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Einladung zum Frühjahrsseminar des Eitel Kunst e.V. vom 29. bis zum 31. Mai 2015 in Königs Wusterhausen

Liebe Eitle Künstler und Freunde der UnDichter, hiermit laden wir Euch ganz herzlich zu unserem Frühjahrsseminar von Freitag, dem 29., bis zum Sonntag, den 31.Mai, ins MehrGenerationenHaus Königs Wusterhausen ein. . ▶ Hinweis: Dies ist eine Vorschau. Um diesen Artikel zu öffnen, bitte in die türkisfarbene Überschrift oder auf das Wort “Weiterlesen” klicken. ▶ Note: This is a preview. Please click in the turquoise-colored heading, to open the article.

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Liebe Eitle Künstler und Freunde der UnDichter,

hiermit laden wir Euch ganz herzlich zu unserem Frühjahrsseminar von Freitag, dem 29., bis zum Sonntag, den 31.Mai, ins MehrGenerationenHaus Königs Wusterhausen ein. Das Mehrgenerationenhaus Königs Wusterhausen befindet sich am Fontaneplatz 12  in 15711 Königs Wusterhausen am Boulevard zwischen Fontanecenter und Erich-Weinert-Straße. Für das Frühjahrsseminar 2015 des Eitel Kunst e.V. gibt es bereits die folgende Planung:

Frühjahrsseminar 2015 des Eitel Kunst e.V

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Freitag 29. Mai 2015

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    ab 18 Uhr Treffen im MGH

              19 Uhr Lesung „unDichter Nebel“ und mehr (Vorstellung der Anthologie und der Seminarteilnehmer)

              im Anschluss Diskussion & Textarbeit

Samstag 30. Mai 2015

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    10.00 – 13.00 Uhr            Textarbeit

              13.00 – 14.00 Uhr            Mittagspause

              14.00 – 16.00 Uhr            Textarbeit (+ Ideen fürs 2. Halbjahr?)

              16.00 – 17.00 Uhr            Kaffeepause

    17.00 Uhr – open end      Textarbeit

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Sonntag 31. Mai 2015

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  10.00 – 12 Uhr Textarbeit und Resümee

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Liebe Freunde, wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr so freundlich wärt und Euch in jedem Fall bei uns melden würdet. Damit könnt Ihr die Organisatoren unseres Vereinslebens, die alle ehrenamtlich Zeit und Kraft aufbringen, unterstützen.

Lars hat folgende Bitte: Meldet euch bei ihm, bis spätestens 22.5. ob, wann, wie lange ihr kommt und für die Planung vor allem auch, ob ihr selbst in der Lesung Texte vorstellen möchtet!

Auch wer jetzt noch nicht abschließend über eine Teilnahme am  Frühjahrsseminar des Eitel Kunst e.V. 2015 entscheiden kann, wird gebeten, uns eine „Zwischenstands-Info“ zukommen zu lassen.

Lars erreicht ihr unter folgender Mailadresse: buecherasyl—lars@gmx.de oder telefonisch unter der Euch bekannten Nummer!

Wir freuen uns schon auf das Frühjahrsseminar 2015 mit Euch! Bis zu unserem Treffen wünschen wir euch poetische Einfälle und schöne Osterfeiertage!

Herzliche Grüße aus dem Bücherasyl von Lars Steger & von Liane Fehler / Onlineredaktion

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Liane Fehler (Text und Audio): Auferstehung klemmt

Die Miniatur zeigt ein Bild von Gerhard Jaeger mit dem Titel “am Meer”. ▶ Hinweis: Um die Audiodatei öffnen und anhören zu können, bitte in die Artikelüberschrift oder das Wort “Weiterlesen” klicken.

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Andreas und Liane – Grüße vom Sommerseminar 2014 – eine Audiobotschaft

Audiobotschaft von Andreas und Liane mit Grüßen vom Sommerseminar 2014 Für die abschließende technische Bearbeitung und die sphärische Begleitmusik danken wir Gerhard. Hinweis: Um die Audiodatei öffnen und anhören zu können, bitte in die Artikelüberschrift oder das Wort "Weiterlesen" klicken.

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Was ist ein Oxymoron?

Im Duden heißt es: Bedeutung:Zusammenstellung zweier sich widersprechender Begriffe in einem Kompositum oder in einer rhetorischen Figur (z. B. bittersüß, eile mit Weile) Herkunft:griechisch oxýmōron, zu: mōrós = stumpf, träge; dumm, töricht Das Oxymoron spielt auch im Film Mr. Bill eine Rolle Mr. Bill und das Oxymoron Was ist ein Oxymoron? http://www.youtube.com/watch?v=FX3njss4wQM Dies ist eine Vorschau, um dieses Video abzuspielen, bitte in die türkisfarbene Überschrift oder auf das Wort “Weiterlesen” klicken und den Artikel öffnen. Dann sollte ein Player erscheinen. Viel Spaß! Liane Fehler Onlineredaktion

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Im Duden heißt es:zur Bedeutung: Zusammenstellung zweier sich widersprechender Begriffe in einem Kompositum oder in einer rhetorischen Figur (z. B. bittersüß, eile mit Weile)

Herkunft:griechisch oxýmōron, zu: mōrós = stumpf, träge; dumm, töricht

Das Oxymoron spielt auch im Film Mr. Bill eine Rolle
Mr. Bill und das Oxymoron

Was ist ein Oxymoron?

Es handelt sich hier um einen kleinen Ausschnitt aus dem Film Mr. Bill (OT Renaissance Man) aus dem Jahre 1994. Mit Danny de Vito und Stacy Dash… Mr. Bill erklärt, stark vereinfacht, Begriffe wie Simile, Matapher und Oxymoron… Alle Rechte bei Tobis … Amazon Click : http://www.amazon.de/Mr-Bill-Danny-De…

Ich finde es gut erklärt. Aber der Film ist meiner Meinung nach sowieso sehenswert, also: Viel Spaß!

Liane Fehler Onlineredaktion

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Liane Fehler: Gedanken zum Thema Kreativität – Zusammenhang zwischen Sprache und Denken

Heute möchte ich anhand eines Videos auf ein paar Themen Bezug nehmen, die während unserer Treffen zu unserem Frühjahresseminar oder auch bei „Lesen und Schreiben“ eine Rolle gespielt haben. Dabei geht es fachlich um die Frage: „Welcher Zusammenhang zwischen Sprache und Denken besteht“, aber auch um ganz subjektive Sichtweisen und das Respektieren von anderen Meinungen beispielsweise bei den berühmten Textdiskussionen, die beim letzten Mal, für meine Begriffe, sehr emotional geführt wurden. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Sprache und Denken? Eine Frage, die Alle, die sich der schreibenden Zunft zugehörig fühlen, früher oder später beschäftigt, wird in diesem ... Dies ist eine Vorschau, um dieses Video abzuspielen, bitte in die türkisfarbene Überschrift oder auf das Wort “Weiterlesen” klicken und den Artikel öffnen. Dann sollte ein Player erscheinen.

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Heute möchte ich anhand eines Videos auf ein paar Themen Bezug nehmen, die während unserer Treffen zu unserem Frühjahresseminar oder auch bei „Lesen und Schreiben“ eine Rolle gespielt haben. Dabei geht es fachlich um die Frage: „Welcher Zusammenhang zwischen Sprache und Denken besteht“, aber auch um ganz subjektive Sichtweisen und das Respektieren von anderen Meinungen beispielsweise bei den berühmten Textdiskussionen, die beim letzten Mal, für meine Begriffe, sehr emotional geführt wurden.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Sprache und Denken? Eine Frage, die Alle, die sich der schreibenden Zunft zugehörig fühlen, früher oder später beschäftigt, wird in diesem Video ab Minute 32 von Vera F. Birkenbihl auf einleuchtende Weise beantwortet. Die Sprache beeinflusst ganz maßgeblich die Grenzen unseres Denkens, wie Sprache geradezu die (subjektive) Wirklichkeit erschaffen kann, wird bei diesem Vortrag deutlich. Im Bereich der Nachrichten und der Politik stellt sich die Frage: „Wann sind Menschen Terroristen, wann hingegen Freiheitskämpfer?“ Im Bereich des Privatlebens wird an einem Beispiel gezeigt, wie Sprache krank machen kann oder wie Sprache Konflikte entschärfen kann, „nur“ durch die Verwendung einer anderen Formulierung.

Beim Betrachten des Videos war ich etwa ab Minute 53 an unsere Gespräche beim Frühjahresseminar erinnert, die sich um den Begriff des „Schwermutes“ aus dem von Andreas vorgestellten Text entspannen; auch an die „Löffel Suppe – Diskussion“ natürlich (die Christian Rempel in seinen Betrachtungen ja auch schon hervorgehoben hat).

Ganz nebenbei gibt es in dem Video etwa ab Minute 27 auch das Angebot einer kleinen Lebenshilfe für „Alptraumgeplagte“. Manche von diesen Träumen werden ja in Texten thematisiert, um damit besser umgehen zu können. Vielleicht gibt es ja bald ganz neue Texte? Enpassant gibt es etliche Hinweise, wie der Zustand von Inspiration und Kreativität gefördert werden kann. Wer gelegentlich unter Schreibblockaden leidet, erfährt womöglich noch ein paar neue Techniken, die helfen können, diesen Zustand zu verändern.

Ich hoffe, ich konnte Euer Interesse wecken und bin gespannt auf mögliche Reaktionen.

Liane Fehler Onlineredaktion

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Sprache und Denken?

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BR ALPHA – Sendung 8 – Kreativität (mit Vera F. Birkenbihl)

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http://www.youtube.com/watch?v=in3flxryQYg

 

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Gerhard Jaeger (Foto und Text): Ostern und danach

. . . . . . . . . Ostern und danach die Eier hat sie ihm hart gekocht es ging auf Ostern, als er Muster auf die Schalen pinselte und sie nichts ahnte vor Frühling und Licht den Schinken hat er geklopft, es ging auf Montage, als sie das Fenster schloss, schenkte er ihr den Mai sie ahnte was und noch nach Himmelfahrt suchte sie das Nest

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Ostern und danach
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die Eier hat sie
ihm hart gekocht
es ging auf Ostern,
als er Muster
auf die Schalen pinselte
und sie nichts ahnte
vor Frühling und Licht
den Schinken hat er
geklopft, es ging auf
Montage,
als sie das Fenster schloss,
schenkte er ihr den Mai
sie ahnte was und
noch nach Himmelfahrt
suchte sie
das Nest

 

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Gerhard Jaeger (Text und Foto): Fremde Bilder

ich weiß nicht, ob ich das bin im Spiegel da ich weiß nicht, ob ich durch eine Scheibe sehe ich weiß nicht, ob es Tag ist ich weiß nicht, ob es Nacht ist ich weiß nicht, ob ich jung bin ich weiß nicht, ob ich alt bin ich weiß nicht, ob ich ICH bin ich weiß nicht, bin ich ein anderer du weißt mehr du weißt ich bin ein anderer du weißt einen Namen du weißt ihn zu sprechen sehe ich dich sehe ich Spiegel und Scheibe sehe ich Tag und Nacht sehe ich jung und alt aus nennen andere meinen Namen glaub ich es säuselt der Wind

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ich weiß nicht, ob ich das bin im Spiegel da
ich weiß nicht, ob ich durch eine Scheibe sehe
ich weiß nicht, ob es Tag ist
ich weiß nicht, ob es Nacht ist
ich weiß nicht, ob ich jung bin
ich weiß nicht, ob ich alt bin
ich weiß nicht, ob ich ICH bin
ich weiß nicht, bin ich ein anderer

du weißt mehr
du weißt ich bin ein anderer
du weißt einen Namen
du weißt ihn zu sprechen

sehe ich dich
sehe ich Spiegel und Scheibe
sehe ich Tag und Nacht
sehe ich jung und alt aus

nennen andere meinen Namen
glaub ich

es säuselt der Wind

 

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Andreas Schrock: „200 Jahre fröhlicher Freitod?“ Kleiner Vorgriff auf den 200. Todestag Heinrich von Kleist’s im Jahr 2011

Kleists letzter Brief an seine Schwägerin Marie von Kleist, Stimmings Krug bei Potsdam, 21. November 1811: „Meine liebste Marie, wenn Du wüßtest, wie der Tod und die Liebe sich abwechseln, um diese letzten Augenblick meines Lebens mit Blumen, himmlischen und irdischen, zu bekränzen, gewiß Du würdest mich gern sterben lassen. Ach, ich versichre Dich, ich bin ganz selig. Morgens und abends knie ich nieder, was ich nie gekonnt habe, und bete zu Gott; ich kann ihm mein Leben, das allerqualvollste, das je ein Mensch geführt hat, jetzo danken, weil er es mir durch den herrlichsten und wollüstigsten Tode vergütigt … Ach, ich versichre Dich, ich habe Dich so lieb, Du bist mir so überaus teuer und wert, daß ich kaum sagen kann, ich liebe diese liebe vergötterte Freundin mehr als Dich (Anm.: Henriette Vogel, 31 Jahre alt und unheilbar an Gebärmutterkrebs erkrankt[1]). Der Entschluß, der in ihrer Seele aufging, mit mir zu sterben, zog mich, ich kann Dir nicht sagen, mit welcher unaussprechlichen und unwiderstehlichen Gewalt, an ihre Brust; erinnerst Du Dich wohl, daß ich Dich mehrmals gefragt habe, ob Du mit mir sterben willst? – Aber Du sagtest immer nein - … Ach, meine teure Freundin, möchte Dich Gott bald abrufen in jene bessere Welt, wo wir uns alle, mit der Liebe der Engel, einander werden ans Herz drücken können. – Adieu“ Erstmals stoße ich 2007 auf den Namen Heinrich von Kleist (1777-1811). Über eine Buchspende erhalte ich H. von Kleists sämtliche Werke, vierter Band, Stuttgart, ohne Jahr und in Frakturschrift. Ich nehme das Buch in den einige Kilometer entfernten Garten und beginne dort mangels anderer verfügbarer Literatur zu lesen. Die Anektdoten gefallen mir auf Anhieb, weil ich das Gefühl habe, sie zu verstehen. Es klingt vielleicht kindisch, albern, überholt, doch die Werke der Klassiker ringen mir immer noch einen Respekt ab, der zu einer gewissen Distanz führt. Doch Kleists Anekdoten aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges sind irgendwie anders: kurz und knapp, auf den Punkt gebracht eben, ohne sichtbare Wertung, oder, um es in einem modernen Slogan auszudrücken: sie enthalten Fakten, Fakten, Fakten. Das ist Journalismus in der ursprünglichsten Form. Egon Erwin Kisch hätte es nicht anders gemacht. Das ist mir sympathisch, heute noch, weil ich das Gefühl habe, relativ dicht an den Quellen zu sein. Vor aller literarischen Arbeit steht ja das Beobachten, das Registrieren, die Sensibilität für innere und äußere Ereignisse. Ich weiß noch nichts von Kleistens Freitod, nichts davon, dass er sich in den Mund schoss, ich sehe nur seine Anekdoten aus dem Siebenjährigen Krieg. Zugegeben, Kleist war nicht in diesem Krieg gewesen, ich schaue im Lexikon nach, er ist also 14 Jahre nach Ende des Krieges geboren. Das heißt aber auch, dass ...

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Kleists letzter Brief an seine Schwägerin Marie von Kleist, Stimmings Krug bei Potsdam, 21. November 1811:

 

„Meine liebste Marie, wenn Du wüßtest, wie der Tod und die Liebe sich abwechseln, um diese letzten Augenblick meines Lebens mit Blumen, himmlischen und irdischen, zu bekränzen, gewiß Du würdest mich gern sterben lassen. Ach, ich versichre Dich, ich bin ganz selig. Morgens und abends knie ich nieder, was ich nie gekonnt habe, und bete zu Gott; ich kann ihm mein Leben, das allerqualvollste, das je ein Mensch geführt hat, jetzo danken, weil er es mir durch den herrlichsten und wollüstigsten Tode vergütigt … Ach, ich versichre Dich, ich habe Dich so lieb, Du bist mir so überaus teuer und wert, daß ich kaum sagen kann, ich liebe diese liebe vergötterte Freundin mehr als Dich (Anm.: Henriette Vogel, 31 Jahre alt und unheilbar an Gebärmutterkrebs erkrankt[1]).  Der Entschluß, der in ihrer Seele aufging, mit mir zu sterben, zog mich, ich kann Dir nicht sagen, mit welcher unaussprechlichen und unwiderstehlichen Gewalt, an ihre Brust; erinnerst Du Dich wohl, daß ich Dich mehrmals gefragt habe, ob Du mit mir sterben willst? – Aber Du sagtest immer nein – … Ach, meine teure Freundin, möchte Dich Gott bald abrufen in jene bessere Welt, wo wir uns alle, mit der Liebe der Engel, einander werden ans Herz drücken können. – Adieu“

 

 

Erstmals stoße ich 2007 auf den Namen Heinrich von Kleist (1777-1811). Über eine Buchspende erhalte ich H. von Kleists sämtliche Werke, vierter Band, Stuttgart, ohne Jahr und in Frakturschrift. Ich nehme das Buch in den einige Kilometer entfernten Garten und beginne dort mangels anderer verfügbarer Literatur zu lesen. Die Anektdoten gefallen mir auf Anhieb, weil ich das Gefühl habe, sie zu verstehen. Es klingt vielleicht kindisch, albern, überholt, doch die Werke der Klassiker ringen mir immer noch einen Respekt ab, der zu einer gewissen Distanz führt.  Doch Kleists Anekdoten aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges sind irgendwie anders: kurz und knapp, auf den Punkt gebracht eben, ohne sichtbare Wertung, oder, um es in einem modernen Slogan auszudrücken: sie enthalten Fakten, Fakten, Fakten. Das ist Journalismus in der ursprünglichsten Form. Egon Erwin Kisch hätte es nicht anders gemacht. Das ist mir sympathisch, heute noch, weil ich das Gefühl habe, relativ dicht an den Quellen zu sein. Vor aller literarischen Arbeit steht ja das Beobachten, das Registrieren, die Sensibilität für innere und äußere Ereignisse. Ich weiß noch nichts von Kleistens Freitod, nichts davon, dass er sich in den Mund schoss, ich sehe nur seine Anekdoten aus dem Siebenjährigen Krieg.

 

Zugegeben, Kleist war nicht in diesem Krieg gewesen, ich schaue im Lexikon nach, er ist also 14 Jahre nach Ende des Krieges geboren. Das heißt aber auch, dass Kleistens Elterngeneration in den Krieg involviert war, heißt also, er hat Zeitzeugen getroffen, ihre Erlebnisse notiert und verdichtet. Kleist wollte, so scheint es mir beim Lesen der Anekdoten, wohl selbst so dicht wie möglich an die Ereignisse heran. Alle Wertung, die man bei Zeitzeugen oder ihren Scriptoren zuweilen trifft, die nachträgliche Einordnung des Geschehens in den Rückblick also, finde ich in den Kleist’schen Anekdoten eher selten. Kleist hat extrahiert, er hat sich an die Zeit gehalten und alles Schwankende der Zeugen fortgelassen.

 

 

Aus den Vernehmungsprotokollen des Hoffiskals Felgentreu, Richter zu Heinersdorf, Stimmings Krug bei Potsdam, 22. November 1811

 

Gastwirt Johann Friedrich Stimming: „Es kamen am Mittwoch, den 20. nachmittags zwischen 2 u. 3 Uhr zwei mir unbekannte Personen, ein Herr und eine Dame, mit einem Lohnkutscher von Berlin gefahren und stiegen in meinem Gasthofe ab. Auf ihr Verlangen mußten ihnen zwei Zimmer im obern Stockwerk des Hauses eingerichtet werden. Sie bestellten Kaffee, erhielten solchen und gingen beide, nachdem sie ihn verzehrt, gemeinschaftlich aus, anscheinend spazieren….(Anm.: weiter mit dem 21. um 3 Uhr nachmittags) Sie gingen hiernächst abermals fort und hinterließen, daß ihnen der Kaffee nachgebracht werden sollte. Meine Ehefrau wunderte sich hierüber, daß die Herrschaften an einem kalten Wintertage den Kaffee im Freien verzehren wollten, wir hatten indes nichts Arges und schickten die Ehefrau des Tageslöhners Riebisch hinter ihnen her, indem wir sie noch vom Hause aus am See sehen konnten, wo beide herumsprangen und Steine in das Wasser warfen.“

 

 

In der Stadtbibliothek Rheinsberg fällt mir 2008 erneut ein Kleist’sches Buch in die Hände: Heinrich von Kleist – ein Lesebuch für unsere Zeit. Ich glaube, es war aus den 50er Jahren, das Papier fühlte sich so anders an als etwa in Büchern der 80er Jahre. Gleichwohl ist das erwähnte Buch wieder und wieder verlegt worden. Ich finde es heute in der Stadtbibliothek Dresden wieder, in der 10. Auflage von 1986. In Rheinsberg lese ich Michael Kohlhaas (aber das ist eine Geschichte für sich) und ich lese in einem weiteren Büchlein (dessen Titel ich nicht notiert habe) über die Umstände seines Todes am kleinen Wannsee. Hier lese ich auch von der Grabstätte, die man heute noch besuchen kann.  Ich bin erstaunt, wie fröhlich und sorglos man mit 34 Jahren in den Tod gehen kann. Ich verstehe es nicht, wer sitzt vor seinem Tode im Campingstuhl, lässt sich noch ein Tässchen Kaffee kommen, lacht und scherzt, atmet Wind, hört Wellen schlagen, sieht den Kreisen zu, den die ins Wasser geworfenen Steine erzeugen und lässt den Blick in die Weite schweifen? Und haut dann ab aus diesem Leben?! Trotzdem komme ich nicht weg von dieser Geschichte, ich weiß nicht, warum.

 

 

Tagelöhner Johann Friedrich Riebisch: „So habe ich die beiden Fremden, welche sich am 21. November hier erschossen, gleich nach ihrer Ankunft hierselbst gesehen. Hiernächst habe ich weiter von ihnen nichts gehört, als am 21. November nachmittags in der 4. Stunde, wo sie mir auf der Chaussee begegneten. Ich kam eben mit einer Karre Mist und ruhte mich aus, als der fremde Herr und die Dame mir ebendaselbst entgegenkamen. Der erste forderte mich auf, die Karre aus dem Wege zu ziehen, damit die Dame passieren könnte, und versprach und gab mir dafür 1 Groschen. Ich hatte kaum die Brücke passiert, als meine Ehefrau kam und sagte: „Stelle dir doch die Tollheit vor, die beiden Menschen wollen dort oben Kaffee trinken!“. Sie trug nämlich den Kaffe bei sich. Kurze Zeit darauf rief mich meine Frau und forderte mich auf, ihr Tische und Stühle nach dem See tragen zu helfen, welche die beiden Fremden verlangt hätten. Auf den am Wannsee befindlichen Hügel fanden wir beide Fremde stehend. Sie hatten den Kaffee schon bis auf eine Tasse ausgetrunken, welche die Mannsperson sich soeben in meiner Gegenwart einschenkte und einen in einer Flasche befindlichen Rest Rum hinzugoß… Indem wir uns entfernten und nach Hause gingen, sahen wir beide Fremden Hand in Hand den Berg hinunter nach dem See zu springen, schäkernd und sich jagend, als wenn sie Zeck spielten. Sie nannten sich beständig Kindchen, liebes Kindchen und waren außerordentlich vergnügt.“

 

 

Ich will nichts von Kleist wissen, aber 2009 taucht der Name wieder auf. Ich lese Texte und Zeichen: Deutsche Literaturgeschichte, erschienen bei Cornelsen in Berlin 1995. Ein Schulbuch für den Deutschunterricht, das mir Lars geliehen hat. Ein tolles Buch, gut verständlich, ein gutes Schulbuch mit Grundlagenwissen eben. Die Chronologie beginnt bei den alten Germanen an und endet 1990, mit dem Ende der DDR-Literatur. Irgendwann, mittendrin sozusagen, nach Schiller und Goethe, kommt das Kapitel: Außenseiter: Jean Paul, Hölderlin, Kleist. Da ist er also wieder und mir fällt ein, dass mir in den Weiten der Bücherregale in meiner Wohnung unlängst ein hierzu passendes Buch von Stefan Zweig in die Hände gefallen ist: Der Kampf mit dem Dämon: Hölderlin, Kleist, Nietzsche, erschienen 1988 bei Kiepenheuer in Leipzig. Ich lese erneut über die Umstände seines Freitodes, diesmal in der Zweig’schen Analyse von 1925  und finde Erklärungen: „…seine Tragik ist nicht, daß er wie die meisten Menschen von dem einen zuviel und von dem andern zuwenig hatte, sondern er hatte von beidem zuviel: zuviel Geist bei zuviel Blut, zuviel Sittlichkeit bei zuviel Leidenschaft, zuviel Zucht bei zuviel Zügellosigkeit.“ Zweig beschreibt diesen Widerspruch an vielen einzelnen Beispielen im Leben Kleists. Er findet immer neue Bilder, um dasselbe Problem zu beschreiben, rund 60 Seiten lang. Zum Schluss schildert er den Freitod Kleistens so fröhlich und ausgelassen, mit so bunten Bildern, dass ich eine Art kontemplative Lust verspüre, dem nachzufolgen.

 

Dabei hat sich Stefan Zweig selbst das Leben genommen, 17 Jahre später, 1942, im sicheren Exil, zusammen mit seiner stark depressiven (zweiten) Frau. Zweig, lese ich im Lexikon, nahm Veronal, ein Schlafmittel, dass seit 1903 auf dem Markt war und auch als Suizidmittel galt. Zweigs Selbstmord hatte damals Unverständnis ausgelöst, da es ihm im in seiner Wahlheimat Brasilien an nichts mangelte. Ist er, so frage ich mich, seinem eigenen literarischen Werk erlegen? Aber er hat doch auch mit leiser, feiner  Kritik an Kleistens Freitod nicht gespart! Er ist in die Gründe und Abgründe des Dichters hinabgestiegen, er hat sie durchwandert und ist tatsächlich am anderen Ende wieder aufgetaucht, als gefeierter Schriftsteller! Zweig hat den Freitod Kleistens haarscharf analysiert, er hat alles gewusst. Hat er es, wenn man so will, wider besseren Wissens selbst getan?

 

 

Ehefrau des Tagelöhners Riebisch: „Ich ging nun zurück (Anm.: nachdem sie wegen eines verlangten Bleistiftes noch einmal bei Heinrich von Kleist und Henriette Vogel gewesen war) und hatte eben wieder die Chaussee betreten, als ich einen Schuß fallen hörte. Ich glaubte, daß die Fremden vielleicht mit einem Schießgewehr, so ich indes vorher gar nicht bemerkt, Scherz treiben, und ging daher, ohne mich umzusehen, meines Weges. Nachdem ich ungefähr 50 Schritt gegangen war, hörte ich einen zweiten Schuß, wobei ich mir jedoch ebensowenig etwas Böses dachte. Als ich die Tasse hier im Gasthofe gereinigt hatte, ging ich zurück und wollte eben den kleinen Hügel hinaufgehen, als ich die Dame auf demselben leichenblaß, auf dem Rücken liegend, erblickte. Auf das heftigste erschreckt, rannte ich sogleich, ohne hinaufzugehen oder weiter hinzublicken, nach meinem Hause, sagte nun, was ich gesehen und erzählte den Vorfall meinem Ehemann.“

 

 

Stefan Zweig und Heinrich von Kleist stehen mit ihrem Freitod nicht allein. Ich lege eine Liste mit Namen an, einen Notizzettel. In der Kantine des Hauses, in dem ich arbeite, treffe ich einen Kollegen der Kulturredaktion. Der Kollege hilft bereitwillig, mit ernsten, tiefhängenden Augen. Der Notizzettel füllt sich. Wladimir Majakowski (erschoss sich), Kurt Tucholsky (nahm im schwedischen Exil eine Überdosis Schlaftabletten), Jochen Klepper mit Familie (Gas, nicht in Auschwitz, sondern in seiner Wohnung in Berlin), Ernst Toller (nahm in seinem New Yorker Exil den Strick), Klaus Mann (Schlaftabletten), Georg Trakl (Kokain). Im Nachgang erst fällt mir unser Zirkelleiter Heinz Vieweg ein, über den zu reden, eigentlich an der Zeit wäre.

 

Hermann Hesse, sagt mir der Kollege, sei auch ein Kandidat gewesen. Er habe in seiner Jugend einen Selbstmordversuch unternommen, sei dann aber uralt geworden. Über den Tod von Ingeborg Bachmann sind wir uns nicht einig. Mein Kollege meint, sie sei mit Steinen in der Tasche ins Wasser gegangen. Mir dagegen ist, als sei sie 1974 in ihrem Bett verbrannt. Wir können die Frage in der Kantine nicht klären. Inzwischen wird der Kaffee kalt und schmeckt nicht mehr. Im Hinausgehen wirft mir der Kollege noch einen Namen zu, der mir dann aber entfallen ist. Ja, sagt der Kollege, der Mann habe zwar nur „gesoffen“, aber eigentlich habe er sich „dotgesoffen“. Den solle ich ruhig mit auf die Liste nehmen.

 

Bin ich unhöflich? Ist die Betrachtung makaber, ungebührlich? Störung der Totenruhe?

 

Was ist Tragik? Der tragische Konflikt, so jedenfalls mein reaktiviertes Schulwissen,

besteht in einer Entscheidungssituation, die in jedem Falle zu Ungunsten des Helden ausgeht. So bei Wilhelm Tell von Friedrich Schiller: Tell wird vom Landvogt gezwungen, einen Apfel vom Kopf seines eigenen Sohnes zu schießen. Tut er es, winkt ihnen beiden die Freiheit. Tut er es nicht, so die Ankündigung, werden beide mit dem Tode bestraft. Also: schießt Tell nicht, stirbt sein Sohn. Schießt er, so stirbt sein möglicherweise Sohn auch. Selbst wenn sein Sohn überlebt, nimmt er dessen Tod billigend in Kauf. Tell tötet innerlich, indem er anlegt. Der Sohn stirbt innerlich in diesem Moment.

 

Was auch immer Wilhelm Tell tut, er macht sich schuldig.  Wie auch immer er sich entscheidet, er entscheidet sich falsch. Das Scheitern des Helden ist vorprogrammiert. Er hat keine Freiheit der Entscheidung. Das ist Tragik.

 

Tragik macht einen Konflikt groß und gewaltig. Im Wind weht dann nicht selten der Mantel der Geschichte. Tragik vermittelt Bedeutung und wer nur beharrlich genug  den Ursachen für das tragische Scheitern eines Helden nachforscht, wird mit einem tiefen, inneren Verständnis für die schwierige, ausweglose Situation belohnt.

 

Nur unser Held wird damit nicht gerettet.  In der Schule, schon in der 11. oder 12. Klasse gab es in einer Pause eine, aus meiner heutigen Sicht unsinnige Frage: Wenn dein Freund aus dem Fenster in den Tod springen will, lässt du ihm die Freiheit der Entscheidung? Oder hältst du ihn gegen seinen Willen fest?  Natürlich hätte ich festhalten wollen. Aber so einfach war es nicht, da die Frage gleich in einem zweifachen Kontext stand: Zum einen gab es zu der Zeit, Anfang der 80er Jahre, in meinem Freundeskreis eine unterschwellige Diskussion, die ich heute mit „Freiheit im Sozialismus“ umschreiben würde, auch wenn diese Wort selbst nicht auftauchten. Unsere grundsätzliche Haltung hatte zur Folge, dass Toleranz und Freiheit eine große Bedeutung hatten und einen Wert an sich darstellten. Wer den Freund also zurückhalten wollte, verstieß schon mal gegen das Freiheitsgebot. Zum anderen wurde mir die Frage von meiner Liebe gestellt, wenn ich mich recht erinnere. Nicht die Frage also gab den Ausschlag für die rechte Antwort, sondern das Mädchen, das die Frage stellte. Ich mochte diese Augen, ich mochte den Mund, Beziehungsebene ging vor Sachebene.

 

 

Tagelöhner Riebisch: „Ich kam zuerst auf den Berg und sah die beiden Fremden in der dort befindlichen Grube sitzen, die Dame hintenüber, auf dem Rücken liegen, die Mannsperson aber mit dem Unterkörper etwas eingesunken. Seine Hände lagen auf seinen Knien, und ein kleines Pistol zu seinen Füßen in der Grube. Ein großes Pistol lag auf dem Rand der Grube, zu seiner linken Hand und ein drittes kleines Pistol auf dem Tisch ungefähr

8 Schritt von den Leichnamen…. Ich richtete die Mannsperson auf, damit dieselbe in dieser Stellung nicht steif werden und dadurch die Grablegung erschweren mögte [sic], durchsuchte in Gegenwart der Madame Stimming und auf deren Befehl dessen Taschen und fand nichts als einen Schlüssel und Drücker, welche ich Madame Stimming aushändigte.“

 

 

Im vergangenen Herbst durfte ich erstmals mithelfen, einen Jugendgottesdienst zu organisieren. Es ging um das Thema „Leben und Tod“, es war kurz vor dem Totensonntag. Am Telefon hatte ich einen Friedhofsleiter gewonnen, der im Gottesdienst aus seinem Alltag berichten sollte. Es war abends, ich stand im Licht einer Straßenlaterne vor unserer Kirche und wartete auf den Mann. Er kam pünktlich fünf Minuten vor Beginn der Veranstaltung. Er hatte kurz vorher noch eine Zigarette geraucht, ich roch es ganz deutlich. Er war müde. Er war halb sechs in der Frühe aufgestanden, weil er zum Blumengroßmarkt musste. Während wir uns begrüßten, zog er verstohlen einen Kaugummi aus der Tasche. Es wollte offensichtlich den kalten Rauch in den Griff bekommen.

 

Nach dem Gespräch auf der Bühne fiel es mir wie Schuppen von den Augen: für den Friedhofsleiter geht es auf dem Friedhof eigentlich nicht um den Tod, sondern um das Leben! Bäume und Sträucher auf dem Friedhof sind Natur und oft genug Nistplatz für Vögel. Grabsteine sind lebendige Geschichte, der Friedhofsleiter ist Gesprächspartner für Trauernde. Und die schönsten Blumen im Blumengroßmarkt gibt es früh ums sechs. Ohne Blumen geht auf dem Friedhof gar nichts.

 

Wer tot ist, ist tot. Für die Lebenden dagegen geht es um das Leben, immer. Selbst auf dem Totenbett kann man sein Leben noch bereinigen, wohlgemerkt, das Leben! Man mag das anzweifeln, vielleicht nehme ich den Mund auch zu voll, aber wer wäre autorisierter für diese Feststellung als ein Friedhofsleiter?

 

Wenn der Friedhofsleiter mit seiner Frau einkaufen geht, gibt es immer wieder Irritationen. Seine Frau fragt ihn, wer all die Menschen sind, die ihn zwischen den Regalen grüßen. Sie kennen ihn vom Friedhof her. So wird der Tod ins Leben gewendet, in der Kaufhalle von nebenan.

 

 

Gastwirt Stimming: „Weil meine Geschäfte es nicht erlaubten, mich vom Hause zu entfernen, so ging erst meine Ehefrau nebst Dienstmädchen und nach ihrer Zurückkunft ich selbst hinüber… Ich stellte sogleich zwei Wächter dabei, welche Achtung gegeben, daß niemand die Leichen berührt hat und machte eine Anzeige an das Polizei-Directorium in Potsdam… Bei geschehener Nachsuchung auf den Zimmern fand ich nichts, als auf dem Zimmer der Dame ein kleines, hölzernes Kästchen, ungefähr eines Fußes lang und in dem Zimmer des Herrn ein kleines Felleisen, beide versiegelt. Diese Sachen sowie die beiden vorgefundenen Pistolen habe ich den um

7 Uhr abends hier eingetroffenen Herren Rendanten Vogel und Kriegsrat Peuilhen, wovon der erstere sich für den Ehegemahl der entleibten Dame ausgab, aushändigte. Weiter ist mir aus eigener Wissenschaft nichts bekannt.“

 

 

Natürlich gibt es Depression und Todessehnsucht. Ich habe keine Neigung zur Depression, glaube ich, auch wenn mir die dunklen Seiten des Lebens nicht unbekannt sind. Und die Frage, ob es dann nicht eine Anmaßung ist, sich zum Thema „Leben und Tod“ äußern zu wollen, ist durchaus berechtigt. Nur muss sie erst einmal gestellt werden. Das nämlich wäre der fruchtbare Anfang eines Gesprächs.

 

Ich sehe Heinrich von Kleist und Henriette Vogel vor mir, wie sie Fange spielend, dem See zurennen. Vielleicht kann man das Bild, die Interpretation Stefan Zweigs bedenkend, auch so deuten: Kleist fühlt sich erlöst von den Widersprüchen, die ihn zerreißen. Erlöst! Verräterische Sprache, welch wunderbare Wege gäbe es, ginge man von diesem Wort aus! Erlöst von was? Erlöst wohin?

 

Nehmen wir probehalber einmal an, Kleist sei in diesem Augenblick tatsächlich erlöst gewesen von seinen Widersprüchen, vom Dämon im Kopf. Dann müsste man sagen: Kleist hätte leben können, hätte er diesen Augenblick festgehalten. Jeder moderne Psychoterapeuth würde in diese Lücke springen und sagen: Stopp, wir reflektieren die Situation!  Der Augenblick am kleinen Wannsee war Leben, nicht Tod.

 

 

Ehefrau des Gastwirts Stimming: „Ich habe so wenig als irgendeiner meiner Leute geahndet, daß die beiden Personen einen bösen Vorsatz hätten. Sie schienen mir vielmehr beständig froh und guter Laune und nichts weniger als den Vorsatz zu haben, sich zu töten. An spirituösen Getränken haben beide zwei oder drei Bouteillen Wein, die sie sich mitgebracht, imgleichen ein kleines Fläschchen Rum genossen, überdies aber noch bei uns für 8 Groschen Rum gekauft und genossen.“

 

 

Mein Vater hat Krebs. Als die Diagnose raus war, Ende 2007, gab er alle Ämter ab und begann,  sein Leben komplett neu zu ordnen. Er arbeitete für die PDS in der Gemeindevertretung und wollte sich künftig der Öffentlichkeitsarbeit der Partei im Heimatort widmen. Und hatte noch einiges mehr vor. Alle Pläne für das Alter – hinfällig. Ein halbes Jahr später traf sich unsere Familie in Weimar, meine Mutter hatte dort nach dem Krieg gelebt. Mein Vater und ich schlendern durch eine belebte Fußgängerzone und ich frage ihn, wie es ihm jetzt gehe. Ja, sagt mein Vater, ihm sei leichter ums Herz. Er fühle sich für vieles nicht mehr verantwortlich, eine Last falle von ihm ab.

 

Sicherlich ist diese Aussage nur eine Momentaufnahme, Krebs verändert alles. Aber jetzt haben sich meine Eltern eine Sitzgarnitur gekauft, zwei Sessel und ein Sofa. Das alte Sofa, die alten Sessel flogen raus. – So ist das mit der Tragik, der eine erschießt sich, der andere kauft sich ein Sofa.

 

Wie geht die Geschichte weiter?

 

(2009)

 

Nachbemerkung: Der Brief Kleistens und die Zitate aus den Vernehmungsprokollen stammen aus: Kleist: Ein Lebensbild in Briefen und zeitgenössischen Berichten, vorgestellt von Klaus Günzel, Verlag der Nation, Berlin 1984.



[1] Quelle: Wikipedia

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Fritze (Christian Hohberg) – Lied: wenn ich dich berühre (Audio)

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wenn ich dich berühre
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Christian Rempel: Bär – ich

Ich schnaub sie an Prüf sie im Maul Pack zu mit den Tatzen Das gefällt immer

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Ich schnaub sie an
Prüf sie im Maul
Pack zu mit den Tatzen
Das gefällt immer

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27.01.2005

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Christian Rempel: Höchster Wunsch

Der Herrgott sprach zum Mathematikus: "Ich heut Dir einen Wunsch erfüllen muss. Hast mir gedient so manches Jahr, wo ich nicht grad sehr tätig war. Du hast gerackert Nacht und Tag, was ich an Rätseln Dir aufgab. Das hast Du alles brav gelöst und selten nur am Pult gedöst. Was soll es sein, denn Du kannst wählen: Willst Du die selig Ewigkeit? Gewiss bist müde Du vom Zählen so steht ein Brötchen auch bereit. Nur eines kannst Du davon haben, Denn an beidem sich zu laben, wär denn der Wohltat wohl zu viel." Da denkt der Mathematikus, man meint er findet keinen Schluss. Dann hellt sich sein Gesichte auf: "Gib mir das Brötchen und verschnauf." Der Herrgott kann nun gar nicht fassen, wie kann von Seligkeit er lassen? Was bessres geben konnt' er gar nicht, was geht nur vor in diesem Wicht? Da sprach der Mathematikus "Sehr einfach ist doch dieser Schluss: Nichts ist doch mehr als Seligkeit und dann in alle Ewigkeit. Doch dieses Brötchen, das ich seh ist mehr als nichts und ich versteh: Der kluge Mann wählt sich das höchste, der tumbe nur das allernächste." C.R. 21.1.2014

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Der Herrgott sprach zum Mathematikus:

„Ich heut Dir einen Wunsch erfüllen muss.
Hast mir gedient so manches Jahr,
wo ich nicht grad sehr tätig war.
Du hast gerackert Nacht und Tag,
was ich an Rätseln Dir aufgab.
Das hast Du alles brav gelöst
und selten nur am Pult gedöst.
Was soll es sein, denn Du kannst wählen:
Willst Du die selig Ewigkeit?
Gewiss bist müde Du vom Zählen
so steht ein Brötchen auch bereit.
Nur eines kannst Du davon haben,
Denn an beidem sich zu laben,
wär denn der Wohltat wohl zu viel.“

Da denkt der Mathematikus,
man meint er findet keinen Schluss.
Dann hellt sich sein Gesichte auf:
„Gib mir das Brötchen und verschnauf.“

Der Herrgott kann nun gar nicht fassen,
wie kann von Seligkeit er lassen?
Was bessres geben konnt‘ er gar nicht,
was geht nur vor in diesem Wicht?

Da sprach der Mathematikus
„Sehr einfach ist doch dieser Schluss:
Nichts ist doch mehr als Seligkeit
und dann in alle Ewigkeit.
Doch dieses Brötchen, das ich seh
ist mehr als nichts und ich versteh:
Der kluge Mann wählt sich das höchste,
der tumbe nur das allernächste.“

C.R. 21.1.2014

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Christian Rempel: Frühlingsgedanken

Der Frühling ist nun da willst Du mich hingeleiten dann leite mich er ist ja nah laß spüren uns die Zeiten Einsam ging ich für mich hin bis heut zu diesem Tage warum ich immer einsam bin ich nun Dich endlich frage Und unter Deinem zarten Schritt da blühn im Grün die Pflanzen ach nimm mich auf der Reise mit ist schon gepackt mein Ranzen Ich locke auch den Storch zu Dir er soll mit Lust Dich beißen dann schenkst Du noch ein Kindlein mir kannst Deine Lieb beweisen C.R. 24.03.03

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Der Frühling ist nun da
willst Du mich hingeleiten
dann leite mich er ist ja nah
laß spüren uns die Zeiten

Einsam ging ich für mich hin
bis heut zu diesem Tage
warum ich immer einsam bin
ich nun Dich endlich frage

Und unter Deinem zarten Schritt
da blühn im Grün die Pflanzen
ach nimm mich auf der Reise mit
ist schon gepackt mein Ranzen

Ich locke auch den Storch zu Dir
er soll mit Lust Dich beißen
dann schenkst Du noch ein Kindlein mir
kannst Deine Lieb beweisen

C.R. 24.03.03

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Christian Rempel: Für Andrea (1)

Für Andrea 1 Das war der schöne Maien wir gingen Hand in Hand Du kannst mir nicht verzeihen ich flieh` ins ferne Land Ich hör kein Vogel singen ist alles um mich stumm verlassen von den Dingen so schleiche ich herum Dein Sprechen ist Mechanik es dringt nicht an mein Herz ich bin so sehr in Panik Dein Lächeln ist aus Erz Wie soll ich da noch leben so ohne Liebe gar ich wollte sie Dir geben wie sie noch niemals war Ja ruhig willst Du bleiben mich töten ganz und gar sägst mich getrost in Scheiben und kochst mich hernach gar Ich werd sie Dir versalzen die Suppe aus meinem Herz das Schicksal will mich walzen doch ich bin auch aus Erz Ich lehre Dein Empfinden als wenn`s mein eignes wär` dann werde ich verschwinden bis dass ich wiederkehr 24.05.2004

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Das war der schöne Maien
wir gingen Hand in Hand
Du kannst mir nicht verzeihen
ich flieh` ins ferne Land

Ich hör kein Vogel singen
ist alles um mich stumm
verlassen von den Dingen
so schleiche ich herum

Dein Sprechen ist Mechanik
es dringt nicht an mein Herz
ich bin so sehr in Panik
Dein Lächeln ist aus Erz

Wie soll ich da noch leben
so ohne Liebe gar
ich wollte sie Dir geben
wie sie noch niemals war

Ja ruhig willst Du bleiben
mich töten ganz und gar
sägst mich getrost in Scheiben
und kochst mich hernach gar

Ich werd sie Dir versalzen
die Suppe aus meinem Herz
das Schicksal will mich walzen
doch ich bin auch aus Erz

Ich lehre Dein Empfinden
als wenn`s mein eignes wär`
dann werde ich verschwinden
bis dass ich wiederkehr

C.R. 24.05.2004

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