Categotry Archives: Prosa von SMT

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smt: Wie weiter? (Drei Frauen für Christian)

Wie weiter? (Drei Frauen für Christian) Es war von jeher gute Sitte: Unser Führer ist ein Mann! Doch weil grad alle Memmen sind - Lasst doch mal die Weiber ran!

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Wie weiter?

(Drei Frauen für Christian)

Es war von jeher gute Sitte:
Unser Führer ist ein Mann!
Doch weil grad alle Memmen sind -
Lasst doch mal die Weiber ran!

Doch mit einer kann’s nicht klappen,
darauf gehen wir nicht ein.
Damit das nicht im Chaos endet,
müssen es schon dreie sein.

ICH will ‘ne Schöne, was fürs Auge,
die mich lässt die Welt vergessen.
ICH will ‘ne Dralle mit Geschicke,
da gibt’s immer gut zu essen.

Nun, ICH will eine mit viel Grips,
nur die bringt richtig uns voran.
Die kann uns noch vorm Abgrund retten,
der immer näher rückt heran.

Niemals! Dann wär’ doch Schluss mit Saufen,
Dann sind WIR ja mit Schuften dran!
Was schmeckt dann noch der Drallen Essen?
Vor Hast man’s kaum genießen kann.

Wer träumt dann noch von Bettgeflüster
mit der holden blonden Fee,
wenn man uns Alkohol verbietet
und einschenkt ‘nen Kamillentee.

Freunde, lasst uns das vergessen,
drei Weiber sind nun mal kein Mann,
der saufen, rauchen, prügeln, protzen
und unsre Hymne rülpsen kann.

Lasst uns wählen eine Memme,
die unsrem Leben lässt den Lauf.
Und fährt der Zug zur Hölle ab,
springen wir männlich hinten drauf.

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smt: Die letzte Nacht

Und wieder kann ich nicht schlafen. Seit Tagen geht das schon so. Der Tinnitus pfeift in meinen Ohren, und die zu kleine Decke sorgt für kalte Füße. Als ich mich auf die andere Seite drehe, quietschst du leise. Vorsichtig kuschele ich mich an Dich und denke zurück. Wie lange ist es jetzt her - zwölf Jahre? Ein Wunder, dass du mich so lange ertragen hast. Sacht streichen meine Finger über deine kleinen Falten. Ja, wir werden alle nicht jünger. Ich habe an Umfang und Gewicht zugelegt und du eben … - nun, es ist, wie es ist.

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Und wieder kann ich nicht schlafen. Seit Tagen geht das schon so. Der Tinnitus pfeift in meinen Ohren, und die zu kleine Decke sorgt für kalte Füße. Als ich mich auf die andere Seite drehe, quietschst du leise. Vorsichtig kuschele ich mich an Dich und denke zurück. Wie lange ist es jetzt her – zwölf Jahre? Ein Wunder, dass du mich so lange ertragen hast. Sacht streichen meine Finger über deine kleinen Falten. Ja, wir werden alle nicht jünger. Ich habe an Umfang und Gewicht zugelegt und du eben … – nun, es ist, wie es ist.

Damals war es Liebe auf den ersten Blick. Ich plünderte für dich mein Konto und schon zwei Wochen später kamst du in meine erste eigene Wohnung, in die ich erst kurz zuvor eingezogen war. Es waren glückliche Jahre, aber mit der Zeit wurde es anstrengend. Anfangs botest du mir Halt und wachtest über meinen oft unruhigen Schlaf. Still nahmst du es hin, wenn ich mich erst spät in der Nacht hinlegte und nicht vor dem Mittag wieder aufstand. Doch unbewusst hast du mich immer deine Härte und  Unnachgiebigkeit spüren lassen – und so nahm ich schließlich doch immer wieder den Kampf mit dem Alltag auf. Doch dann ließ diese belebende Spannung nach. Du wurdest immer nachgiebiger und ich hatte das Gefühl, in deiner Weichheit zu versinken, nicht mehr hochzukommen, ja fast zu ersticken. Irgendwann wurde mir klar, dass es so nicht weiter gehen kann. Es gab keine gemeinsame Zukunft für uns.

Weil ich wusste, dass du das anders sehen würdest, ließ ich mir Zeit bei der Suche nach etwas neuem – aber irgendwann war es so weit. Es passierte in einem großen Einkaufspark. Wie damals bei dir, verliebte ich mich sofort. Dennoch zögerte ich vor dem entscheidenden Schritt. Mir war klar, es ist die richtige Entscheidung, aber nicht jedem fällt es leicht, Gewohntes aufzugeben. Vielleicht liege ich deshalb gerade noch immer wach da, während du in dir ruhst. Ich wollte keinen langen Abschied und habe mich deshalb für die schnelle, schmerzhafte Variante entschieden. Du weißt noch nicht, dass
dies unsere letzte gemeinsame Nacht sein wird. Ich habe keine großen Vorbereitungen getroffen, es erschien mir sowieso unvermeidlich, dass ihr euch kurz begegnen werdet.

Mir ist klar, wie unwahrscheinlich es ist, dass dich nach mir noch jemand nimmt. Sie haben mir zugesagt, dich abzuholen, aber wo sie dich hinbringen werden – ich weiß es nicht. Und auch wenn du keine Zukunft hast – für mich wird es eine Erleichterung, ein Neuanfang sein. Mit diesem Gedanken schlafe ich doch noch kurz ein. Als ich am Morgen aufstehe und meinen schmerzenden Rücken spüre, bin ich mir endgültig sicher: Sie war richtig – die Entscheidung für ein neues Bett.

Der Text wurde veröffentlicht in der Jubiläumsanthologie: “unDichterNebel” 2001 – 2015
(ISBN  978-3-941394-40-7 / Osiris Druck Lpz.)

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