Monthly Archives: Juni 2013

0

Lars Steger: im haus vor dem deich

im haus vor dem deich wohnst du wissend um die flut die kommt irgendwann (veröffentlicht im GeWa 114)

by


*
*
*
*
im haus vor dem deich
wohnst du wissend um die flut*
die kommt irgendwann

(veröffentlicht im GeWa 114)

0

Sylvia Woodhouse zur Collage 2 von Helga Gerasch

Grüne Bohnen Blaue Eier Serviert im Kieferholzkelch Wer möchte da nicht Zugreifen?

by

*
*

*
Grüne Bohnen
Blaue Eier
Serviert im Kieferholzkelch

Wer möchte da nicht
Zugreifen?

0

Susann Schönherr (Bild und Text): Ritual 2

Am Feuer da weilen Sie Drei finstere Gestalten In des Totengräbers Nacht Geheimes Wissen vereinen sie Diese drei Alten Mit magischer Kraft

by

1

Lars Steger: am nachtdunklen strand

am nachtdunklen strand ins nächste dorf gehen wo niemand wartet (veröffentlicht im GeWa 114) Text: Lars Steger

by


*

am nachtdunklen strand
ins nächste dorf gehen
wo niemand wartet

(veröffentlicht im GeWa 114)

1

Andreas Schrock: Trunkener Frühling

Der Kaktus auf dem Beet war alt. Er hatte schon viele Trockenzeiten erlebt. Aber heute fühlte er sich jung. Viel jünger als die Tulpen neben ihm, die sich im Winter schnöde verkrochen hatten und nun frech ihre Köpfe der Sonne entgegenstreckten. Die jungen Dinger ignorierten ihn, so wie ...

by

Der Kaktus auf dem Beet war alt. Er hatte schon viele Trockenzeiten erlebt. Aber heute fühlte er sich jung. Viel jünger als die Tulpen neben ihm, die sich im Winter schnöde verkrochen hatten und nun frech ihre Köpfe der Sonne entgegenstreckten. Die jungen Dinger ignorierten ihn, so wie jedes Jahr, aber ein bisschen Respekt vor dem Alter täte der Ordnung auf dem Beet wahrhaftig gut!

Der Kaktus auf dem Beet war blind. Aber heute sah er, was um ihn herum passierte. Die Tulpen nebenan hatten ihre Blütenblätter geöffnet, rot und gelb. Bienen summten darin, putzten sich, schleckten und neckten ihn, den blinden Kaktus, mit ihrem Hinterteil. Jedenfalls nahm er das an, denn die Bienen schafften es nie, auf ihm, dem Kaktus zu landen.

Der Kaktus auf dem Beet war taub. Aber heute hörte er, was um ihn herum passierte. Am frühen Morgen hatten sich die Blüten mit einem Knall geöffnet, soviel Kraft steckte in ihnen. Die Bienen summten fein, dazwischen brummte es, wahrscheinlich Hornissen oder Hummeln. Die Wespen klangen leise und bös’, sie zischelten in einem fort. Und ihm schien, als machten sie sich über ihn lustig.

Der Kaktus auf dem Beet war stumm. Aber heute jubelte es in ihm, denn er spürte Saft durch seine Kapillaren steigen. Der Saft stieg nur langsam, aber er füllte ihn aus und machte ihn trunken vor Freude. Gern hätte er seine Freude geteilt, aber so kräftig er auch jubelte, niemand hörte ihn.

Da beschloss der alte, blinde, taube und stumme Kaktus, die Freude nicht zu teilen, sondern sich ihr allein mit jeder Zelle hinzugeben. Für reichlich Saft in den Kapillaren war gesorgt. Und Umfallen vor lauter Trunkenheit konnte er auch nicht. Obwohl, wenn er es so recht bedachte, wäre er schon gern eine Kugelkaktus.

Und mit der Sonne stieg auch der Saft in den Kapillaren. Und die Vorstellung, er sei ein Kugelkaktus, erfüllte ihn immer stärker. Ein Kugelkaktus mit Luftwurzel! Und am Abend dieses Frühlingstages war nichts passiert. Aber der Kaktus war erschöpft und dankbar. Den ganzen Tag war er als Kugelkaktus durch die Beete gerollt und nun hatte er wirklich Ruhe nötig.

Senftenberg, Mai 2013

0

Liane Fehler & Susann Schulz – Fotocollage: Remember

Seminarfeeling... Für die Colage wurden Fotos von Andreas Schrock verwendet.

by

0

Lars Steger: der regen knistert

der regen knistert in der stille der bäume pappelpollenschwer Text: Lars Steger

by

*
*
*
*
der regen knistert
in der stille der bäume
pappelpollenschwer

0

Senta Annemarie Krumnauer-Lieb: Roter Mohn

Wie lange musste ich warten, auf Dich, du roter Mohn. Nun blühst du in meinem Garten, ein paar Tage schon. Ein zauberhaftes Leuchten umhüllt dein Blüten Kleid,

by

Mohnblumen-sibyll-maschler

*

*

Foto: sibyll maschler

*

Wie lange musste ich warten,
auf Dich, du roter Mohn.
Nun blühst du in meinem Garten,
ein paar Tage schon.

Ein zauberhaftes Leuchten
umhüllt dein Blüten Kleid,
so kannst du Herzen erreichen,
die noch zum Träumen bereit.


0

Gerhard Jaeger: einerseits

eins ja ja eins nein nein eins warum eins wofür eins aber dann eins oder doch eins gib Ruh eins was wenn eins wär ein Ding eins mein lieber Mann

by

*
*
*
*
eins  ja ja

eins nein nein
eins warum
eins wofür
eins aber dann
eins oder doch
eins gib Ruh
eins was wenn
eins wär ein Ding
eins mein lieber Mann
eins fang endlich an

0

Andrea Meng: Ich Milchgesicht

Ich war noch ein ganz schlimmes Milchgesicht Echt Und Kraft kannte ich damals nur als Sehnsucht danach Ich traf eine alte Frau auf der Straße Sie versprach mir sehr viel davon Dafür müsste ich nur ein paar Menschen essen Aber: Bloß nicht die, die in Bars auf alten Barhockern rumhängen Denn die hätten schon lange keine mehr, sagte sie noch Tatsächlich packte mich jetzt ein riesiger Menschenhunger Den kannte ich bisher nur als Gerücht von Facebook Es gab ihn also wirklich Wer hätte das gedacht Ich zerrte den Erstbesten von der Straße in ein Gebüsch Probierte, kaute, schluckte Es schmeckte wunderbar Das Gerücht hatte nicht gelogen und Kraft flog auf mich zu Für immer und ewig hoffte ich (Ich hatte mich nicht getäuscht

by

*
*
Ich war noch ein ganz schlimmes Milchgesicht

Echt
Und Kraft kannte ich damals nur als Sehnsucht danach

Ich traf eine alte Frau auf der Straße
Sie versprach mir sehr viel davon
Dafür müsste ich nur ein paar Menschen essen
Aber:
Bloß nicht die, die in Bars auf alten Barhockern rumhängen
Denn die hätten schon lange keine mehr, sagte sie noch

Tatsächlich packte mich jetzt ein riesiger Menschenhunger
Den kannte ich bisher nur als Gerücht von Facebook
Es gab ihn also wirklich
Wer hätte das gedacht

Ich zerrte den Erstbesten von der Straße in ein Gebüsch
Probierte, kaute, schluckte
Es schmeckte wunderbar
Das Gerücht hatte nicht gelogen und
Kraft flog auf mich zu
Für immer und ewig hoffte ich

(Ich hatte mich nicht getäuscht
Denn aus mir wurde was ich noch heute bin:
Der stärkste Berliner der Welt)

(veröffentlicht im GeWa 114)

0

Lars Steger: knisternde äste

knisternde äste vogelrufe vereinzelt fallende tropfen Text: Lars

by

*
*
*
*
knisternde äste
vogelrufe vereinzelt
fallende tropfen

0

Maria Goldberg: Novembertage

Novembertage: regennasser Asphalt glänzt im Scheinwerferlicht Autorin: Maria Goldberg

by

*
*
*
*
Novembertage:
regennasser Asphalt glänzt
im Scheinwerferlicht

0

Gerhard Jaeger: Auch Teufel können weinen

Teufel, also manchmal kommt mir der Verdacht so schlecht können Teufel nun auch nicht sein in Talkshows sah ich arme Teufel stammeln vor Wetterkarten sah ich einen Teufel rammeln kleine Teufel sah ich auf die Nase fliegen oder betrunkene in Haltestellen liegen tatsächlich sah ich einen über einen Kontoauszug weinen (veröffentlicht im GeWa 114)

by


Teufel, also manchmal

kommt mir der Verdacht
so schlecht können Teufel
nun auch nicht sein
in Talkshows sah ich
arme Teufel stammeln
vor Wetterkarten sah ich
einen Teufel rammeln
kleine Teufel sah ich
auf die Nase fliegen
oder betrunkene
in Haltestellen liegen
tatsächlich sah ich einen
über einen Kontoauszug weinen

Das Gedicht wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)
  und im GeWa 114.

0

Lars Steger: das sonnenblümchen

das sonnenblümchen es hascht nach wärme und licht ich pflanzte zu spät Autor: Lars

by

*
*
*
*
das sonnenblümchen
es hascht nach wärme und licht
ich pflanzte zu spät

0

Bücher retten

Wer noch eine Idee für eine gute Tat sucht, hier ist sie: http://www.prenzlberger-stimme.de/?p=64138Kurt-Tucholsky-Bibliothek Der Link wurde von Susann eingereicht. Onlineredaktion: Liane Fehler

by

0

Chronik: Info – Telegramm: Das Gedankenwasser 115 ist im Entstehen.

Liebe Eitle Künstler und Freunde der UnDichter, Gerhard Jaeger und Andreas Schrock bereiten zurzeit das Gedankenwasser Nummer 115 vor. Also noch einmal ran an die Texte, zückt Eure Stifte oder lasst die Finger noch mal auf der Tastatur tanzen und

by

Liebe Eitle Künstler und Freunde der UnDichter, Gerhard Jaeger und Andreas Schrock bereiten zurzeit das Gedankenwasser Nummer 115 vor. Also noch einmal ran an die Texte, zückt Eure Stifte oder lasst die Finger noch mal auf der Tastatur tanzen und setzt das letzte noch fehlende i-Tüpfelchen. Seid so nett und beglückt beide Redakteure gleichermaßen mit dem so neu Entstandenen. Wer ganz großzügig sein möchte, darf gern die Onlineredaktion mit in den Verteiler aufnehmen.

Onlineredaktion: Liane Fehler

Foto: Stein im Wildwasser in der Türkei von Lars Steger

0

Sylvia Woodhouse mit einem Text zur Collage 3 von Jenny Dlugaiczyk

Einmal Nach Dalis Maßstab Frau werden.

by

*
*

*
Einmal

Nach Dalis Maßstab

Frau werden.

0

Gerhard Jaeger: Abenddennerung

denn es geht weiter denn es wird dunkel denn Abendschläue denn das ist gewiß denn abends auf der Leiter denn auch ein Gefunkel

by

**

denn es geht weiter*
denn es wird dunkel*
denn Abendschläue*
denn das ist gewiß*
denn abends auf der Leiter*
denn auch ein Gefunkel*
denn ich in alter Treue*
denn ein wenig Schiß*
denn der Schlaf*
denn die Ruhe*
denn der Traum*
ist nicht ohne Schaf*
ist nicht ohne*
denn wenn ich penne*
ist es anders als wenn*
Ich renne, denne*
unter der Abenddennerung*
ist ein großes Werden*
hier auf Erden

*

*

Das Gedicht Abenddennerung wurde veröffentlicht im Heft Gedankenwasser (GeWa) 103.

1 2
Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers: