte Begegnung mit dem Schwedischen nachdem ich eine Zeitlang August Strindbergs „Am offenen Meer“ für das Beste hielt, was mir je empfohlen wurde, Henning Mankell auch nicht schlecht fand und jetzt eben Jonas Jonasson „Der Hundert­jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, das Du vorhin bei unserem eher zufälligen Telefonat als genial bezeichnet hast.

Die Schweden habe ich in meinem damaligen Aufsatz schon ausreichend gewürdigt, wie sie als kleine Nation Erstaunliches hervorbrachten. Nun auch diesen Journalisten, der sich wohl recht und schlecht mit einer Medienconsultingfirma zwanzig Jahre durchgeschlagen hatte und dann mal eben einen Weltbestseller schrieb. Bei Bestsellern ist ja berechtigte Skepsis geboten, denn was die Masse gut findet, ist doch meistens schlecht, aber hier hat die Masse Geschmack bewie­sen, auch wenn sie sicher nur die Hälfte versteht von dem, was Jonasson da zusammengepuzzelt hat.

Nachdem die Schweden so etwa mit dem Dreißigjährigen Krieg der Wikingertradition der brutalen Kriegszüge abgeschworen hatten und sich sowohl technischen Entwicklungen als auch der Psychologie der Partnerbeziehungen unter dem Stern des Individualismus zugewandt hatten, von denen Ibsen, Strindberg und nun auch Mankell zehrten bzw. zehren, wobei letzterer noch die Komponente der Kriminalität entdeckte, melden sie sich mit Jonasson auf der Weltbühne zurück, auf der doch gerade die Versatzstücke der Ideologien gegeben worden waren, die Millionen ins Unglück gestürzt hatten. Diese Weltbühne, geschuldet der Überfütterung mit politischen Details, ist eben eine politische Weltbühne, aber die Genialität des besprochen Romans besteht gerade darin, dass ebendieser Politik eine Absage erteilt wird, auch wenn sie gleichwohl die Bezugsebe­ne bildet, dessen, was wir im Unterricht der modernen Geschichte gelernt haben. Mit diesem Material springt der Autor so um, dass weniger Gründliche jetzt der Meinung sein werden, dass Einstein einen unehelichen Bruder hatte und dass ein umtriebiger Schwede so ungefähr allen Staatsmännern begegnet sei, die die letzten hundert Jahre aufzuweisen hatten.

Dass es mit der Politik zuende gegangen sein könnte, ahnt jeder, der die Wende erlebt hat und die letzten zwanzig Jahre verfolgte oder aber zu der Erkenntnis gelangte, indem er die Politik mehr oder weniger ignoriert hat. Die Alternative, die Jonasson aufmacht, das Leben mit Freunden, Frauchen und dem Bruder Alkohol bringt eine Grundauffassung zum Ausdruck, die tiefer verwurzelt ist als der Wikinger Kriegsgelüste, nämlich dass man es sich gutgehen lassen sollte und ein wenig Selbstzerstörung durch Bruder Alkohol auch nicht schaden kann, denn man will ja, auch wenn man nicht mehr an ein Jenseits glaubt, nicht ewig leben. Dass dieses Leben jenseits von Welterlösung vielleicht ein bisschen dürftig ausfällt und kräftig mit Phantasie zu befeuern ist, ist vielleicht gerade die schwache Seite des Buches, aber doch immerhin ein Anfang von etwas Neuem und wie wollte man mehr verlangen.

Das Apolitische, dass sich darin äußert, dass der hundertjährige Held Allan Karlsson regelmäßig die Ohren zuklappt, wenn ihm jemand etwas von dieser Sorte nahebringen möchte, hat sich Karlsson nicht erst wie andere gewesene Revolutionäre nach entsprechender Lebenszeit zugelegt, sondern gleich als Jugendlicher verinnerlicht, als nämlich sein Vater, der bekennender Sozialist war, nach Russland aufbrach, um die Revolution zu unterstützen und dem dann die Liebe zum Zaren dämmerte, was ihm zu einem ungünstigen Zeitpunkt passierte und ihm daher das Leben kostete. Wie da über den Charismatiker Lenin gesprochen wurde, wollte mir erst gar nicht gefallen. Man kann das Buch auch gut und gerne als antikommunistisch einstufen, was sicher zu einem Gutteil des Welterfolgs beitrug und auf den Olymp der Bestsellerlisten hob. Erinnert man sich aber, dass eigentlich dem Politischen insgesamt eine Absage erteilt wird, wie einem bei weiterer Lektüre klar wird, dann bietet es eben auch eine Alternative an, auch wenn diese zunächst im Faulenzen und Saufen besteht.

Dass die Deutschen die Rassenhetze und Zwangssterilisationen als Mittel zur Bekämpfung schädlicher Elemente nicht gepachtet hatten, wird aus der Anwendung solcher Praktiken in Schweden an dem mittlerweile hundertjährig Gewordenen ebenso deutlich wie an den Plänen der Briten mit der gesamten deutschen Bevölkerung nach dem zweiten Weltkrieg so zu verfahren. Überhaupt scheint sich der schwedische Patriotismus darauf zu beschränken, dass man möglichst zurückgezogen in einem Häuschen wohnt mit möglichst einigen geliebten Haustieren. Die Gemeinschaft, die sich im Laufe des Romans aus derart Lebenssatten bildet, wird dann noch überführt in das, was wir früher als Menschengemeinschaft vage angepeilt hatten und was zu einem realeren Teil erreicht war als in Jonassons Vision, die ein wenig kapriziös ist und eigent­lich auch nur mit einer Menge Geld auskommt.

Im Vordergrund des Romans spielt sich ein entschuldbarer Krimi ab mit allen Unterweltak­tivitäten, die das am wenigsten korrupte Land der Welt zu bieten hat, abgesehen vielleicht vom Sex. Existenzen, die hierzulande nicht mehr möglich sind, wo man von der Wilderei in einer verlassenen Bahnstation mitten im Wald oder einer fehlplatzierten Imbissbude oder zum Besten eines zugelaufenen Elefanten leben kann, werden ausgebreitet, wobei sich alles an einem mittels Drogenhandels gefüllten Geldkoffers, den der aus dem Fenster des Altersheims gestiegene Jubilar mehr oder weniger zufällig an sich bringen konnte, entspinnt.

Parallel dazu erfahren wir das chronologisch entwickelte Leben des Allan Karlsson, das ihn um die ganze Welt getrieben hat, wobei der erschwerende Umstand ins Gewicht fällt, dass Schweden in seiner frühentdeckten Friedensliebe ja auch keine Kolonialmacht war, man es also überall mit fremden Mächten zu tun hat, von denen die kommunistische Bewegung nicht die Unbedeutendste war, sondern fast der Aufhänger schlechthin. Karlsson begegnet auf dieser Reise abwechselnd unbedeutenden und sehr bedeutenden Menschen, die er aber alle über einen Leisten schlägt und nach Sympathie und Trinkfestigkeit, was fast das Gleiche ist, bewertet. Er selbst ist ja auf jeden Fall sympathisch, ein Schwede eben, der nicht unnötig lamentiert – ein Wikinger eben – der sich auch nicht unnötig den Kopf zerbricht, wenn man dem Kommenden gemütlich zuwarten kann, und der etwas von Sprengstoff versteht, der wohl spektakulärsten der schwedischen Entdeckungen (siehe Nobelpreis). Abstinenz als den Inbegriff der unguten Lebensweise erträgt er höchstens mal fünf Jahre im Gulag, wofür der schwedische Superman, ganz ohne unnötige Rachegedanken, mal eben eine ganze Stadt ausradiert. Dabei befolgt er die Maßgabe, dass die sinnreiche Erfindung von Explosionsstoffen möglichst gegen Sachen wie Brücken, die man doch mit ein wenig Schweiß immer wiederherstellen kann, eingesetzt wird und möglichst nicht gegen Menschen, auch wenn es gerade mal den General Franco getroffen hätte, der sich als erster Prominenter im näheren Umgang als passabel erweist wie auch wenig später der Kommunistenjäger Truman, der dicke Churchill und andere, die allesamt besser wegkommen als ihre kommunistischen Antipoden, die er auch alle „trifft“, als einem schon klar ist, dass das Ganze ja ein „Schelmenroman erster Güte“ ist, wie der Spiegel nach dieser Werkschau herausfand.

Das ist also eine grandiose Fiktion und man weiß wieder mal nicht, was man davon seiner Bildung zuschlagen kann oder wo man dem Einfallsreichtum Jonassons auf den Leim ging. Wie der Krimi im Vordergrund des Romans, ist das aber so gut gemacht, dass man nicht bereut, dass man aus der Geschichte kaum etwas dazulernt, sondern prächtig (ein Lob an die Übersetzung) unterhalten ist. Auch wenn im Detail einiges nicht stimmt und das Ganze eine Lachnummer ist, sind die Fakten so kunstreich arrangiert und im Wesentlichen ja dennoch verbürgt, dass es kein Fehler sein kann, dem Autor seine Genialität zu bescheinigen und die Mühe zu würdigen, die dieses Buch gemacht haben muss, dass alles so wunderbar zusammenpasst. Wo es andere gerade mal zu einem Actionverwirrspiel bringen und einen grandiosen Showdown zusammenzimmern, machen uns die friedliebenden Schweden vor, dass man auch ohne Völkermord und folgender jahrzehntelanger Agonie etwas zu sagen haben kann in der Literatur.

Den Rechercheaufwand, den der gewesene Medienconsultingmann getrieben haben muss, ist, trotz der Griffe in die Trickkiste, die er meisterhaft beherrscht, immens. Die lebensphilosophische Bedeutung ist es aber auch. Jetzt soll er an seinem zweiten Buch arbeiten und man darf gespannt sein, ob sich der 52-jährige noch zu weiteren Höhen aufschwingen kann.

C.R. 18.7.2013

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sibyll maschler: schließen

schließen Eine Tür fest und leise schließen ein Fenster die Augen den Mund eine Hand zur Faust Mai 2013

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Eine Tür
fest und leise schließen
ein Fenster die Augen
den Mund
eine Hand zur Faust

*Mai 2013

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Liane Fehler: Novemberherz – Novemberheart

Novemberherz erzählst von Liebe Wortgemälde alle Gedanken fliegen auf Deine verstummten Schreie fallen mir vor die Füße Zeit hängt überm Zaun

by

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   Foto: sonnenstrahlen-k
   http://quarknet.de/himmels-fotos.php

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erzählst von Liebe
Wortgemälde
alle Gedanken
fliegen auf

Deine verstummten
Schreie
fallen mir vor die Füße
Zeit hängt überm Zaun

tanze um den Stein
in dem Du bist
noch hör ich das Lächeln
in Deiner Stimme

suche Wahres
in Tagträumen
schlaflosen Nächten
Sehnsucht mit Dir
den Wind zu überholen

singe an
gegen die Stille
die meinen Mut frisst

entschwunden
in die Novemberfarben
Dein Schatten
mit meiner Hoffnung

11.Mai 2012

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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smt: Im Abgrund

Ich trag´ den November im Herzen, plötzlich ist es dunkel und grau. Im Kopf toben Gewitter und Schmerzen, Gefühle sind spröde und rau.

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Ich trag´ den November im Herzen,
plötzlich ist es dunkel und grau.
Im Kopf toben Gewitter und Schmerzen,
Gefühle sind spröde und rau.

Herz unter Glocke hämmert hart und dumpf,
langsam entschwinden Hoffnung und Licht.
Gedanken werden lähmend und stumpf,
dichter Nebel verdeckt die Ufersicht.

Ein Schrei kämpft sich die Kehle hinauf,
die nackte Angst stärkt seinen Drang,
doch Scham und Verzweiflung hemmen den Lauf
und nehmen dem Ruf nach Hilfe den Klang.

Düstere Leere breitet sich um mich aus,
ich steh` einfach regungslos mittendrin
mein Selbst dringt immer weniger hinaus
Bis ich einfach unsichtbar für andere bin.

Und meine Seele, wund, geschunden
verhärtet, wird gegen Glück immun.
Hunger lässt die Verzweiflung sich munden,
der Durst wird gestillt aus dem Tränentaifun.

Den Geist umwunden mit rostigen Ketten
Trübt sich der einst klare Blick nach vorn.
Der letzte Wunsch – mich selbst zu retten,
wann geht auch der mir noch verlor´n?

Vor dem Ende kommt Resignation – und bleibt,
kaum noch Bewegung in unendlich gedehnter Zeit,
nichts ist mehr da, was mich vorwärts treibt,
droh´zu ersticken in innerer Einsamkeit.

Das Leben geht weiter, läuft an mir vorbei.
Menschen auch. Warum hält mich keiner auf?
Heißt mich willkommen, sagt nicht Good-bye,
reicht mir die Hand, baut mich wieder auf.

Ich schaff´s nicht allein, bin mir selbst zu schwer,
stecke fest, brauch´ Hilfe beim ersten Schritt.
Gehst Du zum Licht, komm` ich hinterher
und halbe bald von alleine mit.

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Gerhard Jaeger: Von den Flügeln, dem Fliegen, dem Tanz und dem Mond – Rezension zu Gedichten von Liane Fehler

Es macht Spaß die Gedichte und Texte von Liane Fehler zu lesen. Die vorliegende Auswahl ihrer Arbeiten umfasst 35 Texte. Schon vorweg lässt sich sagen, hier schreibt eine junge Frau, zu deren Handwerk und Ausdruckskraft eine oft humorvolle Poetik in lyrischen Bildern gehört. Dabei greift sie auf originelle Weise auch auf eine Metaphorik aus dem Türkisch- Orientalen zurück, verwendet geschickt mythologische Begriffe. So beispielsweise im Gedicht “Auferstehung klemmt“, in dem Phönix, Goliath und die Meduse auftauchen. Da gibt es das Gedicht mit dem Titel “Arabeske“ in dem gesagt wird: Arabeske heißt mein wildes Pferd es trug mich im Teufelsritt durch den Frühling in den Sommer bis zu dieser Nacht gelange durch die Gärten „de Aranjuez“ auf die Mondsichel weiches Licht fließt auch auf die allein träumenden über die traurigen, großen Kinder die erwachsen tun ….. Auf schwebt ein Aroma des Fremdseins, des Märchenhaften. Man ist unterschwellig an Geschichten aus 1000&1 Nacht oder an den Zauber der Alhambra erinnert. Sicher kommt der Autorin beim Aufspüren solcher Szenen zu Gute, dass sie sich im Vorfeld mit dem Nachdichten von Lyrik und Liedern dichtender Sängerinnen aus dem Gebiet des vorderen Orients –( eine Reise durch 300 Jahre), befasst hat. Asche und Sand…Phönix…nehm ich die Flügel…schweb für Momente…Flügelschuh…alle Gedanken fliegen auf…als Gestirne die eigene Bahn ziehen…ich schwebe für Momente…Die Kette der Zitate aus unterschiedlichen Zeilen und Gedichten von Liane Fehler ließe sich mühelos weiter führen. Flügel und fliegen, ...

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Es macht Spaß die Gedichte und Texte von Liane Fehler zu lesen. Die vorliegende Auswahl ihrer Arbeiten umfasst 35 Texte. Schon vorweg lässt sich sagen, hier schreibt eine junge Frau, zu deren Handwerk und Ausdruckskraft eine oft humorvolle Poetik in lyrischen Bildern  gehört.

Dabei greift sie auf originelle Weise auch auf eine Metaphorik aus dem Türkisch- Orientalen zurück, verwendet geschickt mythologische Begriffe. So beispielsweise im Gedicht “Auferstehung klemmt“, in dem Phönix, Goliath und die Meduse auftauchen. Da gibt es das Gedicht mit dem Titel “Arabeske“ in dem gesagt wird:

 

Arabeske

heißt mein wildes Pferd

es trug mich im Teufelsritt

durch den Frühling

in den Sommer

bis zu dieser Nacht

gelange durch die Gärten

„de Aranjuez“

auf die Mondsichel

weiches Licht fließt

auch auf die

allein träumenden

über die traurigen, großen Kinder

die erwachsen tun …..

 

Auf schwebt ein Aroma des Fremdseins, des Märchenhaften. Man ist unterschwellig an Geschichten aus 1000&1 Nacht oder an den Zauber der Alhambra erinnert. Sicher kommt der Autorin beim Aufspüren solcher Szenen zu Gute, dass sie sich im Vorfeld mit dem Nachdichten von Lyrik und Liedern dichtender Sängerinnen aus dem Gebiet des vorderen Orients –( eine Reise durch 300 Jahre), befasst hat.

Asche und Sand…Phönix…nehm ich die Flügel…schweb für Momente…Flügelschuh…alle Gedanken fliegen auf…als Gestirne die eigene Bahn ziehen…ich schwebe für Momente…Die Kette der Zitate aus unterschiedlichen Zeilen und Gedichten von Liane Fehler ließe sich mühelos weiter führe. Flügel und fliegen, haben wir eventuell auch solche Wünsche?

Vielleicht ist es das, was einem beim Lesen erreicht, vielleicht aber auch die Rhythmik einiger ihrer Texte. Gut, in den Nachdichtungen jener Sängerinnen des Orients erklang zwangsläufig melodisches. Das ist erfasst worden und ins eigene Dichten integriert. Aufgefallen sind mir die liedhaften Gedichte, Viva la Vita, Minuten rieseln, Dideldum und der Schattenengel. Ja, “SCHATTENENGEL“ (flügellahm flügelschwer) müssen sich erheben. Schattenengel fliegen.

Liedhaftigkeit und Sprachphantasie haften dem Text an. Vielleicht ist das Wort: SCHATTENENGEL nicht neu, hier aber ist es eine Herausforderung, die vielfach aufgreifbar ist. Liane Fehler ist wählerisch, wenn es um die Wahl der Worte geht. Es fallen ihr schlicht –schöne Dinge ein: Novemberherz,  kaltblau, nachtblau, das Orakel der Welt, sattle den Frosch….

 …sattle den Frosch, dieses Gedicht verdient hervorgehoben zu werden.

 

Sattle den Frosch

 

hab meine Erwartungen

verfüttert am Teich

werfe auch

die nicht gesagten Worte

hinterher

 

Tränenblick

presst die Ohnmacht

aus dem Körper

 

suche ein Vehikel

für mein ICH

will fort

sattle den Frosch

und hüpfe

von dannen

 

Tränenblick, Ohnmacht, verfütterte Erwartungen, ach welch Seelenschmerz, dann aber eine so selbstironische Wendung, liebenswerte Bescheidenheit und humorvolle Abkehr. An dieser Stelle ist alles gesagt.

 

Man findet bei der Autorin interessante Ansätze im Spiel mit Inhalt und Form. Im Text Ellipse geht das gut. Die Textsammlung lässt einen Reifeprozess erkennen. Wenn anfänglich Textschwächen auffallen, so verblassen diese in den neueren Gedichten.

Was nun macht diese Textschwächen aus? Texte wie Phönix oder Seebrücke Lubmin könnten auch Kurzprosa sein. Ein prosaischer Satzbau ist den Strophen nicht sonderlich dienlich. Fragwürdig erscheinen mir auch jene Texte, in denen Liane Fehler binsenweise Sinnsprüche und Lebensweisheiten einbaut. Im Tanz auf dem Grab heißt es: Gebet um Erlösung und Kraft/ zum Weiterleben. Ähnlich verrieselt das End des Textes Seebrücke Lubmin: …ich danke der Kraft, die dies erschaffen hat. Da wird das Bild verlassen und kommentiert.  Schade, denn in den Anfängen dieser Texte war Bildhaftes und Licht. Auch das Gedicht Orakel der Welt leidet an dem Misstrauen der zuvor geschaffenen Bildhaftigkeit. Mich stören denn auch solche Zeilen…Momente lang den Sinn sehen…ja welchen denn? Eine nebulöse Floskel über die man stolpert, so wie man einem schönen Menschen nicht verfällt, wenn man nicht mehr über sein Aussehen erfährt als: schön.

Aber Liane Fehlers Texte sind durchweg ehrlich, schlicht und immer ums Hoffen bemüht. Verwundert es da, dass sich dem Fliegen das Tänzchen zugesellt?

Wir tanzen in Texten: Tanz auf dem Grab, Viva la Vita, Novemberherz und oft steigt auch der Mond aus den Zeilen der Autorin. Sinnbildhaftes das genauso den Kosmos  herruft. Das Grosse, welches über uns sein könnte oder ist, wird besungen, oder angerufen. Stilistische Schwachpunkte einiger Gedichte werden manchmal vom Thematischen überrumpelt. Sinnlichkeit wird in vielen Strophen konkret und es sei mir gestattet dem Ende zu aus zu atmen mit dem Text von Liane Fehler:

 

Ausatmen

 

will diese Liebe

rausschreien

ausatmen

dass der Wind sie trägt

der sie mir brachte

und der Mond

sein Komplize

scheinheilig

leuchtet er wieder

und lacht

 

…lacht manchmal auch aus Spaß am Lesen, am Lesen solcher Gedichte. Mal sehen, was Liane Fehler noch dichten wird darauf freuen darf man sich sicher.

Gerhard Jaeger
Im August 2013

 

 

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Gerhard Jaeger: Nur Engel klopfen leise an – Schattenengel lII

Schattenengel lII 2.8.2013 Bad Sonnenburg Ich tauche, Dunkelheit diese Stiege, mir voraus die Furcht, steigt in mir aber ein Leuchten, ja?

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2.8.2013 Bad Sonnenburg

Ich tauche, Dunkelheit
diese Stiege, mir voraus
die Furcht, steigt

in mir aber
ein Leuchten, ja?

du mit offenem Haar
du mit den Kleidern
der Einsamkeiten
du mit dem Lippenrot
der Sehnenden
du und der Aromaduft
der Hoffnung

Dunkelsein, die Stiege
mir folgt die Furcht
leise ein Klopfen
von leiser Hand
damals an jene Tür
ein Klopfen jetzt
in meiner Brust

mein Engel
Du

 Aus der Anthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015 (ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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Christian Rempel: Adaption (frei nach Goethe)

Dein süßer Blick in Schatten spielt die Blätter werfen auf die Flur ich schweige, doch mein Herz schlägt wild für Dich allein – ich atme nur

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Dein süßer Blick in Schatten spielt
die Blätter werfen auf die Flur
ich schweige, doch mein Herz schlägt wild
für Dich allein – ich atme nur

Was waren das für Zärtlichkeiten
wie einer Gottheit zugedacht
die nun auch hier in unsern Breiten
verjünget sich an Frühlingspracht

Nun endlich könn’ auch Seelen sprechen
wo Abschied uns beständig nah
im Widerstreit mit grünend’  Flächen
und streitend wider das Trara

Der Tränenbach, in dem ich stund
der Liebe Lob, der Gottheit Preis
des allen tat ich lang schon kund
des Glückes hangend an Deinem Mund
in Fernen gelangend auf dem Erdenrund
Du Herrliche, Du biegsames Reis
bist alles, alles, was ich weiß
*
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frei nach Goethe          9.3.2012

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