Categotry Archives: Betrachtungen und Feedback von Desdemona

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Desdemona: Unter der Sonne

Wir verwöhnen unsre Kinder und erquicken uns an Küssen. Wir vermehren unsre Konten und erwerben schicke Häuser. Wir verschönern unsre Gärten und errichten hohe Zäune. "Nichtig und flüchtig, sprach Kohelet, nichtig und flüchtig, alles ist nichtig. Welchen Gewinn hat der Mensch von seiner ganzen Mühe und Arbeit unter der Sonne?" (Kohelet 1,2)

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Wir verwöhnen unsre Kinder und erquicken uns an Küssen.

Wir vermehren  unsre Konten und erwerben schicke Häuser.

Wir verschönern unsre Gärten und errichten hohe Zäune.

Nichtig und flüchtig, sprach Kohelet, nichtig und flüchtig, alles ist nichtig.

                           Welchen Gewinn hat der Mensch von seiner ganzen Mühe und Arbeit unter der Sonne?

                  (Kohelet  1,2)

Kinder lärmen unter Bäumen und zertreten frisch Gepflanztes.

Mütter schimpfen auf die Nachbarn und zerkochen das Gemüse.

Väter drohen mit den Fäusten und vertreiben ihre Feinde.

                  Ich betrachtete alle Werke, die unter der Sonne vollbracht wurden,

und siehe, alles war nichtig und  ein Greifen nach Wind.

                  (Kohelet 1,14)

Herrscher lenken die Nationen und verletzen Menschenrechte.

Arme schuften für die Reichen und verlieren ihre Wohnstatt.

Kühe hausen in den Ställen und verdrecken ohne Ende.

                  Da pries ich die Toten, die schon gestorben sind, glücklicher als die Lebenden, die noch da sind.

                  Besser als beide aber hat es, wer noch nicht da war, wer das böse Tun noch nicht gesehen hat,

das  unter der Sonne verübt wird.

                  (Kohelet 4,2)

 Desdemona hat diese Zitate ausgewählt

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Chronik 2013 – Desdemona: Collagenseminar und Vernissage im Atelier Nottekunst vom 19. – 21. 4. 2013

Auf den ersten Blick verunsichern uns Collagen. Ein Leben lang haben wir Erfahrungen gesammelt, wie was aussieht und wo es hingehört. So konstruieren wir uns unseren inneren, überschaubaren Kosmos.

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Auf den ersten Blick verunsichern uns Collagen.

Ein Leben lang haben wir Erfahrungen gesammelt, wie was aussieht und wo es hingehört.
So konstruieren wir uns unseren inneren, überschaubaren Kosmos.

Nun also Collagen – vor mir an den Wänden des Nottekunst-Ateliers in Wünsdorf.
Meine innere Welt gerät ins Wanken.
Die scheinbar wirr angeordneten Gegenstände oder  ihre Fragmente durchkreuzen alle meine Erwartungen über Ordnung und Harmonie.
Farben, Strukturen und Räume sind verfremdet.

Dann aber beginnen diese neuartige Räume mich zu faszinieren.
Vielleicht inspirieren sie mich gar zu einem kleinen literarischen Versuch?
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Miniaturabbildungen der Collagen

Bildnachweis: Collagen von links nach rechts:

Erste Reihe Miniaturen:

Collagebild “Fisch” von Hagen Ludwig
Jenny Dlugaiczyk: Collage 2
Collage 3 von Helga Gerasch

Zweite Reihe Miniaturen:

Peggy Salaw: Collage 2
Jenny Dlugaiczyk: Collage 3
Hagen Ludwigs Collage: “hagen3”

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Dritte Reihe Miniaturen:

Collage 1 von Helga Gerasch‘
Collage 1″ von Jenny Dlugaiczyk
Collage 2: Helga Gerasch
 
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vierte Reihe Miniaturabbildungen der Collagen :

Hagen Ludwigs Collagebild: “schillernde Steine“
Hagen Ludwigs Collagebild: “Nocturne“
Hagen Ludwigs Collagebild: “Stillleben“

Die Originale befinden sich im Atelier „Nottekunst“ in Wünsdorf.

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Chronik 2012 – Desdemona: Lieblingstexte beim Herbstseminar

Autorin: Desdemona Erstaunlich - alle hatten bei unserem Herbstseminar an die Hausaufgaben gedacht und einige Lieblingstexte mitgebracht. Eine kleine Sensation: fast alle hatten Rilke im Gepäck. Ich auch. Und zwar die 9. Elegie - natürlich nur ausschnittsweise. Folgende Zeilen liebe ich sehr: Aber weil Hiersein viel ist und weil uns scheinbar alles das Hiesige braucht, dieses Schwindende, das seltsam uns angeht. Uns, die Schwindendsten. Einmal jedes, nur einmal. Einmal und nicht mehr. Und wir auch einmal. Nie wieder. Aber dieses einmal gewesen zu sein, wenn auch nur einmal: irdisch gewesen zu sein, scheint nicht widerrufbar. Warum gerade dieser Vers mich so nachhaltig anspricht? Ein seltsames Gefühl erfüllt mich jedes mal beim Lesen: schon allein das nackte Hiersein erweist sich als etwas Kostbares, unbedingt zu Bewahrendes. Einmal nur sind wir hier. Das wird sich nicht wiederholen. Nicht in der Zeit. Und nicht in unserer Ausprägung. Einmalig ist jeder - einzig als unverwechselbarer Einmaliger. Hiersein und Einmaligkeit jedoch teilen wir mit anderen Schwindenden.

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Erstaunlich – alle hatten bei unserem Herbstseminar an die Hausaufgaben
gedacht und einige Lieblingstexte mitgebracht. Eine kleine Sensation:
fast alle hatten Rilke im Gepäck. Ich auch. Und zwar die 9. Elegie
natürlich nur ausschnittsweise. Folgende Zeilen liebe ich sehr:
Aber weil Hiersein viel ist und weil uns scheinbar alles das Hiesige
braucht, dieses Schwindende, das seltsam uns angeht. Uns, die
Schwindendsten. Einmal
jedes, nur einmal. Einmal und nicht mehr. Und wir auch
einmal. Nie wieder. Aber dieses
einmal gewesen zu sein, wenn auch nur einmal:
irdisch gewesen zu sein, scheint nicht widerrufbar.

Warum gerade dieser Vers mich so nachhaltig anspricht?
Ein seltsames Gefühl erfüllt mich jedes mal beim Lesen:
schon allein das nackte Hiersein erweist sich als etwas
Kostbares, unbedingt zu Bewahrendes.
Einmal nur sind wir hier. Das wird sich nicht wiederholen.
Nicht in der Zeit .
Und nicht in unserer Ausprägung.
Einmalig ist jeder – einzig als unverwechselbarer Einmaliger.

Hiersein und Einmaligkeit jedoch teilen wir mit anderen Schwindenden.
Warum aber sind wir unter ihnen die Schwindendsten?

Irgendwann werden wir mit unserer Einzigartigkeit schwinden.
Wie alle Schwindenden.
Nur wir jedoch wissen lange davor von diesem Schwinden, das
seltsam uns angeht.
So als die Wissenden sind wir die Schwindendsten unter den Schwindenden.
Das scheint nicht widerrufbar.

 

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Desdemona: Nach-Lese

ganz persönliche "Nach-Lese" "Gute Nacht Großhirn“ (von Liane im GeWa 110) könnte ich mir fast täglich sagen: immer wieder lasse ich mich von meinen Emotionen treiben und schüttele im Nachherein ernüchtert den Kopf. Es ist nicht die hochgepriesene Vernunft, die uns antreibt. Nein!!! Liane beschrieb in nur 5 Zeilen ein aufregendes, alltägliches Drama - wer kennt es nicht? Erfrischend ist auch die„Entweihung" - gleichfalls von Liane. So viel Selbstironie , Mut und innere Freiheit, sich auch ( nicht nur!) als Strichmännchen darzustellen und die Inschrift - also das eigene Selbstbild- zu belächeln. "Der Blick, der wie eine Klinge die Worte abschneidet " - auch wieder so ein starkes Bild. Ich sehe sie vor mir, diese herrsüchtigen, kaltblauen Augen! Schließlich hüpft Liane auf dem Frosch davon - diesem schlüpfrigen, eigenartigen Wesen, das als Vehikel für ihr Selbst dienen soll. Nach Enttäuschung und Tränenblick jetzt also ein vielleicht sogar lustiger Ritt - das ist wieder so eine Art Selbstbefreiung und Selbstüberschreitung. Rätsel geben mir nicht nur Lianes Beiträge auf. Ich fand Parallelen zu den Gedichten von Frank P. Er steckt sich selbst in eine zuverlässige Rüstung aus Hoffnungssicherheit - nur so kann er sich bewahren. Spielen und Manipulieren muss der Lebenserfahrene selbst nach 48 Jahren Lebensschule immer noch lernen. Schreckliche Zeiten! - so denke ich. Schließlich ein Grabender: nur nach Abschieden und letztem Blick zurück - hinterherhinkend- hofft er endlich satt zu werden. In dem Gedicht "Hast du schon gehört“ höre ich ganz versteckt Annett heraus - Desdemona (beim Sortieren ihrer Empfindungen nach einem Lese-Abend )

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ganz persönliche Nach-Lese


„Gute Nacht Großhirn“ (von Liane im GeWa 110) könnte ich mir fast täglich sagen:  immer wieder lasse ich mich von meinen Emotionen treiben und schüttele im Nachherein ernüchtert den Kopf. Es ist nicht die hochgepriesene Vernunft, die uns antreibt. Nein!!!
Liane beschrieb in nur 5 Zeilen ein aufregendes, alltägliches Drama – wer kennt es nicht?

Erfrischend ist auch die„Entweihung“ – gleichfalls von Liane. So viel Selbstironie , Mut und  innere Freiheit,  sich auch ( nicht nur!) als Strichmännchen darzustellen und die Inschrift – also das eigene   Selbstbild- zu belächeln.

„Der Blick, der  wie eine Klinge die Worte abschneidet “ – auch wieder  so ein starkes Bild. Ich sehe sie vor mir, diese herrsüchtigen, kaltblauen Augen!

Schließlich hüpft Liane auf dem Frosch davon – diesem schlüpfrigen, eigenartigen Wesen, das als Vehikel für ihr Selbst dienen soll. Nach   Enttäuschung und Tränenblick jetzt also ein vielleicht sogar lustiger   Ritt – das ist wieder so eine Art Selbstbefreiung und Selbstüberschreitung.

Rätsel geben mir nicht nur Lianes Beiträge auf.
Ich fand Parallelen zu den Gedichten von Frank P. Er steckt sich selbst in eine zuverlässige Rüstung aus Hoffnungssicherheit – nur so   kann er sich bewahren.

Spielen und Manipulieren muss der Lebenserfahrene selbst nach 48 Jahren Lebensschule immer noch lernen. Schreckliche Zeiten! – so denke ich.
Schließlich ein Grabender: nur nach Abschieden und letztem Blick zurück – hinterherhinkend- hofft er endlich satt zu werden.
In dem Gedicht „Hast du schon gehört“ höre ich ganz versteckt Annett   heraus   –

Desdemona  (beim Sortieren ihrer Empfindungen nach einem Lese-Abend )

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